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Der ADAC

Zu schnell gefahren – Strafen bei Geschwindigkeitsüberschreitung

Polizist bei der Verkehrskontrolle
Zu schnell gefahren: Fast drei Millionen Mal wurde das 2019 geahndet ∙ © imago images/xcitepress

Wer sich am Steuer nicht an die Temporegeln hält, muss mit erheblichen Strafen rechnen. Wird die Höchstgeschwindigkeit überschritten und das Auto geblitzt, drohen Bußgelder, Punkte und sogar Fahrverbote. 

  • Der Bußgeldkatalog zeigt, welche Strafen verhängt werden können

  • Wenn geblitzt wird, muss die Messung überprüfbar sein

  • Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten sind in § 3 der StVO festgelegt

Ganze 4,4 Millionen Ordnungswidrigkeiten hat das Kraftfahrt-Bundesamt 2019 erfasst. Geschwindigkeitsverstöße sind darunter mit weitem Abstand die häufigsten: Fast 2,3 Millionen Mal waren Männer am Steuer zu schnell, knapp 700.000 Mal hielten Frauen sich nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit.

Strafen für Geschwindigkeitsverstöße

Für Ordnungswidrigkeiten wie zu schnelles Fahren gibt es den bundeseinheitlichen Bußgeldkatalog. Er listet unter anderem auf, welche Bußgelder, Punkte oder Fahrverbote als Sanktionen bei Tempoverstößen inner- und außerorts verhängt werden können (siehe die folgenden zwei Tabellen).

Für eine Geschwindigkeitsüberschreitung von bis zu zehn km/h in einer geschlossenen Ortschaft gilt laut Bußgeldkatalog ein Regelsatz von 15 Euro, außerorts sind es zehn Euro. 16 bis 20 km/h zu schnell gefahren bedeuten innerorts eine Strafe von 35 Euro, außerorts 30 Euro.

Ab einem Verstoß von 21 km/h zu viel steigt die Geldstrafe an und es gibt einen Eintrag in das Fahreignungsregister in Flensburg, auch bekannt als Verkehrssünderkartei. Bis zu einer Überschreitung um 25 km/h werden innerorts 80 Euro und außerorts 70 Euro Bußgeld fällig sowie in beiden Fällen ein Punkt.

Ein Monat Fahrverbot droht bei einer wiederholten Geschwindigkeitsüberschreitung. Insbesondere wenn der Fahrer in den letzten zwölf Monaten schon einmal mit mindestens 26 km/h zu schnell erwischt wurde.

Wer innerorts 51 bis 60 km/h zu schnell gefahren ist, kann mit einer Geldbuße von 280 Euro, zwei Punkten in Flensburg und zwei Monaten Fahrverbot belegt werden.

Mit dem ADAC Online-Bußgeldrechner lässt sich der Regelsatz ermitteln, der bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung inner- oder außerorts verhängt werden kann.

Bundesregierung und Länder hatten sich 2020 auf eine Reform der Straßenverkehrsordnung geeinigt. Damit sollte auch die Novelle des Bußgeldkatalogs Ende April in Kraft treten. Sie sah u.a. höhere Strafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen vor. Wegen eines Formfehlers sind jedoch zumindest die neuen Regeln zu Fahrverboten und Änderungen des Bußgeldkatalogs unwirksam. Der ADAC fordert eine bundesweit einheitliche Linie und betont, diese Unwirksamkeit sei kein Freibrief für Raser, die Verkehrsvorschriften gelten weiter.

Bußgeldbescheid in der Post – und jetzt?

In der Regel muss eine Geschwindigkeitsüberschreitung innerhalb von drei Monaten ab dem "Tattag" geahndet werden, danach gilt der Verstoß als verjährt. Manche Fahrer bekommen gar nicht mit, dass sie zu schnell gefahren sind und geblitzt wurden, sondern erfahren es erst durch den mit der Post zugeschickten sogenannten Anhörungsbogen. Darin sind die Umstände der Ordnungswidrigkeit, z.B. Zeit und Ort des Verstoßes, näher beschrieben. Die Anhörung bietet dem Fahrer die Gelegenheit zur Stellungnahme. Man ist verpflichtet, Angaben zur Person zu machen falls diese unzutreffend sein sollten, zum Tatvorwurf braucht man sich nicht zu äußern. Als ADAC Mitglied können Sie sich bei Fragen auch an Ihre ADAC Clubjuristen oder einen ADAC Vertragsanwalt in Ihrer Nähe für eine kostenlose Erstberatung wenden.

Bleibt der Tatvorwurf bestehen, verschickt die Behörde einen Bußgeldbescheid, der mit zusätzlichen Verfahrensgebühren verbunden ist. Gegen den Bußgeldbescheid können Sie innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. Ansonsten wird er rechtskräftig und die Geldbuße fällig.

Wird der Bußgeldbescheid nach einem Einspruch aufrechterhalten, bestimmt das Amtsgericht entweder einen Termin zur Hauptverhandlung oder entscheidet durch Beschluss, wenn weder Betroffener noch Staatsanwaltschaft widersprechen. Das Gericht versucht, den zugrunde liegenden Sachverhalt vollständig aufzuklären. Dazu werden Beweismittel wie das "Blitzerfoto" eingesehen und Zeugen vernommen.

Höchstgeschwindigkeit und Richtgeschwindigkeit

§ 3 StVO regelt die Tempolimits in Deutschland. Wer ein Fahrzeug führt, darf demnach nur so schnell fahren, dass er es ständig beherrscht. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs- und Witterungsverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Extra Regeln gibt es, wenn die Sicht bei Regen, Nebel oder Schneefall weniger als 50 Meter beträgt – mehr als 50 km/h darf dann nicht gefahren werden, wenn nicht sogar eine geringere Geschwindigkeit geboten ist.

Grundsätzlich dürfen alle Kraftfahrzeuge innerorts nicht schneller als mit 50 km/h unterwegs sein. Außerorts gilt für Pkw sowie für andere Kfz bis 3,5 Tonnen eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. 

Auf Straßen, deren Richtungen durch Mittelstreifen oder sonstige bauliche Einrichtungen getrennt sind, auf Autobahnen und auf Straßen, die mindestens zwei markierte Fahrstreifen für jede Richtung haben, gibt es grundsätzlich keine Beschränkung des Tempos. Stattdessen wird eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h empfohlen.

Eine Überschreitung der Richtgeschwindigkeit kann bei Unfällen – etwa im Kolonnenverkehr – zu einer Mithaftung in Höhe von mindestens 20 Prozent führen. Der ADAC propagiert immer wieder rücksichtsvolles Fahren, so auch das Einhalten der Richtgeschwindigkeit, wenn die Situation deren Überschreitung nicht zulässt.

Einschränkungen der Geschwindigkeit bestehen beispielsweise in Verbindung mit dem Schild „bei Nässe“. Ebenso bei bestimmten Straßentypen, etwa in verkehrsberuhigten Straßen, die umgangssprachlich, aber nicht korrekt, oft „Spielstraßen“ genannt werden. Hier ist Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben. Dafür werden in der Rechtsprechung teilweise sieben km/h, teilweise zehn km/h angenommen.

Streckenverbote - wie lange gelten sie?

Oft ist das maximal erlaubte Tempo durch die Beschilderung zu erkennen. Streckenverbote wie eine Geschwindigkeitsbeschränkung enden übrigens nicht automatisch an der nächsten Kreuzung oder Einmündung, auch wenn die Verbotszeichen dort nicht wiederholt werden. Da Streckenverbote nicht nach jeder Einmündung wiederholt werden, kann dem ortsunkundigen Kraftfahrer kein Tempo- oder Überholverbotsverstoß vorgeworfen werden, wenn er nach dem Einbiegen kein Verkehrszeichen passiert. Aus Gründen der Verkehrssicherheit fordert der ADAC deshalb die Wiederholung von Verkehrszeichen nach solchen Einmündungen und Kreuzungen, wo erfahrungsgemäß viele Ortsfremde unterwegs sind.

Außerorts, etwa bei Autobahnauffahrten mit Tempolimit, gilt dies grundsätzlich bis zur späteren Aufhebung, in diesem Fall auf der Autobahn. Bei einer Kombination des Streckenverbotes mit einem Gefahrenzeichen endet die Anordnung nur dann ohne weiteres nach Ende der angezeigten Gefahrenstelle, wenn sich dies zweifelsfrei aus den Örtlichkeiten ergibt und in erkennbarer Nähe kein Aufhebungszeichen folgt. Ein Aufhebungszeichen ist dann entbehrlich, wenn sich die Länge des Streckenverbotes unmittelbar aus einem Zusatzschild ergibt. Geschwindigkeitsbeschränkungen enden ansonsten durch neue Zeichen 278 oder innerorts am Ortsausgangsschild.

Ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen wird immer wieder kontrovers diskutiert. 46 Prozent der ADAC Mitglieder lehnen es ab, 47 Prozent sind dafür. Angesichts der polarisierenden Wirkung des Themas verzichtet der ADAC derzeit auf eine Empfehlung an die Politik. Stattdessen plädiert der Club für eine Versachlichung der Debatte um das Tempolimit.

Welche Tempolimits im Ausland gelten lesen Sie hier

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