E-Scooter im ADAC Test: Wie gut sind sie wirklich?
Von Andrea Piechotta

Ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder in der Freizeit: E-Scooter gehören für viele Menschen zum Alltag. Doch wie groß sind die Unterschiede zwischen den Modellen? Der ADAC hat 10 E-Scooter in der Preisklasse bis 800 Euro getestet.
Gefahr des Lenkerbruchs bei zwei Modellen
Ladedauer oft zu lang, Anfahrverhalten häufig abrupt
Kaum realistische Angaben zur Reichweite
Wie gut sind E-Scooter wirklich? Dieser Frage ist der ADAC bei seinem großen E-Scooter-Test nachgegangen. Im Fokus standen Fahrverhalten, Komfort, Handhabung, Sicherheit und Haltbarkeit. Auch einer Schadstoffprüfung mussten sich die Roller stellen.
Das Ergebnis: Sieben Modelle erzielten das ADAC Urteil "gut". Ein E-Scooter erreichte nur das Ergebnis "befriedigend". Zwei Modelle fielen mit "ausreichend" durch – hier kam es beim praxisnahen Härtetest auf dem ADAC Prüfstand zum Lenkerbruch.
Testsieger: E-Scooter von Segway

Das beste Urteil im ADAC Test erzielte der E-Scooter Segway Ninebot F3 Pro D. Besonders bei Komfort sowie Sicherheit und Haltbarkeit überzeugte das Modell.
Der Ninebot F3 Pro D von Segway ist ein komfortabler, leistungsstarker und zugleich sicherer E-Scooter. Dennoch fällt ein leicht schwammiges Fahrgefühl auf. Zwar stellt das keine unmittelbare Sicherheitsgefahr dar, die Fahrspur wirkt dadurch jedoch weniger präzise.
Kleinere Abzüge gab es für die lange Ladezeit von mehr als 8 Stunden. Im Reichweitentest zeigt das Modell von Segway zudem die niedrigste Durchschnittsgeschwindigkeit.
Testverlierer: Lenkerbruch bei Streetbooster und Navee

Die Modelle von Streetbooster und Navee erhielten im Test gerade noch das ADAC Urteil "ausreichend". Grund dafür waren Schwächen, die bei einem besonders praxisnahen Belastungstest sichtbar wurden. Hier kam es zum Lenkerbruch. Ursache sind nach Einschätzung der ADAC Experten ungünstig positionierte Bohrungen im Lenker. Solche Schwächen sind bereits aus den Anfangsjahren der Pedelec-Entwicklung bekannt und entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik.
Während die derzeitige Norm für E-Scooter vor allem eine zentrale Belastung der Lenksäule vorsieht – eine mittig auf die Lenksäule wirkende Last von 10 Kilogramm –, prüft der ADAC die E-Scooter unter realistischeren Bedingungen. Dabei wurden die Lenkerenden dynamisch mit jeweils 15 Kilogramm belastet, wie es im Alltag durch Bremsen, Beschleunigen und Lenken tatsächlich vorkommt.
Handlungsbedarf bei gesetzlicher Norm

Der Test zeigt, dass die aktuelle Norm die Belastungen im Alltag nicht ausreichend berücksichtigt. Acht der zehn getesteten E-Scooter bestanden den verschärften Praxistest zwar ohne oder mit nur geringen Schäden. Ausnahmen waren aber die zwei Modelle von Streetbooster und Navee. Diese Ergebnisse sprechen dafür, die gesetzlichen Prüfverfahren künftig stärker an realen Einsatzbedingungen auszurichten.
Es liegt zwar kein Produktmangel im Sinne des Produkthaftungsgesetzes bei den E-Scootern von Streetbooster und Navee vor, aber ein reales Sicherheitsrisiko ist insbesondere nach einer längeren und intensiven Nutzung vorhanden.
E-Scooter von Trittbrett: Schwächen bei der Montage

Beim Modell von Trittbrett beginnt der Frust bereits vor der ersten Fahrt. Um den Bremshebel an die Körpergröße anzupassen, muss dieser verstellt werden. Dabei wird jedoch unter Umständen das Sensorkabel der Bremse beschädigt.
Die Folge: Der E-Scooter zeigt eine Fehlermeldung an und ist nicht mehr fahrbereit. In vielen Fällen bleibt dann nur der Weg in die Werkstatt.
E-Scooter-Test: Die Ergebnisse im Überblick
Mit einem Klick auf die getesteten E-Scooter sind alle Details sowie die Stärken und Schwächen des jeweiligen Modells nachzulesen.
| Hersteller/Modell | UVP in Euro | ADAC Urteil | Fahren | Komfort | Handhabung | Sicherheit und Haltbarkeit | Schadstoffe | zum Vergleich hinzufügen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
![]() | 699,00 | 2,0 | 2,4 | 1,9 | 2,3 | 1,6 | 1,5 | |
![]() | 769,00 | 2,1 | 2,2 | 2,1 | 2,2 | 2,2 | 1,0 | |
![]() | 699,99 | 2,2 | 2,2 | 2,1 | 2,7 | 1,9 | 1,5 | |
![]() | 799,00 | 2,3 | 2,6 | 2,1 | 2,6 | 2,0 | 2,0 | |
![]() | 799,00 | 2,3 | 2,3 | 2,1 | 2,1 | 2,7 | 1,0 | |
![]() | 499,00 | 2,4 | 2,5 | 2,4 | 2,3 | 2,4 | 1,5 | |
![]() | 649,99 | 2,5 | 2,3 | 1,9 | 2,8 | 2,8 | 2,5 | |
![]() | 649,00 | 2,6 | 2,6 | 2,1 | 3,2 | 2,6 | 2,5 | |
![]() | 569,00 | 4,51 | 2,4 | 2,2 | 2,5 | 4,5 | 3,5 | |
![]() | 599,00 | 4,51 | 2,9 | 2,5 | 2,2 | 4,5 | 1,0 |
- 1 · Ist die Note Sicherheit und Haltbarkeit ausreichend der schlechter, kann das ADAC-Urteil nicht besser sein.
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
© ADAC e.V.
Reichweite: Kaum realistische Angaben

Wie bei Pedelecs zählt auch bei E-Scootern die Reichweite zu den wichtigsten Kriterien beim Kauf. Hersteller ermitteln ihre Werte jedoch häufig unter Idealbedingungen, etwa mit geringem Fahrergewicht und niedriger Geschwindigkeit – meist mit einem Fahrergewicht von 75 Kilogramm und einer konstanten Geschwindigkeit von 15 km/h. Die Praxis sieht anders aus: Nur wenige fahren dauerhaft mit 15 km/h, und auch das angenommene Körpergewicht entspricht nicht immer der Realität.
Um realistischere Werte zu ermitteln, hat der ADAC im aktuellen Test die Reichweite der E-Scooter auf dem Prüfstand unter praxisnahen Bedingungen verglichen. Als Referenz diente dabei ein Körpergewicht von 90 Kilogramm. Getestet wurde mit aktiviertem Licht, maximal zulässigem Reifendruck und voller Fahrgeschwindigkeit – je nach Modell zwischen 20 und 22 km/h.
Die im Test gemessenen Reichweiten lagen bei diesen Bedingungen zwischen 33,8 Kilometern (Streetbooster) und 47,9 Kilometern (Odys). Damit bieten alle Modelle eine ausreichende Reichweite, um eine übliche tägliche Pendelstrecke von rund 15 Kilometern zuverlässig zu bewältigen.
Allerdings ist der Unterschied zwischen den Angaben der Hersteller und den auf dem ADAC Prüfstand gemessenen Reichweiten oft groß. Die größte Abweichung unter praxisnahen Bedingungen gab es beim E-Scooter von Segway, dicht gefolgt vom Modell von SoFlow. Erfreulicher: der E-Scooter von Streetbooster, der lediglich eine kleine Abweichung bei den Herstellerangaben gegenüber der ADAC Messung zeigt.
Details sind in dieser Grafik nachzulesen.
ADAC Tipp: Bei jeder Tour immer ausreichend Akku-Reserven einplanen, da sich ein E-Scooter mit leerem Akku nicht wie ein herkömmlicher Tretroller fahren lässt. Aufgrund des höheren Gewichts, der vergleichsweise hohen Standfläche und des inneren Widerstands ist hierfür ein deutlich größerer Kraftaufwand erforderlich.
Akku-Ladedauer zu lang

Auch bei der Ladezeit gab es erhebliche Unterschiede im Test. Das Schlusslicht bildete Odys mit 8 Stunden und 40 Minuten für eine vollständige Akkuladung. Aber auch beim Testsieger Segway besteht in diesem Punkt noch Verbesserungspotenzial – das Gleiche gilt für die E-Scooter von Xiaomi, Egret und Trittbrett.
Deutlich schneller war der E-Scooter von SoFlow. Sein Akku war bereits nach 4 Stunden und 15 Minuten komplett geladen und ermöglichte anschließend eine Reichweite von rund 45 Kilometern.
Auffällig waren zudem die teilweise hohen Selbstentladungsraten einiger Modelle. Wer seinen E-Scooter über einen längeren Zeitraum nicht nutzt, sollte deshalb regelmäßig den Ladezustand kontrollieren. Andernfalls besteht die Gefahr einer Tiefentladung des Akkus, die dessen Lebensdauer dauerhaft beeinträchtigen oder im schlimmsten Fall einen Austausch erforderlich machen kann.
Licht und Blinker mit Verbesserungspotenzial

Bei der Beleuchtung zeigten sich im Test Licht und Schatten. Die beste Ausleuchtung der Fahrbahn bieten die Modelle von Segway und Xiaomi. Beim Modell von SoFlow fällt hingegen eine erhöhte Blendwirkung auf. Dadurch kann der Gegenverkehr insbesondere beim Beschleunigen oder auf unebenen Strecken geblendet werden. Unabhängig davon empfiehlt der ADAC, das Licht grundsätzlich dauerhaft eingeschaltet zu lassen, um die Sichtbarkeit im Straßenverkehr zu erhöhen.
Positiv: Alle getesteten E-Scooter verfügen bereits über Blinker. Ab 2027 sind diese bei neu zugelassenen Modellen Pflicht.
Aber es gibt bei den Blinkern auch noch Nachholbedarf. Einige Systeme (von ePF, SoFlow, Trittbrett, Segway, Niu) sind von der Seite nur schlecht oder eingeschränkt sichtbar oder geben ein zu leises akustisches Signal ab. Für andere Verkehrsteilnehmer ist jedoch gerade die seitliche Erkennbarkeit wichtig, um Richtungswechsel rechtzeitig wahrzunehmen. Eine gute seitliche Sichtbarkeit bieten dagegen die E-Scooter von Xiaomi, Egret, Odys, Navee und Streetbooster.
Fahrverhalten: Unterschiede bei Beschleunigung und Tempo
Der Test zeigt, dass sich die Modelle insbesondere beim Anfahrverhalten, bei der Geschwindigkeitsregelung und bei der Motorleistung deutlich unterscheiden. Viele Hersteller bieten verschiedene Fahrmodi an, die sowohl die Beschleunigung als auch die Höchstgeschwindigkeit beeinflussen.
Dabei fiel vor allem der E-Scooter von SoFlow auf. Im leistungsstärksten Fahrmodus reagiert der Gashebel sehr sensibel. Bereits eine leichte Betätigung führt zu kräftiger Beschleunigung. In überraschenden Situationen kann das ungeübte Fahrerinnen und Fahrer vor Herausforderungen stellen. Ein ähnliches, wenn auch weniger ausgeprägtes Verhalten zeigten die Modelle von Odys und Navee.
Höchstgeschwindigkeit: Nicht alle gleich schnell
Bei der maximalen Geschwindigkeit nutzen die Hersteller die gesetzlichen Vorgaben unterschiedlich aus. Während die E-Scooter von Segway und Xiaomi sehr präzise bei den vorgeschriebenen 20 km/h abregeln, erreichen viele andere Modelle im Rahmen zulässiger Messtoleranzen Geschwindigkeiten von bis zu 22 km/h. Im Alltag fällt dieser Unterschied oft kaum auf. Wer jedoch in einer Gruppe unterwegs ist, merkt die Abweichungen schnell. Schnellere E-Scooter müssen häufiger auf langsamere Fahrzeuge warten, während diese Mühe haben, den Anschluss zu halten.
Die Modelle von Odys und Streetbooster begrenzen die Geschwindigkeit im Fahrmodus D sogar auf 15 km/h. Um mit anderen E-Scootern mitzuhalten, ist deshalb oft dauerhaft der leistungsstärkere Fahrmodus erforderlich.
Eine gesetzliche Verpflichtung, E-Scooter bergab aktiv auf 20 km/h zu begrenzen, gibt es nicht. Die Begrenzung ist daher eine bewusste Entscheidung der Hersteller, um ein zusätzliches Sicherheitsniveau zu schaffen. Im Test zeigte sich jedoch auch, dass die Modelle ohne aktive Bergab-Begrenzung selbst bei höheren Geschwindigkeiten sicher und kontrolliert fahrbar blieben. Welche Lösung die bessere ist, hängt daher letztlich von der Philosophie des jeweiligen Herstellers ab: maximale Sicherheitsreserven oder ein möglichst natürliches Fahrverhalten.
Bremsen: Segway und Xiaomi überzeugen
Eine gute Bremse muss sich präzise dosieren lassen. Reagiert sie zu aggressiv, kann ein zu kräftiger Griff zum Bremshebel dazu führen, dass Fahrerinnen und Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren. Für den Test wurden die E-Scooter auf einem speziellen Bremsenprüfstand untersucht. Dabei spielte nicht nur die maximale Bremsleistung eine Rolle, sondern auch das Ansprechverhalten der Bremsen. Die beste Abstimmung gelang den Modellen von Segway und Xiaomi. Beide überzeugten mit einer hohen Bremsleistung und einem gut kontrollierbaren Ansprechverhalten.
Rekuperationsbremse für mehr Komfort
Neben den klassischen Bremsen spielt bei modernen E-Scootern auch die Rekuperationsbremse eine wichtige Rolle. Dabei wird ein Teil der Bewegungsenergie beim Bremsen elektrisch genutzt. Im Alltag ist das komfortabel. Besonders gelungen sind die Systeme von Trittbrett, Streetbooster und ePF. Hier lässt sich die Rekuperationsbremse über einen separaten Daumenhebel stufenlos dosieren. Dadurch kann die Geschwindigkeit feinfühlig reduziert werden, ohne dass man ständig die mechanischen Bremsen nutzen muss.
Darauf sollten Hersteller achten
Sicherheitsrelevante Bauteile müssen praxisnahen Belastungen standhalten und dürfen nicht brechen.
Die geltende Norm für E-Scooter sollte an reale Belastungsszenarien angepasst werden.
Beleuchtung sollte fest, aber blendfrei verbaut sein.
Auch von der Seite sollten Blinker gut erkennbar und die Bedienbarkeit einfacher gestaltet sein.
Praxisnähere Angaben der Reichweiten bei Höchstgeschwindigkeit sollten die Kaufentscheidung vereinfachen.
Eine höhere Ladeleistung der Ladegeräte ist wünschenswert, um E-Scooter auch zwischendurch aufzuladen zu können. Realitätsnah und technisch problemlos umsetzbar ist eine maximale Ladedauer von 5 Stunden.
Der Seitenständer sollte stabil und einfach erreichbar sein.
Fachliche Beratung: Matthias Zimmermann, ADAC Technik Zentrum









