Nissan Micra: Flotter Dreier unter der Haube

ein roter Nissan Micra fährt durch die Stadt
Mit 3,99 Meter Länge ist der Micra in der Großstadt sehr praktisch ∙ © Nissan

Den Nissan Micra gibt es nur noch mit einem Dreizylinder-Motor, der aus 1,0 Liter Hubraum 92 PS und 160 Nm Drehmoment holt. Testfahrt, Daten, Preis.

  • Effizientere Verbrennung durch neue Technologien 

  • Nur noch eine Motorvariante zu haben

  • Erhältlich ab 13.690 Euro

Irgendwie scheint selbst Nissan mit seinen Motoren nicht ganz zufrieden zu sein. Denn beim Micra hat sich so einiges geändert im Laufe der Lebenszeit es aktuellen Modells. Schon kurz nach Markteinführung ist der Basismotor des Nissan Micra aus dem Programm geflogen. Das war kein Schaden, denn der 0,9-Liter-Motor mit 90 PS war kein besonders angenehmer Partner: Schlecht anzufahren, schwachbrüstig, unharmonisch in der Kraftentfaltung.

Ersetzt wurde der Motor durch einen 1,0-Liter-Dreizylinder-Motor. Der soll laut Nissan mehr Druck von unten heraus, eine elastischere Leistungsentfaltung, höhere Laufkultur und weniger Verbrauch bieten. Und der Micra 1.0 IG-T hält diese Versprechen tatsächlich.

Micra nur noch mit einem 1,0-Liter-Motor

Ein roter Nissan Micra x-Tronic fährt auf den Betrachter zu
Mit seinen jetzt 92 PS ist der Kleinwagen flott unterwegs ∙ © Nissan

Spurt- und durchzugsstark pusht er sich durch den Großstadtverkehr und besteht sogar die Autobahnprüfung mit großer Lässigkeit. Er klingt unangestrengt und fühlt sich auch so an. Den typischen Dreizylinderklang kann er nicht ganz ablegen und rasselt kernig, aber leise vor sich hin. Auch bei höherem Tempo bewährt sich der Dreizylinder-Benziner und nimmt jederzeit willig Gasbefehle an und wirkt deutlich temperamentvoller als es die inzwischen 92 PS vermuten ließen. Ursprünglich hatte der Motor mal 100 PS. Acht Pferdchen blieben bei der Abgassäuberung auf der Strecke, dafür erfüllt der 1,0-Liter-Turbomotor im Modelljahr 2021 die Abgasnorm Euro 6d.

Als Durchschnittsverbrauch über unterschiedliche Einsatzgebiete hinweg (Stadt, Landstraße, Autobahn) konnten wir rund 5,6 Liter pro 100 Kilometer ermitteln – eine akzeptable Überschreitung des (veralteten) NEFZ-Katalogwerts von 4,5 bis 4,7 Litern beim Handschalter und 4,7 bis 5,0 Litern bei der Version mit Automatik. 

Wer leistungshungriger war, hatte bis Ende 2020 mit dem DIG-T 117 eine Alternative - doch die ist ebenfalls aus dem Programm geflogen. Zwar bot dieser Motor bessere Fahrleistungen als der schwächere Dreizylinder. Doch Ansprechverhalten und Leistungsentfaltung zeigten sich unterhalb von rund 2000 Umdrehungen eher träge und beim Durcheilen des Drehzahlbandes traten immer wieder kleine Drehmomentlöcher bzw. Ruckler auf. Also auch hier war es gut, dass Nissan diesen Motor zum Altmetall erklärt hat.

Sicherer dank überarbeitetem Fahrwerk

ein roter Nissan Micra von hinten
Das Fahrwerk ist straff abgestimmt und dennoch harmonisch ∙ © Nissan

Das Fahrwerk des Micra fällt recht straff aus. Nur kurze Fahrbahnstöße gehen relativ direkt an die Bandscheiben. Trotzdem ist man alles in allem mit dem Japaner sehr flink und ausreichend komfortabel unterwegs – selbst auf der Langstrecke. Der Japaner erweist sich als flotter Kurvenflitzer, wozu auch die feinfühlig abgestimmte Lenkung ihren Teil beiträgt. Das Lenkrad liegt sehr gut in der Hand, Material und Form fühlen sich gut an. Die Fünf-Gang-Handschaltung ist sehr knackig mit kurzen, exakten Wegen. 

Nissan hat nach dem schlechten Abschneiden des ersten Micra im ADAC Ausweichtest (2017) das Modell modifiziert. Nun sind alle Micra mit der Chassis Control Technologie (CCT) ausgestattet, die ein situationsabhängiges Abbremsen einzelner Räder während der Kurvenfahrt ermöglicht. Im Ausweichtest zeigt sich, dass die Maßnahme Früchte trägt, da sich der Micra nicht mehr so kritisch verhält. Seine Tendenz zum Übersteuern ist zwar geblieben, das Stabilitätsprogramm setzt aber früher und vehementer ein, um das Fahrzeug abzubremsen bzw. wieder zu stabilisieren.

Viel Platz vorn, hinten ist es eng

Die Platzverhältnisse sind vorn sehr gut, ausreichend selbst für zwei Meter lange Passagiere. Die Sitze geben angenehmen Halt. Die Sicht nach vorn ist an sich gut, allerdings schränken massive und recht schräge A-Säulen manchmal den Blick schräg zur Seite ein.

Hinten geht's für Mitfahrer leider eng zu: Höchstens für urbane Kurzstrecken ist der Micra mit voller Erwachsenen-Besatzung geeignet – und die Sicht nach draußen ist eingeschränkt. Eine abfallende Dachlinie, die aufsteigende Fensterlinie und breite Dachsäulen machen sich hier negativ bemerkbar. Der durchschnittliche Kleinwagen-Kofferraum (laut Hersteller 300 bis maximal 1004 Liter, nach ADAC Messung 265 bis 950 Liter) ist in diesem Segment durchaus üblich.

Der Innenraum wirkt modern und hochwertig

Blick auf das Lenkrad des Nissan Micra
Kleinwagentypisch ist das mehrfarbige Design ∙ © Nissan

In Sachen Infotainment kommt der Kleinwagen recht erwachsen daher, vorausgesetzt man investiert in die Ausstattungslinie Acenta (ab 18.390 Euro). Dann sind neben vielen weiteren Annehmlichkeiten Android Auto und Apple CarPlay an Bord. Ein Navi kann man sich so schon mal sparen, wenn dann via Smartphone über den Auto-Bildschirm navigiert werden kann. Die Connectivity funktioniert tadellos, die Anzeigen auf dem 7-Zoll-Bildschirm sind sehr übersichtlich und gut bedienbar. Einzig die teils deutlichen Spiegelungen stören bei hellem Außenlicht – trotz matter Oberfläche.

Über die Sicherheitsausstattung muss man sich beim Micra keine Sorgen machen. Ab der Basisvariante Visia ist bereits serienmäßig AEB (Autonomous Emergency Braking) an Bord: ein hervorragend funktionierender Notbremsassistent mit Kollisionswarnsystem.

Für 490 Euro extra (Safety Paket) wird dieser um eine Fußgängererkennung erweitert und ist zusätzlich ein aktiver Spurhalteassistent mit korrigierendem Bremseingriff an Bord. In den weiteren Ausstattungs-Varianten von Actenta über N-Design, N-Sport, Tekna und N-Way gehören Verkehrszeichenerkennung und Fernlicht-Assistent zur Serienausstattung.

Testfazit

Wer mit den engen Platzverhältnissen und der eingeschränkten Übersicht im Fond leben kann, kommt mit dem Nissan Micra 1.0 IG-T gut zurecht. Der Stadtflitzer ist munter und dennoch genügsam im Verbrauch. Ausflüge übers Land oder auf die Autobahn sind ebenfalls kein Problem – der flotte Dreier unter der Motorhaube macht's möglich. Der Wegfall der stärkeren Variante ist kein großer Verlust.

Nissan Micra: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Nissan Micra 1.0 IG-T 92 PS

Motor

Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 68 kW/92 PS, 160 Nm bei 2000 U/min

Fahrleistungen

11,8 s auf 100 km/h, 178 km/h Spitze

Verbrauch

4,5 - 4,7 l Super/100 km, CO₂-Ausstoß: 103 - 108 g/km (noch nach NEFZ)

Maße

L 3,99 / B 1,94 / H 1,46 m

Preis

ab 13.690 Euro

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Text: Ralf Schütze, Rudolf Huber