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e.Go Life: Das Elektro-Start-up steckt in der Insolvenz

e.Go Life fahrend von vorne
Smarter Mini: Der e.Go Life will das perfekte elektrische Stadtauto sein ∙ © e.Go

Ein Start-Up der Uni Aachen hat ein Elektroauto für die Stadt entwickelt und auch schon verkauft. Momentan aber läuft ein Insolvenzverfahren. Die Zukunft des e.Go Life ist ungewiss.

  • Das bisher günstigste Modell kostete 23.289 Euro

  • Die Reichweite des e.Go Life 60 soll 100 bis 139 Kilometer betragen

  • Gründer Prof. Schuh will weitermachen

Der e.Go hat eine Kunststoff-Karosserie

Knappe Haube, niedliche Kulleraugen-Scheinwerfer und ein kurzes Heck. Schon optisch ist klar, dass der e.Go Life das perfekte Stadtauto sein möchte. "Ein Elektroauto macht nur in der Stadt richtig Sinn", sagt der Gründer der Firma e.Go Mobile AG, Professor Günther Schuh.
Der Dozent an der RWTH Aachen steckt hinter dem Elektro-Transporter Streetscooter – und verkaufte dieses Unternehmen 2014 an die Deutsche Post. Parallel arbeitete der Professor aber auch schon an einem elektrischen Kleinwagen für Privatleute.

Schuh wollte zeigen, dass ein Elektroauto günstig und nachhaltig produziert werden kann, und zwar in Deutschland. Geldgeber standen und stehen immer noch bereit, sagt Schuh. Obwohl am 1. Juli 2020 ein Insolvenzfahren eröffnet wurde. Schuh meint, das sei dem wirtschaftlichen Stillstand wegen Corona geschuldet – und will weitermachen, wenn es irgendwie geht.

Den e.Go Life 60, der mit einer 21,5 kWh kleinen Batterie etwa 140 Kilometer weit kommen soll, konnten wir bereits als Vorserienfahrzeug fahren. Da warf zwar die Folie auf der Kunststoffkarosserie an manchen Ecken noch Blasen und es hingen noch Plastik-Späne auf dem Trittbrett - die Kunststoffe und Spaltmaße am Armaturenbrett und an den Armlehnen passten dagegen schon ganz gut.

Tempo ist nicht das Thema beim e.Go

Beim Beschleunigen fängt der 57 kW/78 PS starke Elektromotor hochfrequent zu summen an, die Beschleunigung von 0 bis 50 km/h dauert laut Hersteller 4,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird aus Gründen des Energieverbrauches auf maximal 130 km/h begrenzt.

Doch Tempo ist nicht das eigentliche Thema beim e.GO Life des Günther Schuh. Worauf es dem Professor ankommt, sieht man zum Beispiel am vergleichsweise spartanischen Cockpit. Vor allem aber an der Art und Weise, wie das Auto unter der Oberfläche konstruiert ist und wie es produziert werden kann. Der e.Go ist so weit wie möglich auf niedrige Kosten getrimmt worden. Das sieht letztlich auch der Kunde.

Auf niedrige Kosten getrimmt

Um den niedrigen Preis zu erzielen, konzipierten die Ingenieure zunächst die Produktion, und erst dann das Auto. Anstelle teuer selbst designter Scheinwerfer nutzt e.Go Zulieferer wie Hella, Bosch oder ZF. Die Motoren stammen von Bosch, die Batterie von BMZ aus Aschaffenburg. Vorteil: kein Entwicklungsaufwand und niedrige Einkaufspreise dank hoher Stückzahlen.

E.Go entwickelte nur die Teile neu, die es auf dem Markt noch nicht gab. Der Spaceframe-Rahmen besteht aus Aluminium, die Hülle aus Thermoplast. Das spart aufwendige Lackierung und Rostschutz. Die Auswahl an Sonderausstattungspaketen ist bescheiden, so bleibt die Produktion schlank. 17 Stunden dauert es, bis ein Life zusammengebaut ist.

Die Wartung der Autos sollten ursprünglich Bosch-Car-Service-Stationen übernehmen. Das hat offenbar nicht geklappt. Jetzt heißt es auf der Homepage, dass bundesweit 60 Vertragspartner für den Service bereitstehen, auch jetzt in den Corona-Zeiten. Ob das tatsächlich so ist und funktioniert, muss geprüft werden.

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

In Zukunft soll es weitere Versionen geben

Technisch erstaunlich ist, wie viel Platz das kleine Auto im Innenraum bietet – und das bei gerade mal 3,35 Metern Außenlänge. Ein VW up! zum Beispiel hat auch nicht gerade viel Platz, ist aber 26 Zentimeter länger. Vorn stoßen sich im e.Go selbst Hochgewachsene nicht den Kopf, Arm- und Beinfreiheit sind okay. Hinten sitzen zumindest Heranwachsende bequem. Das Kofferraumvolumen gibt der Hersteller dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank mit 640 Liter an. Das reicht für den Großeinkauf im Supermarkt allemal.  

In Zukunft – wenn es denn noch eine gibt für die Firme – soll der e.Go Life zusätzlich mit noch kleineren Akkus (14,4 und 17,5 kWh) und mit noch weniger Motorleistung (20 und 40 kW) angeboten werden. Die Basisversion 20 soll dann 17.900 Euro kosten. Die Version 40 mit mittlerem Akku würde 19.400 Euro kosten. Ein optisch auf Offroad getrimmter Öko-Flitzer und ein Sportmodell könnten nachgereicht werden, wenn entsprechende Investoren gefunden werden.

Die Basispreise für die zuletzt bestellbaren Versionen lagen bei 23.289 Euro (Life 40+) und 25.689 Euro (Life 60). Das ist deutlich mehr, als ursprünglich avisiert – und inzwischen nicht mehr wirklich überzeugend, wenn man die Angebote mit den Preisen eines Seat Mii, eines Skoda Citigo oder VW e-Up vergleicht. Wenn es um die Profitabilität einer Firma geht, kann auch Professor Schuh nicht zaubern. Wenn er jetzt hätte liefern können, hätte er den etablierten Herstellern einiges voraus. Die meisten von ihnen haben Lieferprobleme, allerdings aus völlig anderen Gründen.

Technische Daten und Preise

Technische Datene.GO Life 20 e.GO Life 40+e.GO Life 60

Motor

Elektromotor mit 20 kW Dauer- und 20 kW Spitzenleistung

Elektromotor mit 29 kW Dauer- und 41 kW Spitzenleistung

Elektromotor mit 29 kW Dauer- und 57 kW Spitzenleistung

Batteriekapazität

14,5 kWh

21,5 kWh (brutto)

21,5 kWh (brutto)

Reichweite nach WLTP

100 km

122 km

139 km

Fahrleistungen

7,7 s auf 50 km/h, Spitze 112 km/h

5,1 s auf 50 km/h, Spitze 120 km/h

4,7 s auf 50 km/h, Spitze 130 km/h

Verbrauch nach WLTP

14,5 kWh/100 km

18,7 kWh/100 km

15,5 kWh/100 km

Ladezeit

Schukostecker: 5,4 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 3,8 h

Schukostecker: 9,6 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 6,0 h

Schukostecker: 9,6 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 6,0 h

Maße

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

L 3,35 / B 1,75 / H 1,59 m; Radstand: 2,20 m

Wendekreis

9,9 m

9,9 m

9,9 m

Leergewicht / Zuladung

k. A.

1231 kg / 259 kg

1231 kg / 259 kg

Preis

k. A.

ab 23.289 €

ab 25.689 €

Preise vom Stand vor der Insolvenz

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Text: Fabian Hoberg, Wolfgang Rudschies