Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Produkte
Mitgliedschaft
Der ADAC

Neuer Nissan Micra: Flotter Dreier unter der Haube

ein roter Nissan Micra fährt durch die Stadt
Mit 3,99 Meter Länge ist der Micra in der Großstadt sehr praktisch ∙ © Nissan

Den Nissan Micra gibt es seit 2019 mit einem neuen Dreizylinder-Motor, der aus 1,0 Liter Hubraum 100 PS und 160 Nm Drehmoment holt. Doch wie gut ist er wirklich? Testfahrt plus Test der 117-PS-Version, technische Daten und Preise

  • Effizientere Verbrennung durch neue Technologien 

  • 10 PS und 20 Nm mehr als bisher, 0,6 – 0,7 l weniger Verbrauch

  • Erhältlich ab 12.990 Euro

Schon zwei Jahre nach Markteinführung ist der Basismotor des Nissan Micra aus dem Programm geflogen. Das ist kein Schaden, denn der 0,9-Liter-Motor mit 90 PS war kein besonders angenehmer Motor: Schlecht anzufahren, schwachbrüstig, unharmonische Kraftentfaltung, so das Urteil der ADAC Tester.

Ersetzt wurde der Motor durch einen neuen 1,0-Liter-Dreizylinder-Motor. Der soll laut Nissan mehr Druck von unten heraus, eine elastischere Leistungsentfaltung, höhere Laufkultur und weniger Verbrauch bieten. Und der Micra 1.0 IG-T 100 hält diese Versprechen tatsächlich.

Der Micra hat einen neuen 1-l-Motor

Spurt- und durchzugsstark pusht er sich durch den Großstadtverkehr und besteht sogar die Autobahnprüfung mit großer Lässigkeit. Er klingt unangestrengt und fühlt sich auch so an. Den typischen Dreizylinderklang kann er aber nicht ganz ablegen und rasselt kernig, aber leise vor sich hin. Auch bei höherem Tempo bewährt sich der neue Dreizylinder-Benziner und nimmt jederzeit willig Gasbefehle an und wirkt deutlich temperamentvoller als es die 100 PS vermuten ließen.

Als Durchschnittsverbrauch über unterschiedliche Einsatzgebiete hinweg (Stadt, Landstraße, Autobahn) konnten wir 5,6 l/100 km ermitteln – eine akzeptable Überschreitung des (veralteten) NEFZ-Katalogwerts von 4,5 l/100 km. 

Im ADAC Test: Der 117 PS starke DIG-T 117

Wer noch leistungshungriger ist, hat mit dem DIG-T 117 eine Alternative. Die zweite für den Micra verfügbare Motorisierung (mehr gibt es nicht), musste sich im ADAC Autotest beweisen – konnte aber nicht 100prozentig überzeugen.

Zwar bietet dieser Motor noch bessere Fahrleistungen als der schwächere Dreizylinder. Doch Ansprechverhalten und Leistungsentfaltung sind unterhalb von rund 2000 Umdrehungen eher träge und beim Durcheilen des Drehzahlbandes treten immer wieder kleine Drehmomentlöcher bzw. Ruckler auf. Zudem lässt sich das Gas schlecht dosieren, da gefühlt nach 50 Prozent des Gaspedalwegs bereits das Maximum an Leistung erreicht ist. Testverbrauch: 6,2 Liter auf 100 Kilometer. Fazit: Mit der Basismotorisierung dürfte man auf Dauer glücklicher werden.

Sicherer dank überarbeitetem Fahrwerk

Das Fahrwerk des Micra fällt recht straff aus. Nur kurze Fahrbahnstöße gehen relativ direkt an die Bandscheiben. Trotzdem ist man alles in allem mit dem Japaner sehr flink und ausreichend komfortabel unterwegs – selbst auf der Langstrecke. Der Japaner erweist sich als flotter Kurvenflitzer, wozu auch die feinfühlig abgestimmte Lenkung ihren Teil beiträgt. Das Lenkrad liegt sehr gut in der Hand, Material und Form fühlen sich gut an. Die Fünf-Gang-Handschaltung ist sehr knackig mit kurzen, exakten Wegen. 

Nissan hat nach dem schlechten Abschneiden des ersten Micra im ADAC Ausweichtest (2017) das Modell modifiziert. Nun sind alle Micra mit der Chassis Control Technologie (CCT) ausgestattet, die ein situationsabhängiges Abbremsen einzelner Räder während der Kurvenfahrt ermöglicht. Im Ausweichtest zeigt sich, dass die Maßnahme Früchte trägt, da sich der Micra nicht mehr so kritisch verhält. Seine Tendenz zum Übersteuern ist zwar geblieben, das Stabilitätsprogramm setzt aber früher und vehementer ein, um das Fahrzeug abzubremsen bzw. wieder zu stabilisieren.

Viel Platz vorn, hinten ist es eng

Die Platzverhältnisse sind vorn sehr gut, ausreichend selbst für zwei Meter lange Passagiere. Die Sitze geben angenehmen Halt. Die Sicht nach vorn ist an sich gut, allerdings schränken massive und recht schräge A-Säulen manchmal den Blick schräg zur Seite ein.

Hinten geht's für Mitfahrer leider eng zu: Höchstens für urbane Kurzstrecken ist der Micra mit voller Erwachsenen-Besatzung geeignet – und die Sicht nach draußen ist eingeschränkt. Eine Abfallende Dachlinie, die aufsteigende Fensterlinie und breite Dachsäulen machen sich hier negativ bemerkbar. Der durchschnittliche Kleinwagen-Kofferraum (laut Hersteller 360 bis maximal 1004 l Volumen) ist in diesem Segment durchaus üblich.

Der Innenraum wirkt modern und hochwertig

In Sachen Infotainment kommt der Kleinwagen recht erwachsen daher, vorausgesetzt man investiert in die Ausstattungslinie Acenta (ab 17.450 Euro). Dann sind neben vielen weiteren Annehmlichkeiten Android Auto und Apple CarPlay an Bord. Ein Navi kann man sich so schon mal sparen, wenn dann via Smartphone über den Auto-Bildschirm navigiert werden kann.

Die Connectivity funktioniert tadellos, die Anzeigen auf dem 7 Zoll-Bildschirm sind sehr übersichtlich und gut bedienbar. Einzig die teils deutlichen Spiegelungen stören bei hellem Außenlicht – trotz matter Oberfläche.

Über die Sicherheitsausstattung muss man sich beim Micra keine Sorgen machen. Ab der Basisvariante Visia ist bereits serienmäßig AEB (Autonomous Emergency Braking) an Bord: Ein hervorragend funktionierender Notbremsassistent mit Kollisionswarnsystem.

Für rund 500 Euro extra (Safety Paket) wird dieser um eine Fußgängererkennung erweitert und ist zusätzlich ein aktiver Spurhalteassistent mit korrigierendem Bremseingriff an Bord.  Zu weiteren erhältlichen Optionen gehören Verkehrszeichenerkennung und ein Totwinkelassistent.

Testfazit

Wer mit den engen Platzverhältnissen und der eingeschränkten Übersicht im Fond leben kann, kommt mit dem Nissan Micra 1.0 IG-T 100 bestens zurecht. Der flotte Stadtflitzer ist kraftvoll und dennoch genügsam im Verbrauch. Ausflüge übers Land oder auf die Autobahn sind ebenfalls kein Problem – der flotte Dreier unter der Motorhaube macht's möglich. Von der stärkeren Variante sollte man aber absehen.

Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)Nissan Micra 1.0 IG-T 100 PSNissan Micra DIG-T 117 (im Test)

Motor

Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 74 kW/100 PS, 160 Nm bei 2750 U/min

Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 86 kW/117 PS, 180 Nm bei 1750 U/min

Fahrleistungen

10,9 s auf 100 km/h, 184 km/h Spitze

9,9 s auf 100 km/h, 195 km/h Spitze

Verbrauch

4,5 l Super/100 km, CO₂-Ausstoß: 103 g/km (noch nach NEFZ)

5,9 l Super/100 km, CO₂-Ausstoß: 133 g/km (nach WLTP)

Maße

L 3,99 / B 1,94 / H 1,46 m

L 3,99 / B 1,94 / H 1,46 m

Preis

ab 12.990 Euro

ab 18.450 Euro (N-Sport ab 20.250 Euro)

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)Nissan Micra DIG-T 117 N-SPORT

Überholvorgang 60-100 km/h

6,5 s

Bremsweg aus 100 km/h

36,2 m

Wendekreis

10,6 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

6,2 l Super/100 km, 171 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

660 km

Innengeräusch bei 130 km/h

71,4 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1125 / 405 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

265 / 580 / 950 l

ADAC Testzeugnis

ADAC TestergebnisNissan Micra DIG-T 117 N-Sport

Karosserie/Kofferraum

3,3

Innenraum

3,1

Komfort

3,4

Motor/Antrieb

2,6

Fahreigenschaften

2,5

Sicherheit

2,7

Umwelt/Ecotest

2,4

Gesamtnote

2,8

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet
Hier können Sie den ausführlichen Test des Nissan Micra 1.0 DIG-T 117 N-Sport als PDF herunterladen
PDF, 749 KB
PDF ansehen

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests.

Text: Ralf Schütze