Klimabilanz: Entscheidend ist der Lebenszyklus

Die Erdkugel aus dem Weltall, Nordamerika ist zu sehen
Die Treibhausgas-Emissionen bestimmen das Erdklima ∙ © Shutterstock/Johan Swanepoel

Die Verringerung der Treibhausgas-Emissionen ist eine Herausforderung, der sich auch der Straßenverkehr stellen muss. Welche Antriebsarten dafür aktuell am besten geeignet sind, beantwortet eine neue LCA-Studie, die Anfang 2022 veröffentlicht wird.

Um die Klimawirkung der verschiedenen Antriebsarten ehrlich beurteilen zu können, müssen in einer Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, LCA) alle relevanten Energieaufwendungen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs berechnet werden. Dazu gehören die Treibhausgas-Emissionen, die bei Fahrzeugherstellung und -recycling entstehen, und alle Emissionen, die bei der Bereit- und Herstellung des Kraftstoffs oder Stroms frei werden (Well-to-Tank) sowie bei der Fahrzeugnutzung (Tank-to-Wheel).

Treibhausgase: Kohlendioxid, Methan und Lachgas

Neben Kohlendioxid (CO₂), das vor allem bei der Verbrennung fossiler Energieträger anfällt, sind auch Methan-Emissionen (CH₄) von gasförmigen Kraftstoffen und Distickstoffmonoxid (N₂O) aus dem Anbau von Biomasse relevant. Auch bei Produktionsprozessen anfallende Nebenprodukte sind zu berücksichtigen, wenn etwa Presskuchen aus der Verarbeitung von Raps in der Viehzucht sojabasiertes Kraftfutter ersetzt.

Unter dem Begriff des CO₂-Äquivalents (CO₂äq) werden die treibhauswirksamen Gase Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄) und Distickstoffmonoxid (N₂O), das auch als Lachgas bekannt ist, entsprechend ihrer jeweiligen Klimawirksamkeit im Vergleich zu Kohlendioxid zusammengefasst.

LCA-Tool wird 2022 aktualisiert

Die Lebenszyklusanalyse (LCA) verschiedener Antriebsarten auf Basis eines generischen Fahrzeugmodells der „Golfklasse“ hatte der ADAC 2019 veröffentlicht. Die Ergebnisse des vom ADAC veröffentlichten Vergleichs der Treibhausgasemissionen verschiedener Antriebskonzepte stammen aus einem Software-Tool („LCA-Tool“) der Joanneum Research Forschungsgesellschaft in Graz. Die FIA und der Österreichische Automobil- und Touringclub (ÖAMTC) hatten es in Auftrag gegeben, ADAC und Touring Club Schweiz (TCS) unterstützten das Projekt.

Die damaligen Untersuchungen ergaben, dass ein Elektroauto erst nach acht Jahren klimafreundlicher unterwegs wäre als der Benziner und erst nach 14 Jahren gegenüber einem Diesel. Doch zwischenzeitlich haben sich einige Änderungen bei den Hintergrunddaten ergeben (Strommix-Wert, Lebensbauer der Batterie, etc.). Daher ist die damalige Veröffentlichung auch immer mit dem Erstellungsdatum zu betrachten und kann nicht für aktuelle Vergleiche/Aussagen herangezogen werden.

Eine Aktualisierung des LCA-Tools ist seitens der Joanneum Research Forschungsgesellschaft in Vorbereitung. Eine neue Veröffentlichung ist für Anfang 2022 geplant.

Energiewende bleibt notwendig

Die grundlegenden Aussagen aus den Erhebungen gelten jedoch weiterhin:

Die Treibhausgas-Bilanz eines Elektrofahrzeuges wird insbesondere durch die hohen Treibhausgas-Emissionen der Batterieherstellung sowie durch die Treibhausgas-Emissionen der Strombereitstellung bestimmt. Der Ausbau der erneuerbaren Quellen zur Stromerzeugung und Anpassung der Versorgungsnetze ist somit zwingend erforderlich. Elektromobilität und Energiewende müssen daher Hand in Hand gehen.

Aber auch konventionelle Antriebe können mit dem Einsatz regenerativ hergestellter synthetischer Kraftstoffe – etwa aus regenerativ gewonnener Elektrizität – sogenannte E-Fuels, einen bedeutsamen Beitrag zum Klimaschutz leisten.