Triumph Bonneville Bobber: Testfahrt, Daten, Preis

Retrolook: Vollendetes 40er-Jahre-Design
Retrolook: Vollendetes 40er-Jahre-Design© Triumph

Die Triumph Bonneville Bobber bietet astreinen Retro-Charme der 40er-Jahre, viel Drehmoment und einen 2021 optimierten Motor. Hier lesen Sie den Fahrbericht aus der Zeitschrift Motorrad Heft 1/2017. Die technischen Daten und Preise sind vom September 2022.

Wenn es darum geht, Motorräder zu bauen, die superklassisch rüberkommen, sich aber in puncto Fahrdynamik voll auf der Höhe der Zeit befinden, macht Triumph kaum jemandem etwas vor. Mit der Bonneville-Familie haben sie sich in Hinckley selbst übertroffen. Schmales 19-Zoll-Vorderrad, dicker 16-Zöller hinten, dazu das Chassis, das dank geschickt verstecktem Federbein mit bester Starrrahmen-Optik aufwartet. Nicht nur der bildhübsche Tacho ist in der Neigung einstellbar. Der Sattel, der mit seiner gebürsteten Aluminium-Grundplatte einen Federsattel imitiert, lässt sich horizontal um 30 Millimeter verschieben.

Ein weiterer Clou wird erst auf den zweiten Blick offenbar: Die Bobber wirkt unglaublich aufgeräumt und aufs Wesentliche reduziert. Keine Kabel, Leitungen oder Stecker stören das Bild. Das ABS-Steuergerät sucht man vergebens. Und Ausgleichsbehälter oder hinterer Bremsflüssigkeitsbehälter verbergen sich hinter einer Alu-Abdeckung zwischen Schwingenlager und Motor. Erst dadurch wirkt die Illusion eines Oldies. Um diese so perfekt wie möglich zu machen, haben die Briten kein Detail ausgelassen. Vom metallenen Halteband um den Batteriekasten über die Hinterradnabe in Trommelbremsenform bis zum Rundinstrument wirkt alles wie aus einer vergangenen, glanzvollen Ära.

Elektronik: ABS und Traktionskontrolle

Mit der Triumph Bonneville Bobber kann man entspannt gleiten © Triumph

Ganz ohne Elektronik kommt zwar auch die Bobber nicht aus, doch beschränkt sich die mit ABS, zwei Motormappings und einer abschaltbaren Traktionskontrolle aufs Nötigste.
Ein neuer Auspuff mit kurzen, angeschrägten Endtöpfen, eine nun zweiteilige Airbox und dazu ein angepasstes Mapping, so haben sie in Hinckley dem Twin die Drehzahlmitte gestärkt. Das Ergebnis: Seine 106 Nm sollen bei 4000/min zur Verfügung stehen. Wenn das keine guten Aussichten auf entspanntes Gleiten sind.

Ganz so prickelnd sind die Aussichten außerhalb unseres Hotels leider nicht. Bei acht Grad warten säuberlich aufgereiht ein, zwei Dutzend Bobber im Dauerregen auf eine Tour ins Hinterland von Madrid. Weshalb die Fotos zu dieser Geschichte auch unsere Kollegen der spanischen Schwesterzeitschrift Motociclismo beisteuern. Gracias Colegas. Aber was soll's. Rein in den Sattel und los.

Die Startprozedur beginnt mit einer artigen Verbeugung, denn das Zündschloss ist stilecht unterhalb des rechten Oberschenkels angebracht. Ebenfalls eine Verbeugung vor den klassischen Vorbildern. Dann Druck auf den Anlasser, und der Twin brabbelt aufgekratzt und überraschend vollmundig aus den gebürsteten Auspufftöpfen drauflos.
Die Sitzposition ist Roadster-typisch, vorne angebrachte Rasten, flache Lenkstange. Und mit dem Sattel in der vordersten Position passt das zumindest für kleinere Fahrer ganz ordentlich.

Fahreigenschaften: Dynamisch durch die Kurven

Die Stärke der Triumph liegt in der ersten Drehzahlhälfte © Triumph

Je weiter wir uns ins Hinterland vortasten, desto mehr schwindet die Hoffnung auf trockene Straßen, Petrus hat offenbar einen miesen Tag erwischt. Dass die Ausfahrt trotzdem nicht in einen Eiertanz ausartet, ist den eigens für die Bobber entwickelten Avon Cobra-Gummis in MT 90 B16 und 150/80 R 16 zu verdanken, die mit richtig gutem Nassgrip aufwarten. So kann man flott über die nassen, kurvigen Sträßchen schwingen. Und die optionalen Heizgriffe sorgen obendrein für warme Finger.

Die Bonneville Bobber weist jetzt den drehmomentstarken Twin gleicher Leistung und Größe aus der Bonneville Speedmaster auf, der die Abgasnorm Euro 5 erfüllt. Er soll ein besseres Ansprechverhalten mit reduzierter Schwungmasse bieten.

Die Bobber stürzt sich nicht gierig von einer Kurve in die nächste. Verlangt ein wenig Druck am Lenker und lenkt dann eher besonnen denn zackig ein. In fein geschwungenen Bögen von Kurve zu Kurve zu segeln, ist ihr Ding, nicht hektische Kurvenräuberei. Immerhin wollen laut Triumph 251 Kilo Trockengewicht bewegt werden. Einmal in Schräglage, zieht sie aber sauber ihren Kurs.

Die fein abgestimmte Telegabel arbeitet im besten Sinne unauffällig, das eher weich abgestimmte Federbein filtert kleine Unebenheiten und lange Wellen ordentlich heraus. Kurze, harte Kanten und Querfugen gibt es aber dezent an den Fahrer weiter. Trotz Umlenkung muss es sich wie die Gabel mit knappen 90 Millimetern Federweg bescheiden.

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78-PS-Motor und zwei Design-Pakete 

Wer möchte, kann aus über 150 Zubehörteilen wählen © Triumph

Was wirklich im Fahrwerk steckt, muss sich aber erst bei einem Test auf trockener Fahrbahn zeigen. Eher blass wirkt die vordere Einscheiben-Bremse. Stumpf im Ansprechen, verlangt sie zumindest im Nassen nach ordentlichem Zupacken. Ein Satz schärferer Bremsbeläge dürfte dem aber auf die Sprünge helfen. Weil die Avon-Pneus aber wie gesagt im Nassen eine Bank sind und einen recht flotten Strich erlauben, bekommt der High Torque-Twin nun dennoch immer öfter die Sporen. Er goutiert das mit wunderbar kernigem, nie aufdringlich lautem Roadster-Röhren.

Technische Daten Triumph Bonneville Bobber



Motor

Flüssigkeitsgekühlter 8V-Zweizylinder-SOHC-Reihenmotor, 270° Hubzapfenversatz, Hubraum 1200 cm³, Bohrung 97.6 mm, Hub 80 mm, Verdichtungsverhältnis 10.0:1, Nennleistung 78 PS (57,5 kW) bei 6100 U/min, max. Drehmoment 106 Nm bei 4000 U/min, Nennleistung 57,0 kW (77 PS) bei 6100/min , max. Drehmoment 106 Nm bei 4000/min

Fahrwerk

Stahlrohr-Schleifenrahmen, Hinterradschwinge: Stahlrohr-Zweiarmschwinge,

Vorderrad: Speichenrad, 32-Speichen, 16 x 2,5 Zoll

Hinterrad: Speichenrad, 32-Speichen, 16 x 3,5 Zoll

Vorderreifen: MT 90 B16

Hinterreifen: 150/80 R16

Aufhängung v. 47 mm Showa Cartridge-Gabel

Aufhängung h. Zentralfederbein mit Umlenkung

Vorderbremse: 310 mm Doppel-Bremsscheibe, Brembo Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS

Hinterradbremse: 255 mm Einzelscheibe, Nissin Einzelkolben-Schwimmsattel, ABS

Maße & Gewicht

Radstand 1500 mm, Lenkkopfwinkel 25,4 Grad, Nachlauf 92 mm, Sitzhöhe 690 mm, Trockengewicht 251 kg, Tankinhalt 12 Liter

Preis

ab 14.395 Euro


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Dennoch dürften die Zeichen auf Erfolg für die in Thailand gebaute Bobber stehen. Nicht nur wegen der 16.000er-Wartungsintervalle. Mit einem Einstandspreis von 14.395 Euro, dieser genialen Mischung aus Optik, Sound und Veredelungsmöglichkeiten könnte es so manchem Sparstrumpf an den Kragen gehen. Zwei Inspiration-Kits hält Triumph bereit. Den "Old School Bobber"-Kit mit Ape Hanger, Vance & Hines-Auspuffen und passenden Accessoires sowie den "Quarter Mile Bobber"-Kit mit Stummellenkern, mattschwarzen Vance & Hines-Tüten und entsprechenden Anbauteilen. Und wem das noch nicht individuell genug ist, der kann aus über 150 Zubehörteilen seinen ganz persönlichen Bobber zusammenstellen.