Brexit: Was Reisende wissen sollten

7.2.2020

Am 31. Januar 2020 hat das Vereinigte Königreich die EU verlassen. Damit hat eine Übergangsfrist bis Ende 2020 begonnen, in der Reisende keine Einschränkungen zu befürchten haben. Was danach kommt ist offen – ein „harter Brexit“ ist noch nicht vom Tisch.

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Seit 31.1.2020 ist Großbritannien kein EU-Mitglied mehr. (Foto: iStock.com/Ktsimage)
  • Bis Ende 2020 haben GB und die EU Zeit ein Abkommen über die zukünftigen Beziehungen auszuhandeln.
  • Ob ein Vertrag zustande kommt und was er auch für Reisende ab 2021 beinhaltet ist offen.
  • Scheitern die Bemühungen um einen Vertrag ist weiterhin ein sog. harter Brexit möglich.

 

Können sich EU-Bürger, die aus der EU ins Vereinigte Königreich fliegen oder umgekehrt weiterhin auf die EU-Fluggastrechte berufen?

Wer mit einem EU-Luftfahrtunternehmen* reist, der kann sich in der Übergangsphase bis Ende 2020 bei Flügen aus der EU nach Großbritannien (GB) oder auch im umgekehrten Fall auf die EU-Fluggastrechte berufen. Was danach gilt ist Verhandlungssache.  

Sollten Sie allerdings mit einem Nicht-EU-Luftfahrtunternehmen fliegen, dann können Sie sich nur bei Flügen aus der EU nach GB auf die EU-Fluggastrechte berufen. Bei Flügen aus GB mit Ziel in der EU entfällt der Schutz durch die EU-Fluggastrechte.

 

Ist beim Bahnverkehr für Reisende nach Großbritannien (GB) mit Einschränkungen zu rechnen?

Da bereits heute Kontrollen im Eisenbahnverkehr durch den Kanaltunnel stattfinden, ist mit keinen weitergehenden Auswirkungen für Reisende im Fall des ungeregelten Brexits zu rechnen.

 

Genügt der deutsche Führerschein für Reisen nach GB oder braucht man zusätzlich einen internationalen Führerschein?

Auch bei einem ungeregelten Brexit wird der deutsche Führerschein während eines Urlaubs in GB anerkannt. Gleiches gilt für britische Führerscheininhaber, die während eines vorübergehenden Aufenthaltes in Deutschland Auto fahren wollen. Ein zusätzlicher internationaler Führerschein ist nicht erforderlich.

 

Versorgung im Notfall – was ist nach dem Brexit zu beachten? Ist eine Auslandsreisekrankenversicherung sinnvoll?

Gesetzlich Krankenversicherte sollten prüfen, ob sie eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen haben, denn nach dem Brexit können EU-Bürger mit der Europäischen Gesundheitskarte keine medizinischen Leitungen in GB mehr in Anspruch nehmen. Erkundigen Sie sich daher bereits im Vorfeld der Reise bei Ihrer Krankenkasse, ob Kosten, die durch eine medizinische Versorgung in einem Drittland entstehen, erstattet würden. Falls nicht, ist der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung sinnvoll.

 

Welche Dokumente benötigen deutsche Staatsangehörige für die Einreise nach Großbritannien?

Die Einreise mit Reisepass oder Kinderreisepass ist unproblematisch. Wer nur einen Personalausweis besitzt, kann mindestens noch bis 31.12.2020 nach GB einreisen. Bitte beachten Sie, dass einzelne Fluggesellschaften teilweise abweichende Bestimmungen für die Einreise Minderjähriger haben. Zudem können Grenzbeamte Nachweise bei der Einreise von Minderjährigen verlangen. Das britische Innenministerium stellt außerdem Informationen zur Einreise Minderjähriger* in englischer Sprache zur Verfügung.

 

Braucht man zukünftig ein Visum für Reisen nach GB?

Während bislang für die Einreise nach Großbritannien aus Deutschland der Personalausweis ausreichend war, müssten Reisende bei einem „harten Brexit“ grundsätzlich den Reisepass mitführen und ein Visum beantragen. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass aufgrund entsprechender Regelungen, ähnlich wie in der Schweiz und Norwegen, weiterhin der Personalausweis zur Einreise ausreichen wird und bei Aufenthalten von bis zu 90 Tagen auf ein Visum verzichtet wird. Auch die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass britische Staatsangehörige für Kurzaufenthalte (90 Tage) in der EU kein Visum brauchen, wenn dasselbe für Staatsangehörige eines EU-Mitgliedstaates, die nach Großbritannien reisen, gilt. 

 

Was gilt bei der Einfuhr von Waren?

Bei einem „harten Brexit“ gelten die Freigrenzen der EU nicht mehr: Zollfrei eingeführt werden können dann nur noch Waren bis zu einem Wert von 430 Euro für Flug- und Schiffsreisende, bis zu einem Warenwert von 300 Euro für anders Reisende. Bei Alkohol und Zigaretten gelten die Einfuhrbeschränkungen für Staatsangehörige aus einem Drittstaat, das heißt es dürften nur noch 200 Zigaretten und 1 Liter Alkohol eingeführt werden.

Bei Reisen in das Vereinigte Königreich und von dort zurück nach Deutschland kann es daher an den Grenzkontrollstellen zu längeren Wartezeiten aufgrund von Zollkontrollen kommen. 

 

Mit dem Handy telefonieren im Urlaub – werden die Kosten steigen?

Gebühren fürs Telefonieren sind EU-weit gedeckelt bzw. abgeschafft. Telefonieren darf im EU-Ausland nur so viel kosten wie im Inland. Nach dem Austritt GBs aus der EU kann es daher für Reisende mit deutschen Telefonkarten im britischen Telefonnetz teurer werden. Allerdings gibt es bereits Europatarife mancher Anbieter die auch Nicht-EU-Staaten enthalten.

 

Wer hilft bei Streitigkeiten mit einem Mietwagen in GB nach dem Brexit? 

Bislang ist für grenzüberschreitende Mietwagenstreitigkeiten die Schlichtungsstelle ECRCS zuständig. Ob das auch nach dem Brexit der Fall sein wird, ist bislang noch offen.

 

Ist die Grüne Karte erforderlich bei Reisen mit dem Auto?

Um im Fall eines Unfalls auf der sicheren Seite zu sein, ist es sinnvoll, sich bei der eigenen Autoversicherung eine Bestätigung einzuholen, dass GB weiterhin auf der Grünen Karte gelistet ist. 

 

Was ist bei der Mitnahme von Haustieren nach GB nach dem Brexit zu beachten?

Bislang genügte der EU-Heimtierausweis, um mit Hund oder Katze nach GB zu reisen. Im Fall des ungeregelten Brexits sollten Sie ca. 4 Monate vor der geplanten Reise Kontakt mit Ihrem Tierarzt aufnehmen, um die Vorgaben GBs zu erfüllen. Die britische Regierung stellt die Vorgaben in englischer Sprache online* zur Verfügung.

 

Sind Auswirkungen für Autokäufer von Fahrzeugen zu erwarten, die in England produziert werden?

Wer sein Fahrzeug bei einem deutschen Verkäufer kauft, hat nichts zu befürchten. Es ist allenfalls mit längeren Lieferzeiten zu rechnen. Wer allerdings plant, ein Fahrzeug in GB als Eigenimport zu erwerben, der muss im Fall des ungeregelten Brexits mit Änderungen beim Zoll, bei vertraglichen Ansprüchen, bei Garantien und beim Zulassungsverfahren rechnen.

 

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Text: Juristische Zentrale