Digitaler Führerschein: Nach wenigen Tagen gestoppt

Wenige Tage nach der Präsentation durch Ex-Verkehrsminister Scheuer war die Führerschein-App wieder offline
Wenige Tage nach der Präsentation durch Ex-Verkehrsminister Scheuer war die Führerschein-App wieder offline© BMVI

Fehlstart für den digitalen Führerschein: Nur wenige Tage nach dem Start ist die für ihn erforderliche App aus den Download-Portalen von Apple und Google verschwunden.

  • Die ID Wallet-App war den hohen Nutzerzahlen nicht gewachsen

  • IT-Experten äußerten Sicherheitsbedenken

  • Den analogen Führerschein hätte die digitale Version ohnehin nicht ersetzt

Eigentlich hätten Autofahrer in Deutschland seit Ende September 2021 eine digitale Variante ihres Führerscheins erstellen und diese auf ihrem Smartphone speichern können sollen. So hatte es Verkehrsminister Andreas Scheuer angekündigt. Doch schon wenige Tage nach dem Start verschwand die dafür nötige App aus den Download-Portalen von Apple und Google.

Überlastung und Sicherheitsbedenken

Auf ihrer Internetseite* begründet die Bundesregierung diesen Rückzieher mit der "hohen Nachfrage" nach der für den Einsatz des digitalen Führerscheins nötigen App ID Wallet und "unerwarteten Lastspitzen".

Zudem, so das Ministerium auf seiner Homepage, hätten Nutzer auf Sicherheitsbedenken hingewiesen, diesen wolle man nun nachgehen. Bis die App wieder verfügbar sei, werde es mehrere Wochen dauern. Aus mehreren Wochen ist mittlerweile fast ein Jahr geworden, die Probleme scheinen deutlich größer als ursprünglich gedacht.

Komplizierte Anwendung

Offenbar wurde das Ministerium vom Interesse am digitalen Führerschein überrascht. Denn die Hürden für dessen Einsatz waren vergleichsweise hoch: Wer den digitalen Führerschein nutzen wollte, hätte dafür neben einem modernen Smartphone auch einen Personalausweis mit aktivierter Online-Funktion gebraucht. Bei Ausweisen, die ab 2011 ausgestellt wurden, war diese Funktion optional, erst seit 2017 ist sie Standard.

Wer diese Online-Funktion nachträglich freischalten will, muss mit dem Personalausweis ein Bürgeramt aufsuchen. Außerdem ist der Besitz eines EU-Führerscheins im Scheckkarten-Format nötig.

Analoger Führerschein bleibt Standard

Bis auf weiteres hätte der digitale Führerschein den Kartenführerschein ohnehin nur ergänzt. Bei Polizeikontrollen wäre die digitale Variante nämlich nicht anerkannt worden. Hier bleibt es beim traditionellen, analogen Modell. Ganz unabhängig davon, ob und wann die digitale Version wieder einsatzfähig sein wird.

Die Zahl der Menschen, die den digitalen Führerschein grundsätzlich nutzen können, wächst allerdings stetig: Der Bestand an alten Führerscheinen – Papierführerscheine oder Kartenführerscheine, die vor dem 19.1.2013 ausgestellt wurden – wird in den nächsten Jahren abgebaut und durch den EU-Führerschein ersetzt. Die erste Gruppe von Altführerscheininhabern musste bis Juli 2022 bereits den Führerschein umtauschen.

Lesen Sie hier, wann Sie Ihren Papier- oder Kartenführerschein umtauschen müssen

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Kristina Benecke
Kristina Benecke
Fach-Autorin
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