Wohnmobil bestellt: Ist eine Preiserhöhung zulässig?

Wohnmobilkauf: Käufer müssen mit höheren Preisen und langen Lieferzeiten rechnen
Wohnmobilkauf: Käufer müssen mit höheren Preisen und langen Lieferzeiten rechnen© stock.adobe.com/Kzenon

Wohnmobile sind beliebt: Die Nachfrage steigt, die Preise auch. Lieferfristen werden immer länger. Die Clubjuristen wissen, was Sie akzeptieren müssen und was nicht.

  • Produktionsausfälle: Preis nach Kaufvertrag erhöht, lange Lieferzeiten

  • Preisanpassung nur mit bestimmter Regelung im Kaufvertrag zulässig

  • Bei Streit: Vertrag von einem Anwalt prüfen lassen

Viele Wohnmobilfahrer warten schon seit über einem Jahr auf ihr neues Fahrzeug. Besonders ärgerlich: Viele von ihnen erhalten derzeit Schreiben vom Händler mit einer saftigen Preiserhöhung für ihr bestelltes Wohnmobil. Sie sollen einer Preiserhöhung von mehreren tausend Euro oder der Aufhebung des Kaufvertrages zustimmen. Einige Käufer müssen sich auch mit einer monatelangen Lieferverzögerung einverstanden erklären. ADAC Juristen erklären, welche Rechte Käufer haben.

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Nachträgliche Preiserhöhungen bisher unüblich

Bisher waren die von den Herstellern zu Beginn der Saison ausgegebenen Listenpreise immer stabil. Die hohe Nachfrage nach Wohnmobilen hat nun aber dazu geführt, dass bei vielen Fahrzeugen die Listenpreise kräftig erhöht wurden. Nicht nur die Corona-Pandemie, auch die Halbleiterkrise führte zu massiven Produktionsausfällen durch Werkschließungen. Dadurch kam es zu Minderproduktionen, die nicht mehr aufgeholt werden können. Alle Hersteller leiden unter dem Mangel an Bauteilen: Es fehlen nicht nur Halbleiter, sondern auch Kunststoff- und Metallteile.

Erst bestellt, dann steigt der Preis

Viele Käuferinnen und Käufer berichten dem ADAC, dass sie ein Schreiben von ihrem Händler bekommen haben, in dem eine teilweise massive Preissteigerung von mehreren Tausend Euro angekündigt wird. Dazu kommen oft weitere 5 bis 10 Prozent Aufschlag beim Zubehör. Der Kunde soll auch einer nochmaligen Lieferverzögerung um fünf Monate zustimmen.

Wegen der extremen Nachfrage nach Wohnmobilen und der langen Lieferzeiten, sehen sich viele Käufer gezwungen einzuwilligen. In dem Schreiben wird zwar eine Rücktrittsmöglichkeit oder eine Vertragsaufhebung angeboten. Das ist aber für die meisten Käufer keine echte Alternative, weil sie schon lange auf das ersehnte Wohnmobil gewartet haben. Und der nächste Kunde, der das Wohnmobil zu dem höheren Preis sofort kauft, steht beim Händler schon vor der Tür.

Ist eine nachträgliche Preiserhöhung zulässig?

Der Kaufvertrag bindet Käufer und Verkäufer. Preiserhöhungen zwischen Abschluss des Kaufvertrages und Auslieferung des Wohnmobils sind ohne entsprechende Vereinbarung nicht zulässig.

Kaufvertrag muss Preisanpassung regeln

Enthält der Kaufvertrag aber eine sog. Preisanpassungsklausel, ist die Erhöhung grundsätzlich rechtlich möglich. Allerdings nur, wenn darin eine vertraglich vorgesehene Lieferfrist von mehr als vier Monaten vereinbart wurde. Die Vertragsklausel muss die Preiserhöhung möglichst genau bezeichnen. Außerdem muss darin für den Käufer ab einem bestimmten Erhöhungssatz (z. B. 5 Prozent des Kaufpreises oder ein fester Betrag) ein Recht zum Rücktritt vorgesehen sein.

Viele Kaufverträge haben keine Vereinbarung zur Preisanpassung. Manchmal hat der Händler die Preisanpassungsklausel im Kaufvertrag sogar durchgestrichen.

War die ursprünglich im Kaufvertrag vereinbarte Lieferfrist aber kürzer als vier Monate, kann der Verkäufer keine Preiserhöhung fordern.

Preiserhöhung darf nicht vorhersehbar sein

Die derzeitigen Preiserhöhungen der Wohnmobilhersteller darf der Verkäufer nur an den Käufer weitergeben, wenn die Gründe nach Vertragsschluss eingetreten sind und für den Verkäufer nicht voraussehbar waren. Gerade der Einkaufspreis gehört aber typischerweise zum unternehmerischen Risiko des Händlers.

Aber auch wenn die Preiserhöhung voraussehbar war, darf der Verkäufer eine nachträgliche Preiserhöhung nicht durch Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) auf den Käufer abwälzen. Das geht nur, wenn er eine nachträgliche Preiserhöhung ausdrücklich mit dem Käufer im Kaufvertrag vereinbart.

Der Verkäufer kann also im Nachhinein keine einseitige Preiserhöhung vornehmen. Der Käufer müsste ihr zustimmen. Zu diesem Zweck schreiben derzeit viele Verkäufer ihre Kunden an.

Preisklauseln im Kleingedruckten möglich?

Manche Händler beziehen sich im Kaufvertrag nur auf den Listenpreis der Hersteller. Im Vertrag steht dann z. B., dass der "am Tag der Auslieferung gültige Listenpreis und Mehrwertsteuersatz" gelten solle. Einige Verkäufer verwenden Formulierungen wie "Zwischenzeitliche Preiserhöhungen des Herstellers gehen zu Lasten des Käufers". Solche Klauseln sind für den Kunden nicht transparent. Sie dürften deshalb nach Einschätzung der Clubjuristinnen vor Gericht nicht standhalten.

Der Endpreis muss bei Vertragsabschluss deutlich angegeben sein. Und soweit Preisanpassungsklauseln (bei Lieferfristen von mehr als 4 Monaten) überhaupt zulässig sein sollten, muss der konkrete Umfang einer Preisänderung für den Kunden ohne Probleme erkennbar sein.

So verhalten Sie sich richtig

Bei nachträglichen Preiserhöhungen empfehlen die Clubjuristinnen, nicht vorschnell zu handeln. Wenn Sie das Wohnmobil gerne haben möchten, sollten Sie nicht vom Kaufvertrag zurücktreten. Sondern deutlich machen, dass Sie am Kaufvertrag festhalten wollen. Fordern Sie den Verkäufer schriftlich auf, das Wohnmobil zum vertraglich vereinbarten Kaufpreis zu liefern und berufen Sie sich dabei auf Ihren Kaufvertrag.

Will der Verkäufer das Wohnmobil nicht liefern oder ausliefern, wenn Sie die Preiserhöhung nicht akzeptieren oder kommt es dadurch zu weiteren Lieferverzögerungen, können Sie den Händler auf Herausgabe verklagen und gegebenenfalls Schadensersatz in Anspruch nehmen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Vertrag eine wirksame Preisanpassungsklausel beinhaltet oder eine AGB Klausel unwirksam ist, sollten Sie sich von einem Anwalt beraten lassen. Die Adressen der ADAC Vertragsanwälte finden Sie hier.