Toyota Urban Cruiser (2026): Wirklich nur gut für die Stadt?
Von Jochen Wieler

Toyota will sein Angebot an Elektroautos in den kommenden Jahren massiv ausbauen. Den Anfang macht 2026 der Urban Cruiser. Ist er nur ein Stadtauto oder auch alltagstauglicher Erstwagen? Testfahrt, Daten, Preis.
Toyota Urban Cruiser: Kleines Elektro-SUV
Zwei Batteriegrößen: 49 und 61 kWh
Preis ab 31.990 Euro für das Basismodell
Urban Cruiser? Den gab es doch schon einmal. Genau, zwischen 2009 und 2014 hatte Toyota ein Modell gleichen Namens im Angebot. Ein weniger als vier Meter kurzes Mini-SUV als wendiges Stadtauto ("Urban Cruiser") mit Diesel- oder Benzinmotor.
Nach zwölf Jahren Pause gibt es 2026 wieder einen Urban Cruiser von Toyota. Und in dieser Zeit hat sich die (automobile) Welt ziemlich weitergedreht, wie sich bereits beim Blick auf das Datenblatt zeigt: Verbrennungsmotoren hat der neue Urban Cruiser nicht mehr, ihn gibt es ausschließlich mit Elektroantrieb. Und auch bei der Größe hat er dem allgemeinen Trend folgend zugelegt und erstreckt sich nun auf 4,28 Meter in der Länge.
Wirklich groß ist das nach heutigen Maßstäben aber immer noch nicht, ein VW Golf kommt auf exakt das gleiche Maß. Was umso mehr erstaunt, wenn man vor dem neuen Urban Cruiser steht. Denn er wirkt sehr präsent und stattlich und kommt im modernen SUV-Look mit dicken Backen, großen Rädern und leicht erhöhtem Einstieg daher. Genau so also, wie es die Kunden derzeit wünschen.
Innere Größe: Genügend Platz im Urban Cruiser

Das Ein- und Aussteigen klappt deshalb auch sehr bequem, sowohl vorn als auch hinten. Und wer bei der Länge eines Golf eher eingeschränkte Platzverhältnisse vermutet, dürfte überrascht sein. Selbst im Fond hat der Urban Cruiser für die Beine und über den Köpfen der Mitfahrerinnen und Mitfahrer eine Menge Raum zu bieten.
Der Clou: Dank einer in Längsrichtung verschiebbaren Rückbank können die Fondpassagiere bei Bedarf besonders viel Beinfreiheit genießen. Die Lehne der Rückbank lässt sich in der Neigung verstellen und im Verhältnis 40:20:40 umklappen.
Das Kofferraumvolumen beziffert Toyota mit 310 (Basisversion) bzw. 306 Litern. Das ist zwar nicht rekordverdächtig viel, aber für die Fahrzeuggröße durchaus passabel. Und schließlich lässt sich der Kofferraum ja auch noch vergrößern, wenn man die Rückbank verschiebt.
Erste Einschätzung: Was das Platzangebot angeht, ist der Urban Cruiser sogar Erstauto-tauglich und nicht nur als reines Stadtmobil zu gebrauchen.
Innenraum und Bedienung

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Das Cockpit mit ordentlichen Materialien bietet einen Mix aus "echten" Schaltern und Knöpfen sowie zwei mittelgroßen Displays. Das Display hinter dem Lenkrad zeigt vor allem fahrrelevante Informationen, ist übersichtlich aufgebaut und auch bis zu einem gewissen Grad individualisierbar.
Der rechte Touchscreen ist Anzeige- und Bedienoberfläche für das Infotainmentsystem, aber für heutige Verhältnisse relativ klein. Was auch daran liegt, dass sich am linken und rechten Rand feste Touchflächen als Direktzugriff für Radio, Navi oder Fahrzeugeinstellungen befinden.
Die Bedienlogik versteht man deshalb auf Anhieb. Verbesserungswürdig ist allerdings, dass der Navipfeil dem tatsächlichen Standort hinterherhinkt, was sich beim Abbiegen oft als Ärgernis erweist.
Antrieb: E-Motoren von 106 bis 135 kW

Beim Antrieb lässt Toyota den Kundinnen und Kunden die Wahl zwischen drei Varianten. Die Basis kombiniert einen 106 kW/144 PS starken Frontantrieb mit einer 49 kWh großen Batterie. Alternativ steht eine größere Batterie mit 61 kWh zur Verfügung (jeweils LFP-Batterien), die mit einem 128 kW/174 PS starken Frontantrieb oder einem zweimotorigen Allradantrieb mit 135 kW/184 PS kombiniert werden kann.
Und welche Motorisierung ist ratsam? Kommt drauf an, wie man den Urban Cruiser nutzen möchte. Auch wenn das Einstiegsmodell (49-kWh-Akku) mit einem relativ günstigen Grundpreis von 31.990 Euro lockt, sollte man genau überlegen, ob dessen Reichweite wirklich für das individuelle Fahrprofil ausreicht.
Zwar klingen 344 Kilometer im Prospekt schon recht brauchbar. Und im Sommer bei einem Mix aus Stadt- und Landstraßentempo mag das auch ausreichen. Im Winter auf der Autobahn können daraus aber auch schnell mal weniger als 200 Kilometer werden, wie der ADAC Reichweitenrechner zeigt.
ADAC Reichweitenrechner
Toyota Urban Cruiser (49 kWh) Comfort 106 kW (144 PS)
-10
30
50
130
Berechnete Reichweite
333km
(Reichweite laut Hersteller: 344 km)
Elektro-Toyota mit mehr als 400 km Reichweite
Kurzum: Wer selten längere Strecken fährt, kann gut mit dem Basismodell leben. Legt man aber Wert auf maximale Reichweite, sollte es der 61-kWh-Akku mit Frontantrieb sein.
Er kommt auf die größte Reichweite nach WLTP-Norm (426 km) im Modellportfolio und hat als "Teamplayer" unter anderem mit Sitzheizung und beheizbarem Lenkrad stets die bessere Ausstattung an Bord als die Basisversion namens Active. Doch auch die ist mit schlüssellosem Zugangssystem, 18-Zoll-Alufelgen, verschiebbarer Rückbank, Parkpiepsern und Navi, Wärmepumpe sowie Batterievorkonditionierung nicht ärmlich ausstaffiert.
Testfahrt im Toyota Urban Cruiser

Die Mehrleistung der Version mit großer Batterie nimmt man ebenfalls gern mit. Zwar ist die Höchstgeschwindigkeit in jedem Fall auf 150 km/h begrenzt, doch eine bessere Beschleunigung lässt Überholvorgänge nun mal flotter und damit sicherer hinter sich bringen. 0 bis 100 km/h schafft diese Version in 8,7 Sekunden (Basis 9,6), nur die Allradvariante ist noch flotter (7,4 Sekunden), verbraucht aber mehr und hat daher eine geringere Reichweite.
Auf der ersten Testfahrt mit dem 128 kW/174 PS starken Modell machte der E-Antrieb einen sehr guten Eindruck. Der Antrieb lässt sich beim Druck auf das rechte Pedal sehr feinfühlig steuern, wirkt recht lebhaft und schüttelt E-Auto-typisch seine Kraft verzögerungsfrei und souverän aus den Spulen des Motors. Und das Ganze so leise, wie es ein Verbrenner nie könnte.
Der Federungskomfort setzt keine neuen Maßstäbe, geht für diese Fahrzeugklasse aber in Ordnung. Schade ist, dass sich die Lenkung des Urban Cruiser schwergängiger dreht, als man es von einem Auto dieser Größe erwarten würde, und sich damit auch gegen den allgemeinen Trend zu leichtgängigeren Lenkungen stemmt. Zudem dürfte sie noch direkter arbeiten. So wirkt das Fahrzeug im alltäglichen Umgang schwerfälliger, als es sein müsste, denn nicht nur der kleine Wendekreis von 10,4 Metern macht den Urban Cruiser eigentlich sehr handlich für die Stadt.
Und das ausgewogen abgestimmte Fahrwerk würde durchaus auch eine sportive Gangart erlauben, wie die ersten Testfahrten auf der Landstraße gezeigt haben.
DC-Ladeleistung unterdurchschnittlich

Und wie schnell lädt der Urban Cruiser wieder auf? In der Stadt an AC-Säulen und an der heimischen Wallbox sind maximal 11 kW Ladeleistung drin, was zu Standzeiten von fünf bis sechs Stunden führt, wenn der Akku leer ist. So weit, so üblich, 22 kW spendieren die wenigsten Hersteller ihren Fahrzeugen. Beim größeren Toyota bZ4X lassen sich 22 kW zumindest gegen Aufpreis ordern, was die Ladezeiten halbieren würde.
Sehr enttäuschend fällt beim Urban Cruiser die Ladeleistung an DC-Schnellladesäulen aus. Der kleine Akku nippt maximal 53 kW, der große kommt auf 67 kW. In beiden Fällen gibt Toyota eine Standzeit von rund 45 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent an. Viele andere aktuelle E-Autos schaffen das mittlerweile in der Hälfte der Zeit.
Längere Strecken erfordern also eine gewisse Geduld, wenn nachgeladen werden muss. Und eine gute Planung. Immerhin lässt sich die Batterie vorkonditionieren, sodass in der Theorie zumindest die angegebene Ladeleistung auch im Winter annähernd erreicht werden kann.
Fazit
Ist der Urban Cruiser denn nun ein reines Stadtauto, wie der Name besagt, oder ist er für mehr zu gebrauchen? Die Anlagen zum Erstauto hätte der Urban Cruiser. Das Platzangebot ist gut und die Reichweite so akzeptabel, dass auch mal längere Strecken auf der Autobahn möglich wären. Warum Toyota aber das Potenzial für die Langstrecke durch eine unterdurchschnittliche Ladeleistung vermasselt hat, ist unverständlich. Denn als reines Stadtauto ist der neue Urban Cruiser eigentlich zu schade.
Übrigens: Der Toyota Urban Cruiser wurde zusammen mit Suzuki entwickelt. Das baugleiche Auto steht daher bei den Suzuki-Händlern als eVitara – zu günstigeren Preisen. Die Basisversion ist dort ab 29.990 Euro zu haben, die größere Batterie gibt es ab 36.490 Euro. Wer sich für das Suzuki-Zeichen an Front und Heck entscheidet, spart also rund 2000 Euro.
Toyota Urban Cruiser 2026: Daten und Preise
Technische Daten (Herstellerangaben) | Toyota Urban Cruiser (49 kWh) Comfort (ab 02/26) | Toyota Urban Cruiser (61 kWh) Teamplayer (ab 02/26) | Toyota Urban Cruiser (61 kWh) Lounge AWD (ab 02/26) |
|---|---|---|---|
Motorart | Elektro | Elektro | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 106 | 128 | 135 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 144 | 174 | 184 |
Drehmoment (Systemleistung) | 193 Nm | 193 Nm | 307 Nm |
Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad | Allrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 9,6 s | 8,7 s | 7,4 s |
Höchstgeschwindigkeit | 150 km/h | 150 km/h | 150 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 344 km | 426 km | 395 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 14,9 kWh/100 km | 15,1 kWh/100 km | 16,6 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | 49,0 | 61,0 | 61,0 |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | 48,0 | 60,0 | 60,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:11,0 DC:53,0 | AC:11,0 DC:67,0 | AC:11,0 DC:67,0 |
Kofferraumvolumen normal | 310 l | 310 l | 306 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | n.b. | n.b. | n.b. |
Leergewicht (EU) | 1.742 kg | 1.839 kg | 1.939 kg |
Zuladung | 438 kg | 411 kg | 421 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg | 750 kg | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 750 kg | 750 kg | 750 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 3 Jahre oder 100.000 km | 3 Jahre oder 100.000 km | 3 Jahre oder 100.000 km |
Länge x Breite x Höhe | 4.285 mm x 1.800 mm x 1.635 mm | 4.285 mm x 1.800 mm x 1.635 mm | 4.285 mm x 1.800 mm x 1.635 mm |
Grundpreis | 31.990 Euro | 38.990 Euro | 44.990 Euro |
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