Elektroautos in der Tiefgarage: Probleme beim Laden

2.4.2019

Bei Wohnanlagen, Reihenhäusern oder Eigentumswohnungen müssen Miteigentümer dem Einbau von Ladekabeln und Strom-Infastruktur für Elektroautos zustimmen. Eine große Hürde für die Elektromobilität.

ADAC E-Mobilität 2018
Start oder Stop: Bis zum Durchbruch der Elektromobilität muss noch einiges geschehen 
  • Bei Stellplätzen auf Höfen und in Tiefgaragen fehlen Stromanschlüsse
  • Die Kosten für Stromkabel schrecken viele Elektroauto-Interessenten ab
  • Die Große Koalition hat eine Reform des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG) angekündigt
  • Das soll den Einbau von Ladestationen für Mieter und Besitzer von Eigentumswohnungen erleichtern

Vorteil Eigenheim-Besitzer: Die Elektroauto-Fahrer unter ihnen können in aller Regel selbst darüber entscheiden, ob sie sich einen Stromanschluss in die Garage legen. Ganz anders sieht es bei Mietern oder Eigentümern von Wohnungen aus. Sie sind auf die Zustimmung ihrer Vermieter oder der Miteigentümer der Wohnanlage angewiesen. Die Folge: Sie haben so gut wie keine Chance auf eine Ladestation. Denn im Zweifel reicht eine einzige Gegenstimme bei der Eigentümerversammlung, um die Steckdose am Stellplatz zu verhindern. Für die Verbreitung der Elektromobilität sind das keine guten Voraussetzungen. Schließlich wollen die meisten Elektroauto-Besitzer ihr Auto über Nacht und zuhause laden. 

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Elektromobilität: Viele Stromversorger sind nicht vorbereitet

Doch nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen fehlen. Auch bei den Stromversorgern hat man sich noch nicht darauf eingestellt, dass plötzlich Menschen anrufen, die sich noch nie Gedanken über Stromstärke, Lastmanagement und Reserveleistung gemacht haben – aber davon träumen, ihren Elektroflitzer schnell vollzuladen. Die Folge: Man redet aneinander vorbei, die Kunden sind irritiert vom Expertenkauderwelsch und den enormen Kosten.

Man habe das Problem erkannt, sagt der Sönke Schuster, Pressesprecher der Stadtwerke in Kiel. Mitarbeiter würden für die neuen Kundenbedürfnisse geschult, passende Angebote für die Stromkunden seien in der Entwicklung. Aber um E-Autos laden zu können, müssten manche Anschlüsse verstärkt werden – und diese Kosten habe der Kunde zu tragen. "Deshalb brauchen wir eine unkomplizierte Förderung." Doch die gibt es noch nicht – auch wenn Bundesverkehrsminister Scheuer im März 2019 ein entsprechendes Programm forderte.

Interesse wächst: Hamburg und München handeln 

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Die Stromversorger in einigen Großstädten gehen noch weiter, investieren bereits in die neuen Anforderungen der Elektromobilität. So hat die Stromnetz Hamburg GmbH damit begonnen, sich auf die Elektromobilität vorzubereiten: Bis 2030 rechnen die Verantwortlichen mit 100.000 Elektroautos im Stadtgebiet – und einer zusätzlichen Stromnachfrage von 500 Gigawatt im Jahr. Bastian Pfarrherr, Innovationsmanager des Unternehmens, sagt: "Wenn wir nichts tun, dann hält unser Stromnetz diese Veränderung nicht aus."

Deshalb rüstet sein Unternehmen in den kommenden Jahren gut 1000 der insgesamt 6000 Transformatoren im Stadtgebiet um. Mit ihnen wird Mittelspannungs-Strom in Niedrigspannung umgewandelt und dann an die Endverbraucher weitergeleitet.

Bisher waren die Transformatoren relativ dumm: Sie konnten nur diese eine Aufgabe erledigen. Künftig sollen sie auch messen können, wie viel Strom gerade nachgefragt wird – und dann auf die steigende und schwankende Nachfrage durch e-Autos reagieren: Wenn, zum Beispiel am frühen Abend, viele Elektroautos gleichzeitig laden, sollen sie die Stromabgabe an diese Fahrzeuge reduzieren. Und sie nachts, wenn die Stadt schläft und wenig Elektrizität gebraucht wird, wieder erhöhen.

Einen Schritt weiter sind die Stadtwerke München (SWM). Sie haben ein e-Mobilitäts-Angebot für Mehrfamilienhäuser entwickelt, bei dem die SWM auf eigene Kosten den Hausanschluss auf die neuen Anforderungen vorbereitet und Stromleitungen in der jeweiligen Tiefgarage verlegt.

Die Kunden können dann eine Strom-Flatrate abschließen, abhängig von der Batteriekapazität: Die Preise reichen von 24 Euro im Monat für einen Plug-in-Hybrid wie den Toyota Prius bis zu 54 Euro für einen Opel Ampera-e oder einen Tesla. Obendrauf kommen 45 Euro im Monat als Nutzungspauschale.

Die größte Hürde: Das Wohnungseigentumsgesetz (WEG)

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Der Weg zum Stromanschluss in der Garage ist weit

Ein Angebot, das, abhängig von der persönlichen Fahrleistung, durchaus interessant sein kann. Wäre da nicht eine große Hürde: Das Wohnungseigentümergesetz, kurz WEG. Es verlangt, dass bei Umbauten am Gemeinschaftseigentum die Miteigentümer zustimmen. Eine hohe Hürde – zumal sich die Eigentümer in der Regel nur einmal jährlich treffen. Ist nur einer dagegen, bedeutet das Wiedervorlage im nächsten Jahr.

Bei Haus und Grund, einer Interessenvertretung für Immobilienbesitzer, plädiert die Rechtsreferentin Julia Wagner dafür, das WEG zu ändern. Zahle ein Eigentümer den Anschluss an seinem Stellplatz allein, solle er auch ohne Zustimmung loslegen dürfen. Wenn alle Eigentümer beteiligt werden, müsse weiterhin abgestimmt werden – allerdings ohne Einstimmigkeit.

Das Bauministerium prüft derzeit, wie das WEG an die Elektromobilität angepasst werden könnte. Und auch Justizministerin Katarina Barley will das Gesetz ändern. "Der Einbau von Ladesäulen darf nicht an komplizierten Regelungen im Eigentumsrecht scheitern", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge sei in einem ersten Entwurf ein Anspruch auf die Erlaubnis zum Einbau von Lademöglichkeiten vorgesehen. Sogar gegen den Willen der Miteigentümer. Einen Zeitplan gebe es aber noch nicht.  Der Weg zum Stromanschluss in die Stadt: Er ist auch weiterhin ziemlich weit.

Text: Thomas Paulsen, Foto: Sebastian Weimar, Alexander Eiländer. Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de