Benzin- und Dieselpreis: So entstehen die Spritpreise

16.8.2019

Der Benzin- und Dieselpreis schwankt – von Tankstelle zu Tankstelle, von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Der ADAC erklärt, woran das liegt, wie die Spritpreise entstehen und wie Autofahrer sparen können.

Junger Mann beim Tanken
Die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen ändern sich fast stündlich
  • Den größten Teil der Spritpreise machen die Steuern aus
  • Dollarkurs und Konjunkturerwartung haben großen Einfluss auf die Kosten fürs Rohöl
  • Im Tagesverlauf schwanken die Benzin- und Dieselpreise an den Tankstellen stark

Mineralölkonzerne, Tankstellenbetreiber, der Staat: Viele wollen an Diesel und Benzin verdienen – oder den Verbrauch in eine bestimmte Richtung lenken. Letzteres ist der Grund für die von Kraftstoffart zu Kraftstoffart unterschiedliche Energiesteuer (früher Mineralölsteuer): Je umweltverträglicher der Kraftstoff, desto niedriger der Steuersatz. Steuern machen den größten Anteil am Spritpreis aus. Bei Benzin beispielsweise liegt der Energiesteuersatz bei 65,45 Cent je Liter.


Energieträger Energie- oder Stromsteuer
Erdgas (CNG, LNG) ca. 19 Cent/kg
Flüssiggas (Autogas) ca. 23 Cent/kg (ca. 12 Cent/Liter)
Diesel 47,04 Cent/Liter
Benzin 64,45 Cent/Liter
Strom 2,05 Cent/kWh

Stand: August 2019


Außerdem wird auf alle Energieträger die Mehrwertsteuer fällig. Sie wird auf den Warenpreis sowie die Energiesteuer erhoben. Insgesamt landen damit beim Benzin ca. 58 Prozent der Tankrechnung beim Staat. Mit dem Rest werden die eigentlichen Kosten für das Produkt von der Rohölquelle über den Transport nach Deutschland und die Weiterverarbeitung bis zur Zapfsäule bezahlt. Und natürlich wollen die Mineralölkonzerne einen möglichst hohen Gewinn erzielen.


Wie hängen Benzinpreis und Rohölpreis zusammen?

Neben den Steuern beeinflussen Marktkräfte die Kraftstoffpreise. Das beginnt beim globalen Rohstoffhandel, der sich abhängig von Konjunktur, politischer Lage oder Jahreszeit bewegt. Auch der aktuelle Dollarkurs hat erhebliche Auswirkungen: Öl wird weltweit fast ausschließlich in der US-amerikanischen Währung gehandelt. Steigt also der Dollarkurs im Verhältnis zum Euro, steigen oft auch die Preise an der Zapfsäule.

Gleichzeitig bewegt der Wettbewerb zwischen den Tankstellenbetreiber – in Deutschland etwa Aral, Shell, OMV oder den freien Tankstellen – den Spritpreis. Damit haben auch die Verbraucher einen gewissen Einfluss auf das Preisgefüge: indem sie nämlich stets die günstigste Zapfsäule ansteuern.


Wie entwickeln sich die Spritpreise im Tagesverlauf?

Die Zeiten, in denen die Autofahrer sich darauf verlassen konnten, dass die Kraftstoffpreise nachts am höchsten sind und im Lauf des Tages bis zum Abend kontinuierlich sinken, sind vorbei. ADAC Auswertungen zeigen, dass mehrere unterschiedlich große Preisspitzen den Tagesverlauf kennzeichnen.

Die mit Abstand teuerste Zeit zum Tanken im 24-Stunden-Verlauf ist morgens zwischen 6 und 9 Uhr. Dann übersteigt der Preis je Liter den Tagesdurchschnittswert um bis zu sechs Cent. Basis der Untersuchung waren sämtliche Preisbewegungen der gut 14.000 Tankstellen in Deutschland im Mai 2019.


Wie groß sind die deutschen Benzinvorräte? Wo lagern diese Vorräte?

Seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren muss so viel Rohöl in der Bundesrepublik gelagert werden, wie das Land durchschnittlich in 90 Tagen importiert. Derzeit sind das etwa 21 Mio. Tonnen. Verantwortlich für diese Reserve ist der Erdölbevorratungsverband (EBV). Zu ihm gehören alle Unternehmen, die Rohöl nach Deutschland bringen oder hier verarbeiten. Die Bestände des EBV umfassen neben Rohöl auch Ottokraftstoff, Dieselkraftstoff, leichtes Heizöl und Flugturbinenkraftstoff.

Gelagert werden diese Reserven im ganzen Bundesgebiet. Es gibt fünf Versorgungsregionen, in jeder einzelnen müssen die Bestände für die nächste 15 Tagen reichen. Diese Rohöl- und Kraftstoffvorräte dienen im Grundsatz dazu, die Versorgung in Ausnahme- und Notsituationen sicherzustellen.


Wie hoch sind die Preisunterschiede innerhalb Europas?

Autourlauber sollten sich vor der Fahrt ins Ausland über die Kraftstoffpreise der jeweiligen Urlaubs- oder Transitländer informieren. Die Preisunterschiede für Diesel und Benzin sind mitunter erheblich. Zusätzlich differieren die Preise innerhalb der einzelnen Länder – teilweise sogar deutlich – von Tankstelle zu Tankstelle bzw. Region zu Region. Hier finden Sie aktuelle Informationen zu den Spritpreisen in Europa.


Wie kann ich die Benzinpreise vergleichen und eine günstige Tankstelle finden? 

Unter adac.de/tanken und mit der kostenlosen ADAC Spritpreise-App bietet der ADAC eine Übersicht über die aktuellen Preise für Benzin, Diesel und Erdgas/CNG in Deutschland sowie Informationen rund um den Kraftstoffmarkt. Die Preise für die Kraftstoffsorten Super E10, Super und Diesel werden in Echtzeit von den Tankstellen an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe gemeldet, von dort an den ADAC übermittelt und dann an die Verbraucher weitergegeben. Die Preisinformationen für Erdgas/CNG werden von gibgas.de zur Verfügung gestellt.

 

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de

Text: Online-Redaktion. Foto: iStock.com/South_agency