Richtig bremsen mit dem Motorrad

Ein Motorradfahrer fährt auf einer Straße durch eine bergige Landschaft
Eines der wichtigsten Fahrmanöver auf dem Bike: richtiges Bremsen ∙ © Shutterstock/Lukas Gojda

Wer Motorrad fährt, muss vor allem richtig bremsen können. Training und technisches Verständnis helfen bei diesem schwierigen Fahrmanöver.

Eine Notbremsung mit dem Motorrad ohne ABS ist immer eine nervenaufreibende Gratwanderung – zwischen möglichst kurzem Bremsweg und nicht blockierendem Vorderrad. Ein ABS hingegen verhindert nicht nur den Stillstand der Räder, es erlaubt auch eine kontrollierte Optimierung des Bremsens. Damit können Sie brenzlige Situationen besser beherrschen. Die ADAC Experten erklären das ABC des richtigen Bremsens.

Bremsen mit dem Motorrad – ohne ABS eine Gratwanderung

Das starke und effektive Abbremsen zur Unfallvermeidung zählt, unabhängig von der individuellen Fahrweise, zu den schwierigsten Fahrmanövern auf dem Motorrad. Unvorhersehbare Ereignisse können jeden Biker in Sekundenbruchteilen zu einer Notbremsung zwingen.

Deswegen gilt: Regelmäßiges, konsequentes Üben hilft Motorradfahrern, in plötzlichen Gefahrensituationen richtig zu bremsen. Diese Übungen sollen natürlich nur auf nicht öffentlichem Gelände durchgeführt werden, idealerweise im Rahmen eines Fahrsicherheitstrainings. Dabei beginnt man mit niedrigen Verzögerungen, die nach und nach gesteigert werden.

Wer seine Bremsfähigkeiten verbessert, wird neben dem Spaß an der professionellen Bedienung des Motorrads ein sicheres und souveränes Fahrgefühl entwickeln.

Bremsen in zwei Schritten

Auch in Paniksituationen sollten Sie den Bremshebel nicht schlagartig ziehen, sondern anfangs vergleichsweise gefühlvoll, aber dennoch zügig betätigen. Andernfalls besteht die Gefahr, das unbelastete Vorderrad zu überbremsen, bevor es überhaupt hohe Bremskräfte übertragen kann.

Erst wenn sich die Bremsbeläge voll angelegt haben, der Druckpunkt am Bremshebel klar zu spüren ist und die erhöhte Vorderradlast den Reifen satt auf den Untergrund drückt, kann der Bremsdruck, der Situation angepasst, schnell gesteigert werden. Die genannten Abläufe und Beobachtungen sollten Sie immer weiter verinnerlichen und schrittweise beschleunigen, sodass das mehrstufige Bremsen zur absoluten Gewohnheit wird.

Dieses Vorgehen gilt auch für Maschinen mit ABS. Allerdings kann der anfängliche Druckanstieg schneller erfolgen als bei Motorrädern ohne ABS.

Ein Motorradfahrer fährt bei Nebel auf einer Straße
Ein Muss für jeden Biker: Bremsen üben ∙ © Shutterstock/Andrey Armyagov

Konzentration auf die Vorderradbremse

Mit steigender Verzögerung, parallel zur Radlastverschiebung nach vorn, gilt es, die Bremskraftverteilung von beiden Bremsen zur Vorderradbremse zu verlagern. Ein blockierendes Hinterrad trägt meist wenig zur Gesamtverzögerung bei, führt andererseits aber zur Instabilität des Motorrads, die kontrolliert werden muss, sowie zu erhöhtem Reifenverschleiß. Deswegen sollten Sie ein Blockieren des Hinterrads möglichst vermeiden, auch wenn die volle Aufmerksamkeit der Vorderradbremse gilt.

Bei Maschinen mit ABS kann die Hinterradbremse durchgängig betätigt werden. Bei einigen Modellen mit Kombibremse wird die Hinterradbremse ohnehin auch über den Vorderradbremshebel angesteuert. Außerdem wird die Hinterrad-Abhebe-Erkennung erst voll wirksam, wenn auch die Hinterradbremse angesteuert wird.

Kupplung ziehen und die Reifenreaktionen beachten

Bei einer Vollbremsung wird selbstverständlich zeitgleich mit der Bremsbetätigung die Kupplung voll gezogen, um das Verzögern des Hinterrads durch das Motorbremsmoment und das Abwürgen des Motors bei niedriger Geschwindigkeit auszuschließen.

Während der eigentlichen Bremsphase mit hohen Verzögerungen können die Reifenreaktionen (wie Profilgeräusche oder Kratzgeräusche auf Schotter) wichtige Informationen über die Haftgrenze geben.

Bereits bei den geringsten Anzeichen eines blockierenden Rades müssen Sie den Bremsdruck reduzieren. Nur auf rutschigem Untergrund sollten Sie die Bremse vollständig öffnen.

Die verheerende Wirkung eines blockierenden Vorderrads besteht nicht nur im meist plötzlichen Zusammenbruch der Seitenführungskräfte am Vorderreifen, sondern auch im schlagartigen Wegfall des stabilisierenden Kreiseleffekts des nicht mehr drehenden Vorderrads.

Die Bremsen von ABS-Maschinen können in dieser Phase geschlossen bleiben, da ja der Reifenschlupf geregelt und eine Blockade der Räder verhindert wird. Trotzdem müssen Sie die Fahrzeugreaktionen beachten.

Überschlag vermeiden – so geht's

Auf trockenem, griffigem Straßenbelag und vor allem bei abschüssigem Straßenverlauf wird meist gegen Ende der Bremsung bei niedrigen Geschwindigkeiten das Hinterrad "sehr leicht" – bis es abhebt. Dies gilt besonders für Motorräder mit hohem Schwerpunkt und langen Federwegen (Enduros, Super-Motos).

Ein Motorradfahrer macht eine Vollbremsung
Unbedingt vermeiden: einen Überschlag beim Bremsen ∙ © mauritius images/fact

In dieser Situation, die oft zu spät erkannt und erspürt wird, sollten Sie den Bremsdruck geringfügig reduzieren. Wegen der meist niedrigen Geschwindigkeit verlängert sich der Bremsweg hierdurch nur wenig. Mit ansteigendem Hinterrad steigt auch der Schwerpunkt des Motorrads, wodurch eine mögliche Überschlagtendenz zusätzlich verstärkt wird. Je früher Sie dem steigenden Hinterrad entgegenwirken, desto unkritischer bleibt die Situation.

Halten Sie Ihren Blick auch wegen der Überschlagtendenz so weit wie möglich nach vorn gerichtet. Damit erkennen Sie die Fahrzeugbewegung früher und können schneller reagieren.

Bei hohen Verzögerungen Überschlag vermeiden

Achten Sie während der gesamten Bremsung auf eine straffe, leicht gespannte Körperhaltung. Diese erleichtert es, die Fahrzeugreaktionen schnell zu erkennen und ohne Verkrampfung gegenzusteuern.

Vermeiden Sie es, mit dem Becken unkontrolliert nach vorn auf den Tank zu rutschen. Diese Bewegung verstärkt die Abhebetendenz des Hinterrads.

Unter Übungsbedingungen sind auf trockener Straße je nach Qualität von Reifen und Straßenbelag Geradeaus-Verzögerungen von 10 m/s² und mehr möglich, im realen Verkehrsgeschehen sind Verzögerungen um 8 bis 9 m/s² als hervorragende Werte zu sehen.

Hinterrad-Abhebe-Verhinderung

Moderne Motorräder mit ABS haben überwiegend eine fein abgestimmte und wirksame Hinterrad-Abhebe-Verhinderung (Rear Wheel Lift Off Protection (RLP)), die über den Hinterradbremsdruck und die Raddrehzahl die Last am Hinterrad erkennen kann. Durch leichtes Absenken der Verzögerung kann das Hinterrad am Boden gehalten werden, wodurch die Bremsdynamik um die Hochachse gezügelt wird. Bei einigen aktuellen Maschinen, vorrangig Supersportler, können Sie das Ansprechverhalten des ABS und die bremsdynamischen Grenzen über einzelne Fahrmodi einstellen.

Achtung: Da nicht alle ABS-Systeme das Abheben des Hinterrads erkennen und entsprechend reagieren, sollten auch ABS-Maschinen besonders bei guten Gripverhältnissen und hohen Verzögerungen mit dem nötigen Respekt gebremst werden.

Beste Übungsmöglichkeit: Sicherheitstraining

Die Komplexität der Zusammenhänge beim Bremsen können Sie am einfachsten im Rahmen eines Sicherheitstrainings auf abgesperrter Strecke erfahren und verstehen. Ziel der Fahrübungen ist es, die Koordination der Wahrnehmungen und des eigenen Handelns so weit zu optimieren, dass ein echtes Sicherheitsgefühl entsteht. Der Fahrer soll erleben, welch hohe Verzögerungen unter optimalen Bedingungen möglich sind. In extremen Verkehrssituationen wird dann das gesamte Potenzial moderner Bremsen optimal ausgeschöpft.

Bremsen in Kurven

Stellen Sie sich beim Anbremsen von Kurven darauf ein, dass die Lenkkräfte bei betätigter Vorderradbremse und zunehmender Schräglage sehr hoch werden können. Deshalb sollten Sie besonders bei unbekannter oder anspruchsvoller Kurvenstrecke starke Bremsungen bis tief in Kurven hinein vermeiden.

Ein Motorradfahrer fährt auf einer kurvigen Strecke
Bei dynamischer Kurvenfahrt: genügend Schräglagenreserven bewahren ∙ © iStock.com/Richard Johnson

Bremsen Sie in Kurven nicht schlagartig mit der Vorderradbremse, da sich das Motorrad heftig aufrichten wird. Die Ausprägung dieses Effekts ist von Motorradtyp, Lenkgeometrie und Reifenkonstruktion abhängig.

Steigern Sie bei unvermeidlichen Bremsungen den Bremsdruck sanft, und fangen Sie den Lenkimpuls durch bewusstes Festhalten des Lenkers oder sogar durch Gegenlenken (entgegen der Kurvenrichtung) ab.

Bewahren Sie auch bei dynamischer Fahrweise genügend Schräglagenreserven, um bei sich zuziehenden Kurven möglichst ohne Bremsung den Kurvenbogen mit etwas mehr Schräglage sauber fahren zu können.

Die Hinterradbremse können Sie bei Kurvenfahrt hervorragend zur Steuerung der Schräglage des Motorrads nutzen. So können mit der Hinterradbremse stressfrei die Schräglage und der Kurvenradius korrigiert werden. Voraussetzung für eine schnelle Reaktion ist dabei, dass der Fuß bremsbereit auf dem Bremshebel liegt. Abhängig von den Eigenschaften der Hinterradbremse dürfen natürlich nur vergleichsweise sanfte Drücke eingesteuert werden. Probieren Sie es aus. Wenn die Schräglagenreserven des Reifens bereits voll ausgenutzt sind, sind die Bremsen tabu.

Um auch in Schräglage das Optimum aus den Gegebenheiten herauszuholen, wurde das Standard-ABS auf Kurventauglichkeit getrimmt.

Weitere Tipps zum Bremsen mit dem Motorrad

  • Auf den ersten Metern jeder Fahrt sollten Sie durch einen kurzen, prüfenden Griff bzw. Tritt die "Tagesform" der Bremsen checken. Dies gilt besonders nach längerer Standzeit der Maschine.

  • Vollbremsungen, besonders aus hohen Geschwindigkeiten, bedeuten Stress und erfordern entschlossenes Handeln. Je routinierter die Abläufe bei starken Bremsungen sitzen, desto eher können Sie einen Unfall vermeiden. Dies gilt ganz besonders für Fahrten mit Beifahrer bzw. Beifahrerin. Sie sollten also auch das Bremsen mit Sozius trainieren, um ihn oder sie mit den einwirkenden Kräften vertraut zu machen.

Ein Motorradfahrer fährt mit einem Beifahrer auf einer Straße
Unbedingt trainieren: das Bremsen mit Beifahrer ∙ © Shutterstock/Jag_cz
  • Im Idealfall erreichen Sie möglichst zügig ein hohes Verzögerungsniveau. Dies verkürzt den Bremsweg am effektivsten. Dabei allerdings die Bremse nicht schlagartig einsetzen.

  • Nehmen Sie vor Vollbremsungen möglichst eine "gesammelte", gerade Sitzhaltung ein. Unterkörper mit den Beinen gut am Tank, Arme mit leichter Beuge auf entspannten Händen abstützen. Während der Bremsung möglichst nicht nach vorn in Richtung Tank rutschen.

  • Achten Sie bei einer Geradeausbremsung darauf, dass auf beide Lenkerenden die gleichen Kräfte wirken. Brems- und Kupplungshebel müssen ohne Einschränkungen zu betätigen sein. Prüfen Sie deshalb besonders Bremshebellage und Griffweite vor Fahrtbeginn und korrigieren Sie diese bei Bedarf. Bei der Bedienung des Bremshebels möglichst den Gasgriff nicht geöffnet "einklemmen", damit der Motor nicht unbelastet hochdreht.

  • Beginnen Sie die Bremsung selbst möglichst mit der Fußbremse. Dadurch überträgt sich der Drehimpuls des Hinterrads auf die gesamte Maschine, das Vorderrad wird schneller belastet, die Vorderradbremse kann schneller voll eingesetzt werden.

  • Der Blick sollte prinzipiell geradeaus und nicht direkt vor das Vorderrad gerichtet sein. Kritische Situationen, die Vollbremsungen erzwingen, können Sie so in vielen Fällen früher erkennen, der verfügbare Verkehrsraum für Unfall verhütende Maßnahmen wird größer. Wenn Ihr Blick oben bleibt, können Sie zudem ein Abheben des Hinterrads schneller erkennen.

Was tun, wenn eine Vollbremsung erzwungen wird?

Überblick bewahren, Fluchtwege ausloten, Straßenbelag prüfen!

Die Bremsbetätigung kann somit an wechselnde Untergründe angepasst werden. Vielfach finden sich neben Verschmutzungen bzw. Asphalt- oder Bitumenflicken auch Straßenbereiche, die ausreichenden Grip für eine starke Bremsung versprechen.

  • Passen Sie bei Gruppenfahrten abhängig von den Geschwindigkeiten die Abstände an. Fahren Sie versetzt, um Situationen möglichst schnell erfassen zu können. Durch zu geringe Abstände in einer Gruppe können schnell sogenannte Bremswellen entstehen. Während der erste Fahrer nur schnell das Gas schließt und damit relativ schwach verzögert, müssen die nachfolgenden Fahrer wegen des kürzer werden Verkehrsraums umso mehr bremsen, je weiter hinten sie in der Gruppe fahren. Der letzte Fahrer kämpft dann oft mit hoher Verzögerung, um nicht auf den Vordermann aufzufahren.

  • Beobachten Sie bei Fahrten in Fahrzeugkolonnen so viel wie möglich den rückwärtigen Verkehr. Gute Motorradbremser überfordern die meisten hinterherfahrenden Autofahrer bei schnellen und gekonnten Bremsungen. Dies gilt besonders bei schneller Fahrt auf der Autobahn, wenn der Abstand des nachfolgenden Fahrzeugs sehr gering ist. Ein schnelles Motorrad verzögert – je nach Motorisierung – allein durch Schließen des Gasgriffs wegen des höheren Luftwiderstands und des niedrigeren Gewichts deutlich stärker als ein Pkw. In dieser Situation wird es für den Fahrer des nachfolgenden Pkw, der kein Bremslicht zu sehen bekommt, schnell sehr eng. Solche Situationen kann der Motorradfahrer entschärfen, indem er möglichst den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug vergrößert und vor dem Schließen der Drosselklappen kurz die Fußbremse antippt, um ein Signal nach hinten zu geben.

  • Kritisch wird eine erzwungene schnelle Bremsbetätigung im direkten Anschluss an eine Beschleunigungsphase, z.B. während des Anfahrvorgangs oder bei Überholmanövern. Durch die Beschleunigung wird das Vorderrad stark entlastet und kann die Bremskräfte nicht oder nur begrenzt übertragen. In solchen Situationen den Fuß auf dem Bremshebel in Bereitschaft bringen, damit die Fußbremse schnell und intensiv betätigt werden kann, die Vorderradbremse möglich erst einsetzen, wenn das Vorderrad wieder satt belastet ist.

Ein Motorradfahrer fährt bei Schnee auf einer Straße
Vor allem zu Beginn eines Regenschauers gilt: vorsichtig fahren und bremsen ∙ © Shutterstock/Erik Tanghe
  • Der verfügbare Grip auf regennassen Straßen ist für jeden Motorradfahrer nur schwer abzuschätzen. Hier hilft nur eines: Fahrgeschwindigkeit reduzieren, Abstände vergrößern, Bremsungen sanfter vornehmen … oder eine Maschine mit ABS fahren! Zur Prüfung der Reibverhältnisse kann eine angepasste Hinterradbremsung dienen. Kritisch sind bekanntlich die Reibwerte bei einsetzendem Regen. Verschmutzungen, die auf trockener Fahrbahn unauffällig sind, können bei wenig Feuchtigkeit bereits rutschig werden. Deswegen besonders zu Beginn eines Regenschauers vorsichtig fahren und bremsen. Nach länger anhaltendem Regen verbessern sich meist die Reibwerte der Straße.

  • Nach längeren Regenfahrten, während denen die Scheibenbremsen nur mäßig genutzt wurden, kann die Bremswirkung trotz trockener Scheiben schlechter sein, als es vor der Regenfahrt war. Die Bremse fühlt sich dann etwas stumpf an. Erst nach einzelnen stärkeren Bremsungen regeneriert sich die Bremse wieder. Die Erfahrung, dass eine Bremse mit intensiverer Benutzung wirksamer wird und meist besser anspricht, kann jeder Fahrer oder jede Fahrerin nach zügigen Rennstreckenrunden mit häufigen starken Bremsungen machen.

  • ABS-Maschinen werden grundsätzlich wie Motorräder ohne ABS gebremst, also in mindestens zwei Schritten. Der einzige Unterschied bei Geradeaus-Bremsungen: Nach dem Anlegen der Bremsbeläge kann der Bremsdruck zügiger und stärker erhöht werden als bei Motorrädern ohne ABS. Bei Geradeaus-Notbremsungen sollte in den ABS-Regelbereich hineingebremst werden. Trotzdem gilt: kein Klammergriff am Vorderradbremshebel. Gegen Ende der Bremsung auf das Heck des Motorrads achten: ein Ansteigen möglichst früh durch leichtes Reduzieren des Bremsdrucks abfangen. Die Möglichkeiten des ABS sind die besten Voraussetzungen, um Geradeaus-Bremsungen auf hohem Niveau zu üben, natürlich nur auf nicht öffentlichen Strecken.

  • Jede Bremsung dient auch als Funktionsprüfung der Bremsanlage. Sollte sich die Bremse bei einer starken Bremsung ungewohnt verhalten haben, einen Check der Anlage durchführen. Dabei kann die Umrüstung auf Stahlflex-Leitungen wirtschaftlich und technisch am sinnvollsten sein. Auch kleine Abweichungen vom Idealzustand ernst nehmen und gegebenenfalls Wartungsarbeiten vornehmen lassen.

Bremsen am Motorrad richtig pflegen

Damit Sie in einer Notbremssituation das Maximum herausholen können, müssen die Bremsen natürlich technisch in Ordnung sein.

Pflegen Sie die Bremsen Ihres Motorrads sorgfältig und regelmäßig ∙ © ADAC

Bremsen reinigen

Reinigen Sie z.B. vor einer Radmontage, bei der die Bremszangen auf die Scheiben aufgeschoben werden, die Bremsscheiben mit einem geeigneten Bremsenreiniger. Besonders beim Aufziehen der Reifen kann Montagepaste auf die Scheiben gelangt sein. Beide Seiten der Bremsscheiben sollten auch im Rahmen der Fahrzeugwäsche regelmäßig mit Bremsenreiniger abgewischt werden. Beachten Sie dabei die spezifischen Eigenschaften des Reinigers (Produkthinweise auf der Spraydose).

Bremsflüssigkeit

Prüfen Sie regelmäßig den Stand der Bremsflüssigkeit in den Ausgleichsbehältern. Ein Absinken des Flüssigkeitsstands ist meist ein deutlicher Hinweis auf fortgeschrittenen Verschleiß der Bremsbeläge. Beachten Sie hierzu auch die Hinweise in der Bedienungsanleitung. Verwenden Sie zum Nachfüllen ausschließlich Bremsflüssigkeit mit der vom Hersteller vorgeschriebenen Spezifikation. Mischen Sie keine unterschiedlichen Bremsflüssigkeitsarten!

Bremsflüssigkeit nimmt im Lauf der Alterung Feuchtigkeit auf und muss deshalb regelmäßig alle zwei Jahre gewechselt werden. Diese Alterung, die im Extremfall zu Blasenbildung führen kann, macht sich vielfach auch durch eine Verfärbung der Flüssigkeit und einen schwammigeren Druckpunkt bemerkbar. Auch wenn Luft in das eigentlich geschlossene Hydrauliksystem der Bremse gelangt ist, geht der deutliche Druckpunkt bei der Hebelbetätigung verloren. Der Hebel kann dann mit wenig Kraft relativ weit, in extremen Fällen bis zum Anschlag durchgezogen werden. Da die Alterung und die damit verbundenen Änderungen am Bremshebel sukzessive erfolgen, werden sie von vielen Fahrern nur undeutlich wahrgenommen. Den Wechsel der Bremsflüssigkeit sollten Sie in einer Fachwerkstatt vornehmen lassen. Herstellerhinweise in der Bedienungsanleitung sind unbedingt zu beachten.

Wenn trotz erneuerter Bremsflüssigkeit der Druckpunkt schwammig ist, kann dies auch an gealterten Bremsschläuchen liegen. Deshalb sollten Sie auch diese regelmäßig einer Sichtprüfung unterziehen und auf Risse, Blasen oder sonstige Beschädigungen achten. In den Herstellervorgaben ist oft auch ein Zeitraum für den Wechsel der Bremsschläuche vorgegeben. Ob diese Vorgaben strikt einzuhalten sind, sollten Sie im Zweifel mit einer Fachwerkstatt nach Sichtprüfung der Bremsleitungen klären. Bei einem Austausch der serienmäßigen Bremsschläuche sollte gegebenenfalls auf Stahlflex-Leitungen umgerüstet werden. Für viele Motorradmodelle werden sie als fertiges Leitungsset angeboten.

Bremsbeläge

Prüfen Sie regelmäßig den Verschleißzustand der Bremsbeläge. Auch hierfür eignet sich z.B. die Radmontage im Zusammenhang mit Reifenwechseln. Die Beläge sind vor dem Aufsetzen der Zangen auf die Scheiben gut sichtbar. Bis zu welchen Verschleißmarkierungen der Belag genutzt werden darf, ist in der Bedienungsanleitung Ihrer Maschine beschrieben. Bei Bremsbelägen sollten Sie nicht sparen.

Vergleichen Sie auch den Verschleiß der Beläge einer Bremszange und – wenn vorhanden – zwischen den Belägen der beiden Zangen am Vorderrad. Ungleichmäßiger Verschleiß ist ein Hinweis auf Funktionseinschränkungen der Bremszangen oder -sättel, selbst wenn diese im Fahrbetrieb nicht deutlich werden. Zu prüfen ist, ob alle Bremskolben oder die Zange der Schwimmsattelbremse frei beweglich sind. Beim geringsten Zweifel an der vollen Funktion der Bremse sollten Sie die Maschine zu einer Fachwerkstatt bringen, um den Mangel beseitigen zu lassen.

Bremsscheibe

Prüfen Sie den Verschleißzustand der Bremsscheibe. Starke Riefenbildung und Einlaufkanten an den Scheibenrändern deuten auf fortgeschrittene Abnutzung hin. Auf den Bremsscheiben ist auch das Mindestmaß für die Stärke der Scheibe eingestanzt. Dieses Maß darf nicht unterschritten werden und wird im Zweifelsfall im Rahmen der Hauptuntersuchung gemessen. Ersatzbremsscheiben sind im Vergleich zu Pkw-Bremsscheiben relativ teuer. Für gängige Motorradmodelle werden auch im freien Zubehör zugelassene Bremsscheiben angeboten, die teilweise deutlich günstiger sind als die Originalersatzteile.

Eine Gruppe Motorradfahrer fährt auf einer Straße
Üben unter fachkundiger Anleitung: Fahrsicherheitstraining ∙ © ADAC/Stefanie Aumiller

Weitere Tipps

Prüfen Sie entsprechend der Herstellervorgaben die Spiele an den Bremshebeln. Stellen Sie, wenn möglich, die Position und die Griffweite der Bremshebel auf Ihre Bedürfnisse ein. Schmieren Sie die Gelenke der Bremshebel mit geeignetem Fett.

Prüfen Sie die Funktion und gegebenenfalls die Einstellung der Bremslichtschalter.
Testen Sie zu Beginn jeder Fahrt beide Bremsen bzw. deren Wirkung kurz, um die einwandfreie Funktion zu gewährleisten. Intakte Bremsen erhalten und verbessern durch regelmäßige Nutzung ihre Eigenschaften. Hier spielen ausreichend hohe Temperaturen und Reinigungseffekte eine Rolle.

Für Bremsen gilt der Grundsatz: Bei häufiger Nutzung bleibt der Reibwert zwischen Scheibe und Belag und damit auch die Bremsleistung auf hohem Niveau.

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