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e.Go Life: Elektroauto eines Universitäts-Start-ups

e.Go Life fahrend von vorne
Smarter Mini: Der e.Go Life will das perfekte elektrische Stadtauto sein ∙ © e.Go

Der e.Go Life soll ein besonders nachhaltiges Elektroauto sein: Ein Start-Up der Uni Aachen verkauft den Stadtflitzer aktuell ab 21.900 Euro. Fahrbericht, technische Daten, Preise

  • Der e.Go Life soll zukünftig in günstigeren Varianten erhältlich sein

  • Aktuell befindet sich die e-Go Mobile AG in Schwierigkeiten

  • Die Reichweite des e.Go Life 60 soll 100 bis 145 Kilometer betragen

Der e.Go hat eine Kunststoff-Karosserie

Knappe Haube, niedliche Kulleraugen-Scheinwerfer und ein kurzes Heck. Schon optisch ist klar, dass der e.Go Life das perfekte Stadtauto sein möchte. "Ein Elektroauto macht nur in der Stadt richtig Sinn", sagt der Gründer der Firma e.Go Mobile AG, Professor Günther Schuh.
Der Dozent an der RWTH Aachen steckt hinter dem Elektro-Transporter Streetscooter – und verkaufte dieses Unternehmen 2014 an die Deutsche Post. Parallel arbeitete der Professor aber auch schon an einem elektrischen Kleinwagen für Privatleute.

Schuh will zeigen, dass ein Elektroauto günstig und nachhaltig produziert werden kann, und zwar in Deutschland. Geldgeber für die weiteren Aktivitäten der Firma stehen in China bereit, sagt Schuh. Seit Anfang Mai bis Dezember 2019 wurden die ersten, besonders gut ausgestatteten Versionen des e.GO Life an Kunden ausgeliefert. Aktuell sind Fahrzeugversionen für einen Einstiegspreis von 21.900 Euro bestellbar.

Den e.Go Life 60, der mit einer 21,5 kWh kleine Batterie etwa 140 Kilometer weit kommen soll, konnten wir bereits als Vorserienfahrzeug fahren. Da warf zwar die Folie auf der Kunststoffkarosserie an manchen Ecken noch Blasen und es hingen noch Plastik-Späne auf dem Trittbrett - die Kunststoffe und Spaltmaße am Armaturenbrett und an den Armlehnen passten dagegen schon ganz gut.

Tempo ist nicht das Thema beim e.Go

Beim Beschleunigen fängt der 57 kW/78 PS starke Elektromotor hochfrequent zu summen an, beim Ampelstart von 0 bis 50 km/h dauert es bestenfalls 3,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit gab der Hersteller anfangs mit 142 km/h an. Bei den Serienfahrzeugen wird das Autobahntempo inzwischen aus Gründen des geringeren Energieverbrauches auf maximal 130 km/h begrenzt.

Doch Tempo ist nicht das eigentliche Thema beim e.GO Life des Günther Schuh. Worauf es dem Professor ankommt, sieht man zum Beispiel am vergleichsweise spartanischen Cockpit. Vor allem aber an der Art und Weise, wie das Auto unter der Oberfläche konstruiert ist und wie es produziert werden kann. Der e.Go ist so weit wie möglich auf niedrige Kosten getrimmt worden. Das sieht letztlich auch der Kunde.

Auf niedrige Kosten getrimmt

Um den niedrigen Preis zu erzielen, konzipierten die Ingenieure zunächst die Produktion, und erst dann das Auto. Anstelle teuer selbst designter Scheinwerfer nutzt e.Go Zulieferer wie Hella, Bosch oder ZF. Die Motoren stammen von Bosch, die Batterie von BMZ aus Aschaffenburg. Vorteil: kein Entwicklungsaufwand und niedrige Einkaufspreise dank hoher Stückzahlen.

E.Go entwickelte nur die Teile neu, die es auf dem Markt noch nicht gab. Der Spaceframe-Rahmen besteht aus Aluminium, die Hülle aus Thermoplast. Das spart aufwendige Lackierung und Rostschutz. Die Auswahl an Sonderausstattungspaketen ist bescheiden, so bleibt die Produktion schlank. 17 Stunden dauert es, bis ein Life zusammengebaut ist. Die Wartung der Autos sollen die Bosch-Car-Service-Stationen übernehmen, und auch das Ersatzteillager und die Logistik organisiert Bosch.

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

In Zukunft soll es weitere Versionen geben

Erstaunlich ist, wie viel Raum das kleine Auto im Innenraum bietet – und das bei gerade mal 3,35 Metern Außenlänge. Ein VW up! zum Beispiel hat auch nicht gerade viel Platz, ist aber 26 Zentimeter länger. Vorn stoßen sich im e.Go selbst Hochgewachsene nicht den Kopf, Arm- und Beinfreiheit sind o.k. Hinten haben zumindest Heranwachsende noch Platz. Das Kofferraumvolumen gibt der Hersteller dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank mit 640 Liter an. Das reicht für den Großeinkauf im Supermarkt allemal.  

In Zukunft soll der e.Go Life zusätzlich mit noch kleineren Akkus (14,4 und 17,5 kWh) und mit noch weniger Motorleistung (20 und 40 kW) angeboten werden. Die Basisversion 20 soll dann 17.900 Euro kosten. Die Version 40 mit mittlerem Akku wird 19.400 Euro kosten. Ein optisch auf Offroad getrimmter Öko-Flitzer und ein Sportmodell könnten nachgereicht werden, wenn entsprechende Investoren gefunden werden.

"Es ist heute nicht mehr schwer, ein Elektroauto zu bauen. Es ist aber schwer, ein günstiges zu bauen", sagt Professor Schuh.

Technische Datene.GO Life 20e.GO Life 40e.GO Life 60

Motor

Elektromotor mit 20 kW Dauer- und 20 kW Spitzenleistung

Elektromotor mit 24 kW Dauer- und 40 kW Spitzenleistung

Elektromotor mit 32 kW Dauer- und 55 kW Spitzenleistung

Batteriekapazität

14,5 kWh

17,5 kWh

21,5 kWh

Reichweite nach WLTP

100 km

113 km

139 km

Fahrleistungen

7,7 s auf 50 km/h, Spitze 112 km/h

4,7 s auf 50 km/h, Spitze 123 km/h

3,4 s auf 50 km/h, Spitze 130 km/h

Verbrauch nach WLTP

14,5 kWh/100 km

15,5 kWh/100 km

16,2 kWh/100 km

Ladezeit

Schukostecker: 5,4 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 3,8 h

Schukostecker: 7,3 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 4,5 h

Schukostecker: 9,8 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 6,9 h

Maße

L 3,35 / B 1,73 / H 1,58 m; Radstand: 2,20 m

L 3,35 / B 1,73 / H 1,58 m; Radstand: 2,20 m

L 3,35 / B 1,73 / H 1,58 m; Radstand: 2,20 m

Wendekreis

9,8 m

9,8 m

9,8 m

Gewicht (inkl. Fahrer)

1150 kg

1170 kg

1210 kg

Preis

ab 17.900 €

ab 19.400 €

ab 21.900 €

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Text: Fabian Hoberg, Wolfgang Rudschies