Tipps gegen Frieren: Was bei Kälte im Körper passiert
Von Tanja Echter

Frieren ist eine normale Körperreaktion auf Kälte, Bewegungsmangel oder Müdigkeit. Wie Sie schnell wieder warm werden und bei welchen Begleitsymptomen eine ärztliche Abklärung ratsam ist.
Zum Aufwärmen: 5 bis 10 Minuten Bewegung reichen aus
Bei Symptomen wie Schwindel zum Arzt
Frauen und ältere Menschen frieren schneller
Was passiert im Körper beim Frieren?
Wer friert, hat das Bedürfnis, die Schultern einzuziehen und sich zusammenzukauern. Ein automatischer Schutzmechanismus mit dem Ziel, das Blut in die Körpermitte zu leiten und so die wichtigsten Organe zu schützen und warm zu halten. Bei Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen, vor allem in den Armen und Beinen. Die Haut wird dadurch an diesen Stellen weniger durchblutet. So kommt es, dass man dort häufig zuerst Kälte empfindet.
Was hilft gegen Frieren?
Ob Sie am ganzen Körper frieren oder vor allem kalte Hände und Füße haben: Mit diesen Tipps zum Aufwärmen können Sie die körpereigene Wärmeproduktion unterstützen.
Bewegung: Schon 5 bis 10 Minuten reichen, um wieder Wärme im Körper aufzubauen. Gehen oder Springen (auch auf der Stelle), Treppensteigen oder Kniebeugen kurbeln den Stoffwechsel an. Die Muskeln werden aktiv, die Wärmeproduktion kann anlaufen. Zittern ist daher auch eine Form von Kälteschutz. "Grundsätzlich kann man sagen: Je mehr Sport man macht, desto kälteresistenter wird man einfach durch die größere Muskelmasse", erklärt Thomas Korff, Experte für Herz- und Kreislaufphysiologie an der Universität Heidelberg.
Rumpf wärmen: Um Organe wie Herz und Lunge vor Kälte zu schützen, muss die Körpermitte möglichst warm bleiben. Deshalb ist bei kalten Temperaturen eine zusätzliche Kleidungsschicht am Oberkörper (Unterhemd, Weste) empfehlenswert. Eine Wärmflasche auf dem Bauch oder unteren Rücken liefert schnelle Wärmezufuhr. Vorsicht: Nicht mit kochendem Wasser befüllen, nicht auf die nackte Haut legen!
Heißgetränke: Achten Sie auch im Winter auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr, um den Kreislauf zu stabilisieren. Tee wärmt von innen, Glühwein hat jedoch den gegenteiligen Effekt. Alkohol weitet die Blutgefäße, der Körper gibt dadurch noch schneller Wärme nach außen ab.
Ausreichend schlafen: Bei Stress und Schlafmangel kann der Körper stärker auf Kälte reagieren.
Kann man Frieren vorbeugen?
Kälteempfinden kann man bis zu einem gewissen Grad trainieren und Frieren damit vorbeugen. Dafür muss man nicht gleich dem Trendsport Eisbaden nachgehen. Vielmehr sollte man sich Schritt für Schritt an niedrigere Temperaturen gewöhnen.
Durch sanfte Wechselduschen (warm, kalt, warm, kalt) oder regelmäßige kurze Spaziergänge an der kalten Luft kann der Körper die individuelle Wärmeproduktion langsam anpassen. Jeder kennt das Phänomen, das auch Experte Korff bestätigt: "Am Anfang, wenn der Winter kommt, empfindet man selbst Temperaturen von 4 Grad schon als kalt, während man das später gar nicht mehr als schlimm empfindet."
Frieren als Warnsignal: Wann zum Arzt?

Wer über Wochen häufig friert und an zusätzlichen Symptomen wie Schwindel, starker Müdigkeit oder deutlichem Gewichtsverlust leidet, sollte das ärztlich abklären lassen. Je nach Beschwerden veranlassen Ärztinnen und Ärzte ein Blutbild, um verschiedene Werte zu prüfen. Frieren kann eine Begleiterscheinung unterschiedlichster Zustände sein: verminderte körperliche Aktivität mit abnehmender Muskelmasse, hormonelle Veränderungen, Infekte, Eisenmangel, Fehlfunktionen der Schilddrüse oder auch Kreislauf- und Durchblutungsstörungen.
Bei starkem Schüttelfrost, Verdacht auf Unterkühlung, Atemnot oder Brustschmerzen sollten Sie schnelle medizinische Hilfe suchen und den Notruf 112 verständigen.
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Warum frieren Frauen schneller als Männer?
Das Kälteempfinden ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt unter anderem von Durchblutung und Tagesform ab. Bei Frauen setzen die Reaktionen der Gefäße meist etwas früher ein. Männer produzieren hingegen mehr Wärmeenergie. "Das liegt unter anderem an der größeren Muskelmasse und auch an der etwas geringeren Wärmeabstrahlung", weiß Thomas Korff.
Genau wie Frauen frieren auch ältere Menschen etwas schneller. "Die Abnahme der Muskelmasse führt zu einem geringeren Grundumsatz und zu weniger Wärmeproduktion – und die Anpassungsfähigkeit ist bei älteren Menschen auch geringer, sodass bei Raumtemperaturen, wo sich junge Leute noch wohlfühlen, die älteren Herrschaften schon anfangen, wirklich zu frieren", so der Herz-Kreislauf-Experte.
Haben Kinder ein anderes Kälteempfinden?
Mit roten Backen und warmen Händen durch Eiseskälte – im Gegensatz zu Erwachsenen frieren Kinder meist weniger. Der Hauptgrund: Sie bewegen sich mehr. "Ältere Kinder und Jugendliche haben im Gegensatz zu Erwachsenen tatsächlich einen relativ höheren Grundumsatz", sagt Korff. Zugleich lassen sie sich bei Aktivitäten wie Rodeln oder Schneeballschlachten stärker ablenken und empfinden die Signale des Körpers bei Kälte weniger stark.
Mit Material von dpa.
Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.