Fahrgemeinschaft – das sollten Sie wissen

18.6.2019

Hohe Benzinpreise bringen immer mehr Autofahrer dazu, sich Alternativen für den täglichen Weg zur Arbeit zu überlegen. Neben der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs bietet sich für Berufspendler auch eine Fahrgemeinschaft an.

zwei junge Menschen sitzen im Auto
©iStock.com/Gerber86
  • Die Kfz-Haftpflichtversicherung kommt grundsätzlich für alle Schäden der Mitfahrer auf.
  • Durch eine Haftungsbeschränkung können sich Fahrer und Halter vor Ansprüchen der Mitfahrer, die über die Versicherungsleistung hinausgehenden, absichern.

Was gilt im Fall eines Unfalls?

Auch die Bei- und Mitfahrer können gegen die Kfz-Haftpflichtversicherung des verunfallten Fahrzeugs Schadenersatzansprüche wegen des entstandenen Personenschadens geltend machen. Der Körperschaden wird von der Versicherung bis zur Höhe der vereinbarten Deckungssumme ersetzt. Dies gilt selbst dann, wenn der Kfz-Halter nur wegen der Betriebsgefahr des Kfz haftet, der Fahrer den Unfall nicht verschuldet hat.

Ihre ADAC Clubjuristen haben ein Formular zur vertraglichen Haftungsbeschränkung, 18,75 KB des Fahrers/Halters gegenüber Kraftfahrzeuginsassen für Sie bereitgestellt.

Welche Versicherung übernimmt die Schäden der Mitfahrer bei einem vom Fahrer oder Halter verschuldeten Unfall?

Die Haftpflichtversicherung kommt regelmäßig für alle Schäden der Insassen - auch der Familienangehörigen auf. Selbst der Halter/Versicherungsnehmer, der als Beifahrer verletzt wird, kann Schadenersatz für den Personenschaden von der eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung fordern. Da bei schweren Unfällen die vereinbarte Deckungssumme überschritten werden kann, ist eine unbegrenzte Deckung (bei Personenschäden Versicherungssumme bis 15 Mio. EUR je nach Versicherungsgesellschaft) empfehlenswert. Ferner sollten Bei- und Mitfahrer eine Haftungsbeschränkungserklärung (siehe Formular oben) unterzeichnen. Die Haftung für grobe Fahrlässigkeit bei Personenschäden kann nur ausdrücklich durch eine individuelle handschriftliche Vereinbarung ausgeschlossen werden.

Bei freiwilliger, nicht vom Arbeitgeber angeordneter Fahrgemeinschaft, z. B. von der Wohnung zum Arbeitsplatz, haften neben der Kfz-Haftpflichtversicherung auch die Sozialversicherung/Berufsgenossenschaft. Der Sozialversicherungsschutz erstreckt sich auch auf Umwege, die zum Abholen bzw. Absetzen des Beifahrers zurückgelegt werden.

Was gilt, wenn der Fahrer den Unfall nicht verschuldet hat?

Schmerzensgeldansprüche können auch dann geltend gemacht werden, wenn der Fahrer für den Unfall nichts kann. Die Haftung des Halters bleibt bestehen. Lediglich dann, wenn "höhere Gewalt" zum Unfall führt, also der Autofahrer z.B. durch einen Blitzschlag die Lenkung verreißt und hierdurch ein Schaden entsteht, besteht weder ein Schmerzensgeld- noch ein Schadenersatzanspruch.

Achtung:

Kein Versicherungsschutz besteht, wenn der Halter sein privates Kfz für eine gewinnorientierte, gewerbsmäßige Nutzung, z. B. als Mietwagen, benutzt, einen Gewinn erzielt und beabsichtigt, derartige Fahrten zu wiederholen. Die Versicherung muss den Schaden ersetzen, kann das Geld aber vom Fahrer oder Halter zurückverlangen.

Keine Sorge, wenn Sie die Mitfahrer gegen Kostenerstattung oder -beteiligung mitnehmen, besteht trotzdem Versicherungsschutz.

Im Fall des unverschuldeten Unfalls leistet bei einem Arbeitsunfall auch die Sozialversicherung. Bezahlt werden allerdings nur die Kosten für Heilbehandlung, Berufshilfe, Sterbegeld, Verletzten- und Hinterbliebenenrente. Sachschäden oder Schmerzensgeld werden von der Sozialversicherung nicht bezahlt. Schmerzensgeld kann von der Kfz-Haftpflichtversicherung gefordert werden, ebenso der Sachschaden der mitfahrenden Personen.

Wer kommt für den Schaden auf, wenn wir uns während der Fahrt abwechseln und ich als Mitfahrer einen Unfall verursache?

Für die Sach- und Personenschäden der anderen mitfahrenden Personen kommt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs auf. Der Schaden an dem unfallverursachenden Fahrzeug ist aber weder über die Kfz-Haftpflichtversicherung noch über Ihre private Haftpflichtversicherung abgedeckt. Nur eine Vollkaskoversicherung käme für den Schaden auf. Informieren Sie sich deshalb vor Fahrtantritt, welcher Versicherungsschutz besteht.

Muss ich eine Buße zahlen, wenn sich einer der Mitfahrer nicht anschnallt?

Normalerweise erhält der volljährige Mitfahrer allein eine Verwarnung in Höhe von 30 Euro. Anders ist dies, wenn Kinder mitfahren. Sind diese nicht angeschnallt oder fahren ohne erforderlichen Sitz mit, kassiert der Fahrer eine Verwarnung in Höhe von 30 Euro. 

Beachten Sie: Es ist zudem sinnvoll sich vorher abzustimmen, ob beispielsweise die Kosten für zu schnelles Fahren geteilt werden oder nicht.

Was bedeutet Insassen-Unfallversicherung?

Die Insassenunfallversicherung bietet für Insassen eine zusätzliche Leistung. Die Ansprüche aus der Versicherung kann nur der Versicherungsnehmer für die versicherten Personen gelten machen. Die Insassenunfallversicherung erbringt allerdings Leistungen auch für den Fahrer, der den Unfall verschuldet hat und der von der eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung keine Zahlung erhält.

Der ADAC empfiehlt, statt einer Insassenunfallversicherung eine private Unfallversicherung und/oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Diese Versicherungen zahlen unabhängig davon, wie es zu einem Schadenfall gekommen ist, beinhalten also auch den Kfz-Unfall.

Was ist eine Fahrerunfallschutzversicherung?

Die Fahrerunfallschutzversicherung kann zum Beispiel in der ADAC Autoversicherung mit abgeschlossen werden. Umfang und Höhe der Leistung richten sich nach dem tatsächlich entstandenen Personenschaden. Schäden, die über den Personenschaden hinausgehen (zum Beispiel Fahrzeugschäden) werden nicht erbracht. Die Ansprüche richten sich danach, was im Fall der Verursachung durch einen anderen Verkehrsteilnehmer bei dessen vollständiger Haftung zu leisten wäre oder wenn der Unfall auf Grund „höherer Gewalt" entsteht. Der Fahrer kann zum Beispiel Schmerzensgeld fordern.

Was kann bei der Steuererklärung berücksichtigt werden?

Für den Weg zwischen Wohn- und Arbeitsstätte gilt eine Entfernungspauschale von 0,30 EUR je Entfernungskilometer ab dem ersten Entfernungskilometer. Dabei ist grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung maßgebend. Im Einzelfall kann jedoch entscheidend sein, welche Verbindung, z.B. in Ballungsgebieten, verkehrsgünstiger ist. Die Entfernungspauschale ist als Werbungskosten in der Steuererklärung anzusetzen. Geltend gemacht werden können auch Kosten für einen Unfall auf der Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, sofern diese nicht von einer Versicherung ersetzt wurden.