Rechtsfahrgebot: Regeln und Ausnahmen

17.10.2019

Mobiler Alltag auf deutschen Autobahnen: Während zahlreiche Autos auf der linken Spur um ein schnelles Vorankommen ringen, ist die rechte Spur oftmals verwaist. Dadurch kommt es regelmäßig zu gefährlichen Situationen und Unfällen. Dabei gilt auf Autobahnen ein Rechtsfahrgebot – das jeder Verkehrsteilnehmer kennen und beachten sollte.

Verkehr auf der Autobahn
Das Rechtsfahrgebot wird hier missachtet - die rechte Spur ist kaum befahren, stattdessen nutzen die Autos primär die mittlere und linke Spur.

Rechtsfahrgebot – diese Regeln gelten prinzipiell in Deutschland

Permanentes Fahren auf der mittleren oder linken Spur ist verboten. In Deutschland gilt ein Rechtsfahrgebot, das in § 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO) eindeutig geregelt ist. Dort heißt es in den Absätzen 1 und 2: 

  1. Fahrzeuge müssen die Fahrbahnen benutzen, von zwei Fahrbahnen die rechte. Seitenstreifen sind nicht Bestandteil der Fahrbahn.
  2. Es ist möglichst weit rechts zu fahren, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit.

Auf zweispurigen Autobahnen ist die rechte Spur also immer die erste Wahl. 

Gilt das Rechtsfahrgebot auch auf drei- oder mehrspurigen Autobahnen?

Auf drei- oder mehrspurigen Autobahnen gilt das Rechtsfahrgebot gleichermaßen. Allerdings mit einigen Abweichungen, die wiederum in § 7 der StVO geregelt sind. In Absatz 1 heißt es dort:

  1. Auf Fahrbahnen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung dürfen Kraftfahrzeuge von dem Gebot möglichst weit rechts zu fahren (§ 2 Absatz 2) abweichen, wenn die Verkehrsdichte das rechtfertigt. 

Nach § 7 Abs. 3c StVO darf der mittlere Fahrstreifen durchgängig befahren werden, sobald rechts davon "hin und wieder" ein oder mehrere Fahrzeuge unterwegs sind. Unsere Experten erläutern dazu: "Diese Lockerung des Rechtsfahrgebots soll die Zahl der gefährlichen Spurwechsel und ein Fahren in Schlangenlinien vermeiden." Autofahrer, deren nächster Überholvorgang absehbar ist, müssen nicht zurück auf die ganz rechte Spur fahren. Wenn aber die rechte Spur nach einem Überholvorgang deutlich länger als 20 Sekunden befahren werden kann, muss der Autofahrer dorthin wechseln.

Wer die mittlere Spur zu Unrecht befährt und so andere Autofahrer behindert, kann mit 80 Euro und 1 Punkt in Flensburg bestraft werden.

Wer darf den linken Fahrstreifen auf drei- oder mehrspurigen Autobahnen benutzen?

Lkw mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 t sowie alle Gespanne dürfen den linken Fahrstreifen nicht benutzen. Einzige Ausnahme: Sie ordnen sich dort zum Linksabbiegen ein. Es ist an der Tagesordnung, dass das Nutzungsverbot in der Praxis täglich verletzt wird und nur mangels Kontrollen meist nicht bestraft wird.

Wozu soll das Rechtsfahrgebot beitragen?

Mit dem Rechtsfahrgebot soll eine optimale Nutzung des vorhandenen Verkehrsraums und somit ein möglichst hochgradiges Fließen des Verkehrs erreicht werden. 

Rechts überholen – verboten oder erlaubt?

Aus dem Rechtsfahrgebot ergibt sich, dass Fahrzeuge generell links zu überholen sind. Festgelegt ist dies in der StVO § 5 Abs. 1. Dennoch ereignen sich immer wieder schwere Unfälle, weil Autofahrer rechts überholen. Allerdings kann es auf Autobahnen und autobahnähnlichen Straßen durchaus zu Situationen kommen, in denen ein Auto rechts überholt werden darf.

  1. Ist der Verkehr so dicht, dass sich auf den Fahrstreifen für eine Richtung Fahrzeugschlangen gebildet haben, darf rechts schneller als links gefahren werden (§ 7 Abs. 2 StVO). Voraussetzung ist, dass auf allen Fahrstreifen so dichter Verkehr herrscht, dass nebeneinander gefahren wird. Das ist dann der Fall, wenn der Verkehr mal auf der einen, mal auf der anderen Fahrspur geringfügig schneller ist.
  2. Außerdem dürfen Fahrzeuge dann mit geringfügig höherer Geschwindigkeit und mit äußerster Vorsicht rechts überholt werden, wenn diese auf dem linken Fahrstreifen stehen oder langsam (maximal 60 km/h) fahren (§ 7 Abs. 2 a StVO). Bei stehendem Verkehr dürfen Sie auf dem rechten Fahrstreifen mit einer Geschwindigkeit von maximal 20 km/h überholen. Ist der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen langsam in Bewegung, darf rechts höchstens mit einer Differenzgeschwindigkeit von 20 km/h gefahren werden. Auf der rechten Spur sind somit maximal 80 km/h erlaubt.


Wer außerhalb der gesetzlich verankerten Ausnahmen rechts überholt, riskiert außerhalb geschlossener Ortschaften eine Geldbuße in Höhe von 100 Euro sowie 1 Punkt in Flensburg.

Innerorts rechts überholen

Wenn es für jede Richtung mehrere markierte Fahrstreifen auf der Fahrbahn gibt (§ 7 Abs. 3 StVO), dürfen Sie innerorts - mit Kraftfahrzeugen bis 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht - den Fahrstreifen frei wählen und damit auch rechts überholen. Zudem gilt: Linksabbieger oder Schienenfahrzeuge müssen rechts überholt werden (§ 5 Abs.7 StVO). Nur wer das nicht kann, weil die Schienen zu weit rechts liegen, darf links überholen. Auf Fahrbahnen für eine Richtung dürfen Schienenfahrzeuge auch links überholt werden.

 

Text: Jörg Peter Urbach. Foto: ADAC/Daniel Delang

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