Ford Focus Turnier: Das kann der kompakte Kombi

18.4.2019

Der Ford Focus Turnier punktet mit üppigem Laderaum, viel Platz für die Insassen und hohem Komfort – so soll ein Kombi sein. Im ADAC Test: Ford Focus Turnier 1.0 Ecoboost  

Ford Focus Turnier Modell 2019
Gut in Form: Ford Focus Turnier
  • Der Focus Turnier erlaubt sogar mit dem Dreizylinder eine gute Portion Fahrspaß 
  • Trotz Zylinderabschaltung zum Spritsparen ist der Verbrauch zu hoch
  • Besonders gut: das Preis-Leistungs-Verhältnis 

 

Was die Käufer eines Ford Focus von einem Kompaktwagen erwarten, ist eindeutig: Möglichst viel Nutzwert soll er haben. Deshalb entscheiden sich rund 75 Prozent der Kunden für die Kombiversion Turnier. Das war beim Vorgänger-Modell schon so. Eine kluge Entscheidung, denn für gerade einmal 1000 Euro Aufpreis zum fünftürigen Steilheck-Focus erhält man das eindeutig vielseitigere und familientauglichere Auto.

Viel Platz im Kofferraum

Zoom-In
Ford Focus Turnier Modell 2019
Lademeister: Nach ADAC Messung bis zu 1590 Liter Transportvolumen

Rund 30 Zentimeter länger als das kompakte Basismodell misst der Turnier nun 4,67 Meter. Von einem parkfreundlichen Kompaktwagen kann man da zwar kaum noch sprechen. Aber die Konkurrenz fällt ähnlich üppig aus: Ein Škoda Octavia Combi kommt auf exakt das gleiche Maß und ein Opel Astra Sports Tourer auf 4,70 Meter Länge.

Die Folge: Ein Kofferraumvolumen, das Handwerker, Vertreter und Familien gleichermaßen beglückt. Bei aufrechter Rückbank nimmt der Kombi 415 Liter Gepäck bis unter das Gepäckrollo auf. Bis unters Dach passen 875 Liter oder zwölf handelsübliche Getränkekisten hinein. Nach Umklappen der Rücksitzlehnen passen nach ADAC-Messmethodik (mit Quadern von jeweils 1 Liter Volumen) maximal 1590 Liter Transportgut hinein. Da bieten selbst größere Kombis oft nicht mehr Platz.

Gut auch, dass die Ladekante nur 63 Zentimeter über der Straße liegt und so schwere Gegenstände ohne Verrenkungen verstaut werden können. Die Rücksitze lassen sich praktischerweise über zwei Hebel auch vom Kofferraum aus umklappen. Die dann entstandene Ladefläche ist eben und noch einmal knapp 11 Zentimeter länger als beim Vorgängermodell. 12-Volt-Steckdose, Taschenhaken und Verzurrösen finden sich hier ebenfalls.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

 

Wer die Kassette der Kofferraumabdeckung öfter ein- und ausbauen muss, dürfte sich über die durchdachte Lösung im Turnier freuen, die das nervige Gefummel mit dem sperrigen Teil besonders beim Wiedereinsetzen erträglicher macht: Die Kassette wird einfach in einer Führungsschiene eingehängt (siehe Foto oben in der Bildergalerie) und Richtung Rücksitzlehne gefahren. Fertig.

Weil der neue Focus fünf Zentimeter mehr Radstand hat als der Vorgänger, wurde auch der Innenraum größer, was sich besonders an der üppigen Beinfreiheit in der zweiten Reihe festmachen lässt: Vorn sitzen Personen bis 1,95 Meter bequem, hinten reicht die Beinfreiheit sogar für Menschen bis fast zwei Meter Körpergröße.

Tipp Icon

Ford Focus Active:  Ein Hauch von offroad

Ford Focus Active

Ford bietet den Focus jetzt auch als Crossover-Modell in Offroad-Optik an. In der Variante "Active" verfügen Fünftürer und Kombi über robuste Karosserie-Beplankungen, drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit und spezielle Fahrmodi für rutschigen Untergrund und unbefestigte Straßen. Die Preise starten bei 25.300 Euro, ausgeliefert wird Anfang 2019.

Für den Antrieb stehen drei Ottomotoren und zwei Diesel zur Wahl. Einstiegsmotor ist ein 1,0-Liter-Dreizylinderbenziner mit 92 kW/125 PS, die kostspieligste Alternative stellt der 110 kW/150 PS starke 2,0-Liter-Diesel mit Achtgangautomatik für 31.100 Euro. Allradantrieb wird nicht angeboten. Zur Ausstattung zählen in allen Varianten unter anderem Navigationssystem, intelligenter Tempomat und Sportsitze. Der Aufpreis gegenüber dem Basismodell beträgt 3.500 Euro.

Im Test: der Dreizylinder mit 125 PS 

Zoom-In
Ford Focus Turnier Modell 2019
Das Panoramaglasdach gibt es ab 1200 € Aufpreis

Gleich fünf verschiedene 3-Zylinder-Benziner (85 bis 182 PS) und drei 4-Zylinder-Diesel (95 bis 150 PS) stehen als Antrieb bereit. Im aktuellen ADAC Test tritt der 1.0 EcoBoost mit 125 PS an. Das Aggregat überzeugt mit guten Fahrleistungen und genügend Durchzugskraft für Überholmanöver auf der Landstraße.

Der Verbrauch liegt mit 6,3 Litern Super pro 100 Kilometer – trotz Zylinderabschaltung zum Spritsparen ein bisschen zu hoch. Unter 1500 Touren brummt das 1,0-Liter-Motörchen zudem merklich. Insofern wäre der robustere 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS die noch bessere Wahl.

An Lenkung und Fahrverhalten haben unsere kritischen Ingenieure absolut nichts auszusetzen. Ein besonderes Lob verdienen die kräftigen Bremsen, die den Wagen aus 100 km/h – bei idealen Bedingungen – nach nur 32,1 Metern zum Stillstand bringen. Auch die feine Dosierbarkeit imponiert.

 

Kindersitze sind kein Problem, laufende Kosten gering

Das serienmäßige Infotainmentsystem erfüllt die aktuellen Anforderungen: Apple-CarPlay und Android Auto zur Verbindung mit dem Smartphone gehören  selbstverständlich dazu. Das Touchscreen-Display ist oben auf dem Armaturenbrett angebracht und damit für den Fahrer gut zu bedienen. Leider verzichtet Ford auf Direktwahltasten für Navigation (Serie), Radio und Telefon. Auch ein Drehregler zum Scrollen im Menü und Zoomen in der Navi-Karte fehlt.

Bei der aktiven Sicherheit schneidet der Ford Focus sehr gut ab. Selbst ein ­Notbremsassistent samt Fußgänger- und Fahrradfahrererkennung, Abstands- und Kollisionswarnung gehören zum Serienumfang. Gegen Aufpreis gibt es eine adaptive Abstandsregelung mit Stauassistent, Verkehrszeichenerkennung sowie ein Head-up-Display. Der Totwinkelassistent beinhaltet eine Querverkehrwarnung beim rückwärts Ausparken. 

Für Familien stellt sich die Frage nach der Kindersitztauglichkeit. Und auch hier zeigt der Focus keine Schwäche. Auf der Rückbank lassen sich zwei Kindersitze anbringen, der Beifahrersitz kann mit ­einer Babyschale belegt werden. 

Erfreulich niedrig fallen die laufenden Kosten für den Focus Turnier aus. 545 € pro Monat (inklusive Wertverlust) für die getestete Version sind ein guter bis sehr guter Wert.

 
Technische Daten (Herstellerangaben)
Ford Focus Turnier 1.0 Ecoboost
Motor  Dreizylinder-Turbobenziner, 998 cm3, 92 kW/125 PS, 170 Nm bei 1400 U/min 
Fahrleistungen  10,3 s auf 100 km/h, 198 km/h Spitze 
Verbrauch  5,8 l Super/100 km, 132 g CO2/km 
Leergewicht / Zuladung
1383 / 542 kg
Maße L 4,67 / B 1,83 / H 1,47 m
Kofferraum 575 – 1620 l
Preis
ab 23.000 Euro, Modellreihe ab 19.900 Euro

 

 

ADAC Messwerte (Auszug)
Überholvorgang 60-100 km/h 6,5 s 
Bremsweg aus 100 km/h 32,1 m 
Wendekreis 11,1 m                    
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest 6,3 l Super/100 km , 172 g CO2/km (well-to-wheel) 
Reichweite 825 km
Innengeräusch bei 130 km/h    68,0 dB (A)                    
Leergewicht / Zuladung 1395 / 530 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch   415 / 875 / 1590 l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,2
Karosserie/Kofferraum 2,3
Innenraum 2,2
Komfort 2,6
Motor/Antrieb 2,3
Fahreigenschaften 1,9
Sicherheit  1,8
Umwelt/EcoTest 2,5

 

  • Das hat uns gefallen: Viel Platz. Agiles Fahrverhalten. Kurzer Bremsweg. Hohe Sicherheit. Geringe Kosten.
  • Das hat uns nicht gefallen: Motorbrummen. Erhöhter Verbrauch.
Tipp Icon

Ford Focus im ADAC Test: So gut ist der Golf-Rivale

Blauer Ford Focus fahrend von vorne

Der neue Ford Focus soll verlorenes Terrain zurückerobern und Golf & Co. Kunden abjagen. ADAC Test, technische Daten und die Ergebnisse des EuroNCAP Crashtests. Der Preis: ab 18.700 Euro.

So schlägt sich der neue Ford Focus im ADAC Test

Text: Jochen Wieler, Wolfgang Rudschies. Fotos: ADAC/Jochen Wieler (2), PR 

Viele weitere Fahrberichte und Autotests finden Sie auf der Übersichtsseite der ADAC Motorwelt.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion.motorwelt@adac.de