Opel Manta mit Elektroantrieb: Der entölte Blitz

Nicht nur der Kühlergrill ist neu: Elektro-Manta von Opel ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Opel

Mit einem auf Elektroantrieb umgebauten Manta der 70er-Jahre greift Opel tief in die Trickkiste des Marketings. Und gibt einen Vorgeschmack auf das Serienauto Mitte des Jahrzehnts.

  • Oldtimer-Umbau als Show-Exemplar

  • Leistung, von der Manta-Fahrer nur träumen konnten

  • Serien-Manta kommt – und zwar rein elektrisch

Wer braucht schon Marty McFly und einen DeLorean, wenn er Männer wie Jens Cooper und einen Manta hat: Wenn Opel-Chef Michael Lohscheller „Zurück in die Zukunft“ reisen will, geht das auch ohne Hilfe aus Hollywood. Lohscheller steigt einfach in das jüngste Projekt seiner Klassik-Werkstatt und surrt mit einem Manta GSe ElektroMod über den Zeitstrahl.

Elektro-Manta: Die neue Ikone von Opel

Ob als Werbemaßnahme oder zur Selbstfindung im Markendschungel des Stellantis-Konzerns – die Rüsselsheimer schufen vor Kurzem aus einem grellgelben Manta der Klassik-Abteilung eine neue Ikone der Marke, indem sie ihn mit viel Liebe zum Detail und etwas Augenzwinkern fit für die Zukunft gemacht haben. Anstelle eines historischen gab es dafür ein modernes E-Kennzeichen.

Statt beim ersten Anlassen kurz zu stottern und zu röcheln und dann müde davonzupöttern, herrscht nach dem Start gespenstische Stille. Die Ursache ist kein kaputter Vierzylinder-Motor, sondern dass er eben fehlt. Wo er bis dato montiert war, surrt jetzt still und leise eine E-Maschine, die mit 148 PS fast anderthalbmal so viel Leistung hat – und mit 255 Nm mehr Drehmoment entwickelt, als sich ein Manta-Fahrer je träumen lassen konnte. Und das bei einem für Elektroautos lächerlichen Gewicht von weniger als 1,2 Tonnen.

Wenn qualmende Reifen nicht so politisch inkorrekt wären, könnte man mit einem beherzten Tritt aufs rechte Pedal reichlich Gummi von den 205er-Schlappen hobeln, die das Klassik-Team hinten auf die 17-Zoll-Felgen gezogen hat. Mit ein bisschen Glück sind sogar mehr als die 150 km/h drin, die Opel bei den Elektrovarianten von Corsa & Co. erlaubt.

Elektroauto mit manuellem Schaltgetriebe

Ein gelber Opel Mantra mit Elektroantrieb steht in einer alten Fabrikhalle
Aus jeder Perspektive unverkennbar ein Manta geblieben ∙ © Opel

Aber nicht nur Klassik-Cruiser müssen sich beim Manta GSe umgewöhnen, auch E-Fahrer zwingt der ElektroMOD eine neue Erfahrung auf. Als einer der ganz wenigen Stromer hat der Elektro-Manta ein Schaltgetriebe. Und auch wenn man die E-Maschine natürlich nicht abwürgen kann, spielt man deshalb trotzdem ständig mit Kupplung und Gas- äh Strompedal. Sobald man das richtig raus hat, wird die Zeitreise im Manta zu einem elektrisierenden Erlebnis.

Für die Vintage-Fraktion, weil der alte Opel besser antritt und flotter fährt als jeder noch so wild getunte Manta jener Zeit. Und für die Generation E, weil er eben nicht nur ein cooler Stromer ist, sondern auch ein Auto mit Patina und Seele, in dem es noch irgendwie nach Öl und Benzin oder zumindest nach Lack und Leder riecht, in dem Antriebswellen vibrieren und Getrieberitzel grummeln – ein Auto für alle Sinne.

Ganz neu ist die Idee vom Oldtimer unter Strom nicht. Jaguar hatte schon vor Jahren mit der Umrüstung des legendären E-Type zum Elektrosportwagen begonnen, bei VW kann man mittlerweile Elektro-Bausätze für Käfer und Bulli kaufen, und alle paar Wochen meldet sich ein anderer Tüftler, der wieder einen neuen Oldtimer zurück in die Zukunft schicken will.

Manta GSe ElektroMod: Oldie goes digital

Seitlicher Blick auf das Cockpit des Opel Mantra mit Elektroantrieb
Elektro-Manta mit Digital-Cockpit und Navi ∙ © Opel

Doch mit dem ElektroMod hat Opel den Faden ein bisschen weitergesponnen. Statt einfach nur einen modernen Antrieb ins alte Auto zu frickeln, haben die Hessen den ganzen Wagen in die neue Zeit geholt und die Uhr fünf Jahrzehnte vorgedreht: Im originalen Armaturenbrett flimmern deshalb digitale Instrumente aus dem Mokka-E, zwischen den Sitzen schallt der Soundtrack aus einem Bluetooth-Lautsprecher, und sogar ein Navi haben sie ins Cockpit integriert.

Und natürlich trägt der in einem zur neuen Markenfarbe geadelten Neongelb lackierte GSe den Vizor-Grill, den Opel mit dem Mokka eingeführt und zum künftigen Gesicht der Marke erklärt hat. Allerdings haben die Manta-Modder dafür nicht einfach ins Ersatzteillager des Mokka gegriffen. Das Kühlerschild des Manta GSe wird zum PixelVizor und damit zum riesigen Display, über den der zeitreisende PS-Pensionär mit seiner Umgebung kommuniziert. Er stellt sich vor, prahlt mit seinen Eigenschaften, informiert über den Ladestand oder zeigt den Blitz als das, was er von Natur aus ist – eine Lichtsignatur.

Mit dem Einzel-Umbau schürt Opel geschickt die bisherigen Gerüchte über das Comeback des Manta und befeuert die Sehnsucht nach einem neuen, dann natürlich elektrischen Sportwagen aus Rüsselsheim. Opel-Chef Michael Lohscheller: „Der Manta GSe zeigt eindrucksvoll, mit welcher Begeisterung wir bei Opel Autos bauen. Er verbindet unsere großartige Tradition mit dem heutigen Wunsch nach emissionsfreier Mobilität für eine nachhaltige Zukunft.“

Elektro-Manta als Serienauto: Mit ohne Fuchsschwanz

Die Chancen, dass sich der zahlenfixierte Konzernchef Carlos Tavares im fernen Paris so ein Prestige-Projekt für Opel aus den Rippen leiern lässt, mutete zunächst gering an. Aber wie Opel nun offiziell verkündete, werde ein Serienauto gleichen Namens tatsächlich gebaut. "Bis Mitte des Jahrzehnts werden wir einen neuen Manta in Serie bringen. Natürlich rein elektrisch“, erklärte Lohscheller.

Ob die Karosserieform des Serienautos tatsächlich so nah am historischen Vorbild sein kann, wird sich genauso zeigen müssen wie der Mut der Rüsselsheimer, ob sie dem Wagen zur Weltpremiere einen Fuchsschwanz umhängen. Bei der Akku-Kapazität von 31 Kilowattstunden und der elektrischen Reichweite von 200 Kilometern des Oldtimer-Umbaus werden es die Opelaner aber sicher nicht belassen. Wenn doch, wäre die Ikone wohl dem endgültigen Untergang geweiht.

Text: Thomas Geiger, Wolfgang Rudschies

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