Dynamischer Stromtarif: Wer flexibel verbraucht, kann Geld sparen

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Von André Gieße

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Ein älterer Mann der in der Nacht sein E-Auto Zuhause lädt
Mit einem dynamischen Stromtarif ist es nachts oft billiger, das E-Auto zu laden© picture alliance/dpa

Der Strompreis an der Börse schwankt viertelstündlich. Mit einem dynamischen Stromtarif können Sie davon profitieren und Geld sparen. Wie er funktioniert und für wen er sich lohnt.

  • Seit 2025 muss jeder Energieversorger einen dynamischen Stromtarif anbieten

  • Zeitvariabler Tarif bei cleverer Nutzung und hohem Stromverbrauch oft günstiger

  • Ohne ein Smart Meter lassen sich die neuen Angebote nicht optimal nutzen

Das Elektroauto zu Hause nicht direkt nach dem Feierabend laden, sondern zu einem günstigeren Tageszeitpunkt – zum Beispiel über Nacht. Mit einem dynamischen Stromtarif, der sich an den regelmäßigen Preisschwankungen an der Strombörse orientiert, ist das vielerorts möglich.

In Verbindung mit einem intelligenten Zähler (Smart Meter) lassen sich intensive Verbräuche automatisch in Stunden verschieben, wenn die Energiemarktpreise niedriger sind. Beim E-Auto-Laden an der Wallbox und beim Einsatz eines Energiemanagementsystems kann das Geld sparen.

Seit Anfang 2025 muss jeder Energieversorger einen dynamischen Stromtarif anbieten. Das schreibt § 41a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) vor. Der Großteil der Grundversorger in den Städten hat ein solches Angebot. Doch preislich lohnt es sich aktuell nicht für alle Haushalte.

Was ist ein dynamischer Stromtarif?

Bei einem dynamischen Stromtarif gibt es keinen festen Arbeitspreis je Kilowattstunde, sondern er schwankt – je nach aktuellem Börsenstrompreis. Der Börsenstrompreis wird seit Oktober 2025 alle 15 Minuten ermittelt (zuvor jede Stunde). Anbieter dynamischer Stromtarife kaufen kurzfristig im Day-Ahead-Handel an der Strombörse EPEX Spot ein. Die viertelstündlichen Preisänderungen aus dem Stromhandel erfahren die Kundinnen und Kunden am Vortag – per Onlineportal oder App.

EPEX Spot: Die Strombörse für den kurzfristigen Handel

Der Stromhandel findet über den Terminmarkt und den Spotmarkt statt. Während die Strombeschaffung für mittel- und langfristige Verträge am Terminmarkt über die European Energy Exchange (EEX) gehandelt wird, wickeln Erzeuger und Versorger kurzfristige Day-Ahead-Auktionen an der EPEX Spot (European Power Exchange) ab.

Der Stromhandel für den Folgetag am sogenannten Spotmarkt ist oft billiger als der Terminhandel mit langfristigen Laufzeiten über Jahre. Das liegt an Ökostrom-Überschüssen. Ist das Angebot an erneuerbaren Energien aus Windkraft- und Solaranlagen höher als die Nachfrage, sinken die Preise an der EPEX Spot. Bei dynamischen Stromtarifen gibt es auch keine Risikoaufschläge, womit sich Energieunternehmen bei Festpreisverträgen gegen schwankende Beschaffungskosten absichern.

So funktioniert ein dynamischer Stromtarif

Dynamische Stromtarife bestehen aus einem festen monatlichen Grundpreis und einem variablen Arbeitspreis pro Kilowattstunde, der sich nach dem aktuellen Viertelstundenpreis der Strombörse richtet. Hinzu kommen die staatlich geregelten Steuern, Abgaben und Umlagen sowie Entgelte für die Netznutzung und den Stromzähler, die auch bei Verträgen mit Preisgarantien üblich sind. Somit kostet eine Kilowattstunde auch dann etwas, wenn der Börsenstrompreis gegen null geht. Fällt er deutlich darunter (negative Großhandelspreise), erhalten Sie fürs Stromverbrauchen sogar Geld.

Aktueller Preis: Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Ein Person die gerade dabei ist ihr Auto zu laden
Dynamische Stromtarife rechnen sich eher für Haushalte mit hohem Verbrauch, weil der Arbeitspreis den Unterschied macht© stock.adobe.com/mpix-foto

Ein dynamischer Stromtarif ist in erster Linie für Privathaushalte mit großen Stromverbrauchern wie Elektroautos und Wärmepumpen interessant, die flexibel genug sind, ihren Stromverbrauch an unterschiedliche Tageszeiten anzupassen. Wer die Tiefpreiszeiten seines Tarifs zur Batterieladung oder thermischen Speicherung nutzt, zahlt in den günstigen Stunden mancherorts im besten Fall unter 20 Cent brutto je Kilowattstunde.

Zum Vergleich: Klassische Festpreistarife für Haushaltsstrom lagen bei Neuverträgen im Februar 2026 laut den beiden Vergleichsportalen Check24 und Verivox zwar im günstigsten Fall bei 24 bis 26 Cent brutto je Kilowattstunde. Aber die Preisunterschiede bei den Stromtarifen bleiben groß, und ältere Bestandsverträge mit lokalen Grundversorgern sind mit bisweilen über 40 Cent je Kilowattstunde verhältnismäßig teuer.

Wer zu Hause ein Energiemanagementsystem nutzt und seinen Verbrauch clever verlagert, kann mit dynamischen Stromtarifen im Vergleich zum Grundversorgerpreis zwischen 10 und 35 Prozent sparen. Wer keine Großverbraucher wie ein E-Auto hat und nicht gezielt die günstigen Tageszeiten nutzt, zahlt damit im Monat ähnlich viel wie mit einem Neukundenvertrag zum Festpreistarif. Auf den Internetseiten der Anbieter kann man meist selbst kalkulieren, ob sich ein Wechsel lohnt.

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Vergleich dynamischer Stromtarife sinnvoll

Ein Vergleich dynamischer Stromtarife lohnt sich – auch wegen der Bestandteile, die die Anbieter für sich erheben. Der monatliche Grundpreis, den Sie unabhängig vom Verbrauch zahlen und der anders als der Arbeitspreis nicht variabel ist, kann auf das Jahr gerechnet einen Unterschied von über 100 Euro ausmachen. Dazu kommen mitunter Gebühren für das Bereitstellen des Angebots.

Zu den Beschaffungskosten und üblichen fixen Preiskomponenten wie Steuern und Netzentgelten erheben manche Anbieter von dynamischen Stromtarifen eine Erfolgsbeteiligung: Der Aufschlag bezieht sich auf den Arbeitspreis, es sind bis zu 3 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde. Solche Gebühren sollten Verbraucherinnen und Verbraucher zusätzlich zum reinen Arbeitspreis beachten.

Dynamische Stromtarife und Netzentgelte kombinieren

Wer zu Hause steuerbare Verbrauchseinrichtungen (Wallbox, Wärmepumpe und Stromspeicher) nutzt, kann dynamische Stromtarife seit April 2025 mit dynamischen Netzentgelten kombinieren. Letztere variieren nach Tageszeit (Hochlast-, Standard- und Niedriglasttarif) und sind günstiger als die normalen Netzentgelte, die gut ein Viertel des Strompreises ausmachen. Das spart noch mehr.

Dynamische bzw. zeitvariable Netzentgelte sollen die Haushalte mit Wallbox oder Wärmepumpe motivieren, deren Stromverbrauch freiwillig aus Stoßzeiten herauszuhalten und in solche Zeiten zu verschieben, in denen das Netz nur wenig ausgelastet ist. Jeder Netzbetreiber regelt die Preis- und Zeitstufen anders. Statt der Abrechnung mit dauerhaft 9 bis 10 Cent/kWh zahlt man mit reduzierten, dynamischen Netzentgelten im günstigsten Fall unter 2 Cent/kWh.

Das Branchenportal für variable Netzentgelte hat die Durchschnittswerte der deutschen Verteilnetzbetreiber für das Kalenderjahr 2026 verglichen und folgende Staffelung ermittelt.

  • Niedriglasttarif: nachts 2,26 ct/kWh

  • Standardtarif: tagsüber 7,39 ct/kWh

  • Hochlasttarif: abends 10,73 ct/kWh

Beispiel: E-Auto in Nebenzeiten laden

Mit einem dynamischen Stromtarif rechnet es sich vor allem, das E-Auto in den Nebenzeiten des Tages zu laden. Zum Feierabend, wenn viele Menschen beispielsweise Abendessen kochen oder Wäsche waschen, sind die Preise an der Strombörse höher. Nachts, wenn die Mehrheit schläft, fallen sie wieder. Nach der Mittagszeit, wenn viele Berufstätige außer Haus sind, und an den Wochenenden sind dynamische Stromtarife ebenfalls oft günstiger.

Wer zusätzlich dynamische Netzentgelte nutzt sowie einen Rabatt, den die Stromnetzbetreiber für die Steuerbarkeit der heimischen Wallbox gewähren, spart noch mehr Stromkosten. Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Neon ist durch flexibles Laden des Elektroautos – zum Beispiel in einem Zeitfenster zwischen 22 und 6 Uhr – somit eine Ersparnis von mehr als 80 Prozent gegenüber dem sofortigen Laden zum Festpreis möglich.

Voraussetzung für variablen Stromtarif: Smart Meter

Ein Smart Meter in einem Wohnhaus
Die nötige Smart-Meter-Technik, um optimal von dynamischen Stromtarifen zu profitieren, fehlt in den meisten Haushalten noch© dpa/James Arthur Gekiere

Zur stundengenauen Abrechnung dynamischer Stromtarife benötigen Verbraucherinnen und Verbraucher in der Regel einen intelligenten Stromzähler. Ein solches Smart Meter erfasst alle 15 Minuten den Stromverbrauch eines Haushalts und überträgt ihn via Internet automatisch an den Energielieferanten und den Netzbetreiber. Sie können ihren Energiekonsum somit genau nachvollziehen und ihr Verhalten an den Preisverlauf anpassen.

Einige Energieanbieter offerieren variable Stromtarife für Kundinnen und Kunden ohne Smart Meter. Kalkulationsbasis dafür sind die monatlichen Verbrauchswerte und der durchschnittliche Börsenstrompreis. Die belieferten Haushalte müssen nur jeden Monat den Stand ihres analogen Zählers übermitteln. Die Abrechnung ist ungenauer und das Einsparpotenzial deutlich geringer.

Flexibler Stromtarif birgt auch Risiken

Dynamische Stromtarife haben nicht nur Vorteile, sondern zuweilen auch Nachteile: Sind die Börsenpreise hoch, tragen Verbraucherinnen und Verbraucher das alleinige finanzielle Risiko. Die Allzeitrekorde während der Energiekrise im Jahr 2022 haben gezeigt, wie teuer das werden kann. In solchen Situationen ist es umso wichtiger, die Entwicklungen an der Strombörse zu beobachten.

Ein Teil des Stromverbrauchs – etwa durch Computer, Kühlschrank, Küchengeräte und Lampen – lässt sich kaum verschieben oder steuern. Dafür zahlt man mitunter den höheren Börsenpreis.

Nur wenige Anbieter dynamischer Stromtarife bieten ihren Kundinnen und Kunden zum Schutz vor Preisspitzen eine Deckelung der Arbeitspreise an. Nach Ablauf der gesetzlichen Strompreisbremse liegt diese zum Beispiel erst bei 80 Cent pro Kilowattstunde. Falls die Börsenpreise dauerhaft die langlaufenden Festpreistarife übersteigen, kann man zur Not in der Regel monatlich kündigen.

Dynamische Stromtarife: Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Wer einen hohen, verschiebbaren Stromverbrauch hat – zum Beispiel durch Elektroauto oder Wärmepumpe – oder über einen Batteriespeicher verfügt, kann Energiekosten sparen.

  • Die Kombination mit zeitvariablen Netzentgelten ermöglicht Haushalten mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (E-Auto, Wärmepumpe, Stromspeicher) zusätzliches Sparpotenzial.

  • Dank dem Smart Meter wird Ihr Verbrauch im 15‑Minuten‑Takt erfasst und bepreist. Das macht die Stromkosten im Haushalt besser nachvollziehbar und belohnt aktives Lastmanagement.

Nachteile

  • Das finanzielle Risiko teurer Preisspitzen an der Strombörse – etwa in Zeiten von Dunkelflauten (kaum Wind und Sonne) – tragen Kundinnen und Kunden in vollem Umfang.

  • Ohne Automatisierung (z.B. Smart-Home-Steuerung für die Waschmaschine oder das E-Auto) bedeutet der dynamische Stromtarif einen hohen Planungs- und Kontrollaufwand über Apps.

  • Die Betriebskosten für Smart Meter und Provisionen der Stromanbieter können das mögliche Einsparpotenzial eines dynamischen Stromtarifs schmälern, weshalb ein Vergleich wichtig ist.

Schritt für Schritt zum dynamischen Stromtarif

  1. Smart‑Meter‑Status klären
    Ist als Stromzähler ein Smart Meter (iMSys) verbaut? Falls nein: Beim (grundzuständigen) Messstellenbetreiber anfragen und beantragen.

  2. Steuerbarkeit prüfen für günstigeres Netzentgelt
    Steuerbarkeit von Wallbox, Wärmepumpe, Speicher usw. sicherstellen, Netzentgelt‑Modul wählen (z.B. pauschal, prozentual, zeitvariabel).

  3. Anbieter auswählen
    Achten Sie auf Gebührenmodell, Grundpreis, Kündigungsfrist (monatlich) und transparente App‑Funktionen. Unabhängige Vergleiche geben Orientierung.

  4. App und HEMS verbinden
    Preis‑Signale des Stromanbieters nutzen und mit Home Energy Management System (HEMS) abstimmen; Geräte automatisiert steuern.

  5. Testphase (4–6 Wochen)
    Hohe Verbräuche in Niedrigpreisphasen legen, Ergebnisse auswerten und gegebenenfalls Lastmanagement optimieren.

  6. Jahresfazit und Optimierung
    Spart der Tarif unter dem Strich? Wenn nein: Wechsel zurück in Festpreis möglich (kurze Laufzeiten beachten).

Fachliche Beratung: Manuel Griesmann, Technik Zentrum Landsberg

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