Was ist Fernwärme und wie hoch sind die Kosten?

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Von André Gieße

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Eine Person wärmt ihre Füße an einer Heizung
Wer einen Fernwärmeanschluss hat, muss sich keine Gedanken über eine eigene Heizung im Haus machen© iStock.com/Liudmila Chernetska

Fernwärme aus großen Kraftwerken versorgt in vielen Regionen bis zu Hunderttausende Haushalte. Sie ist bequem und soll künftig in mehr Kommunen verfügbar sein. Doch rechnet sich Fernwärme auch?

  • Haushalte sind mit Fernwärme an einen Energieversorger gebunden

  • Fernwärme nicht automatisch günstiger als andere Heizsysteme

  • Konditionen für Förderung haben sich im Juli 2026 geändert

Was ist Fernwärme?

Fernwärme wird nicht im Heizungskeller eines Wohngebäudes, sondern zentral erzeugt. Sie kann aus Heizkraftwerken, Müllverbrennung, industrieller Abwärme, Geothermie, großen Wärmepumpen, Solarthermie, Biomasse oder anderen erneuerbaren Quellen stammen. Über unterirdische Rohrsysteme gelangt die Fernwärme in die Wohnungen und Häuser eines bestimmten Gebietes.

Über Fernwärmenetze können ganze Städte mit Wärme zum Heizen und Duschen versorgt werden. Angeschlossene Haushalte benötigen keinen Öltank oder Gaskessel. Im Haus wird Fernwärme mit einer Übergabestation nutzbar gemacht, etwa für Heizung und Warmwasser. Immer mehr Menschen nutzen Fernwärme. Der Bund fördert sie, um den Gebäudesektor klimaneutral zu gestalten.

Wie funktioniert Fernwärme für die Heizung?

Fernwärme entsteht oft in bis zu 20 Kilometern entfernten Kraftwerken durch Kraft-Wärme-Kopplung und wird über große Distanzen zur Versorgung an die Haushalte geliefert – vor allem in urbanen Gebieten. Dabei wird sehr heißes Wasser oder Dampf durch ein Netzwerk von isolierten Rohren unterirdisch zu den angeschlossenen Wohngebäuden im Versorgungsgebiet transportiert.

Sobald sie die sogenannte Übergabestation im Gebäudekeller erreicht hat, können Verbraucher die Fernwärme zum Heizen und zur Warmwasserbereitung nutzen. Ein Wärmetauscher überträgt die Wärmeenergie aus dem heißen Wasser an die Raumheizkörper und erwärmt Kaltwasser. Danach fließt das abgekühlte Wasser zurück zu den Kraftwerken, um erneut erhitzt zu werden.

Wie klimafreundlich ist Fernwärme?

Rohrleitung eines Industriewerks
Große Heizkraftwerke können Fernwärme für Hunderttausende Haushalte in einem Versorgungsgebiet erzeugen© Shutterstock/Ronald Rampsch

Derzeit werden nur rund 20 Prozent der Fernwärme in Deutschland aus erneuerbaren Energien gewonnen. Trotzdem gilt sie als klimafreundlich, da sie als Nebenprodukt in großen Kraftwerken oder der Abwärme in Industrieanlagen entsteht. Das Fernwärmenetz wird mit thermischer Energie gespeist, die sonst verloren ginge. Sie fällt etwa bei der Stromerzeugung in Blockheizkraftwerken an, das es auch als Nano- oder Mikro-Versionen für Ein- und Zweifamilienhäuser gibt.

Bisher kommen in den Kraftwerken noch überwiegend fossile Brennstoffe zum Einsatz. Wie die deutsche Energieagentur Dena berichtet, stammt Fernwärme vor allem aus Anlagen, die auf Basis von Kohle (rund 17 Prozent) und Gas (rund 53 Prozent) zugleich elektrische und thermische Energie erzeugen. Ein Teil der Wärme entsteht auch durch Biomasse und die Verbrennung von Abfall.

Mit dem neuen Heizungsgesetz entfällt im Sommer 2026 die bisherige pauschale 65-Prozent-Vorgabe zur Nutzung erneuerbarer Energien bei neuen Heizungen. Das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) soll demnächst durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) abgelöst werden. Fernwärme bleibt dennoch ein zentraler Baustein der Wärmewende: Wärmenetze müssen gemäß Wärmeplanungsgesetz bis spätestens zum Jahr 2045 schrittweise klimaneutral werden.

Was kostet Fernwärme aktuell?

Ein Heizungsthermostat steht auf Stufe 5
Die Kosten für Fernwärme lagen 2023 im Schnitt etwas unter denen für Öl oder Gas, wobei sie stark vom Versorger abhängen© stock.adobe.com/Stockfotos-MG

Die Kosten für Fernwärme unterscheiden sich regional stark. Ein durchschnittlicher Gesamtpreis liegt nach Auswertungen der Verbraucherzentralen bei etwa 17 Cent pro Kilowattstunde. In der Praxis können die Preise deutlich darüber oder darunter liegen. Die Verbraucherzentrale hat bei einer Marktauswertung im April 2025 in gut jedem vierten Wärmenetz allerdings Preise von 20 Cent je kWh und mehr festgestellt. Große Fernwärmenetze waren meist günstiger als kleine.

Fernwärme ist nicht automatisch günstiger als andere Heizsysteme. Laut dem Heizspiegel 2025 lagen die durchschnittlichen Kosten für eine 70-Quadratmeter-Wohnung bei 1245 Euro. Für Erdgas wurden 1180 Euro, für Heizöl 1055 Euro und für eine Wärmepumpe 715 Euro genannt. In einem 130-Quadratmeter-Einfamilienhaus waren die Heizkosten mit durchschnittlich 2005 Euro bei Fernwärme billiger als Gas (2070 Euro) und Öl (2180 Euro), aber teurer als mit Wärmepumpe (1265 Euro).

Anschlussleistung richtig kalkulieren

Die Anschlussleistung bestimmt die maximale Fernwärme, die ein Wohngebäude beziehen kann. Sie richtet sich nach dem Wärmebedarf der Haushalte. Die Anschlussleistung sollte so gewählt sein, dass die eigenen Räumlichkeiten auch am kältesten Tag des Jahres auf bis zu 20 Grad beheizt werden können.

Der Bund der Energieverbraucher rät, die Anschlusswerte richtig zu dimensionieren und gegebenenfalls zu reduzieren, weil viele Haushalte mehr als nötig bezahlen.

Was kostet der Anschluss an die Fernwärme?

Wer sein Wohngebäude auf die Fernwärmeversorgung umstellen möchte, muss Umbauten vornehmen lassen. Zunächst muss die alte Heizungsanlage raus. Um die Fernwärme im Haus nutzen zu können, ist der Einbau einer sogenannten Übergabestation notwendig.

Den Anschluss an ein Fernwärmenetz und die Verteilung der Heizkraft im Wohngebäude übernehmen Fachbetriebe – auch dafür fallen Kosten an. Die Verbraucherzentrale nennt für ein kleineres Haus einmalige Umstellungskosten von rund 8000 bis 15.000 Euro.

Die tatsächlichen Umstellungskosten hängen stark davon ab, ob bereits ein Wärmenetz in der Straße liegt, wie lang die Anschlussleitung ist, wer die Übergabestation bezahlt und wem sie gehört. Das ist auch für die Förderung von Fernwärme wichtig.

Der Anschluss an ein Wärmenetz kann entweder über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze gefördert werden, wenn die Hausübergabestation im Eigentum des Wärmenetzbetreibers steht, oder über die Bundesförderung für effiziente Gebäude, wenn sie dem Gebäudeeigentümer gehört.

Welche Förderung für Fernwärme gibt es 2026?

Ein Fernwärme-Anschluss wird weiterhin über den KfW-Zuschuss 458 im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude gefördert. Privatpersonen können die Förderung für bestehende Wohngebäude beantragen, wenn sie eine effiziente Heizungsanlage einbauen oder einen Anschluss an ein Gebäude- oder Wärmenetz einrichten.

Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Förderbedingungen: Die Grundförderung für den Anschluss an ein Gebäude- oder Wärmenetz beträgt weiterhin 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Für die erste Wohneinheit berücksichtigt die KfW nun maximal 28.000 Euro, für die zweite bis sechste Wohneinheit jeweils 15.000 Euro und ab der siebten Wohneinheit jeweils 8000 Euro.

Für eine erste Wohneinheit sind damit bis zum 31. Januar 2027 bei 30 Prozent Grundförderung maximal 8400 Euro Zuschuss möglich. Mit zusätzlichen Boni kann die Förderung grundsätzlich auf bis zu 70 Prozent steigen. Für bestimmte selbstnutzende Eigentümerinnen und Eigentümer mit niedrigem Einkommen sind sogar bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten möglich, also maximal 22.400 Euro bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten.

Diese Förder-Boni sind beim Fernwärme-Anschluss möglich

Zusätzlich zur Grundförderung können unter bestimmten Voraussetzungen folgende Boni hinzukommen.

  • Klimageschwindigkeitsbonus:

    Selbstnutzende Eigentümerinnen und Eigentümer können zunächst 16 Prozent zusätzlich erhalten, wenn sie eine funktionstüchtige alte Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung ersetzen. Auch der Austausch einer mindestens 20 Jahre alten Gas- oder Biomasseheizung kann begünstigt sein. Der Bonus sinkt halbjährlich um 4 Prozentpunkte und entfällt ab 1. August 2028 vollständig.

  • Einkommensbonus:

    Selbstnutzende Eigentümerinnen und Eigentümer erhalten zusätzlich 40 Prozent bei einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen bis 30.000 Euro, 30 Prozent bei Einkommen über 30.000 bis 40.000 Euro und 10 Prozent bei Einkommen über 40.000 bis 50.000 Euro.

  • Familienzuschlag:

    Lebt mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt, wird das anzusetzende zu versteuernde Haushaltsjahreseinkommen einmalig um 10.000 Euro reduziert. Dadurch kann ein Haushalt in eine günstigere Bonusstufe fallen.

Förderfähige Kosten sinken schrittweise

Die förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit sinken ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich um 750 Euro. Ab dem 1. August 2030 werden für die erste Wohneinheit nur noch 22.000 Euro berücksichtigt. Dadurch sinkt auch der maximal mögliche Zuschuss schrittweise.

Voraussetzungen für Fernwärme-Förderung der KfW

Gefördert wird der Anschluss an ein Gebäudenetz oder Wärmenetz in einem Bestandsgebäude. Bei einem Gebäudenetz muss die Wärmeerzeugung zu mindestens 25 Prozent aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme stammen. Für den Anschluss an ein Wärmenetz gelten die technischen Anforderungen der BEG-EM-Richtlinie.

Zum Förderumfang gehören beim Netzanschluss unter anderem die Wärmeverteilung auf dem Grundstück des angeschlossenen Gebäudes, Steuer-, Mess- und Regelungstechnik, Wärmeübergabestationen und notwendige Umfeldmaßnahmen.

Wichtige Einschränkung bei geplanter Fernwärme

Die neue KfW-Förderrichtlinie enthält außerdem eine wichtige Einschränkung: Ist für ein Grundstück aufgrund einer kommunalen Entscheidung ein Anschluss an ein Wärmenetz vorgesehen, wird grundsätzlich nur der Wärmenetzanschluss gefördert, nicht mehr der Einbau einer eigenen Einzelheizung. Das kann zum Beispiel relevant werden, wenn es eine kommunale Satzung oder einen Anschluss- und Benutzungszwang gibt.

Auch wenn ein Wärmeversorger rechtsverbindlich erklärt, ein Grundstück innerhalb von drei Jahren an sein Wärmenetz anzuschließen, kann die Förderung einer eigenen Einzelheizung ausgeschlossen sein. Diese Regel greift laut der KfW-Förderrichtlnie aber erst, wenn die näheren Anforderungen im Infoblatt zu den förderfähigen Maßnahmen und Leistungen veröffentlicht sind.

KfW bietet Ergänzungskredit zusätzlich zum Zuschuss

Zusätzlich zum schon bewilligten KfW-Zuschuss kann der KfW-Ergänzungskredit 358/359 genutzt werden. Für Wohngebäude sind bis zu 120.000 Euro pro Wohneinheit möglich. Selbstnutzende Eigentümerinnen und Eigentümer mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen bis 90.000 Euro können für die selbstgenutzte Wohneinheit eine Zinsverbilligung erhalten.

Fernwärme-Förderung durch Länder und Stadtwerke

Über die Bundesförderung der KfW bei einem Heizungstausch hinaus fördern mehrere Stadtwerke und einzelne Kommunen den Anschluss an das örtliche Fernwärmenetz mit Zuschüssen von 500 bis 3000 Euro. Es kann sich lohnen, dort nachzufragen.

Wo gibt es Anbieter für Fernwärme?

Zugang zum  Fernwärmenetz
Der Bund möchte, dass klimafreundliche Fernwärme in möglichst vielen Kommunen verfügbar ist© Shutterstock/Finecki

Deutschlandweit gibt es aktuell circa 450 bis 500 eigenständige Fernwärme-Anbieter und rund 3800 Wärmenetze. Viele Wärmenetze werden von Stadtwerken oder regionalen Energieversorgern betrieben. Für Verbraucher ist entscheidend: Da jedes Fernwärmenetz ein lokales Monopol bildet, gibt es pro Region immer nur genau einen festen Vertragspartner. Ein Wechsel des Fernwärme-Anbieters wie beim Strom- oder Gasmarkt ist technisch und rechtlich nicht möglich.

Bis spätestens Mitte 2028 sollen alle rund Kommunen in Deutschland eine Wärmeplanung haben. In Großstädten und Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern musste sie bis zum 30. Juni 2026 vorliegen, Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern folgen bis zum 30. Juni 2028. So sollen Verbraucherinnen und Verbraucher Klarheit darüber zu bekommen, mit welchem Energieträger und welcher Versorgung lokal in Zukunft zu rechnen ist.

Ein Wärmeplan ist zunächst eine strategische Orientierung. Er bedeutet nicht automatisch, dass ein Haus an Fernwärme angeschlossen werden muss oder angeschlossen werden kann. Eine Pflicht zum Anschluss kann nur entstehen, wenn die Kommune zusätzlich eine Fernwärmesatzung mit Anschluss- und Benutzungszwang erlässt. Wer schon eine Wärmepumpe oder eine andere erneuerbare Heizlösung nutzt, muss diese nicht wieder ausbauen.

Auch künftig wird ein Fernwärme-Anschluss nicht überall möglich sein. Denn der Aufbau der notwendigen Infrastruktur ist komplex und aufwendig. Er lohnt sich für die Fernwärmeanbieter nur in dicht besiedelten Gebieten. Schließlich muss es eine Rohrleitung geben. Darüber hinaus müssen geeignete Wärmequellen wie Kraftwerke oder industrielle Abwärme in der Nähe sein.

Vorteile und Nachteile von Fernwärme

Die Vorteile sind:

  • Kein eigener Heizkessel, kein Öltank, kein Brennstofflager nötig

  • Geringer Wartungsaufwand im Gebäude

  • Komfortable Versorgung mit Heizung und Warmwasser

  • Kann klimafreundlich sein, wenn das Netz zunehmend erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme nutzt

  • Wärmenetze müssen bis 2045 klimaneutral werden

  • Anschluss kann über KfW-Förderung unterstützt werden

Die Nachteile sind:

  • In einem Fernwärmenetz gibt es meist nur einen Anbieter; ein Wechsel wie bei Strom oder Gas ist nicht möglich

  • Preise und Preisformeln sind oft schwer zu vergleichen

  • Grundpreis und Anschlussleistung können die Kosten deutlich beeinflussen

  • Fernwärme ist nicht automatisch günstiger als andere Heizsysteme

  • Die Klimabilanz hängt stark vom konkreten Energiemix des Netzes ab

Wann lohnt sich Fernwärme?

Fernwärme lohnt sich vor allem dort, wo bereits ein leistungsfähiges Wärmenetz vorhanden ist oder konkret geplant wird. Besonders geeignet sind dicht bebaute Gebiete, Mehrfamilienhäuser und Gebäude mit höherem Wärmebedarf. In solchen Fällen können die Kosten für eine eigene Heizungsanlage, Lagerflächen, Wartung und Schornsteinfeger entfallen.

Vor der Entscheidung sollten Eigentümer aber einen Vollkostenvergleich machen. Dabei zählen nicht nur die Anschlusskosten, sondern auch Arbeitspreis, Grundpreis, Anschlussleistung, mögliche Preissteigerungen, Fördermittel, Wartungskosten und die Kosten möglicher Alternativen wie Wärmepumpe, Pelletheizung oder Sanierung. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass bei Fernwärme ein reiner Preisvergleich mit Gas oder Öl zu kurz greift, weil Fernwärme bereits als fertiges Produkt „Wärme“ geliefert wird.

Besonders kritisch sollten Eigentümer prüfen, wie transparent der Anbieter Preise, Preisformeln, Energiemix und Netzverluste darstellt. Fernwärmeanbieter müssen nach Angaben der Verbraucherzentrale Netzverluste im Internet leicht zugänglich und verständlich veröffentlichen.