Test Opel Grandland: Hybrid- oder Elektroantrieb?

• Lesezeit: 9 Min.

Von Jochen Wieler

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Der Grandland ist Opels Familien-SUV: In seiner zweiten Generation präsentiert er sich optisch modern und technisch up to date. Was auch für die Antriebe gilt: Es gibt ihn als Hybrid, Plug-in-Hybrid und als Elektroauto mit hoher Reichweite. Wie schneidet er im ADAC Test ab?

  • Opel Grandland als Hybrid und Elektroauto im Test

  • 550 km Reichweite im ADAC Ecotest

  • Viel Platz, mäßiger Federungskomfort

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Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Opel Grandland Electric Long Range (97 kWh) GS herunterladen
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Hier können Sie den ausführlichen Test des Opel Grandland 1.2 DI Turbo Hybrid GS herunterladen

Keine Frage: Der aktuelle Opel Grandland strahlt ein gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein aus. Betrachtet man den neuen Grandland von der Seite, wirkt er irgendwie wie ein höhergelegter Astra Sports Tourer, nur deutlich wuchtiger. Vorn mit typischem Opel-Vizor in Schwarz, in der Mitte das leuchtende Opel-Logo, von hinten wirkt er modern und elegant. Am Heck strahlen zudem nicht nur die Leuchten rot, sondern auch der Markenschriftzug in der Mitte der Heckklappe. "Edge Light"-Technologie nennt Opel sein neues Lichtdesign.

Opel Grandland: Mehr Platz im Innenraum

Der neue Opel Grandland stehend seitlich auf einer Landstraße fotografiert
Der vollelektrische Grandland im ADAC Autotest© ADAC/Wolfgang Rudschies

Nicht nur optisch hat der Grandland zugelegt. In der Länge ist das Opel-SUV im Vergleich zur ersten Generation um 17,5 Zentimeter auf 4,65 Meter gewachsen, in der Breite um 6,4 Zentimeter auf 1,90 Meter. Das wirkt sich positiv auf die Platzverhältnisse aus, wie die ADAC Messwerte beweisen. Vorn lässt die Sitzverstellung zu, dass selbst Zwei-Meter-Riesen gut unterkommen. Sitzt vorn ein 1,85 Meter großer Mensch (Standardeinstellung beim ADAC Test), fühlen sich dahinter ebenfalls bis zu zwei Meter große Personen noch wohl.

Mit einer Einschränkung: Mit optionalem Glasdach kommt zwar mehr Licht in den Innenraum, die Kopffreiheit verringert sich dadurch aber um 15 Zentimeter. Und damit so drastisch, dass es nur noch für 1,85 Meter große Mitfahrerinnen und Mitfahrer reicht. Beim Kauf sollte man darauf achten und im Zweifel das Glasdach nicht mitbestellen.

Das Kofferraumvolumen des Grandland fällt stattlich aus. Einen Unterschied zwischen der Hybridversion und der Elektrovariante gibt es übrigens nicht: Im Normalfall passen in das Gepäckabteil bei Beladung bis zur Hutablage 425 Liter, wenn der variable Ladeboden auf der unteren Position ruht. Befindet sich der Boden auf der oberen Stufe, lassen sich damit 85 Liter nach unten hin abtrennen. Weitere 80 Liter gehen unter den Kofferraumboden.

Nutzt man den Stauraum bis unter das Dach, lassen sich zehn handelsübliche Getränkekisten unterbringen. Und ist alles umgeklappt, nimmt der Opel 1460 Liter auf. Mehr als genug für die Fahrt zum Wertstoffhof nach dem Keller-Ausmisten.

Opel-SUV: Ambiente und Bedienung

Im Innenraum fällt auf, dass sich Opel um einen Mix aus modernem Design und Wohnlichkeit bemüht hat. So findet sich zum Beispiel Stoff an einigen Stellen des Armaturenbretts. Das ist durchaus gelungen, kann aber nicht überdecken, dass sich besonders im unteren Teil des Cockpits eher einfache und teils kratzempfindliche Kunststoffe befinden.

Das Cockpit des neuen Opel Grandland wirkt bereits auf den ersten Blick aufgeräumt. Man findet sich schnell zurecht, da viele Bedienelemente an gewohnter Stelle liegen. Wer nicht das komplette Fahrzeug über Displays bedienen will, wird sich über die physischen Tasten freuen, mit denen sich zum Beispiel die Klimatisierung des Grandland regeln lässt. Eine passende Sitzposition ist schnell gefunden, nur der Einstellbereich des Lenkrads könnte sowohl in Länge als auch Höhe etwas größer ausfallen.

Der sehr gut gelegene Infotainmentbildschirm misst ab der GS-Ausstattung 16 Zoll, in der Basis sind es nur 10 Zoll. Das Bediensystem ist grundsätzlich logisch aufgebaut, wenngleich der große Funktionsumfang und manche nicht auf Anhieb auffindbare Detaileinstellung den Umgang im Alltag hier und da etwas erschweren können. Praktisch dagegen: Zur Konfiguration der Fahrerassistenzsysteme gelangt man per kurzem Druck auf die Taste unter dem Bildschirm.

Das Head-up-Display (Projektion in die Frontscheibe) ist Bestandteil des Infotainment-Pakets und überzeugt durch seine Darstellungsschärfe sowie den angemessenen Informationsgehalt inklusive Kartendarstellung bei aktivierter Navigation.

Bildergalerie: Opel Grandland im Detail

Damit auch lange Reisen nicht zur Erschöpfung hinter dem Steuer führen, bekam der Grandland ergonomische Sitze spendiert, die Opel weiter verfeinert und mit neuen Komfort-Features versehen hat. Im Grandland bieten sie erstmals aktive Seitenpolster, die sich je nach Kurvenfahrt automatisch aufpumpen, um noch besseren Halt zu gewährleisten. Zusätzlich verfügt der Fahrersitz über Ventilation und eine Massagefunktion.

Elektro-Grandland mit zwei Akkus

Heckansicht eines fahrenden Opel Grandland
Trotz vieler zweifarbiger Akzente hat der Grandland eine wuchtige Statur© Opel Automobile GmbH

Besonders stolz ist Opel auf die elektrische Version des Grandland. Sie kommt in zwei Akkuversionen: mit 73-kWh- und als Long Range mit 97-kWh-Batteriepaket im Unterboden. Gerade der Long Range ist interessant, da in dieser Fahrzeugklasse eine solch üppige Batterie noch längst nicht die Regel ist. Wie weit man damit fahren kann und wie viel Strom der Grandland verbraucht, hat der ADAC getestet.

Opel spricht von bis zu 700 Kilometern Reichweite – für ein Elektroauto ist das eine Ansage. Schafft er das tatsächlich? Wie so oft ist der Prospektwert auch bei diesem E-Auto eher theoretischer Natur. Im realitätsnahen ADAC Ecotest waren zumindest 550 Kilometer bei gemischter Fahrweise ohne Ladestopp möglich. Ein wirklich guter Wert, der bei reiner Autobahnfahrt aber noch sinken kann. Wie sich in etwa die Reichweite je nach Tempo und Temperatur verhält, zeigt der ADAC Reichweitenrechner.

ADAC Reichweitenrechner

Opel Grandland Electric Long Range (97 kWh) GS 170 kW (231 PS)

-10

30

50

130

Berechnete Reichweite

672km

(Reichweite laut Hersteller: 694 km)

DC-Laden: 39 Minuten von 10 auf 80 Prozent

Der neue Opel Grandland frontal von vorne beim Laden zu sehen
An der DC-Säule lädt der Grandland mit durchschnittlich 112 kW© ADAC/Wolfgang Rudschies

Und wie schnell lädt der Opel wieder auf? Serienmäßig lässt er sich mit bis zu 160 kW per Gleichstrom (DC) an einer geeigneten Schnellladesäule laden. Unter optimalen Bedingungen vergehen 39 Minuten, um die große Batterie von 10 auf 80 Prozent SoC (State of Charge) per DC zu befüllen – ein mäßiges Ergebnis mit Blick auf die Konkurrenz: Der vergleichbare Genesis GV60 braucht für denselben Ladehub nur halb so lange, hat aber auch die schnellere 800-Volt-Technik an Bord.

Auf längeren Strecken sollte man also eine gewisse Standzeit einplanen. Gemessen haben die ADAC Ingenieure beim DC-Laden eine durchschnittliche Ladeleistung von 112 kW bei maximal 159,3 kW – damit lädt der Opel wie im Prospekt versprochen.

Bei Wechselstrom an der AC-Säule lässt sich die Batterie mit maximal 11 kW befüllen, von leer auf voll vergehen dann zehn Stunden. Eine optionale 22-kW-Lademöglichkeit gibt es leider nicht. Unschön, denn an vielen öffentlichen Säulen wird nach vier Stunden eine "Blockiergebühr" erhoben.

Vom 231 PS starken Elektroantrieb ist beim Fahren nichts zu hören. So gleitet man sehr leise und entspannt dahin, das Fahrpedal lässt sich feinfühlig dosieren. Sieht man von einer leicht verzögerten Gasannahme beim Anfahren einmal ab, gibt der Motor seine Leistung sehr gleichmäßig und mit Nachdruck, dabei aber auch sehr unaufgeregt ab.

Die Fahrleistungen fallen ordentlich aus, was für den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,8 Sekunden und Zwischenspurts beim Überholen gleichermaßen gilt. Rein subjektiv holt einen der Antrieb bei 2,3 Tonnen Leergewicht emotional aber nicht ab, sportliche Ambitionen vermag er beim Fahrer oder der Fahrerin nicht zu wecken.

Für ein SUV, das ein braves Familienauto sein will, ist das aber kein Problem. Die straffe Abstimmung schon eher. Kopfsteinpflaster und Querfugen steckt der Opel nicht sonderlich gut weg, hier würde man sich eine softere Federung wünschen. Tipp: Lieber zu kleineren Rädern greifen, also zu 19 statt 20 Zoll zum Beispiel, dann wird der Federungskomfort etwas besser.

Opel Grandland 1.2 Hybrid im Test

Frontansicht eines fahrenden Opel Grandland
Ausreichend motorisiert: Grandland als Hybrid mit 145 PS© Opel Automobile GmbH

Wer noch nicht bereit ist für einen Elektroantrieb, hat mit dem Grandland 1.2 DI Turbo Hybrid eine Alternative. Die Basisversion kommt auf 145 PS Systemleistung und ist bereits ab 37.990 Euro zu haben. Soll es die bessere und vom ADAC getestete Ausstattung GS sein, werden aber bereits 42.190 Euro fällig.

Für den Antrieb zuständig sind ein 136 PS starker Dreizylinder-Turbo-Benziner mit überschaubaren 1,2 Litern Hubraum und als Unterstützung ein 21-PS-Elektromotor. Damit geht es im rund 1,6 Tonnen schweren Grandland gut voran: Der Spurt von 60 auf 100 km/h gelingt in 6,1 Sekunden, der von 80 auf 120 km/h in guten 7,8 Sekunden. Im Vergleich zum Elektriker deutlich betulichere 10,2 Sekunden gibt der Hersteller für den Standardsprint von 0 auf 100 km/h an – bei Tempo 202 km/h endet der Vortrieb.

Heckansicht eines fahrenden Opel Grandland
Ein Dynamiker ist der Grandland nicht – hierfür ist die Lenkung zu gefühllos© Opel

Auf dem Papier geben die Fahrleistungen keinen Grund zur Beanstandung und auch in der Praxis ist man bei Bedarf zügig unterwegs – obwohl die Charakteristik des Antriebs wenig Dynamik vermittelt. Das Mildhybrid-System wirkt träge und angestrengt, wenn man dem Grandland Leistung abverlangt. Eine gemütliche Gangart passt daher besser zum Wesen des Opel. Ein Dynamiker ist der Opel wegen seiner gefühllosen Lenkung ohnehin nicht unbedingt.

Elektrisch können mit dem Mildhybrid nur sehr kurze Strecken im unteren und mittleren Geschwindigkeitsbereich zurückgelegt werden. Schaltet sich der Verbrenner zu, muss sich der Antrieb erst einmal sortieren und es dauert ein wenig, bis der Motor loslegt. Vibrationen sind besonders bei niedrigen Drehzahlen zu spüren – und das relativ häufig, weil niedertouriges Fahren vom 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bevorzugt wird.

Das Zusammenspiel aus Verbrenner, E-Motor und Getriebe könnte also durchaus noch Feinschliff vertragen, was umso deutlicher wird, wenn man von dem sehr geschmeidigen Antrieb des elektrischen Grandland umsteigt.

Verbrauchsvorteile kann das Hybridsystem hauptsächlich im Stadtverkehr bei niedrigem Tempo ausspielen, wenn eine rein elektrische Fahrweise möglich ist. Dann lässt sich der Opel mit rund sechs Litern bewegen. Bei einem gemischten Fahrprofil, das dem ADAC Ecotest zugrunde liegt, konnten die Testingenieure einen Verbrauch von 6,9 Litern Super ermitteln. Beim Verbrauch ist also noch etwas Luft nach oben, die Abgase werden dagegen vorbildlich gereinigt. Sowohl auf dem Prüfstand als auch bei Messungen auf der Straße ist der Opel sehr sauber unterwegs.

Fazit

Heck und Seitenansicht eines fahrenden Opel Grandland
Der Grandland mit Hybrid-Verbrenner wird am Ende nur zweiter Sieger© Opel

Elektro oder Hybrid – was ist die bessere Wahl? Geht es nach der Testnote, gewinnt der Elektro-Grandland mit einer 2,0 vor dem Hybrid mit einer 2,3. Der Grandland Electric hat den geschmeidigeren Antrieb und seine Reichweite sollte auch E-Auto-Skeptiker überzeugen. Für den Hybrid spricht sein günstigerer Preis.

Für Opel-Kunden, die einen Zwischenschritt zwischen E-Antrieb und Verbrenner bevorzugen, hält der Grandland-Katalog noch eine Alternative bereit. Als Plug-in-Hybrid soll der Grandland bis zu 85 Kilometer rein elektrisch fahren können (WLTP). Er ist mit einer Systemleistung von 195 PS ab 41.550 Euro zu haben.

Übrigens: Trotz der Stellantis-Plattform, auf der beispielsweise auch der Peugeot 3008 steht, ist der neue Grandland made in Germany: Entwickelt und designt wurde das SUV in Rüsselsheim, montiert wird der Grandland bei Opel in Eisenach.

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Opel Grandland: Daten und Preise

ADAC Messwerte

ADAC Testergebnis

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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