PV-Fassade: Was bringt Photovoltaik an der Fassade eines Hauses?

• Lesezeit: 7 Min.

Von André Gieße

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Solarzellen die an einer Hauswand angebracht sind
Hausfassaden können für die Stromgewinnung mit Solaranlagen genutzt werden© Shutterstock/klikkipetra

Photovoltaik an der Fassade eines Hauses kann eine Alternative zur Solaranlage auf dem Dach sein. Was bei einer PV-Fassade zu beachten ist und wann es sich lohnt, senkrecht zu planen.

  • Solarmodule können vor die Fassade montiert oder integriert werden

  • Wirkungsgrad einer Solarfassade ist geringer als der einer Dachanlage

  • Eine südliche Ausrichtung ist wichtig für den Ertrag von Fassaden-PV

Was ist eine PV‑Fassade?

Solarzellen die in eine Hauswand integriert sind
PV-Module lassen sich auch an einer Hauswand installieren© iStock.com/acilo

Eine Photovoltaik-Anlage lässt sich nicht nur auf einem Dach montieren, sondern auch an der Hausfassade. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, um Sonnenenergie in Solarstrom umzuwandeln: in die Gebäudehülle integrierte PV-Module und auf die Hauswand aufgesetzte PV-Module. Die Arten von PV-Fassaden unterscheiden sich in Bauweise, Wirkungsgrad, Funktion und bei den Kosten. Grundsätzlich sind PV-Fassaden teurer als Dach-PV-Anlagen und bringen oft weniger Ertrag.

Welche Voraussetzungen braucht eine Solarfassade?

Wichtigste Voraussetzung: Die Hauswand, an der die Solarmodule angebracht werden sollen, muss möglichst weit Richtung Süden ausgerichtet sein. Das ist nötig, weil der Einfallswinkel bei einer vertikalen Solaranlage geringer ist als bei einem geneigten Dach. Sie braucht mehr Licht, um genügend Strom zu produzieren. Je weiter die Ausrichtung der Wand von Süden abweicht, desto geringer ist der Einfall der Sonnenstrahlen auf die Wand und umso weniger Energie wird erzeugt.

Vorteile und Nachteile von Fassaden-PV

Praktischer Vorteil: Im Gegensatz zu einer Dachanlage lagern sich Schnee, Laub und Regenwasser nicht auf vertikal angebrachten Solarmodulen ab, sodass eine PV-Reinigung selten notwendig ist.

Fassaden-PV bietet Eigentümerinnen und Eigentümern kleinerer Immobilien wie Reihenhäusern oder Wohnungen außerdem den Vorteil, trotz nicht vorhandener oder ungeeigneter Dachfläche selbst Solarstrom erzeugen zu können. Im Einzelfall ist abzuklären, ob Regelungen zum Beispiel der Gemeinde, der Eigentümergemeinschaft oder des Denkmalschutzes dagegensprechen.

Wesentliche Nachteile: Die Montage der Solarmodule an der Wand ist komplizierter und teurer als bei einer Photovoltaik-Anlage, die auf einem Hausdach angebracht ist. Im Jahresdurchschnitt ist der Stromertrag einer Fassaden-PV-Anlage deutlich geringer als bei einer Aufdach-PV-Anlage, weil sich Ausrichtung und Neigungswinkel schwieriger beeinflussen und optimieren lassen.

Zudem sind die Kosten für Fassaden-PV insgesamt meist höher. Denn die Montage oder bauliche Integration der Photovoltaik-Module in der Hauswand ist komplexer als bei einer Dach-PV-Anlage.

Wie hoch ist der Stromertrag einer PV-Fassade?

Fassaden-PV-Anlagen erzeugen etwa 60 bis 80 Prozent des Ertrags einer optimalen Aufdach-PV-Anlage. Bei Südausrichtung sind es 80 bis 130 Kilowattstunden pro Quadratmeter jährlich. Um ähnliche Stromerträge wie auf dem Hausdach zu erzielen, braucht es an der Hauswand eine viel größere Fläche. Vor der Anschaffung einer Fassaden-PV sollten Sie deshalb checken, ob sich die Anlage lohnt. Hersteller können Ihnen die voraussichtlichen Erträge und Kosten berechnen.

Die beste Wirkung erreicht jede Solaranlage, wenn Sonnenstrahlen im rechten Winkel auf die Module treffen. Im Winter, wenn die Sonne tief steht, erzielt Fassaden-PV daher oft mehr Ertrag als Dach-PV-Anlagen. Doch im Sommer ist der Ertrag niedriger, weil der Einfallswinkel der Sonne zur Hauswand nicht ideal ist. Hinzu kommt das höhere Schattenrisiko durch Bäume oder Gebäude.

Ausrichtung und Neigung der PV-Anlage haben Einfluss auf den Ertrag
Das Modell zeigt, um wie viel Prozent der Stromertrag je nach Ausrichtung der PV-Anlage am Haus und der Neigung der Solarmodule variiert© ADAC e.V.

Wie die PV-Module an der Fassade befestigen?

Solarzellen die im 45 Grad Winkel an einer Hauswand und einem Vordach angebracht sind
Neben der Kaltfassade und der Warmfassade gibt es die Vordachfassade als System zur PV-Montage© Shutterstock/klikkipetra

Bei PV-Montage an der Fassade unterscheidet man zwischen einer Kaltfassade und einer Warmfassade. In Bestandsbauten ist eine Warmfassade teurer als eine Kaltfassade, weil die bestehende Fassade und die Wärmedämmung teils entfernt werden müssen. Bei Neubauten spart man sich hingegen durch Warmfassaden Baumaterial, weil die PV-Module Teile des Putzes und der Dämmung ersetzen.

Kaltfassade (aufgesetzte PV-Fassade)

Bei der Kaltfassade werden PV-Module mit etwas Abstand vor der Hauswand angebracht, sodass dazwischen ein Hinterlüftungsspalt bleibt. Das System wird auch vorgehängte, hinterlüftete PV-Fassade genannt. Die aufgesetzte PV‑Anlage ist damit kein Teil der Gebäudehülle, sondern ein zusätzlich angebrachtes Bauteil.

Das macht diese Variante technisch vergleichsweise einfach, gut nachrüstbar bei Bestandsgebäuden und in der Regel günstiger als integrierte Lösungen. Zusätzlich zum Schienensystem lässt sich die Neigung der Solar-Paneels mit Winkeln und Stützen optimieren.

Warmfassade (gebäudeintegrierte PV-Fassade)

Bei einer Warmfassade sind die PV‑Module direkt in die Gebäudehülle integriert und ersetzen klassische Materialien wie Verkleidungsplatten oder Glas. Die PV-Module erzeugen Strom und schützen das Haus zugleich vor Witterung und Wärmeverlusten.

Das System wirkt architektonisch hochwertig, erfordert aber einen hohen Planungs‑ und Kostenaufwand, da Statik, Bauordnungs‑ und Brandschutzanforderungen stärker berücksichtigt werden müssen. Wirtschaftlich lohnt sich eine Warmfassade vor allem bei Neubauten oder ohnehin geplanten Fassadensanierungen.

Vordachfassade

Darüber hinaus gibt es die Vordachfassade. Bei diesem System für ein schräg nach unten gerichtetes Vordach werden Vordachstützen auf die Fassade geschraubt. Auf die dreieckigen Gestelle kommen Querträgerprofile, auf die die Module montiert werden. Das ermöglicht eine optimale Neigung zur Sonne wie bei Dach-PV-Anlagen.

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    Welche PV-Module für die Fassade kaufen?

    Für PV-Fassaden stehen meist zwei unterschiedliche Technologien von Solarmodulen zur Wahl.

    Kristalline PV-Module

    Kristalline PV-Module lassen sich mit Halterungen an Hausfassaden anbringen. Sie haben einen höheren Wirkungsgrad als Dünnschichtmodule und sind auch für suboptimale Ausrichtungen gut geeignet. Ästhetisch und architektonisch bieten diese Standard-Solarpaneele allerdings wenige Gestaltungsoptionen, und im Vergleich zur anderen Variante der Fassadenmodule sind sie teurer.

    Dünnschichtmodule

    Dünnschichtmodule kommen ebenso mit einer suboptimalen Himmelsausrichtung gut zurecht. Sie sind preiswerter, leichter und flexibler als kristalline Solarzellen, da die Materialien nur auf ein dünnes Trägermaterial aufgedampft werden. Allerdings haben sie einen hohen Flächenbedarf. Sie eignen sich gut für große Fassadenflächen, zum Beispiel als integrierte Gebäudehülle.

    Welche Kosten entstehen bei einer PV-Fassade?

    Aktuell ist bei einer PV-Fassade mit rund 400 bis 800 Euro pro Quadratmeter Fläche bzw. 2000 bis 3000 Euro pro Kilowatt-Peak Leistung zu rechnen – inklusive Montage. Für ein Einfamilienhaus liegen die gesamten Kosten je nach Ausführung meist zwischen 9000 und 18.000 Euro bei an der Wand aufgesetzten PV-Fassaden und zwischen 12.000 und 30.000 Euro bei gebäudeintegrierten Solarfassaden. Damit sind sie teurer als Aufdach-PV-Anlagen.

    Die Kosten hängen von diesen Faktoren ab: Art der Montage, Modulleistung und deren Optik, Gebäudehöhe und Gerüstbau sowie Aufwand für Installation, Statik und Unterkonstruktion.

    Kosten für aufgesetzte PV‑Fassade

    • Kosten pro kWp: ca. 1800–2600 Euro

    • Kosten pro m²: ca. 300–500 Euro

    • Investition Einfamilienhaus (5–8 kWp): ca. 9000–18.000 Euro

    Kosten für gebäudeintegrierte PV‑Fassade

    • Kosten pro kWp: ca. 2000–5000 Euro

    • Kosten pro m²: ca. 500–800 Euro, bei Design‑ oder Glas‑Sonderlösungen bis 1000 Euro

    • Investition Einfamilienhaus (5–8 kWp): ca. 12.000–30.000 Euro

    Welche Regeln gelten für PV-Anlagen an Fassaden?

    PV-Fassaden sind in den meisten deutschen Bundesländern genehmigungsfrei, sofern die Module eng an der Hauswand montiert werden und das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht. Viele Bauordnungen der Länder erlauben die Installation, solange die Solaranlage die baurechtlichen Vorschriften (z.B. Brandschutz, Statik) einhält. Dann ist kein Antrag nötig.

    Wichtige Ausnahmen: Genehmigungspflicht für PV-Fassade

    In folgenden Fällen kann eine Genehmigung oder Prüfung einer PV-Fassade notwendig sein.

    • Denkmalschutz:
      Wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht oder sich in einem denkmalgeschützten Ensemble befindet, ist eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde zwingend erforderlich.

    • Gestaltungssatzungen:
      Kommunen können über örtliche Bauvorschriften das Erscheinungsbild von Fassaden regeln. Eine PV-Anlage darf diesen Satzungen nicht widersprechen.

    • Abstandsflächen:
      In einigen Bundesländern müssen PV-Anlagen an Fassaden bestimmte Brandschutzabstände zu Brandwänden oder Nachbargrenzen einhalten.

    In immer mehr Bundesländern gibt es bei Neubauten und grundlegenden Dachsanierungen eine Solarpflicht. Die Solarpflicht lässt sich oft durch Fassaden-PV erfüllen, etwa in Berlin und Baden-Württemberg. Außerdem muss man jede Photovoltaik-Anlage, die mit dem Stromnetz verbunden ist, vor der Inbetriebnahme bei seinem Netzbetreiber und der Bundesnetzagentur anmelden.

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    Wann lohnt sich Photovoltaik an der Fassade?

    Photovoltaik-Anlagen liefern an Fassaden zwar bis zu 30 Prozent weniger Strom als auf dem Dach. Unter bestimmten Bedingungen kann sich eine PV-Fassade am Eigenheim aber dennoch lohnen.

    PV an der Fassade rechnet sich,

    • wenn keine Möglichkeit für eine Dach-PV-Anlage besteht

    • wenn die Fassaden-PV möglichst weit nach Süden ausgerichtet ist

    • wenn die tragende Hauswand im Sommer und Winter nicht verschattet wird

    • wenn die Fassade ohnehin neu gemacht wird und Module als Baumaterial dienen

    • wenn Berechnungen von Fachleuten ergeben haben, dass die Anlage wirtschaftlich ist.

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