Mazda 6e im Test: Ganz schön nobel, diese Elektro-Limousine

• Lesezeit: 7 Min.

Von Andreas Huber

Feedback

Der ADAC Redakteur Andreas Huber lehnt auf der Motorhaube des Mazda 6e
Redakteur Andreas Huber hat den Mazda 6e gefahren© Mazda

Mit dem Mittelklasse-Modell Mazda 6e hat Mazda sein Elektroauto-Portfolio erweitert. So schick er auch aussieht – nicht in allen Punkten ist er auf dem Stand der Technik. Der ADAC hat ihn getestet.

  • Bis zu 420 Kilometer Reichweite im ADAC Test

  • Preise ab rund 45.000 Euro

  • Seit Sommer 2025 beim Händler

Mazda hat mit dem Mazda 6e sein zweites Elektromodell auf den deutschen Markt gebracht. Und verspricht eine deutlich bessere Performance als noch beim Erstlingswerk MX-30 mit seiner mickrigen Reichweite. Der Mazda 6e soll bis zu 552 Kilometer Fahrspaß ohne Ladestopp ermöglichen. Der Japaner ist dabei keine komplette Eigenentwicklung, sondern ein Produkt der Zusammenarbeit von Mazda und der chinesischen Firma Changan Automotive.

Das Joint Venture Changan Mazda Automobile (CMA) existiert bereits seit mehr als 20 Jahren und produzierte bisher schon Mazdas für den chinesischen Markt. Mit dem 6e folgt das erste auch hierzulande vertriebene Modell. Gebaut wird es in China. Wie schneidet der Mazda 6e im ADAC Test ab?

PDF Format
Hier können Sie den ausführlichen Test des Mazda 6e 258 Takumi Plus herunterladen

Preis und Marktstart des Mazda 6e

Die Dimensionen des Mazda erinnern an Modelle der gehobenen Mittelklasse vom Format eines Audi A6 e-tron oder BMW i5. Allerdings ist der Mazda preislich in einer anderen Region unterwegs und deutlich günstiger. Seit Sommer 2025 steht der Mazda 6e zu Preisen ab rund 45.000 Euro beim Händler.

Viel Licht am neuen Elektro-Mazda

Seitenansicht eines stehenden Mazda 6e
Die Front des Mazda 6e macht mit den markanten Scheinwerfern einiges her© Mazda

Der Mazda 6e tritt optisch selbstbewusst auf. Die Front wird von dem "Signature Wing", wie Mazda es nennt, dominiert. Dieser besteht aus einer leuchtenden Spange, die sich über die geschlossene Front zieht und die beiden Tagfahrleuchten der Scheinwerfer miteinander verbindet. Zusammen mit der Abschlusskante der Motorhaube bildet der Lichtflügel den typischen Mazda-Kühlergrill nach.

An der Seite zeigt sich die flache und lang gezogene Silhouette der Limousine. Die Spiegelkappen wirken auf den ersten Bildern etwas klobig, die Türgriffe schließen bündig mit der Karosserie ab und fahren nur aus, wenn sie gebraucht werden. Sieht schick aus, kann bei einem Unfall aber Rettungskräften den Zugang zum Fahrzeug erschweren.

Seitenansicht eines stehenden Mazda 6e
Mit dem Mazda 6e stellt die Marke eine elegante Limousine mit klassischen Proportionen auf die Straße© Mazda

Das Heck kann als Schokoladenseite des neuen Mazda 6e bezeichnet werden. Hier verbindet ein durchgezogenes Leuchtenband die beiden Mazda-typisch runden Rückleuchten miteinander. Anstelle eines Markenlogos trägt der Kofferraumdeckel nur einen Mazda-Schriftzug. Die Klappe beheimatet zudem einen versteckten Spoiler, der nur bei Bedarf ausfährt – wie bei einem Porsche 911.

Mazda 6e: Edler Innenraum

Im Inneren des neuen Mazda 6e geht es gewohnt edel zu. Bereits seit Jahren überzeugen die Japaner mit aufgeräumten Cockpits und einer sehr guten Verarbeitung. Auch der 6e reiht sich hier ein und überzeugt an dieser Stelle im Test. Die verwendeten Materialien machen einen sehr wertigen Eindruck. Auch die Verwendung von Metallspangen in der Mittelkonsole oder am Armaturenbrett macht sich positiv bemerkbar. Vom Innenraum des Mazda 6e kann sich der ein oder andere europäische Hersteller eine Scheibe abschneiden.

Zudem ist der Testwagen im Grunde ordentlich zusammengebaut. Beim Einsatz von Hartplastik beschränkt sich Mazda auf Elemente, die weniger oft angefasst werden. Negativ aufgefallen sind im Test allerdings scharfe Kunststoffgrate an den Türfächern und im Bereich der Fronthaubenentriegelung sowie die vordere Mittelarmlehne, die Spiel hat und beim Ablegen des Arms knarzt.

Je nach Ausstattung bietet Mazda für den 6e einen zweifarbigen Innenraum an, der in den Türtafeln, der Mittelkonsole und dem Armaturenbrett auf Ziernähte setzt. Serienmäßig verbaut Mazda Kunstleder, optional sind aber auch Echtleder-Varianten bestellbar.

Das Cockpit und Display des Mazda 6e
Die 360-Grad-Ansicht nutzt hochauflösende Kameras und ist ein praktischer Helfer in engen Situationen© Mazda

Neben einem volldigitalen 10,25-Zoll-Kombiinstrument erhalten die Insassen ihre Informationen vor allem über den großen 14,6-Zoll-Bildschirm in der Mitte des Cockpits. Die Smartphone-Anbindung erfolgt kabellos via Apple CarPlay und Android Auto. Das System läuft flüssig und ohne größere Verzögerungen.

Weniger erfreulich ist das Bedienkonzept. Der 6e versteckt nämlich viele Fahrzeugfunktionen im Infotainment. So verzichtet Mazda unter anderem auf einen Scheibenwischerhebel. Stattdessen wird der Scheibenwischer nun über den großen Bildschirm bedient. Auch insgesamt betrachtet erfordert das System einiges an Eingewöhnung, bis es vernünftig bedient werden kann.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

Zwar lassen sich die Lenkradtasten mit unterschiedlichen Shortcuts belegen – unter anderem auch für die Scheibenwischerfunktion –, wirklich praktisch ist das aber trotzdem nicht. Auf der Testfahrt passierte es nicht nur einmal, dass wir beim Rangieren aus Versehen auf den Knopf für den Scheibenwischer gekommen sind.

Aber nicht nur in der Mitte des Cockpits gibt es ein großes Display: Mithilfe eines 50 Zoll großen Augmented-Reality-Head-up-Displays werden relevante Informationen in das Sichtfeld der Person am Steuer projiziert. Je nach Wunsch lassen sich mehr oder weniger Informationen einblenden. In der Praxis wirkt der Bereich in der Scheibe, auf dem Infos dargestellt werden, aber deutlich kleiner.

Bildergalerie zum Mazda 6e

Mazda 6e im ADAC Autotest

Der Redakteur Andreas Huber sitzt im Mazda 6e und testet ihn während einer Probfahrt
Der Mazda 6e fährt sich entspannt. Auf Landstraßen fühlt er sich wohl© Mazda

Und wie fährt sich der Elektro-Mazda? Bestimmt, aber nicht ungestüm setzt sich der 6e bei einem beherzten Tritt auf das Fahrpedal in Bewegung. Die Beschleunigung des Modells mit 190 kW ist dabei absolut ausreichend, jenseits der 100 km/h verliert der Mazda dann aber etwas an Temperament. Geschenkt, denn die Fließhecklimousine lädt ohnehin eher zum entspannten Gleiten über die Landstraße ein. Die Lenkung ist dabei leichtgängig und präzise, vermittelt aber wenig Rückmeldung.

Der fahrende Mazda 6e von hinten auf einer Landstraße am Meer
Der Spoiler fährt je nach Tempo selbst aus und ein, für den Show-Effekt geht das aber auch manuell© Mazda

Das passive Stahlfahrwerk des Mazda 6e lädt eher zum Cruisen ein als zur Kurvenhatz. Lenkbewegungen erzeugen ein Wanken der Karosserie, das sich aber noch in Grenzen hält. Das Fahrwerk spricht selbst innerorts recht gut auf Unebenheiten an und hält die meisten Fahrbahnschäden gekonnt von den Insassen fern.

Auf Landstraßen sowie auf der Autobahn liegt der Aufbau angenehm ruhig, selbst auf welligem Untergrund. Auch Geschwindigkeitshügel schlucken die Federdämpfer-Elemente gut weg. Der Mazda ist weder zu sportlich noch zu komfortabel, Fahrspaß macht er allemal.

Bei sehr zurückhaltender Fahrweise können zwar auch Werte um die 14 kWh/100 km auf dem Bordcomputer stehen, im ausführlichen Autotest mit Mischverkehr und einem Autobahnanteil konnte diese Angabe aber nicht gehalten werden. Der ADAC ermittelte einen Verbrauch von 18,5 kWh auf 100 km. Im Ecotest gab es trotzdem die vollen fünf Sterne.

Antrieb und Akku: 420 km Reichweite im Test

Seitenansicht eines stehenden Mazda 6e
Je nach Akkugröße variiert auch die Ladeleistung. Im Idealfall kommt der Mazda laut Werksangabe bis zu 552 km weit© Mazda

Mazda bietet sein neues Elektromodell mit zwei Akkugrößen und zwei Motorisierungen an. Den Einstieg macht der getestete Mazda 6e 258. Er setzt auf einen 68,8 kWh großen LFP-Akku, der für eine Reichweite von bis zu 479 Normkilometer gut sein soll. Im Test schaffte es der Japaner auf immer noch solide 420 Kilometer Aktionsradius. Der Elektromotor auf der Hinterachse leistet 190 kW/258 PS und erzeugt bis zu 320 Nm Drehmoment.

Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll damit in 7,6 Sekunden möglich sein. Ist der Akku leer, kann er an der öffentlichen Ladesäule mit bis zu 11 kW über Wechselstrom geladen werden, an der DC-Schnellladesäule soll der Mazda bis zu 165 kW schaffen. Im Test kam die Limousine aber nie über 157 kW. Im Durchschnitt lud der Mazda nur mit 123 kW, was in einer Ladezeit von 28 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent resultierte, ein eher schwacher Wert für ein so neues Auto.

Mehr Reichweite verspricht der Mazda 6e 245 Long Range. Hier steht zwar dank einer 80 kWh großen Batterie die maximale Reichweite von 552 Kilometern nach WLTP zur Verfügung. Dafür müssen die Kundinnen und Kunden massive Einschnitte bei der Ladeleistung in Kauf nehmen.

Aktuelle Fahrberichte und Autotests. Kostenlos vom ADAC

Ein Corsa lädt schneller als der Mazda

Der fahrende Mazda 6e von vorne auf einer Landstraße
Dynamisches Auftreten, aber nicht überall schnell: Die Ladeleistung schwankt je nach Modellvariante stark© Mazda

Der NMC-Akku des eigentlich als Langstreckenlimousine gedachten Long Range lädt nämlich am CCS-Schnelllader mit gerade einmal bis zu 90 kW. Das führt laut Mazda zu einer Ladezeit von 47 Minuten (!) für den Hub von 10 auf 80 Prozent. Selbst ein deutlich kleinerer und technisch älterer Opel Corsa Electric ist hier besser aufgestellt und nimmt sich bis zu 100 kW.

Antriebsseitig bietet der E-Motor hier nur 180 kW/245 PS, dafür aber mit 320 Nm das gleiche Drehmoment wie der 6e mit 190 kW. An der öffentlichen AC-Ladesäule lädt der Mazda ebenfalls mit bis zu 11 kW. Eine volle Ladung dauert dort rund acht Stunden.

Fazit: Die Limousine überzeugt mit einem geradezu noblen Interieur, ausgewogenen Fahreigenschaften und einer äußerst umfangreichen Serienausstattung bei einem gleichzeitig durchaus attraktiven Preis von 46.900 Euro. Auch die großzügigen Garantieleistungen von 6 Jahren bis 150.000 Kilometern sprechen für den Japaner. Allerdings muss man dafür ein stark ablenkendes Bediensystem, einen angesichts der Länge von 4,92 Metern geradezu mickrigen Kofferraum und die unpraktischen, automatisch ausfahrenden Türgriffe in Kauf nehmen.

Mazda 6e: Technische Daten & Preis

ADAC Messwerte

ADAC Testnoten

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Hier finden Sie weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.