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Elektroauto in der Tiefgarage laden: So kommt der Strom zum Wagen

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt und sein Elektroauto aufladen will, hat es schwer. Denn nur die wenigsten Tiefgaragen sind mit Steckdose oder Wallbox ausgestattet.

  • Ende 2020 soll ein neues Gesetz den Einbau von Ladestationen in Wohnanlagen erleichtern

  • Derzeit haben nur vier Prozent der größeren Wohnanlagen Stromanschlüsse an Stellplätzen

  • Verwalter befürchten hohe Kosten und technische Probleme

Auch wenn die Zahl der öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos steigt: Die bequemste und meist auch günstigste Möglichkeit, den Stromer aufzuladen, ist die eigene Steckdose. Hausbesitzer haben es vergleichsweise leicht, die nötige Infrastruktur einzurichten. Den Elektriker bestellen, Kabel verlegen, den Anschluss beim Stromversorger anmelden – fertig. Für Mieter oder Eigentümer von Wohnungen in größeren Gebäuden ist die Sache komplizierter - wie es geht, erfahren Sie in diesem Leitfaden des ADAC.

Wie schlecht die Lage für E-Mobilisten in der Stadt ist, zeigt eine ADAC Umfrage unter 310 Hausverwaltungen und anderen Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft in elf Großstädten. Vier von fünf der befragten Unternehmen haben in keinem einzigen Gebäude eine Lademöglichkeit für Elektroautos.

Nur in wenigen Tiefgaragen gibt es Wallboxen

Vorreiter: Hamburg und München

Immerhin: Die Stromversorger in einigen Großstädten investieren bereits in die neuen Anforderungen der Elektromobilität. So hat die Stromnetz Hamburg GmbH damit begonnen, sich auf die Elektromobilität vorzubereiten: Bis 2030 rechnen die Verantwortlichen mit 100.000 Elektroautos im Stadtgebiet – und einer zusätzlichen Stromnachfrage von 500 Gigawatt im Jahr.

Bastian Pfarrherr, Innovationsmanager des Unternehmens, sagt im ADAC Interview: "Wenn wir nichts tun, dann hält unser Stromnetz diese Veränderung nicht aus." Deshalb rüstet sein Unternehmen in den kommenden Jahren gut 1000 der insgesamt 6000 Transformatoren im Stadtgebiet um. Mit ihnen wird Mittelspannungs-Strom in Niedrigspannung umgewandelt und dann an die Endverbraucher weitergeleitet.

Einen Schritt weiter sind die Stadtwerke München (SWM). Sie haben ein Elektromobilitäts-Angebot für Mehrfamilienhäuser entwickelt, bei dem die SWM den Hausanschluss auf die neuen Anforderungen vorbereitet und Stromleitungen in der jeweiligen Tiefgarage verlegt. Die Kosten für die Elektroinstallation übernehmen die Stadtwerke, für den einzelnen Ladepunkt werden derzeit 1499 Euro aufgerufen.

Die Kunden können dann eine Strom-Flatrate abschließen, abhängig von der Batteriekapazität: Die Preise reichen von 24 Euro im Monat für einen Plug-in-Hybrid wie den Toyota Prius bis zu 54 Euro für einen Opel Ampera-e oder einen Tesla Model  S/3. Obendrauf kommen 45 Euro im Monat als Nutzungspauschale. Ob sich das lohnt, hängt natürlich von der individuellen Fahrleistung ab.

Gesetzesreform soll Elektromobilität beschleunigen

Ein Angebot, das, abhängig von der persönlichen Fahrleistung, durchaus interessant sein kann. Bislang stand dem allerdings die Gesetzeslage im Weg: Denn nur wenn alle Miteigentümer zustimmten, durfte eine Lademöglichkeit eingebaut werden.

Das ändert sich jetzt: Im September 2020 hat die Koalition ein neues Gesetz beschlossen, demnach der Wohnungseigentümer den Einbau einer entsprechenden Ladevorrichtung in der Tiefgarage oder an einem Parkplatz auf dem Gelände der Wohnanlage verlangen kann. Die anderen Miteigentümer können anschließend nur noch über die Ausführung der Baumaßnahme bestimmen. Ein einfacher Mehrheitsbeschluss soll für Letzteres ausreichen. Die Kosten für den Einbau und die Wartung der Ladestation trägt der jeweilige Antragsteller.

Die Anpassung des Miet- und Wohnungseigentumsrechts macht es künftig auch Mietern von Eigentumswohnungen leichter, den Einbau von Ladesäulen durchzusetzen. Die Kosten dafür müssen sie allerdings selbst tragen. Die Neuregelungen soll im Herbst oder Winter 2020 in Kraft treten.

Ladestationen: Geringe Nachfrage, hohe Kosten

Für die (noch) niedrige Ausstattung gibt es aber noch weitere Gründe neben der Gesetzeslage. Die befragten Verwalter berichten von geringer Nachfrage durch Mieter und Eigentümer. Außerdem befürchten sie hohe Kosten für die Installation und damit eine geringe Wirtschaftlichkeit. Auch die Sorge vor technischen Problemen und grundsätzliche Zweifel an der Zukunft der Elektromobilität wurden geäußert. Hinzu kommt die unsichere Gesetzeslage.

Der Blick in die Zukunft sieht kaum besser aus. Nur ein Viertel der befragten Unternehmen geht in den nächsten drei Jahren von einem Ausbau der Ladeinfrastruktur in ihren Anlagen aus. Konkreter wird es bei 13 Prozent der Befragten: Sie planen, schon im kommenden Jahr aktiv zu werden.

Eine Ursache für die Zurückhaltung könnte die bauliche Situation in den Objekten sein. Denn in neun von zehn Tiefgaragen gibt es nicht einmal Leerrohre, durch die man Stromkabel problemlos verlegen könnte. Die Folge: noch höhere Kosten.

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Das empfiehlt der ADAC

  • Die Autoindustrie sollte Elektromobilität in allen Fahrzeugklassen erschwinglich machen

  • Die Energieversorger sollten Komplettlösungen und attraktive Preise für das Laden in Mehrfamilienhäusern bieten. Zum Service sollte auch Hilfe beim Beantragen von Fördermitteln gehören

  • Eigentümergemeinschaften, Vermieter und Hausverwaltungen sollten den Einbau von Landemöglichkeiten in gemeinsam genutzten Garagen unterstützen 

So führte der ADAC die Umfrage durch

Die Umfrage wurde in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig, Bremen, Dresden und Hannover durchgeführt. In diesen elf Städten befragten die Mitarbeiter des vom ADAC beauftragten Instituts Innofact AG insgesamt 1410 Firmen. Die Adressen stammten aus der Datenbank des auf den Bau- und Immobiliensektor spezialisierten Adressenverlags Iltisberger GmbH (DDV zertifiziert).

Angesprochen wurden 1410 Wohnungsbauunternehmen, Wohnungsbaugenossenschaften sowie Hausverwaltungen mit mehr als drei Mitarbeitern. Davon besaßen oder verwalteten 310 Unternehmen mindestens ein Objekt mit mehr als zehn Stellplätzen. Zusammen kamen sie auf 4815 Objekte mit über zehn Stellplätzen. Von diesen Unternehmen wollte der ADAC wissen, wie viele ihrer größeren Objekte wenigstens eine Lademöglichkeit haben.

Dies traf für 55 Unternehmen zu. Sie gaben dann eine Beschreibung der Installation von zumindest einem ihrer Objekte. Die restlichen 255 Unternehmen hatten in ihren Immobilien mit mehr als zehn Stellplätzen keinerlei Stromversorgung. Sie wurden nach den Gründen und nach deren Planung für eine mögliche zukünftige E-Ladeinfrastruktur befragt. Der Fragebogen konnte schriftlich, telefonisch oder online beantwortet werden. Die Erhebung fand im Februar und März 2019 statt.

Thomas Paulsen
Stellv. Chefredakteur
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