Gebrauchtes Fahrrad kaufen: Darauf müssen Sie achten

Vor dem Kauf eines gebrauchten Fahrrads unbedingt eine Probefahrt machen
Vor dem Kauf eines gebrauchten Fahrrads unbedingt eine Probefahrt machen© Shutterstock/industryviews

Beim Kauf eines Gebrauchtrads für Kinder oder Erwachsene lässt sich viel Geld sparen. Wo Sie besonders günstig kaufen, wie Sie Mängel erkennen und sich vor Betrügern schützen.

  • Wo man Gebrauchträder findet

  • Checkliste: Ist der Zustand okay?

  • Kinderfahrrad: Das ist zu beachten

  • So erkennt man gestohlene Fahrräder

Ein gebrauchtes Fahrrad ist meist um ein Vielfaches günstiger als ein neues Modell. Aber nicht immer handelt es sich wirklich um ein Schnäppchen oder werden die Mängel auf den ersten Blick sichtbar. Nach der gründlichen Begutachtung des Fahrrads darf die ausgedehnte Probefahrt natürlich nicht fehlen. Aber Vorsicht: Ist das Angebot zu verlockend, liegt der Verdacht nahe, dass es sich möglicherweise um Diebesgut handeln könnte. Jährlich werden rund 30.000 Fahrräder allein in Deutschland gestohlen.

Wo kauft man gebrauchte Fahrräder?

Gebrauchträder werden vom Händler aufbereitet © istock.com/Ferran Traite

Gebrauchte Fahrräder kann man beim Fachhändler, online oder privat erwerben. Meist etwas teurer, aber in der Regel seriös sind die Händler. Viele der großen Fahrradmärkte haben inzwischen Secondhand-Abteilungen. Der Vorteil beim Händler: Hier werden die Räder noch einmal vom Fachmann überprüft, bevor sie angeboten werden, fehlendes Zubehör kann man gleich mitkaufen. Ein weiterer Vorteil: Man bekommt meistens eine professionelle Beratung kostenlos dazu. Zudem kann man mehrere Modelle testen.

Kleinanzeigen in Zeitungen, Fachzeitschriften oder im Internet sind eine weitere Möglichkeit, sich über das Angebot zu informieren. Auch bei Online- oder Live-Auktionen – z.B. von der Polizei, der Stadt oder bei Ebay – kann man fündig werden. Aber: In diesen Fällen ist es schwierig, eine ausgiebige Probefahrt zu machen. Dasselbe gilt meist auch für den Kauf eines Rads auf Flohmärkten.

Ist der Verkäufer vertrauenswürdig?

Bevor man sich ein gebrauchtes Fahrrad kauft, nimmt man zunächst – wenn möglich – den Vorbesitzer und das Fahrrad in Augenschein. Ist es gründlich geputzt oder nur halbherzig gesäubert? Die Antwort auf diese Frage gibt schon einen ersten Hinweis, wie gut der Besitzer sein Rad gepflegt hat. Ein vertrauenswürdiger Anbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel. Einen ersten Eindruck bekommt man, wenn folgende Fragen geklärt sind:

  • Wie alt ist das Rad?

  • Wie viele Kilometer wurde es gefahren?

  • Wie oft wurde ein Service gemacht?

  • Welche Teile sind erneuert, welche seit Anbeginn unverändert?

  • Ist das Rad im Freien oder wettergeschützt aufbewahrt worden?

Erfragen Sie auch die Anzahl der Vorbesitzer und das Kaufdatum. Das Vorhandensein einer Kaufrechnung ist sehr hilfreich, um Kaufdatum und Anzahl der Halter abzugleichen (falls die Adresse des Käufers auf der Rechnung steht).

Ist das Fahrrad okay? Die Checkliste

Wenn Sie diese Punkte bei der Besichtigung beachten, können Sie den technischen Zustand des Fahrrads besser beurteilen:

  • Laufen Vorderrad und Hinterrad in einer Linie?

  • Halten und funktionieren die Bremsen?

  • Fühlt sich das Fahrrad sicher an?

  • Dreht sich das Tretlager ohne Reibungsverluste?

  • Lässt sich das Rad locker schieben, oder schleift etwas?

  • Ist es verrostet oder stark verkratzt?

  • Sind die Bremsbeläge noch ausreichend vorhanden?

  • Sind Ritzel und Reifen schon verschlissen?

  • Wie sieht der Rahmen aus? Haben die Schweißnähte kleine Risse?

So klappt die Probefahrt

Bei der Probefahrt sollten Sie auf jeden Fall die Bremsen und die Schaltung ausgiebig testen. Prüfen Sie, ob Sie alle Gänge sauber einlegen können und nichts hakt. Wie ist die Federung? Funktioniert das Licht vorn und hinten? Ist das Fahrrad verkehrssicher?

Das verkehrssichere Fahrrad © ADAC e.V.

Gebrauchtes Kinderfahrrad: Das ist zu beachten

Fahrräder für Kinder werden besonders häufig gebraucht verkauft, weil sie den Kindern irgendwann zu klein werden. Der Markt für Gebrauchte ist deshalb etwas unübersichtlicher – und es gibt einige Besonderheiten.

  • Gesamtzustand des Fahrrads: Achten Sie besonders auf Kratzer und Rost. Die geben erste Hinweise darauf, ob sich das Rad einen rauen Umgang gefallen lassen musste oder pfleglich behandelt wurde.

    Die Auswahl an Kinderfahrrädern ist groß © ADAC/Ralph Wagner
  • Die richtige Größe: Nehmen Sie Ihr Kind zum Fahrradkauf mit. Die richtige Größe lässt Ihr Kind bequem sitzen. Kommt das Kind im Stand auch gut auf den Boden, erreicht es richtig die Pedale und den Lenker? Zu den Einstellungen für Bremshebel und Erreichbarkeit der Klingel kann ggf. der Fachhändler Hilfestellung geben. Das Kind sollte auch keine Probleme haben, das Rad wieder aufzurichten, wenn dieses am Boden liegt. Tipp: Je leichter das Fahrrad ist, umso besser kommt das Kind damit zurecht.

  • Die gute Beleuchtung: Sehen heißt, gesehen werden. Seit Einzug der LED-Beleuchtung sollte das Fahrradlicht eine gute Ausleuchtung bieten. Die Qualität und die korrekte Einstellung lassen dennoch oft Verbesserungspotenzial zu und sollten im Dunkeln überprüft werden, zumal die Kabel leicht beschädigt werden können. Auf der sicheren Seite ist man hier auf jeden Fall mit einem Nabendynamo, ein Akku- oder ein batteriebetriebenes System muss regelmäßig ausgetauscht bzw. aufgeladen werden. Tipp: Ein sehr hilfreiches Feature ist das Standlicht. Hier können auch Kinder im Stand, z.B. an einer Ampel, leichter erkannt werden.

  • Die passende Gangschaltung: Um das Fahrverhalten von Kindern abzudecken, reicht eine Dreigang-Nabenschaltung. Alles über drei Gänge überfordert die Kinder, bzw. es werden mehr Gänge oftmals nicht genutzt. Tipp: Nabenschaltungen sind nahezu wartungsfrei und lassen sich leicht bedienen.

Gestohlene Räder erkennen

Wer ein gebrauchtes Rad kauft, bei dem sich später herausstellt, dass es gestohlen ist, hat ein Problem. Denn nach deutschem Recht ist es nicht möglich, das Eigentum an einem gestohlenen Objekt zu erwerben. Eigentümer bleibt in solch einem Fall weiterhin der Bestohlene. Wenn sich also der Eigentümer meldet, muss der Käufer das Rad zurückgeben. Er müsste sich dann an den Verkäufer wenden und den Kaufpreis zurückverlangen.

Umso wichtiger ist es, bei Bedarf jederzeit den Verkäufer kontaktieren zu können und Fahrräder nicht anonym zu kaufen. Viele gestohlene Fahrräder sind in der sogenannten INPOL-Sachfahndungsdatei per Rahmennummer registriert. Die Polizei kann über diese Datei Rahmennummern abgleichen und Eigentümer zuordnen.

Darauf sollten Sie beim Kaufvertrag achten

Auch wenn es sich um ein gebrauchtes Fahrrad handelt, sollten Sie auf einen schriftlichen Kaufvertrag bestehen, um spätere Komplikationen zu vermeiden. Unsere Empfehlungen:

  • Lassen Sie sich alle vorhandenen Originalunterlagen zum Fahrrad aushändigen, egal ob Dokumente über den Erstkauf oder Reparaturrechnungen. Denn so ergibt sich eine nachvollziehbare Vergangenheit, die im Zweifel als Nachweis dient, dass das Rad nicht gestohlen wurde.

  • Im Vertrag sollten die Rahmennummer, der Name des Verkäufers und am besten noch dessen Ausweisnummer dokumentiert sein. Die Rahmennummer ist eingraviert und findet sich meist unter dem Tretlager oder am Sattelrohr.

  • Bestehen Sie auf die Vorlage eines Ausweises und übernehmen Sie die Daten in den Kaufvertrag. Noch besser wäre es, eine Ausweiskopie zu verlangen – vorausgesetzt der Verkäufer ist dazu bereit. So kann man bei Schwierigkeiten leichter an den Vertragspartner herantreten.

  • Eine ausführliche Beschreibung des Fahrrads im Kaufvertrag kann dabei helfen, spätere Mängel nachzuvollziehen.

  • Sachmängelhaftung: Private Käufer und Verkäufer sollten sich zu diesem Thema ausdrücklich einigen. Verwenden Sie daher einen ADAC Musterkaufvertrag, denn dieser enthält einen Haftungsausschluss. Achtung: Fehlt im Vertrag ein Ausschluss der Sachmängelhaftung, haftet der Verkäufer für Mängel, die bei der Übergabe vorlagen. Ein Händler, der ein Fahrrad an eine Privatperson verkauft, darf die Sachmängelhaftung nicht komplett ausschließen. Er haftet mindestens ein Jahr für Mängel an dem Fahrrad. Zeigt sich ein Mangel in den ersten sechs Monaten, wird vermutet, dass dieser bereits bei der Übergabe vorlag (sog. Beweislastumkehr). Der Verkäufer muss innerhalb dieser Zeit beweisen, dass das Fahrrad bei Übergabe mangelfrei war. Kann er das nicht, muss er den Mangel beseitigen. Bei Verträgen, die ab 1.1.2022 geschlossen werden, gilt das für ein Jahr ab Übergabe.

Kaufvertrag für gebrauchte Fahrräder
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Kaufvertrag für gebrauchte E-Bikes
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