Oldtimer: Zwölf Tipps zum richtigen Überwintern

Ein Oldtimer Fiat 500 steht tief im Schnee
Winterschlaf: Oldtimer gehören in einen trockenen Raum, nicht unter eine Schneedecke ∙ © iStock.com/Marccophoto

Wenn die letzten schönen Herbsttage zu Ende gehen, werden viele Oldtimer zum Überwintern in die Garage gestellt. Was Sie dabei beachten sollten, damit Ihr Fahrzeug im Frühjahr wieder topfit ist.

Mehr als 500.000 Oldtimer rollen mit H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge über Deutschlands Straßen. Für ein langes Leben benötigen "Oldies" eine besondere Pflege, vor allem wenn der Winter vor der Tür steht. Die größte Gefahr: Rostbildung.

Achtung, Saisonkennzeichen: Überschreiten Sie auf keinen Fall den angegebenen Zeitraum. Außerhalb des Saisonzeitraums darf das Fahrzeug nicht im öffentlichen Raum gefahren oder abgestellt werden.

Den Oldtimer auf die Winterpause vorbereiten

  • Säubern Sie den Innenraum des Fahrzeugs mit Staubsauger und feuchtem Schwamm oder Tuch. Ledersitze behandeln Sie am besten mit einem Mittel, das der Fahrzeughersteller in der Bedienungsanleitung empfiehlt. Spezielle Lederpflegemittel enthalten üblicherweise Substanzen, die das Leder geschmeidig halten.

  • Nehmen Sie alle losen Bodenbeläge heraus, auch aus dem Kofferraum. Wenn Sie feuchte oder modrige Stellen entdecken, unbedingt die Ursache klären: Es könnten sich Gummiprofile des Verdecks gelöst oder verschoben haben oder die Schiebedachentwässerung nicht mehr richtig funktionieren. Wenn Sie nicht handeln, droht Schimmelbildung.

  • Frostschutz prüfen und gegebenenfalls auffüllen, Öl wechseln. Benutztes Öl wirkt korrosionsfördernd. Ein spezielles Schutzöl ist nur bei mehrjähriger Ruhepause notwendig. Lassen Sie den Motor im Winter nicht ab und an kurz laufen – das erhöht den Verschleiß unnötig.

  • Wenn Ihr Fahrzeug keinen Kunststofftank hat, füllen Sie den Tank auf. So verhindern Sie Rostbildung im Inneren. Bei Standzeiten länger als ein Jahr kann es sinnvoll sein, das Kraftstoffsystem trockenzulegen.

  • Lack kontrollieren: Reste von Vogelkot, Insekten oder Absonderungen von Baumharzen sind oft schwer erkennbar. Bei längerer Einwirkzeit können sie sich bis aufs Blech durchfressen. Deshalb ist eine gründliche Wagenwäsche wichtig.

So gelingt die Lackpflege beim Oldtimer

Beseitigen Sie zunächst den groben Schmutz mit viel Wasser und einem sauberen Schwamm. Groben Verschmutzungen rücken Sie mit einem Spritzer Autoshampoo im Wasser zu Leibe und schonen gleichzeitig Lack und Hände. Besser keinen Haushaltsreiniger benutzen! Wichtig: Möglichst keine abgesetzten Schmutzpartikel im Eimer aufwühlen! Spülen Sie alles mit viel klarem Wasser ab.

Um die Außenhülle des Fahrzeugs zum Glänzen zu bringen und optimal zu schützen, kann eine Politur erforderlich sein. Beim gepflegten Klassiker genügt aber meistens eine gründliche Reinigung.

Für die Versiegelung werden Hartwachse angeboten, die am besten mit einem Applikationsschwamm in den Lack eingearbeitet werden. Ein Mikrofasertuch stellt ein streifenfreies Pflegeergebnis sicher.

  • Steinschlagschäden ausbessern, damit die Karosserie nicht zu rosten beginnt. Kleine Stellen können Sie mit einem Lackstift selbst reparieren: säubern und ausbessern. Tipp zur Vorbeugung: Tragen Sie ab und zu Hartwachs auf.

  • Checken Sie besonders bei älteren Baujahren (ab 1960) Unterboden und Radhäuser. Wenn die Schutzschichten Verletzungen, Ablösungen oder Korrosionsspuren aufweisen, dann ausbessern. Festsitzenden Schmutz auf Felgen mit säurefreiem Felgenreiniger entfernen.

  • Hängen Sie die Batterie regelmäßig – etwa alle zwei Monate – für einige Stunden zum Aufladen ans Standardladegerät.

  • Erhöhen Sie den Luftdruck in den Reifen auf drei Bar, damit sie in Form bleiben. Noch besser ist es, das Auto aufzubocken. So werden Reifen und Radaufhängung dauerhaft entlastet.

  • Handbremse nicht anziehen. Die Beläge könnten "festkleben". Autofenster zur Durchlüftung einen Spaltbreit öffnen. 

  • Gegen das Einstauben hilft ein Baumwolltuch, wie beispielsweise ein Bettlaken oder Paletots aus dem Oldtimer-Fachhandel. Kunstfaserstoffe oder gar Plastikfolien sollten Sie wegen der mangelhaften Feuchtigkeitsdurchlässigkeit nicht verwenden.

  • Übrigens: Wenn Sie Ihr Auto länger als sieben Jahre stilllegen möchten, erlischt die Betriebserlaubnis, und die Fahrzeugpapiere werden ungültig. Die Wiederzulassung erfordert dann ein Vollgutachten.

Saisonkennzeichen sparen Geld und Zeit

Wenn Sie alljährlich den gleichen Stilllegungszeitraum nutzen, zum Beispiel vom 1. Oktober bis 30. April, sollten Sie sich beim Straßenverkehrsamt oder der Zulassungsstelle ein Saisonkennzeichen ausstellen lassen. So sparen Sie sich die jeweiligen Gebühren für An- und Abmeldung sowie den Gang zur Behörde. Nach Ablauf des letzten Tages des einmal gewählten und auf dem Kennzeichen aufgedruckten Monats (bei 03/10 also der 31.10.) darf das Fahrzeug ab dem 1. November keinesfalls mehr auf öffentlichem Grund stehen oder fahren.

Ein Oldtimer beim ADAC Oldtimercheck
Mit guter Pflege wird der Wert des Oldtimers langfristig erhalten ∙ © ADAC/Gerd George

Mehr Flexibilität bietet Ihnen ein reguläres Kennzeichen. Mit einer "vorübergehenden Stilllegung" lässt sich der Zeitraum jedes Jahr neu gestalten. So können Sie bei einem milden und sonnigen November weiterhin den Oldtimer bzw. das Cabrio nutzen oder den Wagen bereits im März aus dem Winterschlaf holen. Die anteilige Kraftfahrzeugsteuer wird, tageweise umgerechnet, zurückerstattet. Nachteil: Für jede An- und Abmeldung werden Gebühren fällig, der Gang zu den Behörden kostet Zeit.

Hauptuntersuchung und AU besser vorziehen

Fallen Hauptuntersuchung oder AU in die Ruhezeit, sind diese nach Wiederinbetriebnahme umgehend nachzuholen. Insbesondere bei Fahrzeugen mit "vorübergehender Stilllegung" ist es ratsam, diese Prüfungen noch vor dem Einmotten zu erledigen. Bei der Wiederzulassung werden Ihnen die Fahrzeugpapiere von der Behörde erst dann ausgehändigt, wenn die noch zu erbringenden Prüfnachweise vorliegen.

Ein Oldtimer auf dem ADAC Prüfstand während eines Oldtimerchecks
Beim Blick von unten erkennt der Fachmann rasch Probleme ∙ © ADAC/Gerd George

Auch wenn in Kürze eine Inspektion fällig ist, sollten Sie diese vorziehen. Denn die Fachwerkstatt erkennt auf einen Blick, was ohnehin zu reparieren ist. Eine gute Adresse hierfür: die ADAC Prüfzentren.

Versicherung: Eine Unterbrechung bis zu sechs Monate zählt (positiv) auf dem Weg in eine günstigere Schadensfreiheitsklasse. Ab sieben Monaten bleibt die bei Stilllegungsbeginn bestehende SF-Klasse erhalten – so handhaben es jedenfalls zahlreiche Gesellschaften. Der Teilkasko-Vertrag läuft in der Ruhezeit normalerweise beitragsfrei weiter. Konkret sollten Sie das, wie auch die anteilige Rückerstattung bereits gezahlter Prämien, direkt mit Ihrem Versicherer abklären.

Oldtimer mögen's trocken und luftig

Optimal zum Überwintern ist ein klimatisierter Raum, in dem Temperatur (ca. 15 Grad) und Luftfeuchte (relative Luftfeuchte von ca. 40 Prozent, messbar mit dem Hygrometer) konstant eingehalten werden – so wird eine Kondenswasserbildung weitgehend vermieden.

Textilien, Gummi und Leder fühlen sich in dem Umfeld ebenfalls recht wohl. Vermeiden Sie schlecht durchlüftete und feuchte Räume. Einige Firmen (Anzeigen in Oldtimer-Fachzeitschriften) bieten verschiedene Lösungen zur Luftverbesserung an. Dazu gehören elektrische Luftentfeuchter (230 Volt) sowie aufblasbare Kunststoffhüllen, die entweder von Ventilatoren belüftet werden oder in die Behälter mit einem speziellen Trockengranulat gestellt werden, dem die aufgenommene Feuchtigkeit im Haushalts-Backofen wieder entzogen werden kann.

Oldtimer im Frühjahr ausmotten

Batterie einsetzen

Setzen Sie die während der Ruhepause mit einer "Erhaltungsladung" gepflegte Batterie wieder ein. Um Kurzschlussgefahr zu vermeiden, bitte beachten: Zuerst wird die Klemme des Plus- und dann die des Minuspols angeschraubt.

Check von Motoröl- und Kühlwasserstand

Ein Blick unters Auto kann jetzt nicht schaden: Haben Lecks auf dem Garagenboden verräterische Spuren hinterlassen? Den Ursachen der Undichtigkeiten sollten Sie rasch auf den Grund gehen und diese umgehend beseitigen.

Reifen

Auch über Monate hinweg sollte kein deutlicher Luftverlust aufgetreten sein. Ein sichtbar platter Reifen muss jedenfalls noch an Ort und Stelle gewechselt werden, im Übrigen sollte Sie die erste Fahrt ohnehin zum Luftdruck-Prüfgerät an der Tankstelle führen. Falls Sie vor der Einlagerung den Luftdruck zur Vermeidung von "Standplatten" erhöht haben, reduzieren Sie ihn jetzt wieder auf den Normalwert.

Rückspiegel und Verglasung

Säubern Sie Spiegel und Scheiben gründlich, damit die ersten Meter in der Frühlingssonne nicht zum Blindflug werden.

Motorstart

War die Technik beim Einmotten funktionstüchtig, wird der Motor nach spätestens zwei bis drei Startversuchen anspringen. "Weiterorgeln" bringt meist nichts, bei Katalysator-Fahrzeugen kann das sogar den Kat schädigen. Hier ist eine Fehlersuche erforderlich, die unter Umständen erst nach einer Schleppaktion in eine Werkstatt erfolgreich ist. Gegen Ablagerungen, die sich in den Wintermonaten oder sogar über Jahre hinweg gebildet haben, bieten die Hersteller spezielle Kraftstoffzusätze an. Sie sollen Rückstände im Vergaser, an Ventilen, Zündkerzen und in den Brennräumen abbauen.

Achtung: Bei der ersten Bremsung kann die Wirkung unerwartet ausfallen! Flugrost auf Bremsscheiben und in Bremstrommeln muss sich erst abschleifen.

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