Suzuki Jimny: ADAC Test, Crashtest, Daten, Preise

Front des Suzuki Jimny
Der Suzuki Jimny ist noch ein richtiger Geländewagen© Suzuki

Der Suzuki Jimny ist kurz, kantig, knuffig – und sympathisch! Aber: Im ADAC Autotest und Crashtest offenbart er eklatante Schwächen. Da hilft auch nicht, dass Suzuki den kleinen SUV jetzt offiziell als Nutzfahrzeug verkauft. Daten, Testergebnisse, Crash-Video.

  • Ab 21.915 Euro: Der Suzuki Jimny wurde 4000 Euro teurer

  • Mit 3,65 Metern Länge ist der Offroader wendig

  • Allradantrieb Serie: Im Gelände trumpft der Jimny auf

  • Gefährlich: Als Nutzfahrzeug ohne Seiten- und Kopfairbags

Gut, dass es sie noch gibt: Autos, die man auf Anhieb sympathisch findet. Der Suzuki Jimny ist so ein Modell, das einen mit kleinen Kulleraugen so unschuldig anschaut und dem man (fast) jede Schwäche verzeihen möchte. Mit seiner selbstbewussten Front im Jeep-Stil markiert er zwar den Halbstarken, doch tatsächlich macht er den aktuellen Größenwahn, der in der Autobranche um sich greift, einfach nicht mit.

Gerade mal 3,65 Meter lang (etwa wie ein VW up!) mimt er nach wie vor den Bonsai unter den Geländewagen, kommt mit gemessenen 10,6 Metern Wendekreis aus, wuselt wie von selbst in kleinste Lücken. Parkplatzprobleme gibt es mit ihm nicht. Und durch die erhöhte Sitzposition ist die kastige Form des Japaners noch besser zu überblicken. Einparkhilfen wie Piepser oder Kameras sind nicht vorhanden – man vermisst sie aber auch nicht.

Suzuki Jimny: Nur noch mit zwei Sitzen

Der Susuki Jimny von innen mit eingeklappten Rücksitzen
Nutzfahrzeug: Den Jimny gibt es nur noch als Zweisitzer © Suzuki

Kein Wunder also, dass der aktuelle Suzuki Jimny, der vor drei Jahren auf den Markt kam, aufgrund der limitierten Stückzahlen nur schwer zu bekommen war. Die Händler mussten viele Interessenten enttäuschen, wenig später galt der kantige Geländewagen bereits als ausverkauft.

Nun nimmt Suzuki einen neuen Anlauf und bringt den Jimny zurück, allerdings als Nutzfahrzeug. Der Hintergrund: Als Nutzfahrzeug geht der Allradler nicht in den Pkw-CO₂-Flottenverbrauch des Herstellers ein. Da die Japaner keine Strafzahlungen an die EU riskieren wollen, wird die Pkw-Variante kurzerhand nicht mehr angeboten. Das ist vermutlich auch besser so, denn mit seinem hohen Verbrauch (Herstellerangabe: 7,7 l/100 km; 173 g/km CO₂) ist der 1,5-l-Saugbenziner schon auf dem Papier sehr schluckfreudig.

Ebener Ladeboden, 935 Liter Kofferraumvolumen

Schon mit dem Viersitzer war es besser, die Rücksitze gleich umzuklappen und den Raum für eine größere Ladefläche zu nutzen. Inzwischen tut sich hinter der nach rechts klappenden Hecktür ein Abteil mit gemessenen 935 Litern Ladevolumen und ein ebener Ladeboden auf. Ein Trenngitter soll das Eindringen von Transportgut in die Fahrerkabine verhindern.

Der Jimny ist ein Auto mit viel Bodenfreiheit, dementsprechend muss erst ein hoher Schweller überwunden werden, um einzusteigen. Ansonsten aber gelangt man durch die recht großen Türöffnungen einfach in das Auto, die Sitzhöhe liegt 66 Zentimeter über der Straße.

Der Geländehüpfer ist schmal und innen eng, man sitzt nah beieinander. Dennoch ist das Raumgefühl großzügig, da die großen und steilen Scheiben ein luftiges Gefühl erzeugen. Der Fußraum auf dem Fahrersitz reicht gerade einmal für 1,85 Meter große Personen gut aus, über dem Kopf ist dann noch Luft: Erst ab 2,10 Metern Körpergröße nimmt man Kontakt mit dem Dachhimmel auf.

Geländetauglichkeit dank Allrad

Heckansicht des Suzuki Jimny fahrend
Die gute Achsverschränkung zahlt sich auf üblen Wegen aus © Suzuki

Auf unwegsamem Terrain ist der Kleine in seinem Element. Mit 21 Zentimetern Bodenfreiheit, sehr knappen Karosserieüberhängen, serienmäßig zuschaltbarem Allradantrieb und Untersetzungsgetriebe fährt der nur 1,1 Tonnen leichte Geländewagen den meisten großen SUVs im Gelände auf und davon. Starrachsen vorn und hinten sorgen für eine ordentliche Verschränkung – natürlich sind diese an einem robusten Leiterrahmen aufgehängt. Der Böschungswinkel vorn beträgt 37 Grad, der hintere gar 49 Grad. Der Rampenwinkel liegt bei sehr guten 28 Grad.

Vor steilen Hängen, tiefen Löchern und buckligen Waldwegen braucht man also keine Angst zu haben. Völlig problemlos wühlt sich der Jimny durchs Unterholz, bleibt auch nicht zwischen den Bäumen hängen. Da zahlt sich die nur 1,65 Meter schmale Karosserie aus. Wie anno dazumal werden der Allradantrieb und das Untersetzungsgetriebe mit einem zweiten "Schalthebel" aktiviert.

Komfort? Im Rahmen des Möglichen

Und ja: Jimny-Fahren macht Spaß! Weil der Kleine supereinfach zu bedienen ist. Weil es keine Einweisung braucht und man sich einfach reinsetzt und losfährt. Auch weil die Federung erstaunlich gut die Bandscheiben schont – Wunder kann der Jimny wegen seines kurzen Radstands und der altmodischen Starrachse aber nicht vollbringen. Bodenwellen auf der Landstraße quittiert der Suzuki mit einem missmutigen Schaukeln.

Einziger Motor: Ein trinkfester 102-PS-Benziner

Der einzig verfügbare Motor, ein 1,5-Liter-Benziner, läuft rau und laut und macht sich besonders auf der Autobahn deutlich bemerkbar. Weil ein sechster Gang fehlt, nerven hohe Drehzahlen und eine entsprechend laute Geräuschkulisse.

Zudem ist der turbolose Benziner mit 102 PS kein Kraftprotz, selbst wenn er verzögerungsfrei anspricht und den Geländefloh tapfer und unaufgeregt bis zur Spitze bei 145 km/h beschleunigt. Den Sprintwert auf 100 km/h gibt Suzuki gar nicht erst an. Das bisher für 1180 Euro extra angebotene Automatikgetriebe mit seinen vier recht archaisch wirkenden Gängen hat Suzuki bei der Metamorphose zum Nützling mitsamt der Rücksitzbank gestrichen.

Testverbrauch: 8,4 Liter Super auf 100 Kilometer im Durchschnitt! Auf der Autobahn genehmigt sich der Suzuki sogar knapp zehn. Für einen gut 100 PS starken Kleinwagen ist das zu viel. Immerhin hat Suzuki die Schadstoffwerte gut Griff, sodass es insgesamt für drei von fünf Sternen im ADAC Ecotest reicht.

360-Grad-Blick in den Innenraum des Jimny

Hausmeisterdienste, Jäger und Förster können aufatmen: Der Jimny ist sich treu geblieben und macht seinem Ruf als robustes Arbeitstier alle Ehre. Und obwohl es jetzt sogar moderne Assistenzsysteme wie eine Notbremsfunktion und Verkehrszeichenerkennung gibt, ist der Japaner wohltuend einfach gestrickt. Aber: 44 Meter Bremsweg aus 100 km/h sind leider von vorgestern.

Nicht nur deshalb empfiehlt sich eine defensive und vorausschauende Fahrweise: Bei Nacht sieht man auch relativ wenig, weil die Halogen-Scheinwerfer die Fahrbahn nur unzureichend beleuchten. Auch die Fahrstabilität lässt zu wünschen übrig.

Der Jimny wankt in Verbindung mit der extrem indirekten und gefühllosen Lenkung bei jeglichem Lenkmanöver deutlich und taumelt durch zügig durchfahrene Kurven.

Entspanntes Fahren auf der Autobahn ist bei sehr lauten Innengeräuschen nicht die Sache des kleinen Kraxlers, hier belässt man es schnell freiwillig bei Geschwindigkeiten deutlich unter der Spitze von 145 km/h. Auch beim ADAC Ausweichtest müht er sich mit heftigen ESP-Eingriffen durch den Parcours, ist stark untersteuernd unterwegs. Zumindest besteht keinerlei Kippgefahr mit den Reifen des Testwagens.

Testfazit

Der Jimny ist nach wie vor eines der preiswertesten Allradfahrzeuge: Zu haben ist der Zweisitzer jetzt ausschließlich in der Version Comfort, neben den erwähnten elektronischen Helfern unter anderem mit Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern vorn, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Sitzheizung, CD-Radio mit DAB+ und Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Lichtsensor und Fernlichtassistent.

Und trotzdem: Es ist schon bemerkenswert, dass Suzuki den Grundpreis des Jimny 1.5 Allgrip Comfort (21.915 Euro) im Vergleich zum zuletzt erhältlichen Viersitzer nicht nur um 4000 Euro angehoben hat, sondern im gleichen Zug die Seiten- und Kopfairbags gestrichen hat. Suzuki teilte dazu auf Nachfrage mit, dass "durch die feste Abtrennung des Fahrgastraumes zum Gepäckraum aus technischen Gründen kein Verbau von Seitenairbags und Kopfairbags möglich" wäre.

Unabhängig davon, dass solche Probleme sicherlich konstruktiv leicht zu lösen sind, steht die Preisgestaltung natürlich jedem Hersteller frei. Doch wenn man dem Kunden allerdings bereits vorhandene Sicherheitseinrichtungen nimmt, setzen die Japaner die Gesundheit ihrer Kundschaft leichtfertig aufs Spiel.

  • Das hat uns gefallen: sehr gute Geländeeigenschaften, wendig und durch kurze Karosserie sehr handlich, großer Kofferraum, niedrige Emissionen.

  • Das hat uns nicht gefallen: sehr hoher Verbrauch, sehr langer Bremsweg, geringes Sicherheitsniveau, lauter Innenraum, Lichtsystem mit dürftiger Fahrbahnausleuchtung.

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Suzuki Jimny: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Suzuki Jimny 1.5 Comfort Allgrip (aktuelles Modell)

Motor

Vierzylinder-Benziner, 1462 cm³, 75 kW/102 PS, 130 Nm bei 4000 U/min

Fahrleistungen

0 – 100 km/h: k.A., Spitze 145 km/h

Verbrauch (Nutzfahrzeug-WLTP)

7,7 l Super/100 km, 173 g CO₂/km

Maße

L 3,65 / B 1,65 / H 1,71 m

Kofferraum

863 l

Leergewicht / Zuladung

1165 kg / 270 kg

Preis

ab 21.915 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)*


Überholvorgang 60 – 100 km/h

7,5 s

Bremsweg aus 100 km/h

44,0 m

Wendekreis

10,6 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

8,4 l Super/100 km, 229 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Reichweite

475 km

Innengeräusch bei 130 km/h

74,9 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1094 / 341 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

435 / – / 935 l

*Messwerte zum Testzeitpunkt November 2021; getestet wurde das Nfz-Modell

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis


Karosserie / Kofferraum

3,2

Innenraum

3,2

Komfort

4,0

Motor / Antrieb

3,6

Fahreigenschaften

4,8

Sicherheit

3,7

Umwelt / Ecotest

3,5

Gesamtnote

3,7

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

Schlechtes Ergebnis im EuroNCAP-Crashtest

Suzuki Jimny: Keine guten Ergebnisse beim Crashtest ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Euro NCAP

Der Suzuki Jimny erreichte schon als Pkw nur drei Sterne von maximal erreichbaren fünf. Das Fahrzeug war mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern und Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern vorn und hinten ausgestattet. Für die vorderen Plätze waren zusätzlich Seitenairbags verbaut.

Der Insassenschutz war schon damals grenzwertig, das Verletzungsrisiko für Erwachsene teilweise hoch, nur für Kinder war die Verletzungsgefahr gering bis sehr gering. Doch die Rückbank samt Isofix-Halter hinten sind der Umwandlung zum Nutzfahrzeug zum Opfer gefallen, für den Beifahrersitz sind sie nicht erhältlich. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. Der Jimny ist mit einem einfachen Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und Spurverlassenswarner serienmäßig ausgestattet.

Allerdings: Für den neuen Nutzfahrzeug-Jimny hat Suzuki – bei gleichzeitiger Preiserhöhung! – die Seiten- und Kopfairbags gestrichen. Das 3-Sterne-Ergebnis ist auf die Nfz-Variante daher nicht übertragbar. Wie dann der Jimny beim Crashtest – speziell beim anspruchsvollen seitlichen Pfahltest – abschneidet, kann nur vermutet werden. Wir ahnen nichts Gutes.

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