e.Go Life: Testfahrt in Deutschlands günstigstem Elektroauto

18.7.2018

Der e.Go Life soll den Markt für Elektroautos revolutionieren: Ein Start-Up der Uni Aachen will den 3,35 Meter langen Stadtflitzer mit Bosch-Motor für nur 15.900 Euro verkaufen. Erster Fahrbericht, technische Daten, Marktstart

Elektroauto e.Go Live fährt auf der Straße
Smarter Mini: Der e.Go Life will das perfekte elektrische Stadtauto sein
  • Die Testfahrt im e.Go Life zeigt: Das Elektroauto bietet relativ viel Platz
  • Erfinder des Posttransporters "Streetscooter" bauen einen Elektro-Kleinwagen für die Stadt
  • Die Reichweite des E-Autos beträgt stadttaugliche 100 bis 160 km

Die Karosserie des e.Go besteht aus Kunststoff

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E-Go-Life 2018 Interieur
Minimalistisches Cockpit mit Infotainment-System

Knappe Haube, niedliche Kulleraugen-Scheinwerfer und ein kurzes Heck. Schon optisch ist klar, dass der e.Go Life das perfekte Stadtauto sein möchte. "Ein Elektroauto macht nur in der Stadt richtig Sinn", sagt der Gründer der Firma e.Go Mobile AG, Professor Günther Schuh.

Der Dozent an der RWTH Aachen kennt sich mit Elektromobilität aus: Er steckt hinter dem erfolgreichen Elektro-Transporter Streetscooter – und verkaufte dieses Unternehmen 2014 an die Deutsche Post. Jetzt kommt der nächste Coup: Schuh will zeigen, dass man ein günstiges Elektroauto für die Stadt produzieren kann – und zwar in Deutschland.

Jetzt ist der e.Go Life fertig, zumindest fast. Beim Vorserienfahrzeug wirft die Folie auf der Kunststoffkarosserie an manchen Ecken noch Blasen, Plastik-Späne hängen auf dem Trittbrett. Die Kunststoffe und Spaltmaße am Armaturenbrett und an den Armlehnen passen dagegen schon ganz gut.

Der Materialauswahl merkt man das Bemühen um einen günstigen Preis an. Aber im minimalistischen Cockpit ist Platz für ein Infotainment-System, die Schalter für die Klimaanlage sowie das Infodisplay befinden sich hinter dem Lenkrad. Funktional ist das jedenfalls.

Höchstgeschwindigkeit: 152 km/h

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Elektroauto e.Go Live von schräg vorne
Knappe Haube, Kulleraugen-Scheinwerfer: Der e.Go Life wirkt sympathisch

"Fahrwerk und Design sind final abgestimmt, da ändern wir nichts mehr", sagt Vertriebsleiter Matthias Kreimeier. Nach 42 Änderungen war der e.Go Life fertig, zuletzt legte ein italienischer Designer Hand an. "Ein Auto muss schön sein, auch ein vernünftiges, sonst kauft es keiner", meint sein Chef, Professor Schuh.

Jetzt sitzt Kreimeier auf dem Beifahrersitz und achtet darauf, dass wir es mit dem Prototyp nicht übertreiben. Dennoch bleibt er recht entspannt, als wir aus dem Stand voll beschleunigen. Der E-Motor fängt hochfrequent zu summen an, der Life beschleunigt von 0 auf 50 km/h in nur 3,4 Sekunden – das reicht für den flotten Start an der Ampel. Höchstgeschwindigkeit laut Hersteller: 152 km/h.

Doch das dürfen wir heute noch nicht überprüfen. Wir müssen auf dem Testgelände rund um das neu gebaute Werk in Aachen bleiben und lenken deshalb mit 60 km/h entspannt um Halle 1. Kurz und wendig wie er ist, flitzt der Life leicht ums Eck, die weichen Sitze halten die Passagiere gut in den Polstern.

Geht man vom Gas, geht der Mini stark in die Eisen – die Rekuperation (Energierückgewinnung) schlägt hart an und summt deutlich vernehmbar. Gewöhnungsbedürftig: Der Bremspedaldruck verändert sich bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und die Servolenkung funktioniert noch nicht. "Das ändern wir alles, bei der Serienversion fährt sich der Life spielend leicht", verspricht Kreimeier.

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Elektroautos: Diese Modelle gibt es schon zu kaufen

Elektromobilität, E-Mobilität, Ladestruktur, ADAC, InnovationWer überlegt, in Zukunft elektrisch mobil zu sein, der hat noch keine allzu große Auswahl.

Mit unserer Liste über die auf dem Markt erhältlichen Elektroautos deutscher und ausländischer Hersteller können Sie sich einen Überblick verschaffen.

Elektroautos aus Deutschland, Frankreich, Korea, Japan, USA und Großbritannien

Reichweite: maximal 184 km

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Elektroauto e.Go Live von schräg hinten
Viel Platz dank großem Radstand und Elektrobauweise

Erstaunlich ist, wie viel Raum das kleine Auto im Innenraum bietet. Vorn stoßen sich selbst Hochgewachsene nicht den Kopf, Arm- und Beinfreiheit reichen aus. Hinten reicht der Platz zumindest für Heranwachsende – und das bei gerade mal 3,34 Metern Außenlänge. Zum Vergleich Der VW Up ist 26 Zentimeter länger.

Die Batterien des e.Go Life fassen je nach Version zwischen 14,9 kWh und 23,9 kWh. Im NEFZ reicht das für 121 bis 184 Kilometer, im realen Fahrbetrieb dürften es immer noch zwischen 100 und 160 Kilometer sein. Je nach Batteriegröße wiegt der Viersitzer zwischen 880 und 950 Kilogramm.

Das beste Argument für den Life soll aber der Kostenpunkt sein: Mit einem Einstiegspreis von 15.900 Euro wäre er das derzeit günstigste E-Fahrzeug – und das noch vor Abzug von 4000 Euro Elektroauto-Förderung. Dann kostet der e.Go Life nur wenig mehr als ein benzingetriebener Smart Fortwo (11.165 Euro, mit zwei Sitzen) oder ein Smart Forfour (ab 11.825 Euro). Und wäre damit sensationell günstig.

Marktstart: Herbst 2018

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Kofferraum vom Elektroauto e.Go Live
Große Glas-Heckklappe, aber hohe Ladekante

Um diesen niedrigen Preis zu erzielen, konzipierten die Ingenieure um Professor Schuh zunächst die Produktion, und erst dann das Auto. Anstelle teuer selbst designter Scheinwerfer nutzt e.Go Zulieferer wie Hella, Bosch oder ZF. Die Motoren stammen von Bosch, die Batterie von BMZ aus Aschaffenburg. Vorteil: kein Entwicklungsaufwand und niedrige Einkaufspreise dank hoher Stückzahlen.

E.Go entwickelte nur die Teile neu, die es auf dem Markt noch nicht gab. Der Spaceframe-Rahmen besteht aus Aluminium, die Hülle aus Thermoplast. Das spart aufwendige Lackierung und Rostschutz. Die Auswahl an Sonderausstattungspaketen ist bescheiden, so bleibt die Produktion schlank.

17 Stunden dauert es, bis ein Life zusammengebaut ist. Die Wartung der Autos sollen die Bosch-Car-Service-Stationen übernehmen, und auch das Ersatzteillager und die Logistik organisiert Bosch.

"Es ist heute nicht mehr schwer, ein Elektroauto zu bauen. Es ist aber schwer, ein günstiges zu bauen", sagt Professor Schuh bei der Eröffnung des Werks. Damit jedenfalls hat Schuh Erfahrung. Der Transporter Streetscooter hat bisher alle Erwartungen übertroffen. Ab Herbst 2018 wird sich zeigen, ob er diesen Erfolg mit dem Stadtwagen e.Go wiederholen kann.

 

Technische Daten
e.Go Life 20 bzw. 60
Motor Elektromotor mit 20 bzw. 32 kW Dauerleistung, 20 bzw. 60 kW Spitzenleistung, Einstufengetriebe
Fahrleistungen 7,7 bzw. 3,4 s auf 50 km/h, 116 bzw. 152 km/h Spitze
Verbrauch 11,9 bzw. 12,5 kWh / 100 km (NEFZ)
Maße L 3,35 / B 1,70 / H 1,57 m; Radstand: 2,20 m
Kofferraum k.A.
Gewicht Leer 880 bzw. 950 kg, Zuladung 420 bzw. 350 kg
Preise e.Go Life 20: 15.900 €, e.Go Life 60: 19.900 €
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"Cooles Design, günstiger Preis, keine Konkurrenz"

Matthias Kreimeier, Vertriebsleiter bei der e.Go Mobile AGInterview mit Matthias Kreimeier, Vertriebsleiter bei der e.Go Mobile AG

ADAC Motorwelt: Für welche Kunden ist der Life gemacht?
Matthias Kreimeier: Der Life ist ein sehr kompaktes Stadtauto mit einer elektrischen Reichweite von bis zu 160 Kilometern im Alltag – mehr als ausreichend, auch für die meisten Pendler. Dazu kommt das coole Design, und natürlich der günstige Preis. Damit hat der Life derzeit keine Konkurrenten.

Wann fangen Sie mit der Auslieferung an?
Der Life wird nun ab Sommer in unserem Werk in Aachen produziert, die ersten Fahrzeuge an Kunden werden wir noch dieses Jahr ausliefern. Nächstes Jahr wollen wir im Einschicht-Betrieb bis zu 10.000 Autos produzieren. Sehr viele der Fahrzeuge sind schon vorbestellt, die Kunden warten schon sehnsüchtig auf ihre Autos.

Wird der Life das einzige Auto Ihrer Firma bleiben?
Nein, wir planen weitere Modelle. Ende nächsten Jahres folgt der Mover, ein Kleinbus für bis zu 15 Personen. Daraus können wir auch eine Cargo-Version entwickeln, mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen. Dafür bauen wir bald eine dritte Werkshalle.

Text: Fabian Hoberg. Fotos: Fabian Hoberg (4), PR (2).

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