Grauer Star: Wann eine OP empfohlen wird und was beim Autofahren zu beachten ist

Close up eines Auges mit grauem Star
Beim Grauen Star kommt es vor allem altersbedingt zu einer Trübung der Linse© stock.adobe.com

Grauer Star ist eine Augenerkrankung, bei der es zu einer Linsentrübung und damit zu einer Sehverschlechterung kommt. Wie sie behandelt wird und was Autofahrende wissen sollten.

  • Grauer Star in 90 Prozent der Fälle altersbedingt

  • Linsentrübung regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen

  • Durch operativen Austausch der Linse sehr gut behandelbar

Grauer Star, auch als Katarakt bezeichnet, ist in Europa der zweithäufigste Grund für eine Sehverschlechterung und der dritthäufigste für eine Erblindung. In Deutschland sind von der schleichenden Augenerkrankung fast zehn Millionen Menschen betroffen, weshalb die Operation der Katarakt hierzulande zu den häufigsten Eingriffen zählt. Grauer Star ist in den meisten Fällen altersbedingt. Er entwickelt sich bei vielen Betroffenen im Alter von 50 bis 60 Jahren. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Da sich die Eintrübung der Linse über die Jahre entwickelt, bemerken viele Betroffene das eingeschränkte Sehvermögen häufig nicht.

Was ist ein Grauer Star?

Normalerweise ist die Linse im Auge glasklar, elastisch und hat eine bestimmte Form (bikonvex). Gemeinsam mit der Hornhaut sorgt sie für die Lichtbrechung und die Darstellung eines scharfen Bildes auf der Netzhaut. Kommt es durch den Grauen Star zu einer Eintrübung der Augenlinse, kann das Licht nicht mehr ungehindert auf die Netzhaut fallen, wodurch es zu Sehstörungen kommt. Die Sicht ist dann oft unscharf oder verschwommen und zeigt sich wie ein Blick durch einen Schleier.

Je nachdem, an welcher Stelle die Linse getrübt ist, unterscheidet man bei der altersbedingten Katarakt zwischen unterschiedlichen Formen. So ist beispielsweise bei der sogenannten Kernkatarakt das Linseninnere getrübt, der Linsenkern wird unelastischer und gelblicher, dadurch ist auch das Farbensehen beeinträchtigt. Bei der Rindenkatarakt trübt die Linsenkapsel (äußerer Schale der Linse) ein, eine erhöhte Blendempfindlichkeit ist hier typisch. Wie stark die Sehstörung in Erscheinung tritt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sie kann zum Beispiel entweder nur ein Auge oder auch beide betreffen. Die Trübung der Linse kann durch altersbedingte Veränderungen des Stoffwechsels entstehen oder durch andere Faktoren beeinflusst sein.

Grauer Star: Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für einen Grauen Star. In den meisten Fällen (über 90 Prozent) handelt es sich um eine Alterskatarakt, andere Ursachen sind selten. Dass jemand schon mit dieser Augenerkrankung zur Welt kommt, sie also vererbt oder durch eine Infektion der Mutter (wie Röteln) während der Schwangerschaft verursacht wird, ist sehr selten (unter einem Prozent).

Neben der altersbedingten Ursache können aber auch andere Faktoren für die Entwicklung eines Grauen Stars eine Rolle spielen:

  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Galaktosämie (seltene angeborene Stoffwechselkrankheit)

  • Genetische Faktoren wie Trisomie 21, Zellweger- oder Marfan-Syndrom

  • Augenerkrankungen oder -verletzungen

  • Vorangegangene Augenoperationen

  • Längere Einnahme von Medikamenten (wie Kortison)

Auch Alkoholmissbrauch und Rauchen zählen zu den Risikofaktoren. Eine häufige Ursache der Katarakt in Entwicklungsländern, in denen diese Augenerkrankung häufig früher in Erscheinung tritt und den zweithäufigsten Grund für eine Erblindung darstellt, ist Mangelernährung.

menschliches Auge Querschnitt
© ADAC e.V.

Grauer Star: Symptome

Grauer Star verursacht bis auf den langsam zunehmenden Sehverlust keine weiteren Symptome. Aus diesem Grund bleibt er auch oft lange Zeit unbemerkt. Zu den Anzeichen der Katarakt zählen:

  • Langsame Verschlechterung des Sehens, vor allem beim Weitsehen auf einem oder beiden Augen

  • Sehen von Doppelbildern (meist nur auf einem Auge)

  • Verändertes Farben- und Kontrastsehen, z.B. werden Farben blasser, man benötigt mehr Licht beim Lesen

  • Zunehmende Empfindlichkeit gegenüber starken Lichtquellen wie Autoscheinwerfern in dunkler Umgebung oder Sonnenlicht

  • Um Lichtquellen sieht man vermehrt Lichtkreise (Rainbow Halos)

Regelmäßige Augenkontrollen wichtig

Wer den Sehtest vor dem Erwerb des Führerscheins bestanden hat, für den ist das Thema Augenkontrolle oftmals abgeschlossen. Bei unter 40-Jährigen zeigen sich oft nur Minderungen der Sehschärfe, welche mit Brille oder Kontaktlinsen einfach zu korrigieren sind. Doch mit zunehmendem Alter nimmt das Sehvermögen ab. Eine regelmäßige Überprüfung der Sehfähigkeit durch einen Augenarzt ist daher sinnvoll für alle Verkehrsteilnehmende.

Ist ein Grauer Star heilbar?

In den meisten Fällen ist ein Grauer Star durch eine Operation heilbar. Die meisten Betroffenen können nach einer Katarakt-OP besser sehen als vorher. Bis die endgültige Sehschärfe erreicht ist, kann es jedoch einige Wochen oder Monate dauern. Es können Komplikationen wie Infektionen oder Verletzungen durch eine Operation des Grauen Stars auftreten – aber sie sind selten. Das Ergebnis der Operation ist auch davon abhängig, ob andere Erkrankungen vorliegen.

Unbehandelt kann eine Katarakt zur Erblindung führen, wobei das Hell- und Dunkelsehen erhalten bleibt. Betroffene können häufig keine Gegenstände mehr erkennen, nur dunkle oder helle Schatten. Wie schnell sich der altersbedingte Graue Star entwickelt, ist nicht vorhersagbar.

Was tun bei beginnendem Grauen Star?

Bei einem beginnenden Grauen Star ist es wichtig, regelmäßige augenärztliche Kontrollen wahrzunehmen. So lässt sich verfolgen, wie schnell die Linsentrübung voranschreitet und wie stark die Sehbeeinträchtigungen fortgeschritten ist. Kommt es zu Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben, kann so der richtige Zeitpunkt für eine Operation gemeinsam mit den Fachleuten gefunden werden. Vorbeugen lässt sich einer Katarakt nicht.

Darf man mit Grauem Star Auto fahren?

Verkehrsteilnehmende müssen vor Antritt einer Fahrt selbst überprüfen beziehungsweise sicherstellen, dass sie den Anforderungen des Straßenverkehrs gewachsen und in der Lage sind, ein Kraftfahrzeug sicher zu fahren (Fahreignung). Führt eine Krankheit oder Verletzung zur Verkehrsuntüchtigkeit, ist das Führen eines Kraftfahrzeugs nicht gestattet.

Da das Sehen bei Grauem Star in der Regel über Jahre hinweg kontinuierlich schlechter wird, bemerken viele Betroffene die Sehbeeinträchtigung meist kaum. Es gibt allerdings Anzeichen, die vor allem beim Autofahren auffallen können. So wird zum Beispiel das Fahren im Dunkeln zunehmend anstrengender, da das Dämmerungssehen abnimmt. Auch die Blendungsempfindlichkeit nimmt zu, sodass das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge zum Störfaktor wird. Daneben sorgen auch andere Symptome wie Doppelbilder sehen oder zunehmend verschwommenes Sehen für nachlassende Fahrsicherheit. Spätestens bei den ersten erkennbaren Symptomen sollte eine medizinische Untersuchung der Augen durchgeführt werden.

Ärztliches Fahrverbot ist bindend

Attestiert die Ärztin oder der Arzt eine Fahruntauglichkeit – wenn auch nur zeitweise – aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, müssen Verkehrsteilnehmende dem nachkommen. Das "ärztliche Fahrverbot" ist nicht gleichzusetzen mit einem vom Gericht oder der Fahrerlaubnisbehörde verhängten Fahrverbot.

Wer jedoch gegen das ärztliche Fahrverbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, wenn er trotz fehlender Fahrtauglichkeit fährt und macht sich (z.B. bei einem Unfall) strafbar, wenn er andere Personen gefährdet. Bei einem Unfall drohen Geld- und sogar Freiheitsstrafen, wenn jemand verletzt oder im schlimmsten Fall getötet wird. Zudem kann die Kfz-Haftpflichtversicherung bereits an die Unfallgeschädigten ausgezahltes Geld zurückfordern; die Kaskoversicherungen können Leistungen kürzen oder verweigern.

Wer ein Kraftfahrzeug führen möchte, muss die gesetzlichen Anforderungen an das Sehvermögen erfüllen. Diese sind in Anlage 6 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) geregelt. Je nach Klasse bedarf es für den Fahrerlaubniserwerb eines einfachen Sehtests (z.B. beim Optiker) oder einer ärztlichen Untersuchung zum Sehvermögen.

Für den Pkw- und Motorradführerschein, also die Fahrerlaubnisklassen A, A1, A2, B, BE, AM, L und T reicht der einfache Sehtest. Es findet keine Überprüfung von Dämmerungs- oder Kontrastsehen statt, das beim Grauen Star eingeschränkt sein kann. Auch die Blendempfindlichkeit wird nicht untersucht.

Besteht der Fahrerlaubnisbewerber den Sehtest nicht, muss er sich einer augenärztlichen Untersuchung unterziehen. Dabei kommt es auf Sehschärfe, Gesichtsfeld, Dämmerungs- oder Kontrastsehen, Blendempfindlichkeit sowie andere Störungen der Sehfunktion zu achten.

Beim Lkw- und Busführerschein reicht der Sehtest allein nicht. Es ist immer eine ärztliche Untersuchung zum Sehvermögen erforderlich.

Operation des Grauen Star

Eine Katarakt-OP stellt die einzige wirksame Behandlung der Linsentrübung dar. Diagnostiziert der Arzt oder die Ärztin Grauen Star, ist dies aber nicht unmittelbar ein Grund zu operieren. Wann der Graue Star operiert werden muss, hängt davon ab, wie stark die Sehminderung ausgeprägt ist und wie sehr sie Betroffene einschränkt. Liegen weitere Augenerkrankungen wie eine altersbedingte Makuladegeneration oder ein Grüner Star vor, kann in einem Eingriff auch der Graue Star mitbehandelt werden. Die Kosten für eine Operation der Katarakt ist eine gesetzliche Kassenleistung.

Die Standard-Kunstlinse, die bei einer Katarakt-OP eingesetzt wird, stellt das scharfe Sehen nur auf eine Entfernung wieder her. Das bedeutet, dass man für alle anderen Abstände nach der Operation eine Brille benötigt. Die meisten Betroffenen wählen hier das Sehen in die Ferne. Es gibt die Möglichkeit, sich für Sonderlinsen zu entscheiden, wenn man keine Brille mehr tragen möchte. Bestimmte Speziallinsen können weitere Fehlsichtigkeit oder eine Hornhautverkrümmung ausgleichen. Voraussetzung dafür ist, dass das betroffene Auge bis auf den Grauen Star gesund ist und keine anderen Augenerkrankungen wie eine altersabhängige Makuladegeneration oder ein Grüner Star vorliegen. Diese Linsen werden allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Autofahren nach Grauer Star-OP

Autofahren ist für die ersten Wochen nach dem Eingriff nicht möglich. Ärztinnen und Ärzte sprechen hier ein "ärztliches Fahrverbot" aus, bis die Sehkraft wieder hergestellt ist. Eine weitere Rolle dabei spielt, ob nach der Operation für das Autofahren eine Brille notwendig ist. Bis eine neue Brille mit der richtigen Glasstärke verordnet werden kann, können mehrere Wochen vergehen, da die benötigte Glasstärke in den ersten Wochen nach der Katarakt-OP schwanken kann. Der Zeitraum ist individuell und hängt davon ab, wie schnell der Heilungsprozess verläuft und ob weitere (Augen-)Erkrankungen eine Rolle spielen. Wann Sie nach einer Katarakt-OP wieder hinters Steuer dürfen, stellt die behandelnde Ärztin oder der Arzt in den Nachsorgeterminen fest.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.