Wohnmobil bestellt: Nachträgliche Preiserhöhung zulässig?

Wohnmobilkauf: Käufer müssen mit höheren Preisen und langen Lieferzeiten rechnen
Wohnmobilkauf: Käufer müssen mit höheren Preisen und langen Lieferzeiten rechnen© stock.adobe.com/Kzenon

Wohnmobile sind beliebt: Die Nachfrage steigt, die Preise auch. Die Lieferfristen werden immer länger. ADAC Clubjuristen erklären, was Sie akzeptieren müssen und was nicht.

  • Produktionsausfälle: Preis nach Kaufvertrag erhöht, lange Lieferzeiten

  • Preisanpassung nur mit bestimmter Regelung im Kaufvertrag zulässig

  • Bei Streit: Vertrag von einem Anwalt prüfen lassen

Viele Wohnmobilfahrer warten schon über ein Jahr auf ihr neues Fahrzeug. Besonders ärgerlich: Viele erhalten ein Schreiben vom Händler und sollen einer saftigen Preiserhöhung, der Aufhebung des Kaufvertrages oder einer monatelangen Lieferverzögerung zustimmen. ADAC Juristinnen und Juristen erklären, welche Rechte Käufer haben.

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Nachträgliche Preiserhöhung bisher unüblich

Bisher waren die von den Herstellern zu Beginn der Saison ausgegebenen Listenpreise immer stabil. Die hohe Nachfrage nach Wohnmobilen hat aber bei vielen Fahrzeugen zu einer kräftigen Erhöhung der Listenpreise geführt. Nicht nur die Corona-Pandemie, auch die Halbleiterkrise führte zu massiven Produktionsausfällen durch Werkschließungen und Mangel an Bauteilen.

Wegen der extremen Nachfrage nach Wohnmobilen und der langen Lieferzeiten, sehen sich viele Käufer gezwungen, zum Beispiel einer Preiserhöhung zuzustimmen. Zwar bekommen sie eine Rücktrittsmöglichkeit oder Vertragsaufhebung angeboten. Das ist aber für die meisten Kunden keine Alternative, weil sie schon lange auf das Wohnmobil warten. Und der nächste Interessent, der es zum höheren Preis kauft, steht beim Händler schon vor der Tür.

Ist eine nachträgliche Preisanpassung zulässig?

Der Kaufvertrag bindet Käufer und Verkäufer. Preiserhöhungen zwischen Abschluss des Kaufvertrages und Auslieferung des Wohnmobils sind ohne entsprechende Vereinbarung nicht zulässig.

Kaufvertrag kann Preisanpassung regeln

Enthält der Kaufvertrag eine sog. Preisanpassungsklausel, ist die Erhöhung grundsätzlich rechtlich möglich. Allerdings nur, wenn eine Lieferfrist von mehr als vier Monaten vereinbart wurde. Die Klausel muss die Preiserhöhung möglichst genau bezeichnen. Außerdem muss für den Käufer ab einem bestimmten Erhöhungssatz (Beispiel: 5 Prozent des Kaufpreises) ein Recht zum Rücktritt vorgesehen sein.

War die ursprünglich im Kaufvertrag vereinbarte Lieferfrist kürzer als vier Monate, kann der Verkäufer keine Preiserhöhung fordern.

Preiserhöhung nicht vorhersehbar

Die Preiserhöhungen der Wohnmobilhersteller darf der Verkäufer nur an den Käufer weitergeben, wenn die Gründe nach Vertragsschluss eingetreten sind und für den Verkäufer nicht voraussehbar waren. Gerade der Einkaufspreis gehört aber typischerweise zum unternehmerischen Risiko des Händlers.

Auch wenn die Preiserhöhung voraussehbar war, darf der Verkäufer eine nachträgliche Preiserhöhung nicht durch Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) auf den Käufer abwälzen. Das geht nur, wenn er eine nachträgliche Preiserhöhung ausdrücklich mit dem Käufer im Kaufvertrag vereinbart.

Der Verkäufer kann also im Nachhinein keine einseitige Preiserhöhung vornehmen. Der Käufer müsste ihr zustimmen. Dazu schreiben derzeit viele Verkäufer ihre Kunden an.

Endpreis muss im Vertrag stehen

Der Endpreis muss bei Vertragsabschluss deutlich angegeben sein. Manche Händler formulieren im Kaufvertrag aber zum Beispiel, dass der "am Tag der Auslieferung gültige Listenpreis" gelten soll. Einige Verkäufer verwenden Regelungen wie "Zwischenzeitliche Preiserhöhungen des Herstellers gehen zu Lasten des Käufers".

Solche Klauseln sind für den Kunden nicht transparent und dürften deshalb nach Einschätzung der Clubjuristinnen vor Gericht nicht standhalten.

Höhere Preise: Diese Gründe geben Händler an

Mit diesen Argumenten versuchen Händler, die Kunden zur Zustimmung zu einer Preiserhöhung zu bewegen:

  • Wohnmobil angeblich nicht mehr lieferbar: Der Händler schreibt, das er könne das Wohnmobil trotzdem ausnahmsweise bestellen, der Preis sei dann aber viel höher. Vorsicht Falle: Bei Neuwagenbestellungen darf sich der Verkäufer in der Regel nur auf sog. Unmöglichkeit berufen, wenn das Fahrzeug gar nicht mehr produziert wird und auch sonst am Markt nicht zu beschaffen ist .

  • Kein Kaufvertrag geschlossen: Der Händler behauptet, es liege kein Kaufvertrag vor, weil er die Bestellung nicht angenommen oder bestätigt habe. Auch das ist falsch, denn die Annahme der Bestellung kann sich auch aus den Umtänden ergeben. Die meisten Händler verwenden die sog. Neuwagenverkaufsbedingungen, darin steht: „Der Verkäufer ist jedoch verpflichtet, den Besteller unverzüglich zu unterrichten, wenn er die Bestellung nicht annimmt.“

  • Geänderte Abgasnorm oder Motorisierung: Manche Händler schreiben auch von technischen Veränderungen durch den Hersteller und argumentieren, das bestellte Wohnmobil sei nicht mehr lieferbar. In solchen Fällen wird der Verkäufer aber nicht von der Verpflichtung zur Lieferung frei. Vielmehr kann dem Käufer eine Kaufpreisminderung zustehen kann.

So verhalten Sie sich richtig

  • Nicht vorschnell handeln: Wenn Sie das Wohnmobil gerne haben möchten, sollten Sie deutlich machen, dass Sie am Kaufvertrag festhalten wollen. Fordern Sie den Verkäufer schriftlich auf, das Wohnmobil zum vertraglich vereinbarten Kaufpreis zu liefern und berufen Sie sich dabei auf Ihren Kaufvertrag.

  • Will der Verkäufer das Wohnmobil nicht liefern oder ausliefern, wenn Sie die Preiserhöhung nicht akzeptieren oder kommt es dadurch zu weiteren Lieferverzögerungen, können Sie den Händler auf Herausgabe verklagen und gegebenenfalls Schadensersatz in Anspruch nehmen.

  • Vertrag prüfen lassen: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Vertrag eine wirksame Preisanpassungsklausel enthält oder eine AGB-Klausel unwirksam ist, sollten Sie sich von einem Anwalt beraten lassen. Die Adressen der ADAC Vertragsanwälte finden Sie hier.