Ihre Rechte bei Bahnausfall und Zugverspätung

Bahnanzeige mit Zugausfällen
Bei Sturm oder Streik kann es zu zahlreichen Zugausfällen kommen ∙ © imago images/Arnulf Hettrich

Bei Streiks oder Sturm und Unwettern drohen Verspätungen und Ausfälle im Bahnverkehr. Diese Rechte haben Kunden der Bahn.

  • Bahnausfall oder Verspätung: Geld zurück, Rückfahrt oder Weiterfahrt

  • Bahnreisende können pauschale Entschädigung fordern

  • Bahn muss Verpflegung und notfalls Übernachtung im Hotel anbieten

Wenn der gebuchte Zug ausfällt oder Verspätung hat, haben Bahnreisende unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Entschädigung. Um diesen Anspruch allerdings durchzusetzen, müssen sie einiges beachten.

Verspätung oder Zugausfall: Das sollten Sie tun

  • Bestätigung organisieren: Lassen Sie sich im Zug bzw. am Bahnhof die Verspätung oder den Ausfall Ihres Zuges bestätigen.

  • Kontakt aufnehmen: Wenden Sie sich an das Bahnunternehmen, bei dem Sie die Fahrkarte gekauft haben. Bewahren Sie Ihre Fahrkarte und die Bestätigung über Verspätung oder Ausfall Ihres Zuges auf.

  • Auszahlung verlangen: Teilen Sie der Bahn mit, ob Sie die Entschädigung ausgezahlt bekommen wollen. Tun Sie das nicht, kann die Entschädigung auch mit einem Gutschein oder anderen Leistungen abgegolten werden.

Diese Rechte haben Bahnreisende

Sie können bei Zugausfall oder einer Verspätung von mehr als einer Stunde wählen zwischen:

  • Geld zurück: Sie bekommen den Fahrpreis erstattet und

  • Rückfahrt zum Ausgangsort bei nächster Gelegenheit oder

  • Weiterfahrt zu einem späteren Zeitpunkt. Die Bahn kann die Streckenführung ändern, die Reisebedingungen müssen aber vergleichbar sein.

EU treibt Modernisierung der Fahrgastrechte im Bahnverkehr voran

Das Europäische Parlament und der Rat der EU haben sich auf eine Modernisierung der Fahrgastrechte im Bahnverkehr geeinigt:

Die Rechte von Fahrgästen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität werden gestärkt. Weiter sollen Fahrgäste in Zukunft das Recht haben, ihre Fahrräder mit in den Zug zu nehmen.

In Zukunft entfällt für Fahrgäste der Anspruch auf Entschädigung, wenn sogenannte außergewöhnliche Umstände (z.B. extremes Wetter, Pandemie) zum Zugausfall oder einer Verspätung führen. Die Fahrgäste behalten in solchen Fällen aber das Recht auf Rückerstattung des Fahrpreises, anderweitige Beförderung und Hilfeleistung.

Die Neuregelung muss 2021 noch formell beschlossen werden und tritt vermutlich Anfang 2023 in Kraft.

Entschädigung, Verpflegung und Hotelübernachtung

Setzen Sie Ihre Fahrt fort, können Sie zusätzlich eine sogenannte Fahrpreisentschädigung fordern:

  • Verspätung am Zielort von 60 bis 119 Minuten: 25% des Fahrpreises

  • Verspätung am Zielort ab 120 Minuten: 50% des Fahrpreises

Die Bahn muss außerdem für Essen, Getränke, (falls nötig) die Unterbringung in einem Hotel und den Transfer dorthin sorgen. Steckt Ihr Zug auf der Strecke fest, muss die Bahn Sie aus dem Zug zum nächsten Bahnhof bringen.

Die Bahn kann diese Ansprüche nicht mit dem Hinweis auf höhere Gewalt ablehnen.

Corona-Einschränkungen bei Bahnreisen: Hygiene, Sitzplatzreservierung, Bordgastronomie. Alle Informationen zu Bahnreisen in Corona-Zeiten.

Flug wegen Streik verpasst: Keine Entschädigung

Wer Bahnfahrt und einen Flug getrennt voneinander gebucht hat, geht bei einem Streik leer aus, wenn er seinen Flieger verpasst: Er bekommt sein Flugticket und keine Umbuchungsgebühren nicht erstattet. Mietwagen- oder Taxikosten können nur in sehr wenigen Fällen (Zug fällt nachts aus) geltend gemacht werden.

Wenn Zug und Flug im Rahmen einer Pauschalreise als eine Einheit gebucht wurden (Rail & Fly), können sich Verbraucher wegen einer Entschädigung oder Umbuchung an den Reiseveranstalter wenden.

Hilfe bei Streit

Sie müssen Ihre Ansprüche erst beim Bahnunternehmen geltend machen. Die Entschädigung muss innerhalb eines Monats nach Einreichung Ihres Antrags bezahlt werden, wenn der Anspruch berechtigt ist.

Wenn das Bahnunternehmen den Anspruch ablehnt oder nicht innerhalb eines Monats reagiert, können Sie eine Schlichtungsstelle einschalten, beispielsweise die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp)* (Fasanenstraße 81, 10623 Berlin , Tel. +49 30 64499330, E-Mail: kontakt@soep-online.de).

Allerdings hilft diese nur, wenn das betreffende Bahnunternehmen auch Mitglied der söp ist. Die Schlichtung ist für den Verbraucher kostenlos. Das Recht, die Ansprüche vor Gericht geltend zu machen, bleibt durch die Schlichtung unberührt.

Eisenbahn-Bundesamt

Wenn das Bahnunternehmen auf die Beschwerde nicht reagiert, können Sie zusätzlich eine Beschwerde beim Eisenbahn-Bundesamt* (Heinemannstraße 6, 53175 Bonn, Tel. +49 228 30795400, E-Mail: fahrgastrechte@eba.bund.de*) einreichen. Das EBA ist zuständig für die Durchsetzung von Fahrgastrechten und prüft den Sachverhalt. Wenn Ihre Beschwerde berechtigt ist, führt das EBA ein Verfahren durch, um das Bahnunternehmen zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zu bewegen.

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Angela Baumgarten
Fach-Autorin
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Ellen Stamer
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