Fiat Tris: So fährt die moderne Version der kultigen Ape

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Von Redaktion

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Roter Fiat Tris steht in seitlicher Ansicht vor einer modernen Stadtkulisse.
Fällt auf, fährt elektrisch: Der Fiat Tris als dreirädriger Kleintransporter© Manuel Hollenbach/Fiat

Fiat will mit dem Tris das Konzept der kultigen Ape retten. Das Dreirad wird elektrisch angetrieben und soll als kleiner Lastesel in engen Gässchen fungieren. Wird er die Ape der Neuzeit? Testfahrt in Marokko, wo der Fiat Tris gebaut wird.

  • Dreirad mit Ladefläche für eine Europalette

  • Maximal 45 km/h: Fahrbar mit Roller-Führerschein

  • 2027 wird der Fiat Tris auch in Europa angeboten

Sie war der Motor des italienischen Wiederaufbaus und gehört zu unserer Vorstellung von Bella Italia wie die Vespa und der Cinquecento. Denn egal wo man südlich der Alpen unterwegs war – immer und überall knatterte eine Ape durchs Bild, jener zum Dreirad aufgestiegene Roller, ohne den weder Land- noch Gastwirtschaft auf dem Stiefel denkbar gewesen wären. 1947 hat Piaggio den Tausendsassa enthüllt.

Über 75 Jahre und zwei Millionen Exemplare später ist es still geworden in den Altstadtgassen, auf den Weinbergen und an den Strandpromenaden Italiens. Das Knattern ist verstummt und die Ape bald aus dem Straßenbild verschwunden. Die EU und ihre Normen haben ihr den Garaus gemacht. Statt sie weiterzuentwickeln, lässt Piaggio das fleißige Bienchen (ital. "ape") künftig nur noch in Südostasien fliegen.

Fiat will die italienische Legende Ape retten

Roter Fiat Tris steht in Heck Ansicht vor einer modernen Stadtkulisse.
Hoher Nutzwert auf kleiner Fläche: Für die Innenstadt ist der Tris ideal© Manuel Hollenbach/Fiat

Dafür springt Fiat in die Bresche und nimmt sich der Italo-Legende an. Um das Konzept der Ape zu retten, hat Fiat den Tris entwickelt und ihn mit einem Elektroantrieb für den sauberen Stadtverkehr der Zukunft ertüchtigt.

Technisch eng verwandt mit den mobilen Miniaturen Fiat Topolino, Citroën Ami und Opel Rocks und im gleichen Werk in Marokko aus wenigen durchgefärbten Kunststoffteilen und einem Metallrahmen zusammengesteckt, ist das Dreirad ganz im Geist des Originals ein Nutzfahrzeug, das an Simplizität kaum zu überbieten ist.

Nahaufnahme des Lenkerbereichs mit Instrumenten und Bedienelementen des Fiat Tris.
Einfach gestricktes Cockpit mit Rollerlenker und Gas-Drehgriff© Manuel Hollenbach/Fiat

Vorne eine schmale Bank für zwei Personen, die entweder sehr schlank oder ganz arg verliebt sein müssen, vor der Brust einen Mofa-Lenker und ein Cockpit, das kleiner ist als ein Smartphone. Drum herum eine offene Kabine und dahinter ein Pritsche, groß genug für eine Europalette und hinreichend stabil für eine Nutzlast von 540 Kilo. Mehr braucht es nicht, um nach der italienischen jetzt die marokkanische Wirtschaft anzukurbeln, wo der Tris startet. Außer natürlich einen attraktiven Preis. Und der ist dort mit umgerechnet nicht einmal 5000 Euro schier unschlagbar.

Den Antrieb übernimmt eine 12 PS starke E-Maschine an der Hinterachse, die von einem 7 kWh großen Akku gespeist wird. Der reicht für bestenfalls 90 Kilometer oder gut und gerne einen Arbeitstag im Stadtverkehr, bevor man wie beim Staubsauger das 4,5 Meter lange Kabel unter der Sitzbank ziehen und den Tris für rund 5 Stunden an einer herkömmlichen Steckdose einstöpseln muss.

Galerie: Der Fiat Tris im Detail

Zwar kann der Tris sogar rekuperieren und beim Bremsen Energie zurückgewinnen. Aber Schnellladen kennt der kleine Lastenträger nicht. Schnell fahren übrigens auch nicht. Sondern genau wie bei den, nun ja, "Pkw"-Geschwistern der Klasse L6e ist bei 45 km/h Schluss. Und bis die mal erreicht sind, dauert es eine gefühlte Ewigkeit.

Auf dem Papier klingt der Tris damit nach einer schweren Zumutung. Doch wer damit zur Jungfernfahrt eine Stunde westlich des Werkes in Kenitra durch Casablanca startet, sieht die Welt mit anderen Augen und lernt schnell, wie relativ Geschwindigkeit ist – erst recht in einer afrikanischen Großstadt.

Das Elektro-Dreirad mogelt sich in der Stadt an allen vorbei

Roter Fiat Tris fährt auf einer Straße entlang einer modernen Uferpromenade.
Das Fahren mit dem Elektro-Dreirad ist anfangs gewöhnungsbedürftig© Manuel Hollenbach/Fiat

Nicht nur dass der Tris besser beschleunigt als die meisten anderen Verkehrsteilnehmer im Stadtgewusel. Sondern er surft auf schmaler Spur munter durch den Stau, mogelt sich an allen anderen Autos vorbei und wird mit einem Wendekreis von kaum mehr als 6 Metern zu einem kleinen Wirbelwind. Wenn es mal gar nicht vorangeht, rumpelt er klaglos über den Bordstein. Und wo die fliegenden Händler bislang am Tor zur Altstadt auf Handkarren umladen oder ihre Waren selber schleppen, findet der Schmalhans auch in den engsten Gassen seinen Weg.

Allerdings braucht es ein bisschen Übung, bis man die Fuhre flott durchs Chaos bugsiert. Wer mit dem Auto groß geworden ist und nicht mit einem Roller, tut sich anfangs schwer mit der Koordination von Handgas und Fußbremse. Hohes Tempo und enge Kurven führen zum Beispiel im Kreisverkehr vor der großen Hassan-II.-Moschee schnell zu atemberaubender Schräglage.

Und weil das Autolein vorne schmaler ist als hinten, sollte man stets ein Auge auf die Spiegel haben, damit man unterwegs nicht an irgendeiner Hauskante hängen bleibt. Klingt kompliziert, spielt sich aber schnell ein: Nach ein paar Kilometern hat man den Bogen raus.

Der Fiat Tris kommt 2027 nach Europa

Roter Fiat Tris steht frontal vor einer urbanen Kulisse mit markantem Gebäude.
Keine Türen, keine Heizung: Im Winter wird es im Tris ungemütlich© Manuel Hollenbach/Fiat

Zwar gibt es den Tris bislang nur in Marokko, und als Nächstes ist der Nahe Osten an der Reihe. Doch hat Stellantis offenbar gemerkt, dass den Italienern daheim die Ape abhandengekommen ist und mit ihr eine profunde Lösung für die letzte Meile. So wurde dem Tris als smartes Mobilitätskonzept für emissionsfreien Stadtverkehr grünes Licht für den Weg über das Mittelmeer gegeben.

Ab 2027 soll es das Dreirad deshalb auch in Europa geben. In Italien wird es netto bei 6950 Euro starten. Bis die Zulassungsbehörden mit im Boot sind, dürften daraus bei uns schnell knappe 10.000 Euro werden.

Ein Problem muss Fiat bis dahin allerdings noch lösen: Die Ape der Neuzeit hat zwar einen Scheibenwischer, aber weder Türen noch Heizung. In Palermo, Neapel oder Bologna wird das keinen stören, in Paris, Nürnberg oder Basel allerdings könnte sich die Begeisterung für den charmanten Wiedergänger damit empfindlich abkühlen.

Text: Thomas Geiger

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