ADAC Unfallforschung: Forschen, fordern, Leben retten

27.2.2019

Die ADAC Unfallforschung wertet seit 2005 schwere Verkehrsunfälle aus, erforscht Ursachen und erarbeitet Empfehlungen, wie Unfälle verhindert oder deren Folgen reduziert werden können. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

  • Die ADAC Unfallforschung wertet typische Unfallhergänge und Gefahrenstellen aus
  • Enge Zusammenarbeit mit ADAC Luftrettung und ADAC Technikzentrum
  • Studien ermöglichen besseren Schutz vor Unfällen

 

Mit mehr als 4000 Einsätzen pro Jahr hat die ADAC Luftrettung einen besonders genauen Überblick über häufige Unfallszenarien und typische Unfallorte. Das ADAC Technikzentrum wertet diese Protokolle und Daten anonymisiert aus. Zusätzlich kann die ADAC Unfallforschung auf Erkenntnisse von Polizei, Feuerwehr oder Sachverständigen zurückgreifen. Regelmäßig veröffentlichte Studien haben ein Ziel: mehr Unfallschutz, weniger Schwerverletzte und weniger Unfalltote.

Überholunfälle auf Landstraßen verhindern

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Auto überholt ein anderes Auto auf einer Landstraße
Nur ausscheren, wenn der Überholvorgang sicher zum Ende kommt

Nirgends passieren in Deutschland mehr schwere Unfälle als auf Landstraßen. Unfälle gehen dort häufig mit Verletzungen und Todesfällen einher. Die ADAC Unfallforschung fand heraus: Crashs beim Überholen kommen zwar relativ selten vor, haben aber besonders schwerwiegende Folgen. Sie sind für sechs Prozent der Unfalltoten verantwortlich.

Die meisten Überholunfälle (41 Prozent) passieren, weil Pkw-Fahrer sich verschätzen. Fehlendes Bewusstsein, welche Sichtweite für einen sicheren Überholvorgang nötig ist, führt zu gefährlichen Situationen und Unfällen. In vielen Fällen braucht es mehr als 700 Meter überschaubare freie Strecke, um sicher überholen zu können

Die Straßensicherheit könnte verbessert werden, wenn es mehr dreispurige Landstraßen mit abwechselnden Überholstrecken gäbe. Assistenzsysteme für Überholmanöver könnte fahrzeugseitig für Verbesserung sorgen. Vor allem aber sollte der Fahrer die erforderliche Sichtweite für Überholvorgänge kennen. Hier würde eine bessere Schulung bei der Führerscheinausbildung helfen.

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht der ADAC Unfallforschung zu Unfällen auf Landstraßen (pdf).

Junge Fahrer unterstützen

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Junge Autofahrerin telefoniert nach Autopanne
Junge Autofahrer verfügen über wenig Erfahrung im Straßenverkehr

Sehr oft sind junge Leute in schwere oder tödliche Verkehrsunfälle verwickelt – mehr als doppelt so oft wie Autofahrer über 25 Jahre. Die Gründe sind vielfältig: Wenig Erfahrung, Selbstüberschätzung, vergleichsweise alte Fahrzeuge mit antiquierter Sicherheitsausstattung. 

Was kann man dagegen tun? Die ADAC Unfallforschung hat die Unfälle junger Fahrer untersucht und analysiert. Hier finden Sie detaillierte Ergebnisse und Empfehlungen des ADAC zum Unfallgeschehen junger Fahrer (pdf) sowie sowie eine Liste günstiger, aber sicher ausgestatteter Gebrauchtfahrzeuge.

Motorradfahrer schützen

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Motorrad liegt nach einem Unfall auf dem Boden
Nur in 30 Prozent der Fälle ist der Motorradfahrer schuld

Wenn Motorradfahrer in Unfälle verwickelt sind, ist ihr Risiko, dabei verletzt oder getötet zu werden, vier Mal so hoch wie das von Auto-Insassen. Unfallgegner eines Motorradfahrers ist in acht von zehn Fällen ein Pkw, aber nur in 30 Prozent der Fälle ist der Biker der Schuldige. Die Todesopfer eines solchen Crashs sind wiederum zu 90 Prozent die Zweiradfahrer.

Angesichts dieser Zahlen hat der ADAC die Ursachen die Ursachen solcher Unfälle und Schutzmaßnahmen für Motorradfahrer untersucht. Dabei geht es nicht nur um die Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmer für die Belange der Motorradfahrer, um das "Übersehen" von Motorradfahrern im Straßenverkehr zu verhindern. Auch die richtige Bekleidung von Motorradfahrern, Schutzsysteme auf der Straße (z.B. geeignete Leitplanken) und die Sicherheitsausstattung der Motorräder (z.B. ABS, LED-Tagfahrlicht) spielt eine Rolle. Hier finden Sie den ausführlichen Bericht zur Auswertung von Motorradunfällen (pdf).

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Assistenzsysteme für Fahrzeuge

ABS, Verkehrzeichenerkennung oder Spurverlassenswarner sind nur einige Fahrerassistenten. Hier finden Sie weitere Infos und Funktionsweisen von Assistenzsystemen im Auto.

Kreuzungsunfälle vermeiden

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Autounfall an einer Kreuzung
Häufig wird der andere Verkehrsteilnehmer übersehen

Fast jeder vierte Verkehrsunfall in Deutschland passiert beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen. Aufgrund der Verkehrssituation wird bei diesen Unfällen oft die Fahrzeugseite beschädigt, was zu schweren Verletzungen führen kann. Zweiradfahrer sind dabei besonders gefährdet.

Die ADAC Unfallforschung hat Unfälle beim Abbiegen, Einbiegen und Kreuzen von Kreuzungen näher untersucht. Häufig führt das Übersehen des anderen Verkehrsteilnehmers zum Unfall, daher treten Fahrerinnen und Fahrer ab 65 Jahren im Vergleich zum Gesamtunfallgeschehen stärker als Verursacher in Erscheinung.

Ein weiteres Unfallrisiko stellen die wegen der hohen Crash-Anforderungen heute stabiler und dicker ausgeführten A-Säulen am Pkw dar. Sie schränken das Sichtfeld des Fahrers ein und können ein herannahendes Fahrzeug leichter verdecken als frühere, schmaler konstruierte A-Säulen. Abhilfe können sowohl Optimierungen am Fahrzeugdesign für eine bessere Rundumsicht als auch die verkehrssichere Gestaltung von Einmündungen und Kreuzungen schaffen. Auch die Weiterentwicklung von Assistenzsystemen in den Fahrzeugen kann dazu dienen, die Gefahr von Unfällen beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen zu minimieren.

Der vielleicht entscheidendste Sicherheitsfaktor zur Vermeidung von Kreuzungsunfällen sitzt jedoch am Steuer. Wer seinen Sitz optimal einstellt und sich schon beim Heranfahren an eine Kreuzung einen Überblick zur aktuellen Verkehrssituation verschafft, kann maßgeblich dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Das regelmäßige Überprüfen der eigenen Sehfähigkeit sollte darüber hinaus selbstverständlich sein. Hier finden Sie den ausführlichen Bericht der ADAC Unfallforschung zu Kreuzungsunfällen (pdf).

Abkommen auf den Seitenstreifen

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Auto kommt von der Fahrbahn auf den Seitenstreifen
Tipp: Erst bei deutlich reduzierter Geschwindigkeit zurücklenken

Auf Landstraßen in Deutschland verunglücken jährlich mehr als 2000 Menschen tödlich. Häufige Unfallursache ist ein unbeabsichtigtes Abkommen auf den Seitenstreifen. Die bauliche Beschaffenheit der Straßen sollte daher selbsterklärend für die Verkehrsteilnehmer sein und kleinere Fahrfehler verzeihen können. Assistenzsysteme, die den Fahrer dabei unterstützen, die Spur zu halten sollten stetig verbessert werden und in allen Fahrzeugklassen erhältlich sein.

Was kann der Fahrer tun, wenn er dennoch unbeabsichtigt auf den Seitenstreifen gerät? Wenn möglich sollte das Fahrzeug im Bankett gehalten und moderat heruntergebremst werden. Erst bei deutlich reduzierter Geschwindigkeit wieder auf die Fahrbahn lenken, um ein Schleudern oder Ausbrechen des Pkw zu vermeiden.

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht zu Abkommensunfällen auf Landstraßen (pdf).

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Tipp: Die ADAC Rettungskarte

Laut ADAC Unfallforschung kommt es bei jeder fünften Rettung zu Problemen mit eingeklemmten Personen. Auf der Rettungskarte, die hinter die Fahrersonnenblende geklemmt wird, finden Einsatzkräfte alle Informationen, um nach einem schweren Autounfall das Fahrzeugwrack an der richtigen Stelle aufzuschneiden und die Insassen schnellstmöglich zu retten.

Inzwischen bieten alle Autohersteller für ihre Modelle die Karte an, zunehmend nutzen die Feuerwehren auch die online abrufbare Rettungskarte. 2011 wurde die vom ADAC entwickelte Rettungskarte von der Initiative "Deutschland – Land der Ideen" ausgezeichnet.

Weitere Informationen zur ADAC Rettungskarte

Rettung aus Elektrofahrzeugen

Nach einem schweren Verkehrsunfall ist es enorm wichtig, verletzte Personen möglichst schnell in ein Krankenhaus zu bringen. Nur: Die Bergung der Verletzten aus einem Unfallwagen kann je nach Unfallgeschehen und Bauart der beteiligten Fahrzeuge sehr lang dauern.

Der ADAC hat in einem Forschungsprojekt untersucht, ob die Bergung aus einem Elektro-Auto wegen der dort verbauten Hochvolttechnik zu Verzögerungen führt. Das Ergebnis: Das ist nicht der Fall. Hier finden Sie den ausführlichen Bericht zur Rettung aus Elektro-Fahrzeugen (pdf).

Notbremssysteme für Lkw

Auch die Forderung nach einem Notbremsassistenten für Lkw ist eine Folge der Tests von ADAC-Spezialisten. Wenn ein Lkw mit 70 km/h ungebremst auf ein Stauende prallt, haben die Insassen der vor ihm stehenden Pkw fast keine Überlebenschance. Die Fahrzeuge direkt vor dem Lkw werden dabei in Bruchteilen von Sekunden zermalmt. Das liegt an den großen Gewichtsunterschieden zwischen Lkw und Pkw. Ursache sind häufig Unaufmerksamkeit und zu geringe Sicherheitsabstände.

Mit einem automatischen Notbremsassistenzsystem im Lkw würde die Überlebensrate der Menschen in den Autos deutlich steigenDer Gesetzgeber schreibt sie seit November 2015 vor, die Anforderungen an diese Systeme sind aber nicht sehr hoch. Anhand von drei Lkw-Modellen wurde untersucht, wie gut verschiedene Systeme funktionieren. Hier finden Sie den ausführlichen Bericht zu Lkw-Notbremsassistenten (pdf).

Weitere Berichte der ADAC Unfallforschung

Lendenwirbelsäulenverletzungen im Frontalcrash (pdf)

Stoßabgewandte Seitenaufprallunfälle (pdf) 

Besserer Fußgängerschutz - auch für SUV (pdf)

Unfallstellen bei Motorradunfällen (pdf)

 

Fotos: ADAC/Uwe Rattay/Wolfgang Groeger-Meier, iStock.com/Halfpoint/KatarzynaBialasiewicz, Shutterstock/mhp, ADAC/Theo Klein.