Acht e-Mountainbikes im Vergleich

25.5.2018

Mountainbikes mit Elektro-Unterstützung (e-MTB) sind auf dem Vormarsch. Nach Informationen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) ist inzwischen mehr als jedes fünfe gekaufte e-Bike ein Rad fürs Gebirge.

Verschiedene E-Mountainbikes stehen auf Weg
Acht e-Mountainbikes mit unterschiedlicher Ausstattung 

Wir haben acht Räder bekannter Hersteller (Bulls, Scott, Specialized, Trek, Flyer, Haibike, KTM und Rose) zu Preisen von 2.600 bis 4.700 Euro einem Systemvergleich unterzogen. Vier der Bikes waren voll gefedert (Fullys), vier hatten nur Vorderradfederung (Hardtail). Bei den Testfahrten wurden die Komponenten Rahmen, Dämpfung, Reifen, Antrieb, Bremsen und Schaltung unter die Lupe genommen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse von Touren-Fahrern, Cross Country- und Funpark-Bikern an ihren „Drahtesel“ spielten beim Systemvergleich eine große Rolle. Weniger entscheidend waren Marke beziehungsweise Modell der Bikes.

Ergebnisse und Empfehlungen

Unser Systemvergleich zeigt, dass der e-Antrieb trotz unterschiedlichster Bedienung in allen Geländeformen bei allen Modellen gut ist. Er zeigt aber auch, dass Bremse und Schaltung die wichtigsten Komponenten darstellen, auf die man das Augenmerk richten sollte. Maximale Sicherheit bieten Ein-Finger-Bremshebel, da auch beim Bremsen die Hände am Lenker bleiben können. Cross Country-Fahrer sollten sich nicht mit einer 9-Gang-Schaltung begnügen. Für alle Geländeformen top geeignet ist die elektronische Schaltung der Shimano Deore XT. Aber auch die mechanischen von Sram und Shimano XT sind bei optimaler Einstellung gut.

Die detaillierten Testergebnisse finden Sie hier.
Was uns der Vergleich e-Mountainbike sonst noch sagt 

Ein e-MTB mit Vorder- und Hinterradfederung (Fully) bringt nur im Funpark einen wesentlichen Vorteil. Ein größerer Spaßfaktor, höhere Sicherheit bei Abfahrten über grobes Wurzelwerk und vor allen Dingen eine bessere Bremswirkung durch mehr Bodenkontakt ist bei optimaler Einstellung garantiert. Nichtsdestotrotz kann ein Bike mit Vorderradfederung (Hardtail) mit einer guten Dämpfung durch die Vordergabel und einem für die Anforderungen idealen Luftdruck in den Reifen am Berg ebenfalls genügen. Was den Reifen betrifft: 29 Zoll große Räder sind weniger nervös und Hindernisse werden besser überfahren. Bei der Breite ist weniger mehr- zu breite Reifen verschlechtern das Handling enorm.

Tipps für Biker vor dem Kauf

Wer sich ein e-MTB zulegen will, sollte bei der Auswahl nicht nur das richtige Equipment für sein gewünschtes Terrain im Fokus haben. Auch über Budget, körperliche Verfassung und Risikobereitschaft muss man sich vor dem Kauf im Klaren sein. Da die e-MTB nicht billig sind, ist eine umfangreiche Beratung im Fachhandel inklusive ausgiebiger Probefahrt unterschiedlicher e-MTBs Voraussetzung. Tipp für die Probefahrt: Den Unterstützungsmodus auch mal ausschalten. Käufer sollte unbedingt individuelle Einstellungen von Schaltung, Bremsen sowie Federungs- und Dämpfungseigenschaften durch den Fachhändler einfordern. 

Wichtig zu wissen: Das e-MTB ist ein Sportgerät und entspricht grundsätzlich nicht der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Wenn Sie es im Straßenverkehr nutzen wollen, müssen Sie die Beleuchtung aufrüsten. Auch die richtige Schutzbekleidung ist ein Muss! 

An die e-MTB-Anbieter haben wir folgende Forderungen: Schalter, Bedienungselemente und Ladebuchse des Akkus sollten wegen der hohen Verschmutzungsneigung nicht am Unterrohr beziehungsweise nicht in Bodennähe installiert sein. Die Beleuchtung muss einfach an den Akku anschließbar sein (Stecker-Optionen). Eine gute und ausführliche Bedienungsanleitung sollte selbstverständlich sein. Wünschenswert wäre auch ein Ersatzschaltauge bei geländefähigen e-MTB (Schaltauge verbindet den Rahmen mit dem Schaltwerk).

 

Unsere Ausstattungs-Empfehlungen im Detail

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Touren

Das ideale Bike für einen Touren-Fahrer (unterschiedliche Gegebenheiten, befestigte oder unbefestigte Radwege, Waldwege, kleine Bergauffahrten):

Rahmen: Ein Hardtail ist für einen Touren-Fahrer ausreichend. Wichtiger sind die Rahmen- und Sitzgeometrie. Entspanntes Sitzen sollte möglich sein. 

Federung und Dämpfung: Gute Dämpfungseigenschaften der Reifen sind wichtiger als die der Federgabel. Daher sollte auch je nach Fahrbahneigenschaft eine einfache Federgabel mit einem Federweg bis 100 mm ausreichend sein. Auf eine gute und einfache Einstellmöglichkeit sollte allerdings geachtet werden.

Reifen: Die größere 29 Zoll Bereifung zeigt sich spurstabiler als die 27,5 Zoll Reifen und sorgt in Verbindung mit einer geringen Reifenbreite (ca. 2,3 Zoll) für ein gutes Handling. Das Reifenprofil sollte nicht allzu breit und zu grob sein, um die Lautstärke bei Asphalt gering zu halten. 

Antrieb: Die Reichweite im Flachland ist grundsätzlich bei keinem Antriebshersteller ein Problem. Der Tourenfahrer sollte sich für einen e-Antrieb entscheiden, der einfach zu bedienen ist. 

Schaltung: Bei einfachem Gelände reicht eine 9-Gang-Schaltung. 

Bremsen: Standard-Scheibenbremsen mit 180 mm Durchmesser genügen vollkommen. Ein geringer Kraftaufwand und eine gute Dosierbarkeit der Bremse sind wichtig.

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Cross Country

Das ideale Bike für Cross Country („Alpencross“, Waldwege inclusive Wurzelwerk, Schotterstraßen, Bergauffahrten):

Rahmen: Ein Fully ist zu favorisieren. Er bietet spürbare Vorteile im Fahrverhalten und im Komfort. Alternativ ist auch ein Hardtail möglich, was etwas Geld und Gewicht sparen kann. Die Geometrie des Rades möglichst so auswählen, dass nicht ein Großteil des Gewichts auf den Schultern liegt. Eine gefederte und absenkbare Sattelstütze bietet Komfort, den man nach einiger Zeit nicht mehr missen möchte. Ein Sattelhöhen-Schnellverschluss am Sattelrohr sollte zudem vorhanden sein.

Federung und Dämpfung: Modell ist nicht entscheidend, sondern die individuelle Einstellbarkeit auf den Fahrer. Vorsicht bei Internetkäufen: Die Einstellmöglichkeiten sind nicht immer gut in den Bedienungsanleitungen beschrieben! 

Reifen: Je nach eigener Vorliebe und Streckenanforderung kann eine Reifengröße mit 29 Zoll oder 27,5 Zoll ausgewählt werden (stabiler oder eher etwas wendiger). Entgegen dem Trend sehen wir bei großen Reifenbreiten keinen wesentlichen Vorteil. Im Gegenteil: Lenkverhalten und Handling sind eher schlechter. Das Reifenprofil nicht allzu grob wählen, weil dadurch die Laufruhe leidet (abhängig vom Untergrund bzw. der Bodenbeschaffenheit). 

Antrieb: Antriebe mit kraftbezogener Leistungsregulierung sind zu bevorzugen. Ihr großer Vorteil: Sie vermitteln ein authentisches Fahrrad-Tretgefühl. 

Schaltung: Eine 10-Gang-Schaltung und eine 11-42 Übersetzung ist für dieses Terrain Mindestanforderung. Besonderen Komfort bieten elektronische Schaltungen.

Bremsen: Dosierung und Leistung sind nicht so wichtig wie im Funpark. Der Fokus liegt eher auf der Bedienung. Zum Beispiel sorgt eine Ein-Finger Bremse für mehr Sicherheit, da dabei die Hände immer am Lenker bleiben können.

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Funpark

Wesentlicher Unterschied im Funpark zu Cross Country: Im Funpark fährt man hauptsächlich bergab und auch deutlich schneller. Hier kommen 180 Millimeter Scheiben schnell an ihre Grenzen.

Rahmen: Nur ein Fully bringt hier den richtigen Spaßfaktor. Eine absenkbare Sattelstütze sorgt für eine günstige Gewichtsverlagerung und zusätzlichen Komfort. Ein Sattelhöhen-Schnellverschluss am Sattelrohr sollte auf jeden Fall vorhanden sein.

Federung und Dämpfung:
Ein Federweg von 150 Millimeter ist sinnvoll. Das Modell ist nicht entscheidend, sondern die individuelle Einstellbarkeit auf den Fahrer. Vorsicht bei Internetkäufen: Die Einstellmöglichkeiten sind nicht immer gut in den Bedienungsanleitungen beschrieben! 

Reifen: Eine Mischbereifung 29 Zoll vorne und 27,5+ hinten sorgt im Funpark für ein beeindruckendes Fahrverhalten. Reifenbreite vorne eher etwas schmaler. Hinten gerne 2,8 Zoll (bei 27,5+ Reifengröße). Den Reifendruck auf Basis der Reifenherstellerangabe eher niedrig wählen und dabei vorne etwa 0,2 Bar weniger als hinten.

Antrieb: Bei den unterschiedlichen Herstellern sind keine Präferenzen oder Auffälligkeiten feststellbar.

Schaltung: Mindestanforderung ist eine 10-Gang-Schaltung und eine 11-42 Übersetzung. Besonderen Komfort bieten elektronische Schaltungen. Gut eingestellte mechanische Schaltungen tun es aber auch.

Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen vorne mit mindestens einem Durchmesser von 200 Millimeter beziehungsweise 203 Millimeter, bestenfalls auch hinten. Ansprechverhalten und Dosierung der Bremse ist wichtiger als die Bremsleistung, um die Überschlagsneigung beziehungsweise das Wegrutschen des Vorderrades beim Bremsen bei losem Untergrund zu minimieren.

 

Reifendruck, Akku, Beleuchtung: Das müssen Sie beim Frühjahrscheck von e-Bikes und Pedelecs beachten.

Wie gut sind Bikesharing-Anbieter? Unser Vergleich zeigt Unterschiede bei Gebühren und Rückgabe.