Menü
Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Versicherungen & Finanzen
Mitgliedschaft
Services
Der ADAC

e.Go Life: Produktion soll 2021 wieder anlaufen

e.Go Life fahrend von vorne
Smarter Mini: Der e.Go Life will das perfekte elektrische Stadtauto sein ∙ © e.Go

Nach dem Insolvenzverfahren des Aachener Start-ups liegt die Zukunft des e.Go Life Elektroautos in Händen eines niederländischen Investors.

  • e.Go mobile AG von Investor als Mehrheitsaktionär übernommen

  • Gründer Prof. Schuh Verwaltungsratschef der neuen Gesellschaft

  • Reichweite des e.Go Life 60: mutmaßlich 100 bis 139 Kilometer

  • Aktuell ist kein Fahrzeug konfigurierbar

Der e.Go versucht einen Neustart

e.Go Life Cockpit
Minimalistisches Cockpit mit Infotainment-System ∙ © e.Go

Kompliment an Prof. Günther Schuh aus Aachen. Der umtriebige Hochschullehrer und Start-up-Gründer hat es tatsächlich geschafft, sein Elektroauto namens e.Go Life wiederzubeleben. Zunächst dachten viele, auch Erstkunden und Besteller eines e.Go Life, die Firma sei tot.
Aus der e.Go mobile AG wurde die Next.e.GO Mobile SE. Mehrheitsaktionär ist das internationale Private-Equity-Unternehmen nd Industrial Investments B.V. aus den Niederlanden. Als neuer Vorstandschef agiert Ulrich Hermann, ehemaliges Vorstandsmitglied der börsennotierten Heidelberger Druckmaschinen AG. Professor Günther Schuh als Gründer des ursprünglichen Start-ups wird Verwaltungsratschef. Inzwischen ist die Zulassung als Fahrzeughersteller für die neue Gesellschaft erteilt, die Lieferantenverträge scheinen umgestellt. Jedenfalls soll die Produktion im Werk Aachen Anfang 2021 wieder anlaufen, heißt es.

Als zusätzliche Einnahmequelle hat sich die Next.e.GO Mobile SE für einen CO₂-Pool mit einem großen OEM zusammengeschlossen. Das heißt, es gibt Geld für die CO₂-Zertifikate, die Next.e.Go für jedes verkaufte Elektroauto erhält. Aber soweit ist es ja noch nicht. Außerdem wurde mit der griechischen Regierung eine Kooperationsvereinbarung zum Aufbau einer zweiten Serienfertigung unterzeichnet.

Tempo ist nicht das Thema beim e.Go

e.Go Life stehend von der Seite
Knappe Haube, Kulleraugen-Scheinwerfer: Der e.Go Life wirkt sympathisch ∙ © e.Go

Wir gehen aktuell davon aus, dass das Auto von Professor Schuh bleibt, wie es ist: knappe Haube, niedliche Kulleraugen-Scheinwerfer und ein kurzes Heck. Der e.Go Life soll das perfekte Stadtauto sein. "Ein Elektroauto macht nur in der Stadt richtig Sinn", sagt Günther Schuh. Der Dozent an der RWTH Aachen will mit dem e.Go zudem zeigen, dass ein Elektroauto günstig und nachhaltig produziert werden kann, und zwar in Deutschland. 

Den e.Go Life 60, der mit einer 21,5 kWh kleinen Batterie etwa 140 Kilometer weit kommen soll, konnten wir bereits als Vorserienfahrzeug fahren. Da warf zwar die Folie auf der Kunststoffkarosserie an manchen Ecken noch Blasen und es hingen noch Plastik-Späne auf dem Trittbrett - die Kunststoffe und Spaltmaße am Armaturenbrett und an den Armlehnen passten dagegen schon ganz gut.

Beim Beschleunigen fängt der 57 kW/78 PS starke Elektromotor hochfrequent zu summen an, die Beschleunigung von 0 bis 50 km/h dauert laut Hersteller 4,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird aus Gründen des Energieverbrauches auf maximal 130 km/h begrenzt.

Doch Tempo ist nicht das eigentliche Thema beim e.GO Life des Günther Schuh. Worauf es dem Professor ankommt, sieht man zum Beispiel am vergleichsweise spartanischen Cockpit. Vor allem aber an der Konstruktion, wie das Auto produziert werden kann.

Kostengünstige Konstruktion eines E-Autos

e.Go Life stehend von der Seite
Viel Platz dank großem Radstand und Elektrobauweise ∙ © e.Go

Der e.Go ist so weit wie möglich auf niedrige Kosten getrimmt worden. Das sieht letztlich auch der Kunde. Um den niedrigen Preis zu erzielen, konzipierten die Ingenieure zunächst die Produktion, und erst dann das Auto. Anstelle teuer selbst designter Scheinwerfer nutzt e.Go Zulieferer wie Hella, Bosch oder ZF. Die Motoren stammen von Bosch, die Batterie von BMZ aus Aschaffenburg. Vorteil: kein Entwicklungsaufwand und niedrige Einkaufspreise dank hoher Stückzahlen.

e.Go entwickelte nur die Teile neu, die es auf dem Markt noch nicht gab. Der Spaceframe-Rahmen besteht aus Aluminium, die Hülle aus Thermoplast. Das spart aufwendige Lackierung und Rostschutz. Die Auswahl an Sonderausstattungspaketen ist bescheiden, so bleibt die Produktion schlank. 17 Stunden dauert es, bis ein Life zusammengebaut ist.

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

In Zukunft soll es weitere Versionen geben

e.Go Life Kofferraum
Der e.Go Life hat eine große Glas-Heckklappe, aber eine hohe Ladekante ∙ © e.Go

Technisch erstaunlich ist, wie viel Platz das kleine Auto im Innenraum bietet – und das bei gerade mal 3,35 Metern Außenlänge. Ein VW up! zum Beispiel hat auch nicht gerade viel Platz, ist aber 26 Zentimeter länger. Vorn stoßen sich im e.Go selbst Hochgewachsene nicht den Kopf, Arm- und Beinfreiheit sind okay. Hinten sitzen zumindest Heranwachsende bequem. Das Kofferraumvolumen gibt der Hersteller dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank mit 640 Liter an. Das reicht für den Großeinkauf im Supermarkt allemal.  

Wenn die ursprünglichen Pläne noch Bestand haben soll der e.Go Life zusätzlich mit noch kleineren Akkus (14,4 und 17,5 kWh) und mit noch weniger Motorleistung (20 und 40 kW) angeboten werden. Die Basisversion 20 soll dann 17.900 Euro kosten. Die Version 40 mit mittlerem Akku würde 19.400 Euro kosten. Ein optisch auf Offroad getrimmter Öko-Flitzer und ein Sportmodell könnten nachgereicht werden.

Wie die konkrete Angebotspalette im Jahr 2021 aussieht, darüber schweigt sich (Stand Mitte Dezember 2020) die Homepage noch aus. In der Förderliste der Bafa wird der E-Go Life "First Edition" mit einem Nettolistenpreis von 20.714,28 geführt, der e.Go Life "First Edition Modelljahr 2020" mit 22.878,14 Euro beziffert.

eGo Life: Technische Daten und Preise*

Technische Datene.GO Life 20 e.GO Life 40+e.GO Life 60

Motor

Elektromotor mit 20 kW Dauer- und 20 kW Spitzenleistung

Elektromotor mit 29 kW Dauer- und 41 kW Spitzenleistung

Elektromotor mit 29 kW Dauer- und 57 kW Spitzenleistung

Batteriekapazität

14,5 kWh

21,5 kWh (brutto)

21,5 kWh (brutto)

Reichweite nach WLTP

100 km

122 km

139 km

Fahrleistungen

7,7 s auf 50 km/h, Spitze 112 km/h

5,1 s auf 50 km/h, Spitze 120 km/h

4,7 s auf 50 km/h, Spitze 130 km/h

Verbrauch nach WLTP

14,5 kWh/100 km

18,7 kWh/100 km

15,5 kWh/100 km

Ladezeit

Schukostecker: 5,4 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 3,8 h

Schukostecker: 9,6 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 6,0 h

Schukostecker: 9,6 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 6,0 h

Maße

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

Wendekreis

9,9 m

9,9 m

9,9 m

Leergewicht / Zuladung

k. A.

1231 kg / 259 kg

1231 kg / 259 kg

Preis

k. A.

ab 23.289 €

ab 25.689 €

*Alle Daten und Preise vom Stand vor der Insolvenz

Text: Fabian Hoberg, Wolfgang Rudschies