Führerschein: Diese wichtigen Änderungen sind 2023 geplant

2023 wird ein spannendes Jahr für Führerscheinbesitzer
2023 wird ein spannendes Jahr für Führerscheinbesitzer© Shutterstock/Robert Kneschke

Die EU will 2023 eine neue Führerscheinrichtlinie verabschieden. Was sich beim Pkw-Führerschein und bei der Führerscheinprüfung für Fahranfängerinnen und Fahranfänger ändern könnte.

  • Klasse B: Erhöhung der Gewichtsgrenze auf 4,25 Tonnen

  • Anerkennung von B196 auch im Ausland

  • Refresher-Kurs nach einem Jahr für Führerscheinneulinge

Einheitliche Regeln für alle Bürgerinnen und Bürger der EU: Dieses Ziel verfolgt Brüssel auf vielen Ebenen – auch im Fahrerlaubnisrecht. Derzeit wird die aktuell gültige, 3. Führerscheinrichtlinie grundlegend überarbeitet. Sie soll noch 2023 als 4. Führerscheinrichtlinie verabschiedet werden. Bevor sie allerdings in Deutschland in Kraft tritt, muss sie in nationales Recht überführt werden. Von den Änderungen wären viele Autofahrende und Führerschein-Prüflinge betroffen. Das wird diskutiert.

Camper mit 4,25 Tonnen zukünftig mit Klasse B fahren

Der Autoführerschein der Klasse B umfasst nur Kraftfahrzeuge bis zu einer zulässigen Gesamtmasse von 3,5 Tonnen. Die meisten Wohnmobile dürfen deshalb von Inhaberinnen und Inhabern eines Pkw-Führerscheins nicht gefahren werden – sie sind zu schwer. Die geplante Anhebung der zulässigen Gesamtmasse auf 4,25 Tonnen könnte hier Abhilfe schaffen.

Überblick im Video: Die geplante Reform

ADAC Clubjuristen informieren im Video über Änderungen beim Führerschein 2023. ∙ Bild: © ADAC/David Klein/Shutterstock, Video: © ADAC e.V.

Anerkennung von B196 auch im Ausland

Seit einigen Jahren kann der Pkw-Führerschein (Klasse B) in Deutschland auf den Führerschein B196 erweitert werden. Damit darf man Leichtkrafträder bis 125 ccm fahren – allerdings nur in der Bundesrepublik. Das könnte sich mit der 4. Führerscheinrichtlinie ändern: Die bisher nur national geltenden Regelungen würden zukünftig auch EU-weit anerkannt. Fahrten mit einem 125er-Motorrad über die Landesgrenzen hinweg wären dann möglich.

Lkw- und Bus-Klasse (C, D): Mindestalter auf 18 senken

Das Mindestalter für Lkw- oder Busführerscheine könnte auf 18 Jahre herabgesetzt werden. In Deutschland kann die Klasse C für Lkw momentan erst mit 21 Jahren, die Klasse D für Busse erst mit 24 Jahren erworben werden. Hintergrund der geplanten Änderung ist der akute Mangel an Lkw-Fahrern.

Lesen Sie mehr zu den aktuellen Regelungen zum Erwerb von Lkw- oder Busklassen

Digitaler Führerschein und QR-Code

Der digitale Führerschein soll auch in Polizeikontrollen genügen. © dpa/Christoph Dernbach

Mit der 4. Führerscheinrichtlinie soll auch der digitale Führerschein eine zweite Chance bekommen: Ziel ist es, dass bei einer Polizeikontrolle oder bei der Autovermietung die entsprechende App auf dem Smartphone reicht. Für die Führerscheinscheckkarte ist außerdem ein QR-Code anstelle des heutigen Chips angedacht, um ihn fälschungssicherer zu machen.

Erfahren Sie mehr zum Stand des digitalen Führerscheins

Das könnte sich für Fahrschüler ändern

Verpflichtender Refresher-Kurs für Fahranfänger wird diskutiert. © imago images/U. J. Alexander

Bislang ist es nicht möglich, theoretische und praktische Führerscheinprüfung in unterschiedlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu absolvieren. Um der zunehmenden Mobilität der Bevölkerung Rechnung zu tragen, soll das künftig erlaubt sein. Die bisherige Wohnsitzregelung müsste dafür vereinfacht werden.

Es wird außerdem darüber diskutiert, mit der praktischen Ausbildung erst nach erfolgreicher theoretischer Prüfung zu beginnen. Außerdem könnte die Fahrprüfung zukünftig zumindest teilweise in Simulatoren abgenommen werden.

Ein verpflichtender Refresher-Kurs nach einem Jahr Führerscheinbesitz soll dazu beitragen, die Unfallzahlen zu senken. Verkehrssicherheits-Experten hatten diese Maßnahme empfohlen.

Führerscheinentzug: EU-weite Anerkennung

Die Länge des Führerscheinentzugs (z.B. wegen Alkoholfahrten) soll vereinheitlicht und gegenseitig anerkannt werden. Ein in Italien verhängtes Fahrverbot würde dann auch in Deutschland gelten.

In diesem Zusammenhang werden auch einheitliche Grenzwerte bei Alkohol- und Drogenkonsum angestrebt, die Punktesysteme in den verschiedenen Ländern sollen angeglichen und die Führerscheindaten aller EU-Bürger in einer europaweiten Datenbank gespeichert werden. Das soll Polizeikontrollen erleichtern.

Dies sind nur einige Änderungen, die mit der 4. Führerscheinrichtlinie auch auf deutsche Führerscheininhaber zukommen können. Sobald die Richtlinie vorliegt, werden die ADAC Juristen über den Stand der geplanten Änderungen informieren.

Kristina Benecke
Kristina Benecke
Fach-Autorin
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