Motorradfahren mit Brille – so behalten Sie den Durchblick

Ein Paar fährt mit Helm und Brille Motorrad
Problem beim Motorradfahren mit Brille: Den richtigen Helm finden ∙ © iStock.com/stevecoleimages

Brillenträger haben es beim Motorradfahren mit besonderen Herausforderungen zu tun. Helm und Brille müssen aufeinander abgestimmt sein, und die Brille darf nicht beschlagen. Die besten Tipps der ADAC Experten.

73 Prozent der 45- bis 59-Jährigen tragen eine Brille, bei den über 60-Jährigen sind es sogar 91 Prozent. Nachdem fast 60 Prozent der Motorradfahrerinnen und -fahrer in Deutschland älter sind als 40 Jahre, ist eine entsprechend große Zahl von ihnen mit Sehhilfe unterwegs. Und das bringt so seine Tücken mit sich. Das größte Problem für Bikerinnen und Biker mit Brille ist, Helm und Brille zu kombinieren.

Die Probleme für Brillenträger

Besonders das Auf- und Absetzen des Helms führt bei vielen Modellen zu Schwierigkeiten. Bei manchen Helmen lassen sich Teile der Innenausstattung, wie Wangenpolster oder Pads am Oberkopf, auf die individuellen Bedürfnisse anpassen. Ein rutschfester Sitz der Brille ohne Druckstellen ist damit trotzdem nicht garantiert.

Wer ein spezielles Helmmodell für Brillenträger kauft, sollte auf jeden Fall Brille und Helm zusammen ausprobieren. Und zwar nicht nur im Laden, sondern am besten bei einer Probefahrt. Nur so können Sie erkennen, ob die Brille gut sitzt und bei schneller Fahrt an der Fassung keine unangenehmen Luftverwirbelungen entstehen.

Mehrheitlich haben sich Klapphelme für Brillenträger als vorteilhaft erwiesen. Meist kann die Brille beim Aufsetzen des Helms auf Nase und Ohren bleiben, die Bügel müssen nicht eingefädelt werden.

Die perfekte Brillenform

Für Motorrad- und Rollerfahrer eignen sich am besten schmale Fassungsränder mit dünnen, hoch angesetzten Bügeln, die das seitliche Blickfeld frei lassen. Brillen mit weichen, elastischen Bügeln sind für viele Helme nur bedingt geeignet, da sich die Brillenbügel beim Einfädeln zwischen Schläfe und Innenpolster verbiegen.

Wie jede andere Brille muss auch die Motorradfahrerbrille bequem und rutschfest sitzen. Weil ohne größere Kopfbewegung das Geschehen in den Rückspiegeln erfasst werden muss, sind zu kleine Gläser nach Angaben des Kuratoriums Gutes Sehen (KGS) für Motorradfahrer weniger geeignet.

Kunststoffgläser empfohlen

Empfehlenswert sind zudem leichte Kunststoffgläser, die bei Unfällen nicht oder weniger splittern als Glas. Zudem beschlagen Kunststoffgläser bei entsprechender Witterung weniger als Quarzgläser.

Eine echte Investition in Ihre Sicherheit ist eine Entspiegelung der Gläser – diese raten die ADAC Experten dringend an. Sie verhindert – neben einem sauberen und nicht verkratzten Visier – störende Lichtreflexe von der Straßenbeleuchtung oder von entgegenkommenden Fahrzeugen.

Biker-Trick: So pflegen Sie die Brille richtig

Da Kunststoff aufgrund seiner weicheren Oberfläche leichter verkratzt als Glas, sollten Sie die Brille täglich sorgfältig pflegen. Gläser mit einer zusätzlichen schmutz- und wasserabweisenden Beschichtung erleichtern die Pflege. Fehlt diese, ist wie beim Helmvisier der Einsatz eines Antibeschlagmittels sinnvoll.

Der alte Biker-Trick – mit klarem Spülmittel präparieren und nach dem anschließenden Trocknen polieren – ist die kostengünstigste Art der Brillenpflege.

Kontaktlinsen auf dem Motorrad – eine gute Idee?

Kontaktlinsenträger sollten beim Motorradfahren besser zur Brille greifen. Der Helm muss einen Luftstrom hereinlassen, um die Atmung zu ermöglichen und bei heißem Wetter für Belüftung zu sorgen sowie bei kalten Temperaturen ein Beschlagen zu verhindern. Dieser Luftstrom könnte Träger von Linsen stören: Die Augen und die Kontaktlinsen können schnell austrocknen, es kann ein Reibungsgefühl entstehen.

Zum Problem können darüber hinaus Staub, Pollen oder Mücken im Auge werden. Die werden von einer Brille besser abgehalten.

Sonnenblende als Blendschutz

Bei Strecken mit stark unterschiedlicher Sonneneinstrahlung bzw. bei Einfahrten in Tunnel können stark getönte Visiere situativ eine zu geringe Lichtdurchlässigkeit bedingen und somit die Verkehrssicherheit gefährden. Das Gleiche gilt auch für eine Sonnenbrille. Daher ist es ratsam, als Blendschutz die vorhandene Sonnenblende zu verwenden, die sich bei Dunkelheit hochschieben lässt.

Motorradbrille in Sehstärke

Brillenträger mit Vorliebe für Jet- oder Halbschalenhelme waren in der Vergangenheit darauf angewiesen, eine riesige Motorradschutzbrille zu benutzen, in die ihre Sehhilfe passt.

Inzwischen sind optisch und technisch ansprechende Motorradschutzbrillen auf dem Markt, die wie Sport- und Fahrradbrillen einen Clip besitzen, der einen Einsatz eines speziellen Glases mit der Sehstärke des Trägers möglich macht. Solche Motorradbrillen gibt es sogar mit leicht getönten Gläsern, die einfach getauscht werden können.

Egal, welche Brillen Sie auf dem Motorrad oder Roller nutzen: Sie sollten immer eine Ersatzbrille in der entsprechenden Sehstärke dabeihaben. Zu Ihrer eigenen Sicherheit, aber auch aus rechtlichen Gründen. Wer die gesetzlich vorgeschriebene Sehkraft nur mit einer Sehhilfe erreicht, hat erst mit dieser die erforderliche Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen.

Die Fahrerlaubnis wird in solchen Fällen unter der im Feld 12 des Führerscheins verschlüsselt vermerkten Auflage erteilt, dass beim Fahren zwingend eine geeignete Sehhilfe getragen werden muss. Ordnungswidrig handelt jeder, der dieser Auflage zuwiderhandelt. Dies wird mit einem Verwarnungsgeld geahndet, im Falle eines Unfalls kann die Versicherung die Leistungen verringern oder sogar verweigern. Hierbei muss immer der Einzelfall geprüft werden.

Redaktion
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?