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Los Angeles, Kalifornien | 22.11.2019

VW ID. Space Vizzion: Ausblick auf den Elektro-Passat

Front des VW ID Space Vizzion stehend
VW ID. Space Vizzion: Der Familienkombi der Zukunft fährt elektrisch

Mit dem ID. Space Vizzion zeigt VW, wie ein elektrisches Familienauto aussehen könnte. Das Elektro-Pendant zum Passat Variant hat eine wuchtige Größe und soll mit einer Batterieladung 590 Kilometer weit fahren. Erste Bilder und Infos.

  • Großer Elektro-Kombi mit fast fünf Meter Länge
  • 82 kWh-Batterie und 590 Kilometer Reichweite
  • Vorstellung der Serienversion ID.6 2021

 

Wird der VW-Fahrer der Zukunft seinen Neuwagen erstmal in den Leerlauf zwingen, wenn es regnet? In den ersten Wochen nach dem Kauf kann das schon passieren. Im ID. Space Vizzion genannten Ausblick auf einen stattlichen Elektrokombi sitzt nämlich der Scheibenwischer-Hebel links hinter dem Lenkrad – und an dessen angestammter Position rechts macht sich die Automatik breit. Da muss der Kunde umdenken, es sei denn, er ist vorher ein aktuelles Mercedes-Modell gefahren, wo es genauso ist.

Der ID. Space Vizzion hat Platz ohne Ende

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Rücksitze des VW ID Space Vizzion
Angenehmes Ambiente, Platz wie in der Oberklasse

Auch sonst hat VW eine Menge Ideen im bisher größten ID-Modell. Viele davon werden wir wohl schon bald sehen. Denn der ID. Space Vizzion ist vor allem von Form und Motorisierung schon sehr nah dran am Serienmodell, das 2021 auf die Straßen rollen wird.

Mit 4,96 Meter Länge, 1,90 Breite und 1,53 Meter Höhe sowie großen 22-Zoll-Rädern wirkt der Elektro-VW schon von außen recht präsent. Weil der Mitteltunnel fehlt, die Fahrgastzelle weit nach vorn gerückt wurde und dank 2,97 Meter Radstand, bietet der Vizzion Platzverhältnisse wie die größten Oberklasse-Limousinen. Dazu reicht es auch für eine besonders große Konsole zwischen den Sitzen vorn und hinten mit Staufächern, Cupholdern und USB-C-Schnittstellen.

Vom Space Vizzion wird es neben der in Kalifornien auf der L.A. Auto Show gezeigten Kombiversion auch eine mit Stufenheck geben. Damit kommt VW dem chinesischen und amerikanischen Geschmack entgegen.

Das Konzept-Auto zeigt eine Bestuhlung mit vier Sitzen. Sieht schick aus, dürfte aber 2021 der klassischen Rückbank weichen und Platz für fünf Passagiere bieten. Das Kofferraumvolumen soll 586 Liter betragen, das Fassungsvermögen bei umgeklappter Rückbank hat VW noch nicht genannt, es dürfte aber beträchtlich ausfallen.

Batterie: 82 kWh, Motorleistung: 205 kW 

Zoom-In
Heck des VW ID Space Vizzion stehend
Statt konventioneller Türgriffe hat der Space Vizzion Lichtfelder

Dank der Länge passt in das größte Automodell, das auf der MEB-Elektro-Plattform des Konzerns beruht, die maximale Batteriegröße: Der Lithium-Ionen-Akku weist einen Brutto-Energiegehalt von 82 kWh auf. Damit wird in der Show-Version ein Elektromotor auf der Hinterachse mit 205 kW/279 PS angetrieben.

Es geht aber auch noch mehr – in der Allradversion. Volkswagen setzt dazu einen zusätzlichen E-Motor mit 75 kW/102 PS auf die Vorderachse Insgesamt macht das rund 250 kW/340 PS Systemleistung. Dank sehr guter Windschlüpfigkeit (Cw-Wert 0,24) soll die Norm-Reichweite bei 590 Kilometern (WLTP) liegen.

Dieser Wert dürfte aber nicht erreicht werden, wenn der Fahrer öfter die volle Beschleunigung ausreizt: Nur 5,4 Sekunden soll der ID. Space Vizzion aus dem Stand bis zur 100-km/h-Marke brauchen. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 175 km/h elektronisch abgeregelt. Für ein Elektroauto ist das ein guter Wert.

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Vegane Sitze aus Apfelsaft, Lichtleisten statt Türgriffe

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Cockpit des VW ID Space Vizzion
Innen wirkt die Studie sehr aufgeräumt und wohnlich

Revolutionärer geht es da im Innenraum zu. Der elektrische Familienkombi zeigt dem Fahrer zum Beispiel nur noch wenige Informationen auf einem kleinen Bildschirm hinter dem Lenkrad an. Dafür geht darüber und daneben die große Show ab: Das Head-up-Display etwa projiziert großflächig virtuelle Infos auf die Frontscheibe.

Und im zentralen 15,6-Zoll-Touchscreen in der Mitte kann wie bei Tesla alles andere bedient werden. Die tastenfreie Zone ist so radikal wie nie umgesetzt. Dazu soll die Sprachbedienung noch intelligenter werden. "Ich brauche warme Füße"  – auf solche Wünsche reagiert der Assistent aufs Wort und richtet das Gebläse entsprechend aus.

Kommuniziert wird auch durch eine lange Lichtleiste im Armaturenbrett. Sie meldet Gefahren, fordert zum Spurwechsel auf oder zeigt an, dass Bordelektrik und Motor aktiviert sind. Nach außen gerichtete Lichtbänder können wiederum mit anderen Verkehrsteilnehmern Kontakt aufnehmen.

Ob es die veganen "Leder"-Sitze mit Bestandteilen aus Apfelsaft in die Serie schaffen werden, ist noch unklar. Der Verzicht auf klassische Türgriffe ist jedenfalls nur schwer vorstellbar: Die Studie besitzt stattdessen beleuchtete Touch-Flächen. Die dimmen auf, sobald der Wagen erkennt, dass sich jemand mit dem Fahrzeugschlüssel oder einem synchronisierten Smartphone nähert. Das würde zumindest die Kinder beim Familien-Ausflug begeistern. Die Feuerwehr bei einer Unfallrettung wohl weniger. Aber zwischen "Vizzion" und Realität ist ja noch ein bisschen Zeit.

Seinen Namen wird der ID. Space Vizzion bis zum Serienstart ablegen und der vom ID. 3 begonnenen Nomenklatur folgen: Der Kombi wird als ID. 6 auf den Markt kommen.

 

Text: Peter Weißenberg/SP-X. Fotos: Volkswagen AG.

Kontakt zur Redaktion:  redaktion@adac.de