Suzuki Jimny: ADAC Test, Crashtest, Daten, Preise

12.3.2019

Der neue Suzuki Jimny ist kurz, kantig und kompakt. Und hat sich damit so beliebt gemacht, dass er ausverkauft ist. Aber bei aller Sympathie: Im ADAC Autotest und Crashtest offenbart der Kleine Schwächen. Die Daten, die Testergebnisse und ein Video

Suzuki Jimny fahrend auf der Straße
Ein Typ mit Ecken und Kanten: Der neue Suzuki Jimny
  • Der neue Suzuki Jimny ist zu Preisen ab 17.915 Euro erhältlich
  • Mit 3,65 Metern Länge ist der Offroader sehr wendig, bietet aber wenig Platz
  • Allradantrieb serienmäßig: Im Gelände trumpft der Jimny auf
  • Ergebnis im Euro NCAP Crashtest: Nur 3 Sterne von 5 möglichen

 

Gut, dass es sie noch gibt: Autos, die man auf Anhieb sympathisch findet. Der Suzuki Jimny ist so ein Modell, das einen mit kleinen Kulleraugen so unschuldig anschaut und dem man jede Schwäche verzeihen möchte. Mit seiner selbstbewussten Front im Jeep-Stil markiert er zwar den Halbstarken – doch das täuscht.

Der Jimny macht den aktuellen Größenwahn, der in der Autobranche um sich greift, nicht mit und ist bescheiden geblieben. Gerade mal 3,65 Meter lang (etwa wie ein VW up!) mimt er nach wie vor den Bonsai unter den Geländewagen. Großer Vorteil: Der Jimny kommt mit gemessenen 10,6 Metern Wendekreis aus, wuselt wie von selbst in kleinste Lücken, Parkplatzprobleme gibt es da nicht. Und durch die erhöhte Sitzposition ist die kastige Form des Japaners noch besser zu überblicken. Einparkhilfen wie Piepser oder Kameras gibt es nicht – man vermisst sie aber auch nicht.

Suzuki Jimny: Kleiner Kofferraum, wenig Platz

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Suzuki Jimny Kofferraum
Erst bei umgeklappten SItzen ist der Kofferraum als solcher nutzbar

Dass er kein Raumwunder ist, liegt auf der Hand. Vorn sitzt man zwar eng beieinander, doch überraschend kommod mit ausreichend Platz vor einer steilen Frontscheibe.

Hinten geht dem Suzuki aber die Luft aus: Die beiden Mitfahrer sollten schon mal ziemlich gelenkig sein, wollen sie die zweite Reihe erklimmen. Um dort dünn gepolsterte Sitzchen mit kaum vorhandener Beinfreiheit vorzufinden. Wer nicht größer als 1,70 Meter ist, fühlt sich aber noch halbwegs wohl.

Besser, man klappt die Rücksitze gleich um und nutzt den Raum für eine größere Ladefläche.  Der nur zwei Hand breite Kofferraum (85 Liter laut Werksangabe, 45 nach Messungen des ADAC) hinter der nach rechts klappenden Hecktür ist sonst eh kaum nutzbar: Mit viel Glück fasst er zwei kleine Handgepäckköfferchen stehend – mehr ist nicht drin.

Nach dem Umklappen hat der Jimny immerhin laut ADAC Messung 350 Liter Ladevolumen, dachhoch passen 775 rein. Schon besser, wäre nicht die glatte Kunststoffoberfläche des Laderaums, die zwar robust und abwaschbar ist, das Gepäck aber in jeder Kurve von links nach rechts rutschen lässt. Eine Kofferraumabdeckung hat man sich gleich ganz gespart.

Der Jimny ist ein Auto mit viel Bodenfreiheit, dementsprechend muss erst ein hoher Schweller überwunden werden, um einzusteigen. Ansonsten aber gelangt man durch die recht großen Türöffnungen einfach in das Auto, die Sitzhöhe liegt 66 Zentimeter über der Straße. Auf die Rücksitzbank muss man etwas mehr klettern, die Einstiegshilfe des Beifahrersitzes ist da zumindest ein bisschen hilfreich.

Gute Fahrleistungen im Gelände dank Allrad

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Suzuki Jimny fahrend von hinten
Die gute Achsverschränkung zahlt sich auf üblen Wegen aus

Auf unwegsamem Terrain ist der Kleine in seinem Element. Mit 21 Zentimetern Bodenfreiheit, sehr knappen Karosserieüberhängen, serienmäßig zuschaltbarem Allradantrieb und Untersetzungsgetriebe fährt der nur 1,1 Tonnen leichte Kraxler den meisten großen SUVs im Gelände auf und davon.

Starrachsen vorn und hinten sorgen für eine ordentliche Verschränkbarkeit – natürlich sind diese an einem robusten Leiterrahmen aufgehängt. Der Böschungswinkel vorn beträgt 36 Grad, der hintere gar 48 Grad. Der Rampenwinkel liegt bei sehr ordentlichen 27 Grad.

Vor steilen Hängen, tiefen Löchern und buckligen Waldwegen braucht man also keine Angst zu haben.Völlig problemlos wühlt sich der Jimny durchs Unterholz, bleibt auch nicht zwischen den Bäumen hängen. Da zahlt sich die nur 1,65 Meter schmale Karosserie aus. Wie anno dazumal wird der Allradantrieb mit einem zweiten "Schalthebel" aktiviert.

Und ja: Jimny-Fahren macht Spaß! Weil der Kleine super einfach zu bedienen ist. Weil es keine Einweisung braucht und man sich einfach reinsetzt und losfährt. Auch weil die Federung erstaunlich gut die Bandscheiben schont – Wunder kann der Jimny wegen seines kurzen Radstands und der altmodischen Starrachse aber nicht vollbringen. Bodenwellen auf der Landstraße quittiert der Suzuki mit einem missmutigen Schaukeln.

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Welche aktuellen SUV gibt es sonst noch? Die Motorwelt hat viele bereits unter die Lupe genommen:

Puristischer Innenraum, klassisches Cockpit

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Suzuki Jimny Cockpit
Einfache Kunstoffe, simple Bedienung: Das Interieur des Suzuki

Der einzig verfügbare Motor, ein 1,5-Liter-Benziner, läuft rau und laut und macht sich besonders auf der Autobahn deutlich bemerkbar. Weil ein sechster Gang fehlt, nerven hohe Drehzahlen und eine entsprechende Geräuschkulisse.

Zudem ist der turbolose Benziner mit 102 PS kein Kraftprotz, selbst wenn er verzögerungsfrei anspricht und den Geländefloh tapfer und unaufgeregt bis zur Spitze bei 145 km/h beschleunigt. Testverbrauch: acht Liter Super auf 100 Kilometer im Durchschnitt. Auf der Autobahn genehmigt sich der Suzuki sogar knapp zehn. Für einen gut 100 PS starken Kleinwagen ist das zu viel. Immerhin hat Suzuki die Schadstoffwerte gut Griff, so dass es insgesamt für drei von fünf Sternen im ADAC Ecotest reicht.

Den Sprintwert auf 100 km/h gibt Suzuki gar nicht erst an. Für 1180 Euro extra ist ein Automatikgetriebe im Angebot, das mit seinen vier Gängen im Vergleich zu den High-Tech-Getrieben teurerer Autos mit bis zu neun Gängen recht archaisch wirkt. Aber immerhin gibt es eins.

Moderne Assistenzsysteme, miserabler Bremsweg

Hausmeisterdienste, Jäger und Förster können aufatmen: Der Jimny ist sich treu geblieben und macht seinem Ruf als robustes Arbeitstier alle Ehre. Und obwohl es jetzt sogar moderne Assistenzsysteme wie eine Notbremsfunktion und Verkehrszeichenerkennung gibt, ist der Japaner wohltuend einfach gestrickt.

Aber: 45,2 Meter Bremsweg aus 100 km/h sind leider von vorgestern. Nicht nur deshalb empfiehlt sich eine defensive und vorausschauende Fahrweise. Auch die Fahrstabilität lässt zu wünschen übrig. Der Jimny wankt bei jeglichem Lenkmanöver deutlich und taumelt durch zügig durchfahrende Kurven.

Entspanntes Fahren auf der Autobahn ist nicht die Sache des kleinen Kraxlers, hier belässt man es schnell freiwillig bei Geschwindigkeiten deutlich unter der Spitze von 145 km/h. Auch beim ADAC Ausweichtest müht er sich mit heftigen ESP-Eingriffen durch den Parcours, ist stark untersteuernd unterwegs. Zumindest besteht keinerlei Kippgefahr mit den Reifen des Testwagens.

Die Basisversion ist gut ausgestattet

Er ist nach wie vor eines der preiswertesten Allradfahrzeuge überhaupt – im Vergleich zum Vorgänger allerdings gut 2000 Euro teurer. Die schon gut ausgestattete Basisversion namens Comfort (u.a. Klimaanlage, Tempomat, Freisprecheinrichtung und Sitzheizung in Serie) kommt auf 17.915 Euro und die getestete Topversion Comfort + mit Alufelgen, Navi und LED-Scheinwerfern kostet 19.985 Euro.

Ein rundes Angebot für alle, die die Geländetauglichkeit schätzen. Alle andere müssen wissen: Perfekt ist der Kleine nicht. Wer ihn aber nicht in Förstergrün nimmt, sondern im auffälligen "Kinetic Yellow" (Foto ganz oben), bekommt ein kleines Lifestyle-Mobil mit hohem Kultfaktor.

Oder auch nicht: Denn inzwischen hat sich der Jimny so gut verkauft in Deutschland, dass das Modell ausverkauft ist. Offenbar hat Suzuki Deutschland nicht mit solch einem Zuspruch für den Jimny gerechnet. Rund 3000 von dem Neuen sind auf unseren Straßen laut KBA unterwegs.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Suzuki Jimny 1.5 Comfort+ Allgrip.

Schlechtes Ergebnis im Euro NCAP Crashtest

Der Suzuki Jimny erreicht nur 3 Sterne von maximal erreichbaren 5. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern und Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern vorn und hinten ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut.

Der Insassenschutz ist grenzwertig, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene teilweise hoch, nur für Kinder ist die Verletzungsgefahr gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter hinten montiert, für den Beifahrersitz sind sie nicht erhältlich. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. Der Jimny ist mit einem einfachen Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und Spurverlassenswarner serienmäßig ausgestattet.

Sehen Sie hier das Crash-Video:

Technische Daten (Herstellerangaben)
Suzuki Jimny 1.5 Comfort+ Allgrip
Motor Vierzylinder-Benziner, 1462 cm3, 75 kW/102 PS, 130 Nm bei 4000 U/min
Fahrleistungen  0-100 km/h: k.A., Spitze 145 km/h 
Verbrauch  6,8 l Super/100 km, 154 g CO2/km 
Maße  L 3,65 / B 1,65 / H 1,71 m 
Kofferraum
85 / 377 / 830 l
Leergewicht / Zuladung
1165 kg / 270 kg
Preis
19.985 Euro, Baureihe ab 17.915 Euro

ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
7,7 s 
Bremsweg aus 100 km/h
45,2 m
Wendekreis 10,6 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
8,0 l Super/100 km , 220 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
500 km
Innengeräusch bei 130 km/h 73,8 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1100 / 335 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 45 / 350 / 775 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 3,5
Karosserie/Kofferraum 3,5                    
Innenraum 3,2
Komfort 4,0
Motor/Antrieb 3,5
Fahreigenschaften 
4,8
Sicherheit
2,8
Umwelt/EcoTest
3,2

 

  • Das hat uns gefallen: Umfangreiche Serienausstattung. Akzeptabler Preis. Niedrige Emissionen.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Hoher Verbrauch. Indiskutabler Bremsweg. Mäßiger Komfort.

Das sind die Vorgänger des Suzuki Jimny

Schon seit 1970 setzt Suzuki auf das kleine, robuste und leichte Geländemobil. Den Anfang machte der LJ 10. Alle Generationen im Überblick. Klicken Sie auf die Bilder für mehr Informationen.
Alter Suzuki Jimny im Museum

1970: LJ 10

Das erste Allradfahrzeug von Suzuki. Bei der Markteinführung war das nur drei Meter lange und 1,30 Meter breite Auto der kleinste Geländewagen der Welt. Mit spartanischer Ausstattung: Eine Plane deckte den Innenraum ab, die Türen wurden mit einem Reißverschluss geöffnet. Der Motor hatte nur 360 cm3 Hubraum.
Suzuki Jimny steht im Wald

1976: LJ 50

Die zweite Generation ist schon viel erwachsener – und kommt auf "stolze" 3,17 Meter Länge. Sein Dreizylinder-Motor mit 539 cm3 kommt auf 33 PS, beim Vorgänger waren es noch 25. Bei 635 Kilogramm Leergewicht schafft der LJ 50 immerhin schon 100 km/h Spitze.
Suzuki Jimny mit Surfbrett am Dach

1980: LJ 80

Der kleine Suzuki wird nun auch auf dem europäischen Markt angeboten. 1980 kostet der LJ 80 12.500 DM. Neben der geschlossenen Version gibt es auch eine Cabrio-Variante und sogar einen Pickup. Das Cabrio war damals schon sehr beliebt und hatte 80 Prozent Marktanteil an der Baureihe.
Mann und Frau machen ein Picknick vor Suzuki Jimny

1981: SJ 410

Das komplett neu konstruierte Fahrzeug wurde etwas flacher und breiter, behielt aber seinen Charakter als einfaches Geländemobil. Als Antrieb dient ein 1,0-Liter-Vierzylinder mit 45 PS. Der SJ ist in Deutschland richtig erfolgreich: Nach zweieinhalb Jahren sind 25.000 Stück verkauft.
Suzuki Jimny steht vor einem Hochstand

1988: SJ Samurai

Der Samurai wird komfortabler und auch innen Pkw-ähnlicher. Mit nunmehr 70 PS kommt der Allradler auf eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.

Suzuki Jimny steht am Meer

1998: Jimny

Seit 1998 hört der kleine Suzuki auf den Namen Jimny. Preis: ab 21.900 DM, Allradantrieb kostet 3600 Mark extra. Die Karosserie kommt nun auf 3,67 Meter Länge, unter der Haube arbeitet ein 80-PS-Benziner, später auch ein Diesel wahlweise mit 65 und 86 PS Leistung. Auch eine Cabrio-Version wird angeboten.

Text: Jochen Wieler, Fotos: ADAC/Wieler (1), PR (9).

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