Bidirektionale Wallbox: Welche Modelle es gibt und was sie können

• Lesezeit: 9 Min.

Von Konstantin Grassl, André Gieße

Feedback

Eine Mutter zeigt ihren beiden Kindern wie man ein Ladekabel an einem Elektroauto anschließt
Eine bidirektionale Wallbox ermöglicht es, Strom aus dem E-Auto wieder ins Hausnetz einzuspeisen© imago images/Westend61

Bidirektionales Laden verspricht das E-Auto zum Stromspeicher für das eigene Zuhause zu machen. Doch bislang gibt es nur sehr wenige bidirektionale Wallboxen, und sie sind teuer.

  • Bisher gibt es nur Lösungen einzelner Hersteller, die nicht miteinander kompatibel sind

  • Bidirektionale Wallboxen kosten je nach Technik zwischen 2100 und über 10.000 Euro

  • Als "BiDi-ready" beworbene AC-Wallboxen sind für bidirektionales Laden vorbereitet

Was ist bidirektionales Laden?

Eine Frau drückt die Bedientasten an einer Wallbox
Beim bidirektionalen Laden fungiert das E-Auto als mobiler Stromspeicher© iStock.com/RossHelen

Beim bidirektionalen Laden fließt Strom nicht nur in die Fahrzeugbatterie, sondern auch wieder aus ihr heraus, etwa zurück ins Hausnetz oder ins öffentliche Stromnetz. Das E-Auto wird so zum mobilen Stromspeicher. Beim herkömmlichen Laden ist das nicht möglich, dort fließt der Strom ausschließlich in eine Richtung: vom Netz in die Batterie. Je nachdem wohin der zurückgegebene Strom fließt, unterscheidet man drei Varianten beim bidirektionalen Laden:

  • Vehicle-to-Home (V2H): Der Strom fließt aus der Batterie des E-Autos über eine bidirektionale Wallbox ins eigene Hausnetz. Dort versorgt er Haushaltsgeräte, Wärmepumpe oder Beleuchtung, zum Beispiel abends und nachts, wenn die Photovoltaikanlage (PV-Anlage) keinen Strom mehr liefert.

  • Vehicle-to-Grid (V2G): Der Strom aus der E-Auto-Batterie wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Dafür ist eine Vergütung vorgesehen, allerdings sind die regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland noch nicht abschließend geklärt.

  • Vehicle-to-Load (V2L): Externe Geräte wie Werkzeuge oder Campingausrüstung werden direkt am E-Auto betrieben – ohne Verbindung zum Hausnetz oder Stromnetz (Inselbetrieb). Dafür ist keine bidirektionale Wallbox nötig, sondern lediglich ein Adapter am Fahrzeug.

Für V2H und V2G wird eine bidirektionale Wallbox benötigt. Dabei gibt es zwei technische Ansätze: Eine DC-Wallbox übernimmt die Stromumwandlung zwischen Gleich- und Wechselstrom selbst. Bei einer AC-Wallbox findet die Umwandlung im E-Auto statt – sofern dieses dafür technisch vorbereitet ist und über ein bidirektionales Bordladegerät verfügt.

In Deutschland sind DC-basierte Lösungen in der Pilotphase und in ersten kommerziellen Anwendungen weiter fortgeschritten als AC-basierte Systeme.

Welche bidirektionalen Wallboxen gibt es?

Trotz Ankündigungen verschiedener Hersteller sind bisher nur sehr wenige bidirektionale Wallboxen bestellbar. Neben echten bidirektionalen gibt es auch Wallboxen, die "BiDi-ready" sind.

Diese bidirektionalen Wallboxen sind aktuell erhältlich

ModellTypLeistungPreis (circa)StatusV2H/V2G

BMW Wallbox Professional

DC

11 kW

ab 2095 € (brutto)

Für Privatkunden bestellbar

V2G und V2H

Ambibox ambiCHARGE

DC

11 kW

ab 2995 € (netto)

Bestellbar, Auslieferung unklar

V2G und V2H

EVTEC crema&charge

DC

11 kW

k. A.

Bestellbar (gewerblicher Fokus)

V2H

Die BMW Wallbox Professional ist aktuell die einzige bidirektionale Wallbox, die in Deutschland breit für Privatkunden verfügbar ist. Sie funktioniert bisher nur mit Fahrzeugen der Neuen Klasse von BMW, aktuell dem iX3, künftig auch dem i3. Laut BMW unterstützt sie sowohl V2G (in Kombination mit E.ON-Stromtarif) als auch V2H für die Nutzung des Fahrzeugstroms in Verbindung mit einer eigenen PV-Anlage. Weitere DC-Wallboxen sind von anderen Herstellern angekündigt.

Viele Wallboxen sind "BiDi-ready"

Viele AC-Wallboxen werden als "BiDi-ready" beworben. Hier ist gemeint, dass die Hardware auf bidirektionales Laden vorbereitet sein soll und die Funktion später per Software-Update freigeschaltet werden könnte. Ob BiDi-ready-Wallboxen künftig vollumfänglich nach den neuesten Normen funktionieren, ist noch unklar. Achten Sie beim Kauf darauf, dass so ein Gerät den aktuellen Kommunikationsstandard ISO 15118-20 unterstützt und mit dem Fahrzeugmodell kompatibel ist.

AC- oder DC-Wallbox: Was sind die Unterschiede?
  • DC-Wallboxen: Sie übernehmen die Stromumwandlung selbst und sind unabhängig vom Bordladegerät des E-Fahrzeugs. Nachteil: höhere Anschaffungskosten und ein größeres Gehäuse.

  • AC-Wallboxen: Kompakter und günstiger, setzen aber ein bidirektionales Bordladegerät im Elektrofahrzeug voraus. In Deutschland sind solche Lösungen bisher kaum verfügbar.

Bei der Auswahl spielen neben der Wallbox-Technologie das Zusammenspiel mit dem häuslichen Energiemanagement (HEMS), die Effizienz im Betrieb und zu erwartende Wechselverluste eine Rolle.

Nur mit einzelnen E-Autos kompatibel

Bidirektionale Wallboxen funktionieren bisher nur mit Fahrzeugen einzelner Hersteller oder im Rahmen einer Kooperation. So hat der VW-Konzern beispielsweise gemeinsam mit E3/DC eine Lösung für VW, Škoda, Cupra und Ford entwickelt – obwohl beide Unternehmen nicht zum selben Hersteller oder Ökosystem gehören. Eine herstellerübergreifende Kompatibilität nach einem einheitlichen Standard existiert bislang nicht. Ob die heutigen bidirektionalen Wallboxen in Zukunft auch mit Fahrzeugen anderer Marken funktionieren werden, ist offen.

Bidirektional laden mit Speicher

Neben reinen bidirektionalen Wallboxen gibt es einen zweiten Ansatz: speichergestützte Systeme, die eine DC-Wallbox mit einem stationären Batteriespeicher kombinieren. Diese Lösungen versorgen das Haus auch dann mit Strom, wenn das E-Auto nicht zu Hause steht.

  • E3/DC: Das System funktioniert mit Fahrzeugen des VW-Konzerns (VW, Škoda, Cupra) sowie von Ford. Es handelt sich um eine vollintegrierte Lösung mit vergleichsweise hohen Gesamtkosten.

  • Sigenergy SigenStor: Eine DC-Wallbox mit integriertem Speicher, die mit zahlreichen Fahrzeugmodellen zusammenarbeitet. Die Lösung kann Zeiten ohne E-Auto überbrücken.

Bidirektionale Wallbox: Aktuelle Preise

Eine an der Wand montierte Wallbox
Moderne Wallboxen lassen sich über Apps steuern und ins häusliche Energiemanagement einbinden © iStock.com/ChrisHepburn

Die Preise für bidirektionale Wallboxen starten bei circa 2100 Euro. Wer die bidirektionale Wallbox mit einem Speichersystem kombiniert, muss mit Kosten zwischen 15.000 und 25.000 Euro rechnen.

  • Reine DC-Wallboxen: Die Preisspanne reicht von circa 2100 Euro (BMW Wallbox Professional) bis in den fünfstelligen Bereich (EVTEC). Die BMW-Wallbox ist bislang das einzige Gerät in einem für Privathaushalte interessanten Preisbereich.

  • Installationskosten: Zusätzlich zum Gerätepreis fallen zwischen 500 und 3000 Euro für die Installation an. Zudem ist ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) im Haus für neue Wallboxen Pflicht, da sie seit 2024 als steuerbare Verbrauchseinrichtungen gelten. Der Pflichteinbau eines solchen neuen Stromzählers kostet nichts.

  • Hauselektrik: Ältere Zählerschränke müssen unter Umständen erweitert oder modernisiert werden. Die Kosten dafür betragen je nach Ausgangslage zwischen 500 und 2000 Euro. In Einzelfällen kann es deutlich teurer werden, etwa wenn ein neuer Verteilerkasten erforderlich wird, zum Beispiel für das intelligente Messsystem.

  • Speichergestützte Systeme: Wer E-Auto und Wallbox mit einem Speicher kombinieren will, muss mit Kosten von 15.000 bis 25.000 Euro rechnen (z.B. E3/DC oder Sigenergy) – vergleichbar mit einem vollständigen Solarstromsystem inklusive Speicher.

Kostenvergleich mit herkömmlichen Wallboxen

Herkömmliche Wallboxen mit 11 kW Ladeleistung liegen preislich oft zwischen 400 und 1200 Euro inklusive Installation. Sie kosten also deutlich weniger als bidirektionale Wallboxen.

Welche E-Autos können bidirektional laden?

Die Zahl der Elektroautos, die bidirektionales Laden unterstützen, ist noch gering. Zudem unterscheidet sich die Kompatibilität je nach Wallbox-System erheblich. Entscheidend ist nicht nur, ob ein Fahrzeug technisch bidirektional laden kann, sondern auch, ob der Hersteller dies offiziell freigibt – und mit welcher Wallbox das Fahrzeug zusammenarbeitet.

  • Offizielle Freigabe: Nur wenige Hersteller erlauben bidirektionales Laden ausdrücklich. BMW unterstützt V2G und V2H mit der eigenen Wallbox für Fahrzeuge der Neuen Klasse. Fahrzeuge des VW-Konzerns funktionieren mit dem E3/DC-System. Diese Hersteller haben in den E-Autos Zählsysteme integriert, die die bidirektionale Nutzung im Rahmen der Garantie absichern.

  • Ohne Herstellerfreigabe: Systeme wie Sigenergy arbeiten mit zahlreichen Fahrzeugen zusammen, allerdings ohne offizielle Genehmigung der Autohersteller. Das birgt Garantie-Risiken.

  • Technische Voraussetzung: Für DC-basiertes bidirektionales Laden muss das Fahrzeug über einen CCS-Anschluss und die nötige Software verfügen. Für AC-basiertes bidirektionales Laden ist ein entsprechendes Bordladegerät nötig. Es ist in vielen E-Autos mit V2L-Funktion über den Typ-2-Anschluss vorhanden – doch für V2H oder V2G noch nicht in Serie freigegeben.

Nachteile der bidirektionalen Wallbox

Gegenüber einer herkömmlichen Wallbox bringt eine bidirektionale Wallbox eine Reihe spezifischer Nachteile mit sich. Die wichtigsten sind die geringe Modellauswahl, die fehlende herstellerübergreifende Kompatibilität, die hohen Kosten und Effizienzverluste im Betrieb.

  • Sehr eingeschränkte Modellauswahl: Aktuell ist nur eine bidirektionale Wallbox regulär bestellbar (BMW Wallbox Professional). Die Auswahl ist damit nicht vergleichbar mit dem breiten Angebot herkömmlicher Wallboxen.

  • Kompatibilität nur innerhalb eines Herstellers oder einer Kooperation: Bidi-Wallbox und E-Auto müssen aufeinander abgestimmt sein. Wer das Fahrzeug wechselt, kann die Wallbox unter Umständen nicht weiternutzen.

  • Ungeklärte Technologiefrage: Ob sich langfristig AC- oder DC-Lösungen durchsetzen oder beide parallel existieren, ist offen. Käufer tragen damit ein Technologie-Risiko.

  • Hohe Kosten: Die Anschaffungs- und Installationskosten liegen deutlich über denen herkömmlicher Wallboxen. Bei speichergestützten Systemen können die Gesamtkosten 20.000 Euro und mehr betragen.

  • Garantie-Risiken: Bei Systemen ohne offizielle Herstellerfreigabe droht der Verlust der Fahrzeugbatterie-Garantie. Vor der Nutzung des E-Autos als bidirektionaler Stromspeicher sollten Sie das prüfen. Der VW-Konzern hat das bidirektionale Laden in seinen Fahrzeugen zum Beispiel auf 4000 Stunden und 10.000 Kilowattstunden begrenzt.

  • Eingeschränkte Alltagstauglichkeit: Das E-Auto muss möglichst dauerhaft an der Bidi-Wallbox angeschlossen sein, um als Stromspeicher zu dienen. Wer täglich pendelt, hat weniger Nutzen.

  • Umwandlungsverluste: Beim Rückspeisen von Strom aus der Fahrzeugbatterie ins Hausnetz gehen je nach System zwischen 10 und 20 Prozent der Energie durch die doppelte Umwandlung verloren.

  • Betriebsverluste: Beim Entladen sind im Fahrzeug Steuergeräte aktiv, die ca. 200 bis 300 Watt benötigen. Gerade beim Versorgen des Hausgrundbedarfs in der Nacht liegt die benötigte Leistung oft in der gleichen Größenordnung. Der Wirkungsgrad sinkt dadurch auf ca. 50 Prozent – die Hälfte des Stroms geht also nur für die Aufrechterhaltung der Rückspeisung verloren.

Tipps und Infos rund ums Wohnen und Haus. Kostenlos vom ADAC

Förderung für bidirektionale Wallboxen

Eine bundesweite KfW-Förderung speziell für private Wallboxen in Einfamilienhäusern gibt es seit 2024 nicht mehr. Die aktuelle Bundesregierung hat kein neues Programm geplant, weil dafür im Staatshaushalt kein Geld vorgesehen ist.

Einige Bundesländer und Kommunen bieten jedoch weiterhin Zuschüsse für Wallboxen an. Die Konditionen unterscheiden sich regional stark. Es empfiehlt sich, vor dem Kauf die aktuellen Programme der eigenen Stadt oder Gemeinde zu prüfen.

Wer eine PV-Anlage, einen Speicher und eine Wallbox gemeinsam installiert, kann in einigen Bundesländern von kombinierten Förderprogrammen profitieren.

Lohnt sich eine bidirektionale Wallbox?

Für die meisten Hausbesitzer lohnt sich eine bidirektionale Wallbox derzeit eher nicht. Gründe sind die stark eingeschränkte Modellauswahl, die fehlende herstellerübergreifende Kompatibilität, die hohen Kosten und die ungeklärte Frage, welche Technologie sich langfristig durchsetzen wird. Hinzu kommen Effizienzverluste, die eine wirtschaftliche Nutzung in vielen Fällen erschweren.

Für wen könnte es perspektivisch interessant werden?

  • Hausbesitzer mit PV-Anlage ohne stationären Speicher: Wer eine PV-Anlage hat, aber bisher keinen Stromspeicher nutzt, könnte mit einer bidirektionalen Lösung den Eigenverbrauch erhöhen. Wer bereits einen stationären Speicher hat, dem nützt bidirektionales Laden weniger.

  • Interessenten an V2G mit passendem Stromtarif: V2G-Lösungen bieten in Kombination mit speziellen Stromtarifen perspektivisch die Chance, Geld mit dem bidirektionalen Laden des E-Autos zu verdienen. Vorher sollte man allerdings prüfen, ob sich die Mehrkosten dafür amortisieren und man die Fahrzeugbatterie zusätzlich strapazieren möchte oder ob man nicht doch in einen größeren stationären Speicher investiert.

  • Technologieaffine Frühnutzer: Wer bereit ist, die Mehrkosten und Risiken eines frühen Marktes zu tragen, kann bidirektionales Laden bereits heute nutzen, sollte sich aber der Einschränkungen bei Rentabilität, Modellauswahl und Kompatibilität bewusst sein.

Fazit: Bidirektionales Laden steht in Deutschland am Beginn der Marktreife. Wer heute eine herkömmliche Wallbox kauft, macht nichts falsch. Wer auf bidirektionales Laden setzen möchte, sollte zunächst die Garantiebedingungen des eigenen Fahrzeugherstellers prüfen und dann abwägen, ob ein speichergestütztes System, eine reine V2H-Lösung über das Fahrzeug oder ein V2G-Modell mit speziellem Stromtarif zur persönlichen Situation passt.

Eine Alternative kann ein größerer stationärer Stromspeicher im Haus sein. Moderne Geräte mit 40 bis 50 Kilowattstunden Kapazität sind bereits für einstellige Tausenderbeträge erhältlich, jederzeit verfügbar und schonen die Batterie des E-Autos.

Werbehinweis

Bei Klick auf die mit Einkaufswagensymbol gekennzeichneten Links verlassen Sie den Bereich des ADAC e.V. und gelangen auf kommerzielle Websiten der ADAC SE oder mit dieser verbundener Tochter- und Beteiligungsunternehmen (im Folgenden ADAC SE-Unternehmen genannt).