e.Go Life: Die Produktion läuft wieder

e.Go Life fahrend von vorne
Smarter Mini: Der e.Go Life will das perfekte elektrische Stadtauto sein ∙ © e.Go

Nach dem Insolvenzverfahren des Aachener Start-ups liegt die Zukunft des e.Go Life Elektroautos in Händen eines niederländischen Investors. Im Sommer 2021 ist die Produktion wieder angelaufen.

  • e.Go mobile AG von Investor als Mehrheitsaktionär übernommen

  • Expansion nach Mexiko und Bulgarien angestrebt

  • Reichweite des e.Go Life: 100 bis 125 Kilometer

Der e.Go versucht einen Neustart

e.Go Life Cockpit
Minimalistisches Cockpit mit Infotainment-System ∙ © e.Go

Kompliment an Prof. Günther Schuh aus Aachen. Der umtriebige Hochschullehrer und Start-up-Gründer hat es tatsächlich geschafft, sein Elektroauto namens e.Go Life wiederzubeleben. Zunächst dachten viele, auch Erstkunden und Besteller eines e.Go Life, die Firma sei tot.
Doch aus der e.Go mobile AG wurde die Next.e.GO Mobile SE. Mehrheitsaktionär ist das internationale Private-Equity-Unternehmen nd Industrial Investments B.V. aus den Niederlanden.

Neuer Verwaltungsratschef ist der Ingenieur Ali Vezvaei, er vertritt in Aachen die Interessen der nd-Gruppe. Professor Schuh ist jetzt nur noch beratend tätig. Seit Juli 2021 wird der Life wieder produziert. Und zwar in Form der Special Edition Next, die für 26.560 Euro offeriert wird, vor Abzug der Umweltprämie in Höhe von 9750 Euro. "Die Auslieferung der ersten Fahrzeuge ist in diesem Sommer geplant", so die Ansage aus Aachen.

Vezvaei will das Unternehmen so schnell wie möglich vom Start-up zum profitablen Geschäft machen. Dazu wird auch das Angebot erweitert: In den kommenden Jahren sollen nicht nur der e.GO Life, sondern auch der Life Sport und der Life Cross gebaut werden. Zudem soll künftig auch in Mexiko und in Bulgarien produziert werden. Die Mikrofabrik in Lovetsch soll im ersten Quartal 2024 starten und ist auf eine Kapazität von bis zu 30.000 Fahrzeugen pro Jahr ausgelegt.

Als zusätzliche Einnahmequelle hat sich die Next.e.GO Mobile SE für einen CO₂-Pool mit einem großen Autobauer zusammengetan. Das heißt, es gibt Geld für die CO₂-Zertifikate, die Next.e.Go für jedes verkaufte Elektroauto erhält. Man ergänze sich mit Volkswagen gut bei seinen Aktivitäten, wird Ali Vezvaei in einem Interview zitiert.

Tempo ist nicht das Thema beim e.Go

e.Go Life stehend von der Seite
Knappe Haube, Kulleraugen-Scheinwerfer: Der e.Go Life wirkt sympathisch ∙ © e.Go

Und was kann das Produkt des spannenden Start-ups? Knappe Haube, niedliche Kulleraugen-Scheinwerfer und ein kurzes Heck: Der e.Go Life soll das perfekte Stadtauto sein. "Ein Elektroauto macht nur in der Stadt richtig Sinn", war und ist Günther Schuhs feste Überzeugung. Den e.Go Life 60, der mit einer 21,5 kWh kleinen Batterie etwa 130 Kilometer weit kommen soll, konnten wir bereits als Vorserienfahrzeug fahren. Da warf zwar die Folie auf der Kunststoffkarosserie an manchen Ecken noch Blasen und es hingen noch Plastik-Späne auf dem Trittbrett, die Kunststoffe und Spaltmaße am Armaturenbrett und an den Armlehnen passten dagegen schon ganz gut.

Beim Beschleunigen fängt der 57 kW/78 PS starke Elektromotor hochfrequent zu summen an, die Beschleunigung von 0 bis 50 km/h dauert laut Hersteller 4,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird aus Gründen des Energieverbrauches auf maximal 122 km/h begrenzt. Doch Tempo ist nicht das eigentliche Thema beim e.GO Life. Worauf es dem Professor bei der Entwicklung ankam, sieht man zum Beispiel am vergleichsweise spartanischen Cockpit. Vor allem aber an der Konstruktion, daran, wie das Auto produziert werden kann.

Kostengünstige Konstruktion eines E-Autos

e.Go Life stehend von der Seite
Viel Platz dank großem Radstand und Elektrobauweise ∙ © e.Go

Der e.Go ist so weit wie möglich auf niedrige Kosten getrimmt worden. Das sieht letztlich auch der Kunde. Um den niedrigen Preis zu erzielen, konzipierten die Ingenieure zunächst die Produktion und erst dann das Auto. Anstelle teuer selbst designter Scheinwerfer nutzt e.Go Zulieferer wie Hella, Bosch oder ZF. Die Motoren stammen von Bosch, die Batterie von BMZ aus Aschaffenburg. Vorteil: kein Entwicklungsaufwand und niedrige Einkaufspreise dank späterer hoher Stückzahlen.

e.Go entwickelte nur die Teile neu, die es auf dem Markt noch nicht gab. Der Spaceframe-Rahmen besteht aus Aluminium, die Hülle aus Thermoplast. Das spart aufwendige Lackierung und Rostschutz. Die Auswahl an Sonderausstattungspaketen ist bescheiden, so bleibt die Produktion schlank. 17 Stunden dauert es, bis ein Life zusammengebaut ist.

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

Ordentliche Ausstattung in der Special Edition Next

e.Go Life Kofferraum
Der e.Go Life hat eine große Glas-Heckklappe, aber eine hohe Ladekante ∙ © e.Go

Erstaunlich ist, wie viel Platz das kleine Auto im Innenraum bietet – und das bei gerade mal 3,35 Metern Außenlänge. Ein VW up! zum Beispiel hat auch nicht gerade viel Platz, ist aber 26 Zentimeter länger. Vorn stoßen sich im e.Go selbst Hochgewachsene nicht den Kopf, Arm- und Beinfreiheit sind okay. Hinten sitzen zumindest Heranwachsende bequem. Das Kofferraum-Volumen gibt der Hersteller dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank mit 640 Liter an. Das reicht für den Großeinkauf im Supermarkt allemal.  

Den Weg der immer größeren und größeren Akkus will e.Go auch nach dem Neustart nicht mitgehen, allenfalls ist leicht steigender Kapazität zu rechnen, die sich aus Verbesserungen bei der Batterietechnik ergeben. Eine wichtige Neuerung ist aber doch zu erwarten: Mit einem optionalen 11-kW-Onboard-Lader sollen die knapp sieben Stunden Ladezeit mit dem bisherigen 3,7 kW-Aggregat der Vergangenheit angehören.

Schon jetzt hat die vorerst einzig angebotene Special Edition Next eine ordentliche Ausstattung zu bieten. Sie umfasst etwa LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, ein Infotainmentsystem mit Apple CarPlay und Android Auto und Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Parkassistent vorne und hinten, Sitzheizung vorne, Frontscheibenheizung, Regen- und Lichtsensor, Berganfahrassistent und Nebelscheinwerfer.

eGo Life: Technische Daten und Preise

Technische Daten

e.GO Life Special Edition Next

Motor

Elektromotor mit 29 kW Dauer- und 57 kW Spitzenleistung

Batteriekapazität

21,5 kWh

Reichweite nach WLTP

125 km

Fahrleistungen

4,3 s auf 50 km/h, Spitze 122 km/h

Verbrauch nach WLTP

15,5 kWh/100 km

Ladezeit

Schukostecker: 9,6 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 5,7 h

Maße

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

Wendekreis

9,9 m

Leergewicht / Zuladung

1231 kg / 259 kg

Preis

ab 26.560 €

Text: Fabian Hoberg, Wolfgang Rudschies, Rudolf Huber