Mercedes V-Klasse im Test: Der elegantere Bulli

roter Mercedes V-Klasse faehrt auf Strasse
Mercedes V-Klasse: In drei Längen und zwei Radständen erhältlich ∙ © Mercedes

Mercedes wirbt für die V-Klasse mit reichlich Platz, sauberen Dieselmotoren und hoher Verarbeitungsqualität. Ob der Raum-Shuttle diese Versprechen halten kann, klärt der ADAC Test.

  • Platz für fünf bis acht Passagiere, drei Längen

  • 120 kW/163 PS starker Basismotor und Neungang-Automatik

  • Abgespeckte Basisversion kostet ab 37.990 Euro

Egal ob Großfamilie oder Shuttleservice: Ein Kleinbus ist für Leute mit Platzbedarf meist die beste Wahl. Ganz oben auf der Wunschliste steht da oft der VW T6, aber es gibt auch einige Alternativen wie Ford Tourneo Custom, Opel Zafira Life oder Citroën Space Tourer, um nur einige zu nennen. Oder eben die Mercedes V-Klasse.

Die gilt als Edel-Bus und ist auch nach einem kleinen Facelift wie gehabt in drei Längen von 4,90 bis 5,37 Meter und mit zwei Radständen, 3,20 und 3,43 Meter, erhältlich. Zudem kann man fünf, sechs oder acht Sitze und ein oder zwei seitliche Schiebetüren wählen. Geblieben ist auch das typische Mercedes-Interieur, das sehr hochwertig verarbeitet ist und mit viel Holz und gepolsterten Oberflächen alles andere als Nutzfahrzeug-Flair verströmt. Das hat der V so manchem Konkurrenten voraus.

V-Klasse: Edles Interieur, angestaubte Bedienung

Cockpit eines Mercedes V-Klasse
Kein Nutzfahrzeug-Flair: Edles Armaturenbrett wie bei einem Pkw ∙ © ADAC

Das Cockpit wirkt durch die wenigen Tasten und Schalter wie gewohnt übersichtlich. Die meisten Funktionen werden über den gut erreichbaren Comand Controller, der weit oben und mittig angeordnet ist, gesteuert – dargestellt werden sie im feststehenden Hauptdisplay. Ein Touchscreen ist das allerdings nicht – was heute schon ein wenig angestaubt wirkt. Zudem ist die Menüstruktur nicht so simpel aufgebaut, dass man sie auf Anhieb verstehen würde. Hier braucht es reichlich Eingewöhnungszeit. Oder man setzt auf die Dienste des per Sprachsteuerung bedienten Multimediasystems MBUX. Aber auch das ist nicht immer ideal.

Platzangebot und Kofferraumvolumen sind immens

Das Platzangebot ist bei der getesteten Langversion immens, was vor allem für den Fond gilt. Die V-Klasse zeigt sich hier sehr variabel: Beine ausstrecken, Sitze verschieben, Vis-à-vis-Stellung, damit man seinen Mitfahrern in die Augen schauen kann – all das ist möglich. Allerdings bringen die massigen Sitze auch ein ordentliches Gewicht mit, so dass man sich jegliche Umbauten im Innenraum sehr genau überlegen dürfte. Erhältlich ist darüber hinaus das Liege-Paket mit Dreier-Sitzbank zum Flachliegen sowie ein klapp- und verschiebbarer Tisch.

Der Fahrer sollte jedoch kein Riese sein – was aber nicht für die Kopffreiheit gilt, die in dem Bus so gut wie kein Limit kennt. Vielmehr lassen sich die Vordersitze nur für Personen bis 1,90 Meter Körpergröße weit genug zurückschieben.

Dass bei voller Besetzung das Gepäck zu Hause bleiben muss, ist bei der Langversion auszuschließen. Hinter der dritten Sitzreihe passen bis zur Fensterunterkante stolze 755 Liter in den Bus, bis zum Dach sind es 1330. Und werden alle Sitze bis auf die erste Reihe ausgebaut, lassen sich sogar mit gemessenen 4785 Litern Fassungsvermögen kleine Umzüge stemmen.

Zweiliter-Diesel in drei Leistungsstufen 

roter Mercedes V-Klasse faehrt auf Strasse
Durchgehender Lufteinlass mit Rautenstruktur unter dem Mercedes-Kühler ∙ © Mercedes

Als Antrieb dient ein Zweiliter-Vierzylinder-Diesel, der in drei Leistungsstufen als 220 d, 250 d und 300 d mit 163, 190 und 237 PS angeboten wird. Die elektrische V-Klasse EQV ergänzt das Antriebsportfolio. Bei den Dieseln soll der Verbrauch durch die letzte Überarbeitung laut Hersteller um bis zu 13 Prozent gesunken sein. Doch wie sparsam ist die V-Klasse wirklich? Im ADAC Test musste sich der stärkste Diesel, der 300 d, beweisen.

Motorisiert ist die V-Klasse damit jedenfalls bestens. Die 237 PS setzen sich sehr gut in Szene und bringen den 2,5-Tonner zügig in Schwung. Weil das maximale Drehmoment von 500 Nm bereits bei 1600 Touren anliegt, braucht der Motor keine hohen Drehzahlen, was einer entspannten Fahrweise entgegenkommt.

Der simulierte Überholvorgang (Beschleunigung von 60 auf 100 km/h) wird so in flotten 5,6 Sekunden absolviert – damit braucht sich die V-Klasse wirklich nicht zu verstecken und kann mit flacheren Pkw sehr gut mithalten. Angesichts einer Beschleunigung von unter acht Sekunden auf Tempo 100 und einer Spitze von 220 km/h stellt sich allerdings schon die Frage, ob so viel Leistung bei einem Van überhaupt sein muss oder ob es nicht die schwächere Variante 250 d auch tut.

Testverbrauch: 8,2 l Diesel/100 km

Beim Verbrauch kann der Dieselmotor keine Wunder vollbringen. Im ADAC Ecotest konnten die Testingenieure 8,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer messen, was einer Well-to-wheel-CO₂-Bilanz (also mit den Emissionen bei der Kraftstoffherstellung) von 258 g/km entspricht. Ein eher schlechter Wert, der sich aber angesichts des hohen Nutzwerts der V-Klasse wieder ein wenig relativiert. Sehr gut: Die Schadstoffbilanz fällt wegen der umfangreichen Abgasreinigung sehr gut aus. Beides zusammengenommen, also CO₂ und Schadstoffe, ergibt drei von fünf Sternen im ADAC Ecotest.

Schon gefahren und bewertet

ADAC Ausweichtest: Ein Bus ist kein Sportwagen

roter Mercedes V-Klasse faehrt auf Strasse
Standard-Antrieb über die Hinterachse, optional ist auch Allrad verfügbar ∙ © Mercedes

Für einen Bus ist die V-Klasse ziemlich wendig und man hat nicht das Gefühl mit einem unhandlichen Transporter unterwegs zu sein. Die Größe merkt man am ehesten in engen Parkhäusern und das hohe Gewicht beim Handling. Denn auch wenn der starke Motor zum sportlichen Fahren verleitet: Ein Sportwagen wird aus der kastigen V-Klasse nicht. Das zeigt sich insbesondere beim ADAC Ausweichtest, der ein plötzliches Ausscheren vor einem Hindernis simuliert. Das Heck drängt beim ersten Anlenken nach außen und beim Gegenlenken schiebt die V-Klasse deutlich über die Vorderräder.

Insgesamt ist der Van dadurch sehr behäbig und kurzzeitig kaum lenkbar. Kipp- oder Schleudergefahr besteht zwar nicht. Aber eine allzu flotte Fahrweise führt schnell zur Überforderung des Fahrwerks – zu Lasten der Fahrstabilität und Sicherheit. Für noch mehr Komfort soll das seit Ende 2020 angebotene Luftfederungssystem Airmatic  sorgen. Damit lässt sich die V-Klasse je nach Bedarf um zehn Millimeter absenken oder im Programm „Lift“ bis maximal 30 km/h um bis zu 35 Millimeter anheben, etwa für holprige Feldwege. Kostenpunkt: 2043 Euro.

Fazit: Kein Schnäppchen, aber hoher Nutzwert

Ruckbank eines Mercedes V-Klasse
Gegen 7892 Euro Aufpreis gibt es im Fond Massagesitze mit Liegefunktion ∙ © Mercedes

Bleibt noch der Preis. Billig ist die V-Klasse mit einem Einstiegspreis von knapp 38.000 Euro für die deutlich abgespeckte Basisversion "Rise" nicht. Sie bietet mehr als fünf Sitzplätze nur gegen Aufpreis wird in der Kompakt- oder Lang-Version angeboten. Die getestete Version mit 237 PS kommt als Avantgarde Edition mit Heckantrieb auf gut 68.000 Euro, nach oben ist die Preisskala durch viele nette Extras ohnehin offen. Doch auch ein VW Bus ist schließlich kein Schnäppchen. Abgesehen davon erhält man mit der Mercedes V-Klasse ein sehr solides Familienfahrzeug mit immens viel Platz.

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Opel Zafira Life: Kleinbus statt Van

Der Opel Zafira trägt nun die Zusatzbezeichnung "Life" und hat sich vom klassischen Van-Konzept verabschiedet. Als kastiger Kleinbus konkurriert er nun mit dem VW Bus und der Mercedes V-Klasse.

Alle Infos zum Opel Zafira Life

Technische Daten Mercedes V-Klasse


Mercedes V 220 d

Mercedes V  250 d

Im Test: Mercedes V 300 d

Motor

Vierzylinder-Turbodiesel, 1950 cm³, 120 kW/163 PS, 380 Nm bei 1200 U/min, Neungang-Automatik

Vierzylinder-Turbodiesel, 1950 cm³, 140 kW/190 PS, 440 Nm bei 1350 U/min, Neungang-Automatik

Vierzylinder-Turbodiesel, 1950 cm³, 174 kW/237 PS, 500 Nm bei 1600 U/min, Neungang-Automatik

Fahrleistungen

11,0 s auf 100 km/h, 195 km/h Spitze

9,4 s auf 100 km/h, 205 km/h Spitze

7,8 s auf 100 km/h, 220 km/h Spitze

Verbrauch (nach WLTP)

7,4 l Diesel/100 km, CO₂-Ausstoß: 157 g/km

7,4 l Diesel/100 km, CO₂-Ausstoß: 156 g/km

7,4 l Diesel/100 km, CO₂-Ausstoß: 156 g/km

Maße

L 4,90 (5,14; 5,37) / B 2,25 (inkl. Außenspiegel) / H 1,88 m

L 4,90 (5,14; 5,37) / B 2,25 (inkl. Außenspiegel) / H 1,88 m

L 4,90 (5,14; 5,37) / B 2,25 (inkl. Außenspiegel) / H 1,88 m

Kofferraum

610 – 1410 l

610–1410 l

610 – 1410 l

Preis

ab 37.990 €

ab 52.027 €

ab 55.418 €, getestetes Modell ab 68.020 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Mercedes V 300d lang Avantgarde Edition

Überholvorgang 60-100 km/h

5,6 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,5 m

Wendekreis

12,2 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

8,2 l Diesel/100 km, 258 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

695 km

Innengeräusch bei 130 km/h

69,4 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2440 / 760 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

1220 / 2620 / 4785 l

ADAC Testergebnis


Mercedes V 300d lang Avantgarde Edition

Karosserie/Kofferraum

2,0

Innenraum

1,7

Komfort

2,3

Motor/Antrieb

1,9

Fahreigenschaften

3,0

Sicherheit

1,8

Umwelt/Ecotest

3,3

Gesamtnote

2,3

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

Das hat uns gefallen: Großer und variabler Innenraum, hohe Zuladung und Anhängelast, gute LED-Scheinwerfer, Platz für bis zu acht Personen, kräftiger Motor

Das hat uns nicht gefallen: Große und unübersichtliche Karosserie, eingeschränkte Fahrstabilität, hoher Anschaffungspreis, optionales Notrad am Unterboden

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