Schwindel: Symptom mit unterschiedlichen Ursachen

Eine Frau stützt sich mit Schwindel an einer Wand ab
Schwindel gehört zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch© Shutterstock/Tunatura

Wie es zu dem Symptom Schwindel kommt, was dahinterstecken kann und wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist.

  • Insbesondere ältere Menschen leiden unter Schwindel

  • Meist stecken keine lebensbedrohlichen Krankheiten dahinter

  • Beschwerden können Alltag stark einschränken

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen zählen neben Rücken- oder Kopfschmerzen zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch. Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland ist im Lauf seines Lebens von moderatem oder starkem Schwindel betroffen, Frauen öfter als Männer. Zudem nimmt die Häufigkeit im Alter deutlich zu: Über 70-Jährige sind fast dreimal so häufig betroffen wie jüngere Erwachsene.

Was ist Schwindel?

Schwindel, der auch als Vertigo bezeichnet wird, ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. In der Medizin ist er definiert als eine als räumlich empfundene Unsicherheit, die das Stehen oder Gehen erschwert. Betroffene empfinden ihn häufig als bedrohlich. Weitere Beschwerden wie Hör- oder Sehstörungen sowie Übelkeit oder Erbrechen können gleichzeitig auftreten. Schwindel kann das Leitsymptom einer Vielzahl von Krankheiten sein, und es gibt diverse Arten von Schwindel.

Arten von Schwindel

Von der Karussellfahrt im Kopf zu Gangunsicherheit und Schwarz-vor-Augen – die verschiedenen Arten von Schwindel zeigen sich ganz unterschiedlich.

Schwindel kann Sekunden bis Tage anhalten oder dauerhaft auftreten. Er kann sich unter verschiedensten Bedingungen und in unterschiedlichsten Situationen zeigen: Nur beim Gehen oder Aufrichten, bei bestimmten Kopfbewegungen oder beim Tragen einer neuen Brille. Schwindel kann auch psychische Ursachen haben.

Wichtig für die ärztliche Beurteilung von Schwindel sind mögliche weitere Beschwerden:

  • Übelkeit und/oder Erbrechen

  • Kopfschmerzen

  • Unwillkürliche Augenbewegungen oder Sehstörungen

  • Herzbeschwerden

  • Gemütsverfassung, z.B. Angst oder Niedergeschlagenheit

Was ist die Ursache für Schwindel?

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für Gleichgewichtsstörungen und Schwindel. Grundsätzlich kann Schwindel entstehen, wenn es zu Störungen der folgenden Organe oder Körpersysteme kommt:

  • Innenohr oder Gleichgewichtsnerv (vestibuläres System)

  • Bestimmte Bereiche des Gehirns sowie des Nervensystems

  • Herz-Kreislauf-System

  • Ohren oder Augen

  • Psyche

Werden von diesen Organen oder Systemen unterschiedliche Informationen hinsichtlich der Raumwahrnehmung an das Gehirn gesendet oder kommt es in bestimmten Bereichen des Gehirns zu Störungen, entsteht ein Schwindelgefühl. Schwindel und Gleichgewichtsstörungen können auch als Folge von Medikamenteneinnahme oder Alkoholkonsum auftreten.

Bei vielen Betroffenen lässt sich keine organische Ursache feststellen. Oftmals liegt dann zum Beispiel ein psychogener Schwindel vor, der auf psychische Belastungen zurückzuführen ist. Risikofaktoren für diese Form des Schwindels sind Angsterkrankungen, Depressionen sowie vorangegangene Erkrankungen des Gleichgewichtssystems wie eine Schwindelmigräne (vestibuläre Migräne). Bei älteren Menschen können altersbedingte Veränderungen des Gleichgewichtssinns sowie die Empfindsamkeit der Nerven in den Beinen zu Altersschwindel führen.

Die häufigste organische Ursache für Schwindel ist der gutartige Lagerungsschwindel. Hier kommt es durch kleine Ablagerungen (Ohrsteinchen) im Innenohr zu Störungen des Gleichgewichtsorgans. Dies führt zu akutem Drehschwindel, der mehrmals am Tag und über Wochen auftreten kann und durch abrupte Kopfbewegungen – zum Beispiel beim Aufsitzen aus liegender Position – ausgelöst wird.

Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Erkrankungen, die Schwindel und Gleichgewichtsstörungen hervorrufen können:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder Bluthochdruck, aber auch ein zu niedriger Blutdruck

  • Durchblutungsstörungen des Gehirns, z.B. durch Schlaganfälle oder Verletzungen des Kopfs

  • Vergiftungen

  • Diabetes mellitus, beispielsweise bei Über- oder Unterzuckerung

  • Beschwerden der Halswirbelsäule, z.B. nach einem Schleudertrauma oder einem HWS-Syndrom

Wann zum Arzt?

Meist steckt hinter dem Schwindelgefühl keine lebensbedrohliche Erkrankung. Wenn der Schwindel oder die Gleichgewichtsstörung neu auftritt, länger anhält oder sehr stark ausgeprägt ist, sollten Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Dabei sollten Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt auch Begleitsymptome mitteilen. Mögliche Begleitsymptome sind:

  • Sehr starke Kopf- oder Nackenschmerzen

  • Übelkeit oder Erbrechen

  • Schluck- oder Sehstörungen, Lähmungen, Bewusstseinsstörungen, unkontrollierte Augenbewegungen. Das können auch Hinweise auf neurologische Erkrankungen sein

  • Druck auf Ohren (Morbus Menière)

  • Dauerhafte Störungen beim Hören und Gesichtslähmung

  • Ohnmacht oder andere Hinweise auf eine Herzerkrankung

  • Schmerzen im Gesicht, evtl. mit einseitigem Hautausschlag (Zoster)

Was tun bei Schwindel?

Da die Ursachen von Schwindel sehr unterschiedlich sind, gibt es keine allgemeinen Empfehlungen. Wichtig: Achten Sie auf Ihre Sicherheit, da Schwindel die Sturzgefahr erhöht. Da immer wieder auftretende oder dauerhafte Schwindelbeschwerden den Alltag einschränken können und psychisch belastend sind, ist eine ärztliche Beratung wichtig.

Liegt ein gutartiger Lagerungsschwindel vor, können bestimmte Übungen (Lagerungsmanöver) helfen. Bei Altersschwindel, der mit einer Gangunsicherheit verbunden ist, sind physiotherapeutische Bewegungsübungen, die das Gleichgewicht und die Muskelkraft trainieren, Teil der Behandlung. Wird der Schwindel durch psychische Ursachen ausgelöst, kann Physiotherapie sowie Psychotherapie oder eine Kombination aus beidem die Beschwerden verbessern.

Schwindel und Autofahren

Schwindel kann den Alltag sehr stark einschränken. Ständige oder anfallsartige Störungen des Gleichgewichts können auch dazu führen, dass man kein Auto mehr fahren kann. Ein Austausch mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt zur individuellen Fahreignung ist deshalb in jedem Fall erforderlich.

Da das Symptom Schwindel in verschiedenster Form auftreten kann und durch sehr unterschiedliche Ursachen hervorgerufen wird, ist eine fachärztliche Beurteilung hinsichtlich der Fahreignung immer individuell.

Ärztliches Fahrverbot ist bindend

Attestiert die Ärztin oder der Arzt eine Fahruntauglichkeit aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen – wenn auch nur zeitweise –, müssen Verkehrsteilnehmende dem nachkommen. Das "ärztliche Fahrverbot" ist nicht gleichzusetzen mit einem vom Gericht oder der Fahrerlaubnisbehörde verhängten Fahrverbot.

Wer jedoch gegen das ärztliche Fahrverbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, wenn er oder sie trotz fehlender Fahrtauglichkeit fährt, und macht sich (z.B. bei einem Unfall) strafbar, wenn andere Personen dadurch gefährdet werden. Bei einem Unfall drohen Geld- und sogar Freiheitsstrafen, wenn jemand verletzt oder im schlimmsten Fall getötet wird. Zudem kann die Kfz-Haftpflichtversicherung bereits an die Unfallgeschädigten ausgezahltes Geld zurückfordern; die Kaskoversicherungen können Leistungen kürzen oder verweigern.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.