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e.Go Life: Testfahrt in Deutschlands günstigstem Elektroauto

e.Go Life fahrend von vorne
Smarter Mini: Der e.Go Life will das perfekte elektrische Stadtauto sein ∙ © e.Go

Der e.Go Life soll den Markt für Elektroautos revolutionieren: Ein Start-Up der Uni Aachen verkauft den 3,35 Meter langen Stadtflitzer für 17.900 Euro. Fahrbericht, technische Daten, Preise

  • Die Auslieferung des e.GO hat begonnen, er kostet zwischen 17.900 und 21.900 Euro

  • Hersteller sind die Erfinder des elektrischen Posttransporters "Streetscooter"

  • Die Reichweite des Elektro-Kleinstwagens soll 100 bis 145 Kilometer betragen

Der e.Go hat eine Kunststoff-Karosserie

Knappe Haube, niedliche Kulleraugen-Scheinwerfer und ein kurzes Heck. Schon optisch ist klar, dass der e.Go Life das perfekte Stadtauto sein möchte. "Ein Elektroauto macht nur in der Stadt richtig Sinn", sagt der Gründer der Firma e.Go Mobile AG, Professor Günther Schuh.
Der Dozent an der RWTH Aachen kennt sich mit Elektromobilität aus: Er steckt hinter dem erfolgreichen Elektro-Transporter Streetscooter – und verkaufte dieses Unternehmen 2014 an die Deutsche Post. Jetzt kommt der nächste Coup: Schuh will zeigen, dass man ein günstiges Elektroauto für die Stadt produzieren kann – und zwar in Deutschland. Seit Anfang Mai wird der e.GO an erste Kunden ausgeliefert. Bis Anfang 2020 sollen zunächst die laut Hersteller 3300 Vorbesteller beliefert werden.

Bei einem Vorserienfahrzeug, mit dem wir bereits fahren konnten, wirft die Folie auf der Kunststoffkarosserie an manchen Ecken noch Blasen, Plastik-Späne hängen auf dem Trittbrett. Die Kunststoffe und Spaltmaße am Armaturenbrett und an den Armlehnen passen dagegen schon ganz gut.

Der Materialauswahl merkt man das Bemühen um einen günstigen Preis an. Aber im minimalistischen Cockpit ist Platz für ein Infotainment-System, die Schalter für die Klimaanlage sowie das Infodisplay befinden sich hinter dem Lenkrad. Funktional ist das jedenfalls.

Höchstgeschwindigkeit: 142 km/h

Vertriebsleiter Matthias  Kreimeier sitzt bei unserer Testfahrt auf dem Beifahrersitz und achtet darauf, dass wir es mit dem Vorserienfahrzeug nicht übertreiben. Dennoch bleibt er recht entspannt, als wir aus dem Stand voll beschleunigen. Wir sitzen im e.GO Life 60, dem "Topmodell" mit der größten Batterie (23,5 kWh). Der e-Motor fängt hochfrequent zu summen an, der Life beschleunigt von 0 auf 50 km/h in nur 3,4 Sekunden – das reicht für den flotten Start an der Ampel. Höchstgeschwindigkeit laut Hersteller: 142 km/h.
Doch das dürfen wir heute noch nicht überprüfen. Wir müssen auf dem Testgelände rund um das neu gebaute Werk in Aachen bleiben und lenken deshalb mit 60 km/h entspannt um Halle 1. Kurz und wendig wie er ist, flitzt der Life leicht ums Eck, die weichen Sitze halten die Passagiere gut in den Polstern. Geht man vom Gas, geht der Mini stark in die Eisen – die Rekuperation (Energierückgewinnung) schlägt hart an und summt deutlich vernehmbar.  

Reichweite: Zwischen 100 und 145 km

Erstaunlich ist, wie viel Raum das kleine Auto im Innenraum bietet. Vorn stoßen sich selbst Hochgewachsene nicht den Kopf, Arm- und Beinfreiheit reichen aus. Hinten reicht der Platz zumindest für Heranwachsende – und das bei gerade mal 3,35 Metern Außenlänge. Zum Vergleich: Der VW Up ist 26 Zentimeter länger.
Die Batterien des e.Go Life fassen je nach Version 14,5, 17,5 und 23,5 kWh. Im neuen und realitätsnahen WLTP-Zyklus reicht das für 100, 113 und 145 Kilometer. Das ist nicht die Welt, für ein Stadtauto aber allemal ausreichend. Je nach Batteriegröße wiegt der Viersitzer zwischen 1075 und 1135 Kilogramm.

Das beste Argument für den Life soll aber der Kostenpunkt sein: Mit einem Einstiegspreis von 17.900 Euro ist er das derzeit günstigste Elektro-Fahrzeug – und das noch vor Abzug der Elektroauto-Förderung. Dann kostet der e.Go Life immer noch weniger als ein elektrischer Smart Fortwo für 21.940 Euro. Und ist damit auch unter Elektroauto-Maßstäben enorm günstig. 

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Alltagstaugliche Reichweite für die Stadt

Um den niedrigen Preis zu erzielen, konzipierten die Ingenieure um Professor Schuh zunächst die Produktion, und erst dann das Auto. Anstelle teuer selbst designter Scheinwerfer nutzt e.Go Zulieferer wie Hella, Bosch oder ZF. Die Motoren stammen von Bosch, die Batterie von BMZ aus Aschaffenburg. Vorteil: kein Entwicklungsaufwand und niedrige Einkaufspreise dank hoher Stückzahlen.
E.Go entwickelte nur die Teile neu, die es auf dem Markt noch nicht gab. Der Spaceframe-Rahmen besteht aus Aluminium, die Hülle aus Thermoplast. Das spart aufwendige Lackierung und Rostschutz. Die Auswahl an Sonderausstattungspaketen ist bescheiden, so bleibt die Produktion schlank.

17 Stunden dauert es, bis ein Life zusammengebaut ist. Die Wartung der Autos sollen die Bosch-Car-Service-Stationen übernehmen, und auch das Ersatzteillager und die Logistik organisiert Bosch.

"Es ist heute nicht mehr schwer, ein Elektroauto zu bauen. Es ist aber schwer, ein günstiges zu bauen", sagt Professor Schuh. Damit jedenfalls hat Schuh Erfahrung. Der Transporter Streetscooter hat bisher alle Erwartungen übertroffen.

Technische Datene.GO Life 20e.GO Life 40e.GO Life 60
MotorElektromotor mit 20 kW Dauer- und 20 kW SpitzenleistungElektromotor mit 24 kW Dauer- und 40 kW SpitzenleistungElektromotor mit 32 kW Dauer- und 55 kW Spitzenleistung
Batteriekapazität14,5 kWh17,5 kWh23,5 kWh
Reichweite nach WLTP100 km113 km145 km
Fahrleistungen7,7 s auf 50 km/h, Spitze 112 km/h4,7 s auf 50 km/h, Spitze 123 km/h3,4 s auf 50 km/h, Spitze 142 km/h
Verbrauch nach WLTP14,5 kWh/100 km15,5 kWh/100 km16,2 kWh/100 km
LadezeitSchukostecker: 5,4 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 3,8 hSchukostecker: 7,3 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 4,5 hSchukostecker: 9,8 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 6,9 h
MaßeL 3,35 / B 1,73 / H 1,58 m; Radstand: 2,20 mL 3,35 / B 1,73 / H 1,58 m; Radstand: 2,20 mL 3,35 / B 1,73 / H 1,58 m; Radstand: 2,20 m
Wendekreis9,8 m9,8 m9,8 m
Gewicht (inkl. Fahrer)1150 kg1170 kg1210 kg
Preisab 17.900 €ab 17.900 €ab 21.900 €

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Text: Fabian Hoberg