e.Go Life: Elektrofloh aus Aachen

e.Go Life fahrend von vorne
Smarter Mini: Der e.Go Life will das perfekte elektrische Stadtauto sein ∙ © e.Go

Von der technischen Universität in Aachen erfunden, versucht der kleine e.GO Life nun die große Welt zu erobern. Was von dem minimalistischen Elektroauto zu halten ist, wie es fährt – und warum es einen Platz in der Automobilwelt verdient hat.

  • Ökonomisch und umweltfreundlich: Das e.GO-Konzept

  • Erste Showrooms in Deutschland eröffnet

  • Expansion nach Mexiko und Bulgarien angestrebt

Der e.GO versucht einen Neustart

e.Go Life stehend von der Seite
Knappe Haube, Kulleraugen-Scheinwerfer: Der e.GO Life wirkt sympathisch ∙ © e.Go

Klein, praktisch, bezahlbar: Mit diesen Grundeigenschaften entspricht der e.GO Life dem Ideal eines besonders ökonomischen wie umweltfreundlichen Elektroautos. Und trotz seines minimalistischen Ansatzes beweist der e.GO Life, dass ein kleines und kostengünstiges Elektroauto keine Verzichtsmurmel ohne jeglichen Komfort und ohne jeden Fahrspaß sein muss. Davon konnten wir uns bei einer ersten Testfahrt mit einem e.GO aus der Serienproduktion überzeugen.

Wie ein Smart forfour EQ oder ein VW e-Up bietet der e.GO Life immerhin vier Sitze, bleibt mit einer Länge von 3,35 Metern aber um einiges kürzer als diese beiden – ein kleiner Vorteil bei der Parkplatzsuche in der Stadt. Raum für Gepäck gibt es im e.GO auf den ersten Blick nicht. Denn in den schmalen Schacht hinter den Rücksitzen passt nicht viel mehr hinein als zwei dünne Aktenkoffer.

Doch es gibt Abhilfe: Um sich Platz zu verschaffen, kann man mit zwei einfachen Handgriffen die Rücksitzlehnen umklappen. Dann eröffnet sich eine Ladefläche, mit der man schon eine ganze Menge anfangen kann. Dachhoch beladen, so die Angabe des Herstellers, sollen hier immerhin 640 Liter unterkommen. Als kleines Hindernis bleibt nur das Ladekabel, das man tunlichst im hinteren Fußraum verstauen sollte, damit es nicht stört.

Tempo? Ist nicht das Thema des e.GO

e.Go Life stehend von der Seite
Viel Platz dank großem Radstand und Elektrobauweise ∙ © e.Go

Beim Beschleunigen fängt der 57 kW/78 PS starke Elektromotor hochfrequent zu summen an, aber das Spurtvermögen ist mehr als ausreichend: Die Beschleunigung von 0 auf 50 km/h dauert laut Hersteller 4,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf maximal 122 km/h begrenzt, weshalb die Autobahn also nicht das Terrain des e.GO Life ist. Lange Strecken auch nicht: Dafür ist die Batterie mit einer Speicherkapazität von rund 21 kWh zu klein. Die Reichweiten beschränken sich, je nach Jahreszeit, auf vielleicht 80 Kilometer im Winter und 120 Kilometer bei sommerlichen Außentemperaturen.

Tempo und Reichweite waren ohnehin nicht die Themen, als der e.GO Life vom Aachener Hochschulprofessor Günther Schuh und seinen Mitstreitern erdacht wurde. Worauf es dem Professor bei der Entwicklung ankam, sieht man beispielsweise am schlichten Cockpit – und an der Gesamtkonstruktion.

Kostengünstige Konstruktion eines E-Autos

e.Go Life Cockpit
Das Cockpit ist übersichtlich, aber wenig wertig ∙ © e.Go

Denn der e.GO ist soweit wie möglich auf niedrige Kosten getrimmt worden. Um den niedrigen Preis zu erzielen, konzipierten die Hochschulingenieure zunächst die Produktion und erst dann das Auto. Anstelle teurer selbst designter Komponenten nutzt e.GO vorhandene Angebote von Zulieferern. Die Motoren stammen von Bosch, die Batterie von BMZ aus Aschaffenburg. Vorteil: kein Entwicklungsaufwand und niedrige Einkaufspreise.

e.GO entwickelte nur die Teile neu, die es auf dem Markt noch nicht gab. Der Spaceframe-Rahmen besteht aus Aluminium, die Hülle aus Thermoplast. Das spart aufwendige Lackierung und Rostschutz. Die Auswahl an Ausstattungspaketen ist bescheiden, so bleibt die Produktion schlank. 17 Stunden dauert es, bis ein Life zusammengebaut ist.

Ordentliche Ausstattung in der Special Edition Next

Leider lässt sich die kostengünstige Bauweise auch mit viel Ingenieursgeschick nicht kaschieren. Beispielsweise fühlt sich die Innenverkleidung der Türen wenig solide an. Das Armaturenbrett besteht weitgehend aus Hartplastik. Und das Bediensystem wirkt im Vergleich zu hochpreisigen Elektroautos namhafter Hersteller geradezu aus der Zeit gefallen.

Wer ein praktisches, günstiges Auto sucht, kann damit wohl leben. Allerdings erschließt sich nicht der Sinn, warum die Klimabedienung mit einem pseudomodernen Digitaldisplay gekoppelt wurde. Hier muss nämlich jede einzelne Funktion – Temperatur, Gebläsestufe und Lüftungsströmung – extra per Drehrad angewählt und durch kurzes Drücken bestätigt werden, bevor eine Einstellungsänderung vorgenommen werden kann. Eine vermutlich eher teure und umständliche Lösung.

Immerhin hat die bislang einzige angebotene e.GO-Life-Version eine ordentliche Ausstattung zu bieten. Sie umfasst etwa LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Apple CarPlay sowie Android Auto und Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Parkassistenz vorn und hinten, Sitzheizung vorn, Frontscheibenheizung, Regen- und Lichtsensor, Berganfahrassistent sowie Nebelscheinwerfer.

Vom Start-up zum Aktienunternehmen

e.Go Life Kofferraum
Der e.GO Life hat eine große Glas-Heckklappe, aber eine hohe Ladekante ∙ © e.Go

Der Vater des Produkts, Professor Günther Schuh aus Aachen, ist inzwischen nicht mehr an Bord des Unternehmens. Der einstige Start-up-Gründer hat es aber noch geschafft, sein Elektroauto namens e.GO Life in finanzstarke Hände zu übergeben. Aus der e.GO mobile AG wurde die Next.e.GO Mobile SE. Mehrheitsaktionär ist das internationale Private-Equity-Unternehmen nd Industrial Investments B.V. aus den Niederlanden.

Nach zwischenzeitlicher Insolvenz wird der e.GO Life wieder produziert. Der Basispreis beträgt 26.560 Euro vor Abzug der Umweltprämie in Höhe von 9750 Euro.

Mit Wirkung zum 1. Dezember 2021 ist Martin C. Klein zum neuen Chief Executive Officer (CEO) ernannt worden. Er soll das Unternehmen so schnell wie möglich profitabel machen. Dazu wird auch das Angebot erweitert: In den kommenden Jahren sollen – neben einer Version für Rollstuhlfahrer – auch ein Life Sport und der Life Cross gebaut werden. Zudem soll künftig auch in Mexiko und in Bulgarien produziert werden. Die Mikrofabrik in Lovetsch wird wohl im ersten Quartal 2024 starten und ist auf eine Kapazität von bis zu 30.000 Fahrzeugen pro Jahr ausgelegt.

Als zusätzliche Einnahmequelle hatte sich die Next.e.GO Mobile SE schon vor dem Wechsel auf dem Chefsessel für einen CO₂-Pool mit Volkswagen zusammengetan. Das heißt, es gibt Geld für die CO₂-Zertifikate, die Next.e.GO für jedes verkaufte Elektroauto erhält.

Ganz neu ist eine Akkutausch-Station in Zülpich bei Aachen. Binnen einer Stunde, so der Hersteller, sei die leere gegen eine volle Batterie getauscht. Das Angebot scheint für Gewerbetreibende oder Dienstleister gedacht, die in die Bredouille kämen, wenn sie den Elektrofloh zum Aufladen stundenlang stehen lassen müssten und in der Zeit keine Aufträge abarbeiten könnten.

Wenn jetzt noch zügig ein flächendeckendes Vertriebs- und Servicenetz in Deutschland* aufgebaut wird, könnte es mit dem e.GO Life vielleicht etwas werden. Im Moment ist das Netz noch etwas dünn. Showrooms für den Erstkontakt mit potenziellen Kunden gibt es bislang erst in Düsseldorf und Hamburg.

e.GO Life: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

e.GO Mobile Life 60 (21,5 kWh)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

57

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

78

Drehmoment (Systemleistung)

110 Nm

Antriebsart

Front

Höchstgeschwindigkeit

122 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

125 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

18,3 kWh/100 km

Batteriekapazität (Netto) in kWh

21,2

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-3,7

Kofferraumvolumen normal

140 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

640 l

Leergewicht (EU)

1.229 kg

Zuladung

261 kg

Grundpreis

26.560 Euro

Länge x Breite x Höhe

3.348 mm x 1.728 mm x 1.582 mm

Text: Fabian Hoberg, Wolfgang Rudschies, Rudolf Huber

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