Synkope: Erste Hilfe bei Ohnmacht
Von Anna Besson

Viele Menschen erleben mindestens einmal in ihrem Leben eine Ohnmacht (Synkope). Ob sie gefährlich ist, hängt vom Auslöser ab.
Eine Ohnmacht kündigt sich oft an
Manchmal stecken ernste Erkrankungen dahinter
Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Synkope
Was ist eine Synkope?
Etwa jeder zweite Mensch erlebt einmal im Leben eine Ohnmacht (medizinisch: Synkope). Dabei verliert die betroffene Person kurzzeitig ihr Bewusstsein. Sie fällt hin oder sackt in sich zusammen. In der Regel erholt sie sich nach wenigen Sekunden vollständig und ist ansprechbar.
Meist sind Synkopen harmlos und treten bei Menschen jeden Alters auf. Eine Ohnmacht wird beispielsweise durch Stress ausgelöst. Sie kommt aber auch bei ernsthaften Erkrankungen wie Vorhofflimmern oder Diabetes mellitus vor.
Synkope: Welche Rolle spielt der Kreislauf?
Bei der häufigsten Form der Ohnmacht, der vasovagalen Synkope, ist der Kreislauf kurzzeitig fehlreguliert, was sich in einem schnellen Blutdruckabfall äußert. In der Folge pumpt das Herz nicht mehr ausreichend Blut in das Gehirn und zurück in den Körper. Dadurch kommt es zu einem Sauerstoffmangel und die Person fühlt sich benommen.
Hält dieser Zustand wenige Sekunden an, kollabiert die betroffene Person. Durch die liegende Position wird das Gehirn wieder stärker durchblutet. Das behebt den Sauerstoffmangel, der oder die Betroffene kommt wieder zu sich.
Erste Hilfe bei Ohnmacht
Finden Sie eine bewusstlose Person auf, sollten Sie zunächst die Atmung überprüfen und die Person in die stabile Seitenlage bringen. Ohnmächtige kommen in der Regel schnell wieder zu sich. Ist dies nicht der Fall, sollten Sie zeitnah den Notruf 112 wählen und regelmäßig die Atmung kontrollieren. Starten Sie mit der Reanimation durch Herzdruckmassage, sobald die Atmung aussetzt.
Kommt die Person von selbst wieder zu sich, ist ihr Kreislauf vermutlich noch schwach. Geben Sie ihr etwas zu trinken oder zu essen. Sie sollte nicht zu schnell wieder aufstehen, da dies den Kreislauf überfordern und eine weitere Synkope nach sich ziehen kann.
Ein Notfallpass kann den Rettungskräften im Ernstfall entscheidende Informationen liefern. Im ADAC Notfallpass liegen alle Daten sicher verschlüsselt in der Wallet-App auf dem Smartphone oder der Smartwatch. Er kann in die Rettungskette integriert und von den Rettungskräften ausgelesen werden.
Was löst eine Ohnmacht aus?
Ursache für die kurzzeitige Fehlregulation des Kreislaufs ist oftmals eine Überreaktion des Vagusnervs. Dieser ist ein wichtiger Bestandteil des autonomen Nervensystems, das alle Körperfunktionen steuert, die nicht dem Willen unterliegen, wie Herzschlag, Atmung oder Verdauung.
Wird der Vagusnerv überstimuliert, weiten sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt ab, der Blutrückfluss zum Herzen verringert sich und das Gehirn wird nicht mehr ausreichend versorgt. Mögliche Auslöser sind:
Starke Schmerzen
Wärme, z.B. ein zu warmes Bad oder Hitze im Sommer
Längeres Stehen, wenn die Beinmuskulatur nicht aktiv ist und den Blutrückfluss zum Herzen nicht unterstützt
Starke Emotionen wie Stress, Trauer oder Angst
Heftiges Lachen, Niesen, Husten oder starkes Drücken bei der Darm- und Blasenentleerung erhöhen den Druck auf den Brustkorb, was den Vagusnerv reizt
Flüssigkeitsmangel, der das Blutvolumen reduziert
Abruptes Aufstehen, wobei sich die Herzschlagfrequenz nicht schnell genug erhöht bzw. sich die Blutgefäße in den Beinen nicht schnell genug zusammenziehen, um den Blutdruck aufrechtzuerhalten
Ohnmächtig kann man auch werden, wenn man sich länger in einem stickigen Raum aufhält oder einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel hat. Dem Gehirn fehlen dann Sauerstoff und Glukose, um richtig funktionieren zu können.
Synkopen können auch durch Medikamente wie Blutdrucksenker und Diuretika oder durch hormonelle Veränderungen in der Frühschwangerschaft verursacht werden.
Kommt eine Ohnmacht plötzlich und ohne Vorzeichen, kann das auf eine Herzerkrankung hinweisen, die behandelt werden muss.
Der Begriff Bewusstlosigkeit ist ein Überbegriff und umfasst zunächst alle Zustände, die dazu führen, dass eine Person nicht ansprechbar ist. Die Synkope grenzt sich von den anderen Formen der Bewusstlosigkeit unter anderem durch die kurze Dauer ab. Dauert eine Ohnmacht länger oder kommt die Person nicht von selbst wieder zu sich, kann sie folgende Ursachen haben:
Schädel-Hirn-Trauma
In all diesen Fällen ist schnelle ärztliche Hilfe notwendig.
Wie gefährlich ist eine Synkope?
Oftmals sind die Ursachen für eine Ohnmacht harmlos. Treten Synkopen jedoch häufiger auf, sollten Sie zeitnah zum Arzt, um ernstere Gründe auszuschließen.
Während einer Ohnmacht kann es zu gefährlichen Situationen kommen, etwa Stürze von einer Leiter, Treppe oder vor ein fahrendes Auto und damit zu entsprechend schweren Verletzungen. Bei einer Synkope während der Autofahrt oder des Betriebs von schweren Maschinen können auch Mitmenschen gefährdet werden.
Kündigt sich eine Ohnmacht an?
Vor einer kreislaufbedingten Ohnmacht treten häufig Symptome auf wie:
Schwindel
Übelkeit
Müdigkeit
Vermehrtes Gähnen
Übermäßiges Schwitzen
Es wird schwarz vor den Augen
Augenflimmern
Ohrensausen
Blässe
Zittern
Herzklopfen
Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.
Pschyrembel online: Synkope, Stand 4/2024, unter https://www.pschyrembel.de/synkope/K0M40/doc/ (Abruf: 5.12.2025)
Pschyrembel online: Bewusstlosigkeit, Stand 2/2025, unter https://www.pschyrembel.de/Bewusstlosigkeit/K03PA (Abruf: 5.12.2025)
Hausarztwissen online (Deximed): Ohnmacht (Synkope), Stand 1/2024, unter https://deximed.de/home/klinische-themen/herz-gefaesse-kreislauf/patienteninformationen/was-kann-das-sein/ohnmacht-synkope (Abruf: 5.12.2025)
MSD Manuals: Ohnmacht, Stand 8/2024, unter https://www.msdmanuals.com/de/heim/herz-und-gef%C3%A4%C3%9Fkrankheiten/symptome-von-erkrankungen-des-herzens-und-der-blutgef%C3%A4%C3%9Fe/ohnmacht (Abruf: 5.12.2025)
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.: Pressemitteilung "Neues zur Diagnostik und Therapie von Synkopen", Stand 4/2019 unter https://dgk.org/pressemitteilungen/2019-jahrestagung/2019-jt-statements/2019-jt-statements-tag3/neues-zur-diagnostik-und-therapie-von-synkopen/ (Abruf: 5.12.2025)