Motorradhelme im Test: Mit diesen Modellen klappt's

Klima-Prüfstand: Es regnet heftig – bei 80 km/h
Klima-Prüfstand: Es regnet heftig – bei 80 km/h© Klaus Herder

Rechtzeitig zum Beginn der Motorradsaison hat die Zeitschrift "Motorrad" sieben aktuelle Klapphelm-Modelle getestet. Testsieger ist der Schuberth C5 für 629 Euro. Doch auch günstigere Helme schneiden gut ab. Die Ergebnisse

  • Keine Probleme bei der Schlagfestigkeit

  • Deutliche Unterschiede beim Geräuschniveau

  • Nicht alle Modelle waren komplett regenfest

Ein Motorradhelm ist kein Zubehör, das man mal eben im Vorbeigehen kauft, sondern der Lebensretter, der bei einem Unfall den Kopf vor tödlichen Verletzungen schützen kann. Der ideale Helm bietet aber nicht nur Sicherheit, sondern erfüllt auch alle anderen Aspekte, die Motorradfahrern wichtig sind. Doch welcher Helm kann in allen Kategorien überzeugen? Die Antwort geben seriöse Helmtests, die der ADAC regelmäßig durchführt, oder diesmal aktuell die Zeitschrift "Motorrad".

Die Vor- und Nachteile von Klapphelmen

Klappt gut: Testsieger Schuberth C5 mit integrierter Sonnenblende © mps-Fotostudio

Das Fachmagazin testete diesmal sieben Klapphelme, also Integralhelme, bei denen sich die feste Kinnpartie hochklappen lässt. Klapphelme sind die Universal-Talente unter den Motorradhelmen: Jethelm-Komfort beim Auf- und beim Absetzen sowie in der Zigarettenpause, Integralhelm-Schutz während der Fahrt – das klappt. Vor allem Brillenträger schätzen Klapphelme, weil sie die Sehhilfe nicht umständlich ab- und aufsetzen müssen. Kleine Nachteile sind das etwas höhere Gewicht, tendenziell höhere Windgeräusche und der meist höhere Preis.

Im Test: Sieben aktuelle Klapphelme

Wie die neueste Generation der klappbaren Integralhelme abschneidet, hat die Zeitschrift "Motorrad"* getestet (Heft 9/2022). Im Labor, auf dem Prüfstand und bei Fahrversuchen wurden sieben Helme der mittleren bis höheren Preiskategorie in diesen Testkriterien untersucht:

  • Passform und Tragekomfort

  • Aerodynamik

  • Akustik

  • Belüftung

  • Handhabung

  • Ausstattung und Verarbeitung

  • Gewicht

  • Schlagdämpfung

Motorradhelme: Gesamtergebnis im Überblick

Die Testhelme in der Detailbewertung

Alle Klapphelme schneiden im Motorrad-Gesamturteil gut oder sehr gut ab. Und es muss ja nicht immer der Testsieger C5 von Schuberth sein, denn auch die Modelle Shark, HJC und Nolan bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ohnehin gibt es für wirklich jeden Testteilnehmer plausible und vor allem individuelle Kaufgründe, was die Plus-Minus-Bewertung zeigt.

Die Helmpflicht in Deutschland

Test im Akustik-Windkanal: Wie laut ist der Helm? © Klaus Herder

In Deutschland besteht seit 1976 Helmpflicht für Motorradfahrer, seit 1978 auch für Moped- sowie Mokickfahrer. Selbst Mofafahrer müssen seit 1985 einen Helm tragen. Und seit August 1980 wird eine Zuwiderhandlung zudem mit Verwarnungsgeld geahndet.
Weil aber in der Anfangszeit der Helmpflicht einige Motorradfahrer sehr kreative Ideen zeigten, was denn ein Helm sei, reagierte der Gesetzgeber: Seit 2006 steht im Paragraph 21a der Straßenverkehrsordnung (StVO), dass Fahrer und Mitfahrer von Krafträdern mit Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h einen "geeigneten Schutzhelm" tragen müssen. Damit ist also das Benutzen von Arbeits-, Feuerwehr- oder Militärhelmen ohne ausreichende Schutzwirkung untersagt.

Wer mit solchen "Schüsseln" erwischt wird, muss nicht nur mit Bußgeld rechnen: Versicherungen können nach einem Unfall sogar Leistungen verringern, selbst wenn der Zweiradpilot nicht Unfallverursacher war.

Nach Unfall: Motorradhelm richtig abnehmen

Für viele ist es eine unangenehme Situation: Als Erster am Unfallort zu sein und möglicherweise einen schwerverletzten Motorradfahrer vorzufinden. Mit Klapphelmen ist die Erstversorgung oft leichter, weil man nur die Klappe öffnen muss. Doch in einigen Fällen muss der komplette Helm dann doch abgenommen werden. Wie Sie den Helm des Unfallopfers richtig abnehmen, erfahren Sie in der Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Helmabnehmen.

Beim Kauf unbedingt auf ECE-Norm achten

Alles dicht? Ja – wenn der Papierstreifen trocken bleibt © Klaus Herder

Doch auch wenn in Deutschland tatsächlich nur ein "geeigneter" und nicht zwingend ein normgeprüfter Helm getragen werden darf: Wirklich geeignete Schutzhelme sind Modelle, die nach der in Europa einheitlichen UNECE-Vorschrift geprüft sind und den ECE-Einnäher (steht für Economic Commission for Europe) am Kinnriemen oder im Futter tragen.
Das Label hatten natürlich alle von "Motorrad" getesteten Helme. Denn auch wenn es in Deutschland nicht zwingend vorgeschrieben ist, sieht es im europäischen Ausland und ganz besonders in Italien anders aus: Wer dort als Motorradfahrer keinen ECE-geprüften Helm trägt, wird ziemlich schnell zum Fußgänger.

Die aktuelle Prüfversion ist ECE-R 22.05, ab Juni 2022 wird dann ausschließlich nach der neuen, praxisgerechteren ECE-R 22.06 geprüft. Die enthält dann auch die P/J-Norm, die auf dem meist am Kinnriemen festgenähten Prüfnorm-Label vermerkt ist. P/J steht für eine Freigabe als Integral- und auch als Jethelm, also für das "legale" Fahren mit geöffnetem Kinnteil.

Wichtiger Hinweis für die Pflichtkennzeichnung von ECE-Motorradhelmen: Auf dem Prüflabel muss nicht "ECE" oder "ECE-R 22" stehen. Die Kennzeichnung mit dem E in dem Kreis und der Prüfnummer verweist ausreichend auf die Anwendung der Prüfnorm ECE-R 22.

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Thomas Kroher
Thomas Kroher
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