Parkassistenten mit Notbremsfunktion im Test

14.5.2019

Notbremssysteme können beim Rückwärtsfahren Unfälle zwischen Pkw und anderen Verkehrsteilnehmern verhindern. Wir haben die AEB-Systeme (Autonomous Emergency Braking) von Mercedes, Volvo, BMW, Seat und Skoda in verschiedenen Szenarien getestet.

 
AEB Test automatische Bremse
Die Parkassistenten dieser fünf Pkw wurden getestet. 

AEB-Systeme können schwere Personenschäden verhindern

Bisher gibt es Assistenzsysteme, die Fußgänger schützen können, hauptsächlich an den Fronten von Fahrzeugen: Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung werden seit 2016 im Verbraucherschutz bewertet und sollen helfen, Unfälle zu vermeiden oder zumindest zu entschärfen.
Zahlen aus der Unfallforschung zeigen jedoch, dass etwa 17 Prozent aller Fußgänger-Pkw-Kollisionen mit Personenschaden am Heck eines Fahrzeugs stattfinden und teils zu schweren Unfällen führen. Denn auch bei einem leichten Zusammenstoß und einen nachfolgenden Sturz können besonders ältere Menschen schwere Verletzungen erleiden. 
Zudem könnten Notbremssysteme beim Rückwärtsfahren Sachschäden in beträchtlicher Höhe verhindern: Einer Studie der deutschen Versicherer zufolge könnten mit aktiv bremsenden Parkassistenten zwei Drittel der Park- und Rangierschäden vermieden werden – das bedeutet ein volkswirtschaftliches Einsparpotenzial von 2,1 Milliarden Euro jährlich.
Und noch ein Aspekt unterstreicht die Wichtigkeit von Parkassistenten: Unsere Messungen zeigen, dass die Rundumsicht in vielen Fahrzeugen zu wünschen übrig lässt. Breite Dachsäulen, dicke Kopfstützen und hohe Fensterlinien verdecken leicht Fußgänger oder andere Fahrzeuge, die sich am Heck des eigenen Pkw befinden. Parkassistenten könnten diese Defizite ausgleichen.
Ab dem Jahr 2020 wird das Bremsen beim Erkennen von Fußgängern beim Rückwärtsfahren im Euro NCAP Test bewertet. Wir haben bereits jetzt die Parkassistenten von Mercedes, Volvo, Seat, Skoda und BMW in verschiedenen Szenarien getestet. Die Fahrzeugauswahl ist allerdings noch sehr eingeschränkt, da bisher nur wenige Hersteller Notbremssysteme für Rangiervorgänge anbieten.

 

 
Zoom-In
AEB Test Sicherheit automatische Bremse
Hier reagiert der Parkassistent zu spät und es kommt zur Kollision.

Zwei Sensor-Konzepte für Parkassistenten

Die Parkassistenten funktionieren nach zwei Sensor-Konzepten: Für den Nahbereich werden eher die Ultraschallsensoren am Heck genutzt, die häufig bereits als "Parkpiepser" verbaut sind. Rückwärtiger Querverkehr erfordert Sensoren mit größerer Reichweite. Seitlich angeordnete Radarsensoren können diese liefern. Mercedes und Volvo arbeiten mit Radarsensoren seitlich im Stoßfänger, Skoda, Seat und BMW verwenden Ultraschall, kombiniert mit Radar im seitlichen Stoßfänger. Obwohl Mercedes und Volvo die Ultraschallsensoren auch verbaut haben, werden deren Signale nur für die Warnung vor Hindernissen verwendet.

 

Drei Test-Szenarien

Wir haben drei reale Situationen beim Ausparken nachgestellt. Der zu testende Pkw fährt rückwärts zu auf

  • eine stehende Fahrzeugattrappe
  • eine stehende Person bzw. einen Fußgänger
  • einen querenden Fahrradfahrer bzw. querenden Pkw
Das Ausparken erfolgt jeweils mit zwei Geschwindigkeiten, einmal mit vier und einmal mit acht Stundenkilometern. Bewertet wurden die Qualität und der Zeitpunkt der automatischen Bremsung. Warnungen wurden ignoriert.
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BMW 5er

BMW meistert mit dem "Active PDC" (Park Distance Control) fast alle der ausgewählten Test-Szenarien. Es erfolgt ein automatischer Bremseingriff sowohl bei stehenden Hindernissen als auch bei Fußgängern, die sich bewegen. Dabei werden die kostengünstigen Ultraschallsensoren genutzt.

  • zuverlässige Bremsung bei stehenden Hindernissen
  • meistert fast alle Test-Szenarien
  • keine optische Anzeige bei Bremsung 
  • Fußgänger, der sich bewegt: Probleme bei acht km/h
  • rückwärtiger Querverkehr: etwas unzuverlässige, späte Bremsung
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Mercedes A-Klasse

Mercedes nutzt Radarsensoren seitlich am Stoßfänger. Beim Zufahren auf stehende Hindernisse erfolgt kein Eingriff. Zwar erfolgt eine Bremsung bei Fußgängern und das teilweise sogar sehr früh, in kritischen Situationen kann das System jedoch nicht mehr reagieren. Die Ultraschallsensoren sollten mit verwendet werden, um den Systemnutzen zu steigern.

  • Bremsung beim Erkennen von Fußgängern
  • früher Eingriff
  • kein Eingriff bei stehenden Hindernissen
  • Schwächen im Nahbereich: kein Eingriff in kritischen Situationen
  • Eingriff auf rückwärtig querendes Fahrzeug unzuverlässig 
  • sehr kleine optische Warnung
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Seat Ateca

Die Ultraschall-basierte Rangierbremsfunktion vermeidet robust das Auffahren auf stehende Hindernisse. Auf sich bewegende Fußgänger reagiert der Seat zu spät. Die optische Anzeige während der automatischen Bremsung informiert den Fahrer sehr klar und differenziert sogar zwischen Rangierbremsfunktion und Notbremsung bei rückwärtigem Querverkehr. 

Obwohl der Seat dasselbe System wie der Skoda besitzen sollte, ist seine Leistung merklich besser. Auf sich bewegende Fußgänger erfolgt die Reaktion jedoch zu spät. Da ein später Eingriff erfolgt und der Fußgänger deswegen nicht überrollt wird, schneidet der Seat im Gesamtergebnis etwas besser ab als der Skoda.

  • zuverlässige Bremsung bei stehenden Hindernissen
  • sehr gute Anzeige bei und nach Bremseingriff
  • Eingriff auf sich bewegende Fußgänger zu spät
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Skoda Kodiaq

Die Ultraschall-basierte Rangierbremsfunktion vermeidet robust das Auffahren auf stehende Hindernisse. Auf sich bewegende Fußgänger reagiert der Skoda nicht. Die optische Anzeige während der automatischen Bremsung informiert den Fahrer sehr klar und differenziert sogar zwischen Rangierbremsfunktion und Notbremsung bei rückwärtigem Querverkehr.

  • Zuverlässige Bremsung bei stehenden Hindernissen
  • Sehr gute Anzeige bei und nach Bremseingriff
  • Kein Eingriff bei sich bewegendem Fußgänger
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Volvo V60

Volvo nutzt CTA (Cross Traffic Alert) mit Bremsautomatik durch Radarsensoren seitlich am Stoßfänger. Bei stehenden Hindernissen oder Fußgängern erfolgt kein Eingriff. Die Ultraschallsensoren sollten mit verwendet werden.

  • CTA-Funktion greift früh und zuverlässig ein
  • Anzeige bei Eingriff der CTA-Funktion
  • Kein Eingriff bei Fußgängern
  • Kein Eingriff bei stehenden Hindernissen

Fazit: Weiterentwicklung ist nötig

Der Test zeigt, dass die automatisch bremsenden Parkassistenten viel Potenzial haben, aber längst noch nicht optimal sind. Selbst das System des Spitzenreiters BMW arbeitet noch nicht 100 Prozent zuverlässig. Ideal ist eine Kombination aus Radar- und Ultraschallsensoren, wobei bereits die kostengünstigen Ultraschallsensoren effektiv sind, obwohl deren Reichweite mit drei Metern deutlich geringer ist als die der Radarsensoren.

Die Hersteller sollten ihre Fahrzeuge serienmäßig mit einem wirksamen Parkassistenten mit Bremsfunktion ausstatten. Die dazu nötige Technik ist in den meisten Pkw schon vorhanden: Die Heck-Ultraschallsensoren müssten lediglich mit der Bremsfunktion verknüpft werden, die das in Neuwagen obligatorische ESP-System bereits beherrscht.

Käufer sollten sich beim Händler gut über den Funktionsumfang informieren und sich die oft unübersichtliche Preisliste erläutern lassen. Vorsicht: Ausprobieren sollte man die technischen Helfer vorab nicht, das endet oft im selbst verschuldeten Schaden.

Text: Katja Legner

Fotos: ADAC/Uwe Rattay; Grafik: ADAC

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