VW ID. Cross: So fährt sich der Prototyp des günstigen elektrischen VW T-Cross
Von Redaktion

Mit dem ID. Cross will VW ein Kleinwagen-SUV auf den Markt bringen, das Alltagsnutzen und Qualität vereint. Über 430 Kilometer Reichweite und ein Preisschild unter 30.000 Euro sollen Interessierte vom Kauf überzeugen. Der ADAC ist bereits einen Prototyp gefahren.
VW ID. Cross kommt im Herbst 2026
Viel Platz auf nur 4,16 Metern Länge
Reichweite über 430 km; Preis ab circa 28.000 Euro
So richtig rund läuft es gerade nicht bei VW. Doch die Hoffnung bei Europas größtem Autohersteller stirbt zuletzt – denn die Niedersachsen feiern 2026 das große Fest der elektrischen Kleinwagen und präsentieren dabei Autos, die den Karren vielleicht tatsächlich aus dem Dreck ziehen und endlich mal wieder zu Fahrzeugen fürs Volk werden könnten.
VW ID. Cross: Handliches SUV für die Stadt

Schließlich steht neben dem vom ID.2 zum ID. Polo umgetauften Einstiegsmodell für 24.990 Euro auch der ID. Cross auf dem Fahrplan, der als handliches SUV für den Stadtverkehr noch viel mehr Potenzial als das klassische Schrägheck hat. Und zwar gleich aus zwei Gründen. Zum einen ist da der Markt, der einfach lauter nach SUV ruft als nach Kleinwagen, weil die gefälliger daherkommen, moderner wirken und vor allem praktischer sind. Selbst wenn das Segment mit Modellen wie dem Citroën C3 Aircross, dem Opel Frontera, dem Renault R4 oder dem Fiat 600 bereits gut besetzt ist, bleibt von diesem Kuchen für VW deshalb noch genügend übrig.
Und dann ist da das Auto selbst, das von einem schmerzhaften, aber erfolgreichen Lernprozess in Wolfsburg kündet. Aus der Feder des neuen Designchefs Andreas Mindt mit ganz wenigen, dafür aber charakterstarken Linien und bulligem Stand gezeichnet, macht der ID. Cross außen einen erfreulich frischen und schnittigen, trotzdem aber hinreichend seriösen Eindruck.
Innenraum: Endlich wohnlich

Drinnen ist Schluss mit der bisherigen ID.-Welt. Jetzt fliegen die leidigen Plastikoberflächen raus und stattdessen bekommt das gesamte Cockpit einen Textilbezug wie daheim das Wohlfühlsofa, der große Touchscreen wird filigraner und hat einen schmaleren Rahmen, sodass er mehr nach iPad aussieht und weniger nach Ikea. Außerdem werden die Grafiken etwas nüchterner und weniger bunt. Wer es verspielter möchte, stellt die Anzeigen auf Retro-Optik um und genießt eine Tachoansicht im Stil des ersten Polo samt virtuellem Röhrenmonitor und Kassettendeck im Zentralbildschirm.

Auch die leidigen Sensor-Felder und Slider-Leisten sind passé. Nicht nur in der Mittelkonsole prangt deshalb wieder eine Reihe von Schaltern für die Klimasteuerung, sondern auch auf dem Lenkrad darf man jetzt wieder nach Herzenslust drücken statt streichen. Und selbst für vier Fensterheber-Schalter hat es in den Türkonsolen auf der Fahrerseite wieder gereicht.
Viel Platz in Innen- und Kofferraum

Während sie bei Ausstattung und Ambiente beweisen wollen, dass preiswerte Volkswagen nicht billig aussehen müssen, wollen sie die Generation E innen mit ungewöhnlich viel Platz ködern. Selbst in der zweiten Reihe sitzt man bei 2,60 Metern Radstand im 4,15 Meter langen ID. Cross deshalb ordentlich, wenn auch nicht übermäßig luftig, und der Kofferraum ist vergleichsweise riesig. Wem das bei 475 Litern nicht gleich auffällt, dem zeigt Mindt gerne das Souterrain unter dem doppelten Boden, in dem sogar ein zusammengeklappter Kinderwagen Platz findet. Noch was würde Mindt gerne zeigen, wenn denn die Bughaube am Ausstellungsauto schon aufginge: Der ID. Cross ist das erste E-Auto aus Wolfsburg, das einen Frunk bekommt – wenngleich dieser nur 22 Liter fasst.
Erste Testfahrt im ID. Cross Prototyp
Einen ersten Fahreindruck konnte der ADAC bereits am Steuer eines noch getarnten Prototyps erlangen: Der ID. Cross könnte ein richtiger Volkswagen werden.

Auf den ersten Metern zeigt sich das SUV erfreulich neutral. Die Lenkung ist präzise und angenehm direkt, an Rückmeldung fehlt es keineswegs. Auch das Fahrwerk wurde von den Wolfsburgern fein abgestimmt. Es bietet guten Komfort, ohne dabei zum Schaukeln zu neigen. Kleine Anregungen durch Querfugen sind zwar spürbar, stören aber nicht weiter und werden nicht aufdringlich auf die Insassen übertragen. Für ein kleines Fahrzeug mit kurzem Radstand ist das mehr als ordentlich.
Möglich machen das laut VW neue Dämpfer an der Vorderachse, die größer dimensioniert sind und sich besser abstimmen lassen. Die Verbundlenker-Hinterachse hat verglichen mit früheren ID.-Modellen eine andere Geometrie bekommen und setzt auf neue Gummilager, die den Wagen besser von der Straße entkoppeln.

Unter der Haube des Prototyps wurde die größte Ausbaustufe des APP290-Motors verbaut, die im Cross Anwendung findet. Der 155 kW (211 PS) starke E-Motor hat mehr als genug Kraft für den Alltag und zeigt sich beim Erstkontakt laufruhig. Bei den Windgeräuschen muss VW bis zur Markteinführung allerdings noch etwas nachbessern: Bereits bei 80 km/h sind diese deutlich im Innenraum zu hören. Der Grund hierfür könnten aber die Türdichtungen sein, die laut einem VW-Ingenieur noch nicht final sind.
Zwei Akkus und drei Motorisierungen für den ID. Cross
Zwei Akkugrößen wird es für den ID. Cross zum Marktstart geben. Die kleinere 37-kWh-LFP-Batterie kann mit einem 85 kW (116 PS) und einem 99 kW (135 PS) starken Antrieb kombiniert werden, der im Prototyp verbaute 52-kWh-NMC-Akku ist dem Top-Modell mit 155 kW (211 PS) vorbehalten. Während der kleine Akku später auf eine WLTP-Reichweite von circa 316 Kilometer kommen soll, verhilft der größere Stromspeicher zu circa 436 Kilometer. Auch die maximale Ladeleistung ist abhängig von der Akkugröße. Schnellladen ist im ID. Cross serienmäßig, der 37-kWh-Akku kann mit maximal 90 kW aus der Ladesäule ziehen, beim 52-kWh-Akku sind es 105 kW. Zu Hause oder an der öffentlichen Wechselstromsäule sind maximal 11 kW möglich. Der Ladehub von 10 auf 80 Prozent soll beim Schnellladen in rund 27 Minuten erreicht sein, dank der besseren Ladeleistung geht es beim Top-Modell mit 24 Minuten sogar etwas schneller.
Preis für den ID. Cross: Ab rund 28.000 Euro

Als Einstiegspreis nennt Volkswagen einen Betrag von rund 28.000 Euro. Wo genau der Preis am Ende landet, hängt nicht nur von den vielen teuren Extras ab, die zum Beispiel neue Regularien aus Brüssel und beim Euro NCAP verlangen. Schließlich läuft sich auch schon der ID.1 warm, der wohl noch zum ID. Up werden wird. Und wenn der tatsächlich unter 20.000 Euro bleiben soll, könnte es gut sein, dass ihn der große Bruder ein bisschen quersubventionieren muss.
Text: Thomas Geiger; Fahreindruck: Andreas Huber, ADAC