Oldtimer-Zulassung: Welches Kennzeichen lohnt sich?

12.11.2019

Welche Zulassungsart ist die beste für Ihren Oldtimer – reguläres oder H-Kennzeichen, Saison- oder 07er-Kennzeichen? Hier gibt es Infos über Kosten, Vor- und Nachteile der Varianten sowie Tipps bei Problemen.
 
Oldtimer mit H-Kennzeichen auf Parkplatz
Oldtimer-Kennzeichen: Das H-Schild gibt es erst, wenn die Altersgrenze von 30 Jahren erreicht ist  
  • Auch das übliche Kennzeichen kann sich beim Oldtimer lohnen
  • Aufwand für H-Kennzeichen bedenken
  • Je nach Bedarf wählen: Saison-, Kombi- oder Wechsel-Kennzeichen
Reguläres Kennzeichen

Reguläres Kennzeichen

Die übliche Zulassung kommt unter finanziellen Aspekten für Oldtimer durchaus in Frage. Für Pkw, deren Schadstoffklasse schlechter als Euro 1 ist, gelten folgende jährliche Steuersätze: 

  • Benziner: 25,36 Euro je angefangene 100 cm³ Hubraum 
  • Diesel: 37,58 Euro je angefangene 100 cm³ Hubraum

Beim Einbau eines Katalysators kann eine bessere Schadstoff-Einstufung und damit ein niedrigerer Steuersatz erreicht werden. Nur der Vollständigkeit halber: Für Fahrzeuge mit Erstzulassung ab dem 1. Juli 2009 gilt ein neues Steuersystem, basierend auf CO2-Emissionswerten.

Wann lohnt sich also die übliche Zulassung mit regulärem Kennzeichen?

Beispiel Isetta: Bei dem Oldtimer mit 250-ccm-Hubraum beträgt die Jahressteuer trotz des hohen regulären Satzes nur 76 Euro (3 x 25,36 Euro je angefangene 100 cm³). Erst ab 700 ccm Hubraum wird die ganzjährige reguläre Zulassung teurer als mit einem H-Kennzeichen.  Das Oldtimer-Kennzeichen ist für Pkw und Lkw allerdings erforderlich, wenn man in eine Umweltzone fahren möchte. 

Motorräder werden jährlich mit 1,84 Euro je angefangene 25 ccm Hubraum besteuert. Zweiräder bis 125 ccm Hubraum und nicht mehr als 11 kW sind steuerbefreit. Bis zu einem Hubraum von 600 ccm ist die reguläre Zulassung kostengünstiger als mit H-Kennzeichen.

Die Hauptuntersuchung (HU) einschließlich der Abgasuntersuchung (AU) fällt abhängig von der Fahrzeugart üblicherweise alle 24 Monate an. Die AU ist nicht erforderlich bei Benzinern mit Erstzulassung vor 1.7.1969, bei Dieselmodellen vor 1.1.1977 und bei Motorrädern vor 1.1.1989.

Bei Stilllegung Kennzeichen reservieren

Beim regulären Kennzeichen können Oldtimerfahrer den Stilllegungszeitraum jedes Jahr individuell gestalten und unverhoffte Schönwetterperioden nutzen. Die anteilige Kraftfahrzeugsteuer wird, auf Tage umgerechnet, zurückerstattet. Achtung: Mit der Stilllegung erlischt auch das Kennzeichen. Möchte man sein Fahrzeug nur kurzfristig abmelden und die bisherige Nummer weiter nutzen, sollte man sich sein bisheriges Kennzeichen (bis zu einem Jahr) reservieren lassen.

Für eine Wiederzulassung benötigt man erst dann eine neue Betriebserlaubnis (Vollabnahme), wenn die Fahrzeugdaten nicht mehr im Zentralen Fahrzeugregister beim Kraftfahrt-Bundesamt verfügbar sind (Vorhaltezeit 72 Monate) und zum unveränderten Fahrzeug kein Nachweis über eine gültige Typen- oder Einzelgenehmigung geführt werden kann (z.B. deutscher Kfz-Brief). Wenn dieser Nachweis vorliegt, ist bei der Wiederzulassung nur noch eine Hauptuntersuchung (ggf. mit AU) nötig. 

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Saisonkennzeichen

Saison-Kennzeichen

Das Saison-Kennzeichen bietet sich für alle Fahrzeuge an, die nicht das ganze Jahr genutzt werden (z.B. Oldtimer, Motorräder, Cabrios etc.). Man legt verbindlich fest, für welchen zusammenhängenden Zeitraum (mindestens zwei, höchstens elf volle Monate) das Fahrzeug alljährlich zugelassen sein soll. Die Steuer wird anteilig entsprechend der "zugelassenen" Monate berechnet. Im gewählten Zeitraum ist das Fahrzeug automatisch zugelassen, Aufwand und Kosten für An- und Abmeldungen fallen weg. Im Ruhezeitraum darf man das Fahrzeug weder nutzen noch auf öffentlichem Grund abstellen. Bei Fahrten ins Ausland gelten während der Gültigkeitsdauer keine Einschränkungen.

 

Historisches H-Kennzeichen

Historisches H-Kennzeichen

Für Oldtimer mit H-Kennzeichen gilt ein jährlicher Steuersatz von 

  • pauschal 191,73 Euro (Pkw und Lkw) und 
  • 46,02 Euro (Zweirad).

Voraussetzungen: Das Fahrzeug muss vor mindestens 30 Jahren erstmals in den Verkehr gekommen sein. Ein amtlich anerkannter Sachverständiger, Prüfer oder Prüfingenieur (z.B. bei DEKRA, GTÜ, KÜS oder TÜV) muss ein Gutachten für die Einstufung als Oldtimer erstellen. Dabei wird festgestellt, ob sich das Fahrzeug weitgehend im Originalzustand befindet und/oder zulässige zeitgenössische Veränderungen aufweist. Das Fahrzeug muss zudem zur "Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes" dienen.

Mehr zu den Oldtimer-Kriterien

Nur mit H- oder rotem 07er-Oldtimer-Wechselkennzeichen ist ein Befahren von Umweltzonen ohne Feinstaubplakette möglich. Ein Fahrzeugalter von mindestens 30 Jahren reicht hierfür allein nicht aus. Bei Verwendung des H-Kennzeichens gibt es keine Einschränkungen für Fahrten ins Ausland und die gewerbliche Nutzung von Fahrzeugen ist möglich.

Historisches H-Kennzeichen

Kombination H- und Saison-Kennzeichen

Die Kombination von H-Zulassung und Saisonkennzeichen ist seit Oktober 2017 bundesweit möglich. Wer sein Fahrzeug statt für ein ganzes Jahr nur halbjährlich zulässt, z.B. von Mai bis Oktober, kann so rund 95 Euro pro Jahr sparen. Es empfiehlt sich aber, bei seiner Versicherung nachzufragen, wie sich eine Zulassung mit Saison-Kennzeichen auf den Tarif auswirkt und welche Bedingungen für die Ruheversicherung gelten.

Lohnt sich der Aufwand fürs H-Kennzeichen?

Bei der alle zwei Jahre erforderlichen Hauptuntersuchung werden die Kriterien des H-Kennzeichens erneut geprüft. Technische Änderungen oder ein schlechterer Zustand können die Aberkennung zur Folge haben. Mit dem H-Kennzeichen zeigen Oldtimer-Besitzer der Öffentlichkeit, dass Sie Ihr Fahrzeug auch im Sinne der Erhalts und der Pflege des automobilen Kulturgutes bewegen. Insbesondere ältere Pkw könnten ohne die Ausnahmeregelung für Umweltzonen ansonsten gar nicht mehr fahren. Zudem ist die pauschale Kfz-Steuer für die Mehrheit auf einem erträglich niedrigen Niveau. Da die Fahrzeuge ab den 80er Jahren bereits mit Katalysatoren ausgestattet wurden, haben viele jüngere Oldtimer ohnehin schon eine grüne Umweltplakette sowie eine geringe Kfz-Steuer-Belastung. Prüfen Sie daher vor der Zulassung, ob der Aufwand für das H-Kennzeichen bei Ihrem Fahrzeug wirklich gerechtfertigt ist.

Rotes Kennzeichen 07

Rotes 07er-Kennzeichen

Der Traum des Oldtimer-Sammlers ist das Wechselkennzeichen für mehrere Fahrzeuge. Allerdings gilt das mit deutlichen Einschränkungen: Gestattet sind nur die Teilnahme an Oldtimer-Veranstaltungen, An- und Abfahrten hierzu sowie Probe-, Überführungs- und Prüfungsfahrten zum Zweck der Wartung oder Reparatur (sog. Werkstattfahrten). Zudem wird das Führen eines Fahrtenbuches gefordert.

Der Steuersatz beträgt wie beim H-Kennzeichen 

  • pauschal 191,73 Euro (Pkw und Lkw) und
  • 46,02 Euro (Zweirad).

Auch für ein 07er-Kennzeichen gilt die Altersgrenze 30 Jahre. Früher waren 20 Jahre üblich, trotz Protesten in der Oldtimer-Szene hielt der Gesetzgeber an der Erhöhung fest. Die klare Definition eines Oldtimers, die mit Einführung des H-Kennzeichens festgelegt wurde, sollte auch für das 07er gelten. Youngtimer-Fahrzeuge unter 30 Jahren können nur noch regulär bzw. mit Saisonkennzeichen zugelassen werden.

Mit 07er-Kennzeichen kann man auch im Ausland fahren, wenn die Eintragung der Daten im Fahrzeugschein von der Zulassungsstelle vorgenommen wird. In manchen Ländern gibt es allerdings vereinzelt vor Ort Anerkennungsprobleme – hier können Informationsmerkblätter in der jeweiligen Landessprache bei den Ordnungshütern weiterhelfen. Bei Rallyes und Ausfahrten ins Ausland sollten Veranstalter eine entsprechende Genehmigung bei den zuständigen Behörden beantragen. 

Im Zuge der Einführung des 07er-Kennzeichens wurden anfangs auch Exemplare mit "06" ausgegeben. Diese gelten mit entsprechendem Fahrzeugscheinheft ebenfalls als Oldtimer- und nicht als Händler-Kennzeichen.

Rotes Kennzeichen 06

Rotes 06er-Kennzeichen

Dieses Kennzeichen, das nicht nur auf Oldtimer beschränkt ist, bleibt gewerblichen Nutzern (Händlern, Herstellern, Werkstätten etc.) vorbehalten. Mit dem Kennzeichen können Probe-, Prüfungs- und Überführungsfahrten vorgenommen werden. Das Kennzeichen ist nicht fahrzeuggebunden, es wird im Ausland nicht überall akzeptiert.

Kurzzeit Kennzeichen

Kurzzeit-Kennzeichen

Das Kurzzeit-Kennzeichen mit der Nummer "03" oder "04" ist kein spezielles Oldtimer-Kennzeichen, kann aber durchaus praktisch sein. Wenn das Fahrzeug zum Beispiel abgemeldet ist, kann man mit diesem Kennzeichen trotzdem Probe- und Überführungsfahrten durchführen. Der Oldtimer muss eine Betriebserlaubnis und eine gültige Hauptuntersuchung haben. Ohne "TÜV" darf man mit Kurzzeit-Kennzeichen innerhalb des Zulassungsbezirks und in angrenzende Bezirke nur zur nächstgelegenen Untersuchungsstelle und zurück fahren – oder zur Reparatur, wenn bei einer Hauptuntersuchung ein Mangel festgestellt wurde. Jedoch nicht, wenn das Fahrzeug als nicht verkehrssicher gilt. Das Kurzzeit-Kennzeichen gibt es bei der Zulassungsstelle nach Vorlage einer Versicherungsbestätigung (eVB-Nummer). Im Ausland wird es nicht überall akzeptiert, in Österreich, Italien und Dänemark toleriert.

Wechselkennzeichen

Allgemeines Wechsel-Kennzeichen

Von den Vorteilen des Wechselkennzeichens profitieren und das Nummernschild teilen dürfen sich maximal zwei Fahrzeuge der gleichen EU-Fahrzeugklasse. Die wichtigsten Wechselkombinationen sind: Pkw-Pkw, Pkw-Oldtimer, Pkw-Wohnmobil sowie Motorrad-Motorrad und Motorrad-Quad/Trike. Wie viel man mit den speziellen Versicherungstarifen sparen kann, hängt von den kombinierten Fahrzeugen ab. Auf die Steuer wirkt sich das Wechsel-Kennzeichen jedoch nicht aus.

Die Nutzung ist nicht an einen bestimmten Zeitraum gebunden. Es kann je nach Bedarf umgesteckt werden. Das Fahrzeug, das nicht genutzt wird, muss auf privatem Grund stehen, sonst drohen 40 Euro Verwarnungsgeld. Außerdem kann es abgeschleppt werden. Das Nummernschild gibt es bei den Zulassungsstellen. Die Zulassungsgebühr liegt bei etwa 65 Euro. Ein Satz Wechselkennzeichen kostet etwa 40 Euro. Es besteht aus sechs Teilen. Je zwei kleine Zusatzschilder werden vorne und hinten fest an je einem der Fahrzeuge montiert. Das eigentliche Hauptkennzeichen wird nach Bedarf gewechselt.

Alten Fahrzeugbrief aufbewahren

In die Zulassungsbescheinigung Teil II werden im Gegensatz zum bisherigen Fahrzeugbrief nur noch zwei statt bisher sechs Halter eingetragen. Außerdem steht hier, in wievielter Hand das Fahrzeug insgesamt ist. Die Angaben über ehemalige Fahrzeughalter werden noch sieben Jahre, nachdem das Fahrzeug außer Betrieb gesetzt wurde, im Zentralen Fahrzeugregister gespeichert. Bei berechtigten Interessen zur Verfolgung von Rechtsansprüchen kann man die Daten bekommen. Damit bei späteren Recherchen die Fahrzeughistorie keine Lücken enthält, sollten Sie in jedem Fall die Herausgabe Ihres alten, entwerteten Briefs fordern. Auch bei Polizeikontrollen kann er helfen: In den neuen Zulassungsbescheinigungen wird nur noch eine einzige Reifengröße eingetragen. Die Berechtigung anderer Reifendimensionen lässt sich mit dem alten Dokument nachweisen.

Probleme bei der Oldtimer-Zulassung

Längere Stilllegungszeiten oder nicht komplette Papiere erfordern spezielle Lösungen. Weil der Ablauf in einzelnen Bundesländern unterschiedlich sein kann, sollte man sich bei der Zulassungsstelle informieren. Ob Änderungen am Fahrzeug für die Betriebserlaubnis nötig sind – etwa bei einem in Deutschland noch nie zugelassenen Fahrzeug – klärt man am besten vorab mit einer technischen Prüfstelle.

Vorlegen muss man die Zulassungsbescheinigung Teil II (bzw. den alten Fahrzeugbrief). Wenn die Original-Fahrzeugpapiere nicht mehr existieren oder nicht mehr aufzufinden sind, muss ein Oldtimer-Besitzer seine Verfügungsberechtigung über das Fahrzeug anders nachweisen – z.B. durch einen Kaufvertrag, ausländische Dokumente wie einen US-Title, Originalrechnungen oder Zollquittungen.

Gab es für das Fahrzeug schon einmal einen Fahrzeugbrief bzw. eine Zulassungsbescheinigung und sind diese abhanden gekommen, müssen Sie das bei der Zulassungsstelle melden. Der Verlust wird im Bundesverkehrsblatt veröffentlicht. Wenn niemand Einsprüche anmeldet, stellt die Behörde eine neue Bescheinigung aus. Das dauert bis zu zwei Monate. Die Zulassungsstelle kann zudem eine gebührenpflichtige eidesstattliche Versicherung über die Verfügungsberechtigung und den Verbleib der Fahrzeugpapiere fordern – jedoch keine weiteren Voraussetzungen oder Unterlagen. 

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