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Der ADAC

e.Go Life: Firma nach Insolvenz verkauft

e.Go Life fahrend von vorne
Smarter Mini: Der e.Go Life will das perfekte elektrische Stadtauto sein ∙ © e.Go

Nach dem Insolvenzverfahren des Aachener Start-ups liegt die Zukunft des e.Go Life Elektroautos nun in Händen eines niederländischen Investors.

  • e.Go mobile AG von Investor als Mehrheitsaktionär übernommen

  • Gründer Prof. Schuh Verwaltungsratschef der neuen Gesellschaft

  • Preis für das bisher günstigste Modell e.Go Life: 23.289 Euro

  • Reichweite des e.Go Life 60: 100 bis 139 Kilometer

Der e.Go versucht einen Neustart

Kompliment an Prof. Günther Schuh aus Aachen. Der umtriebige Hochschullehrer und Start-up-Gründer hat es tatsächlich geschafft, sein Elektroauto namens e.Go Life wiederzubeleben. Zunächst dachten viele, auch Erstkunden und Besteller eines e.Go Life, die Firma sei tot.

Jedenfalls sind die Vertragsangelegenheiten geregelt, so eine offizielle Pressemeldung der Next.e.GO Mobile SE, wie die Firma jetzt heißt. Mehrheitsaktionär ist das internationale Private-Equity-Unternehmen nd Industrial Investments B.V. aus den Niederlanden. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Neuer Vorstandschef wird Ulrich Hermann, ehemaliges Vorstandsmitglied der börsennotierten Heidelberger Druckmaschinen AG. Professor Günther Schuh als Gründer des ursprünglichen Start-ups wird Verwaltungsratschef. Firma und Handelspartner werden entsprechend reorganisiert. Sobald die Zulassung als Fahrzeughersteller für die neue Gesellschaft erteilt ist und die Lieferantenverträge umgestellt sind, soll die Produktion im Werk Aachen wieder anlaufen, heißt es weiter.

Es sieht also so aus, als könne der Verkauf des e.Go Life weitergehen. Und dass das Auto von Professor Schuh bleibt, wie es ist: knappe Haube, niedliche Kulleraugen-Scheinwerfer und ein kurzes Heck. Der e.Go Life soll das perfekte Stadtauto sein. "Ein Elektroauto macht nur in der Stadt richtig Sinn", sagt Günther Schuh. Der Dozent an der RWTH Aachen will mit dem e.Go zudem zeigen, dass ein Elektroauto günstig und nachhaltig produziert werden kann, und zwar in Deutschland. 

Den e.Go Life 60, der mit einer 21,5 kWh kleinen Batterie etwa 140 Kilometer weit kommen soll, konnten wir bereits als Vorserienfahrzeug fahren. Da warf zwar die Folie auf der Kunststoffkarosserie an manchen Ecken noch Blasen und es hingen noch Plastik-Späne auf dem Trittbrett - die Kunststoffe und Spaltmaße am Armaturenbrett und an den Armlehnen passten dagegen schon ganz gut.

Tempo ist nicht das Thema beim e.Go

Beim Beschleunigen fängt der 57 kW/78 PS starke Elektromotor hochfrequent zu summen an, die Beschleunigung von 0 bis 50 km/h dauert laut Hersteller 4,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird aus Gründen des Energieverbrauches auf maximal 130 km/h begrenzt.

Doch Tempo ist nicht das eigentliche Thema beim e.GO Life des Günther Schuh. Worauf es dem Professor ankommt, sieht man zum Beispiel am vergleichsweise spartanischen Cockpit. Vor allem aber an der Art und Weise, wie das Auto unter der Oberfläche konstruiert ist und wie es produziert werden kann. Der e.Go ist so weit wie möglich auf niedrige Kosten getrimmt worden. Das sieht letztlich auch der Kunde.

Auf niedrige Kosten getrimmt

Um den niedrigen Preis zu erzielen, konzipierten die Ingenieure zunächst die Produktion, und erst dann das Auto. Anstelle teuer selbst designter Scheinwerfer nutzt e.Go Zulieferer wie Hella, Bosch oder ZF. Die Motoren stammen von Bosch, die Batterie von BMZ aus Aschaffenburg. Vorteil: kein Entwicklungsaufwand und niedrige Einkaufspreise dank hoher Stückzahlen.

e.Go entwickelte nur die Teile neu, die es auf dem Markt noch nicht gab. Der Spaceframe-Rahmen besteht aus Aluminium, die Hülle aus Thermoplast. Das spart aufwendige Lackierung und Rostschutz. Die Auswahl an Sonderausstattungspaketen ist bescheiden, so bleibt die Produktion schlank. 17 Stunden dauert es, bis ein Life zusammengebaut ist.

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

In Zukunft soll es weitere Versionen geben

Technisch erstaunlich ist, wie viel Platz das kleine Auto im Innenraum bietet – und das bei gerade mal 3,35 Metern Außenlänge. Ein VW up! zum Beispiel hat auch nicht gerade viel Platz, ist aber 26 Zentimeter länger. Vorn stoßen sich im e.Go selbst Hochgewachsene nicht den Kopf, Arm- und Beinfreiheit sind okay. Hinten sitzen zumindest Heranwachsende bequem. Das Kofferraumvolumen gibt der Hersteller dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank mit 640 Liter an. Das reicht für den Großeinkauf im Supermarkt allemal.  

In Zukunft – wenn die ursprünglichen Pläne Bestand haben – soll der e.Go Life zusätzlich mit noch kleineren Akkus (14,4 und 17,5 kWh) und mit noch weniger Motorleistung (20 und 40 kW) angeboten werden. Die Basisversion 20 soll dann 17.900 Euro kosten. Die Version 40 mit mittlerem Akku würde 19.400 Euro kosten. Ein optisch auf Offroad getrimmter Öko-Flitzer und ein Sportmodell könnten nachgereicht werden.

Aktuell ist der e.Go Life laut Homepage in der Basisversion 40+ für einen Preis von 22.701,89 Euro bestellbar. Der e.Go Life 60 mit etwas mehr Motorleistung und etwas mehr Reichweite soll 25.041,37 Euro kosten. Nach Abzug der aktuellen Umweltprämie bleiben dann noch 13.221,89 bzw. 15.561,37 Euro als Kaufpreis übrig. Ob es bei dieser Angebots- und Preisstruktur bleibt, scheint angesichts neu zu verhandelnder Lieferantenverträge jedoch fraglich. Im Moment werden sich Interessenten ohnehin nur schwer zum Kaufabschluss durchringen können.

eGo Life: Technische Daten und Preise

Technische Datene.GO Life 20 e.GO Life 40+e.GO Life 60

Motor

Elektromotor mit 20 kW Dauer- und 20 kW Spitzenleistung

Elektromotor mit 29 kW Dauer- und 41 kW Spitzenleistung

Elektromotor mit 29 kW Dauer- und 57 kW Spitzenleistung

Batteriekapazität

14,5 kWh

21,5 kWh (brutto)

21,5 kWh (brutto)

Reichweite nach WLTP

100 km

122 km

139 km

Fahrleistungen

7,7 s auf 50 km/h, Spitze 112 km/h

5,1 s auf 50 km/h, Spitze 120 km/h

4,7 s auf 50 km/h, Spitze 130 km/h

Verbrauch nach WLTP

14,5 kWh/100 km

18,7 kWh/100 km

15,5 kWh/100 km

Ladezeit

Schukostecker: 5,4 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 3,8 h

Schukostecker: 9,6 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 6,0 h

Schukostecker: 9,6 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 6,0 h

Maße

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

Wendekreis

9,9 m

9,9 m

9,9 m

Leergewicht / Zuladung

k. A.

1231 kg / 259 kg

1231 kg / 259 kg

Preis

k. A.

ab 23.289 €

ab 25.689 €

Preise vom Stand vor der Insolvenz

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Text: Fabian Hoberg, Wolfgang Rudschies