Nissan Leaf (2026): Ist der Elektro-Vorreiter wieder up to date?

• Lesezeit: 8 Min.

Von Wolfgang Rudschies

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Der Nissan Leaf mit buten Häusern im Hintergrund
Die Linienführung des neuen Leaf ähnelt der des Nissan Ariya© Nissan

Der Nissan Leaf war einst Vorreiter bei den E-Autos. Die zweite Generation schwächelte. Und nun? Was der aktuelle Leaf kann, klärt der ADAC Autotest. Reichweite, Daten, Preise.

  • Test der Topversion mit großer Batterie

  • Guter Fahrkomfort im kompakten E-Auto

  • Leichte Schwäche beim DC-Laden

PDF Format
Hier können Sie den ausführlichen Test des Nissan Leaf (75 kWh) Evolve herunterladen

Mehr als 15 Jahre ist es her, dass der Nissan Leaf in Japan vorgestellt wurde. Damals, 2010, eine Weltsensation: Der Leaf war nämlich nicht nur einer der ersten in Großserie gefertigten Pkw mit reinem Batterieantrieb. Er war vor allem das erste E-Auto mit Allround-Ambitionen.

Selbstverständlich nahm der ADAC das Auto 2012 direkt in seinen Fuhrpark auf. Ein Leaf landete im ADAC Pannendienst, einer kam als Dauertestwagen in die ADAC Redaktion. Hier wie dort machte der Leaf der ersten Generation in vielerlei Hinsicht eine gute Figur. Bei dem so wichtigen und damals umstrittenen Reichweiten-Thema kam er jedoch im Alltag nicht über 120 Kilometer hinaus – je nach Wetter und Fahrprofil.

Die zweite Generation (ab 2018) schaffte im Test immerhin schon 200 (mit 40-kWh-Akku) und 300 Kilometer (62-kWh-Akku), hinkte jedoch bei der Batterietemperierung der Konkurrenz hinterher. So ließ der Leaf II sich auf der Langstrecke unter Idealbedingungen mit gerade mal 50 kW aufladen.

Und nun? Kann der komplett neue Nissan Leaf der dritten Generation wieder mit der Konkurrenz mithalten? Der aktuelle ADAC Test gibt Aufschluss.

Der Nissan Leaf im Detail

Nissan Leaf: Im Test 465 Kilometer Reichweite

Seitenansicht eines fahrenden Nissan Leaf
Der neue Nissan Leaf misst in der Länge 4,35 Meter© Nissan

Mit coupéhaftem Fließheck, bulliger Front, kompakteren Abmessungen und markanten Radhäusern wirkt die Neuauflage deutlich stämmiger und moderner als das Vorgängermodell. Die Technikplattform teilt sich der Leaf mit Renault, konkret mit dem Mégane und dem Scénic E-Tech Electric.

Bei Antrieb und Akku leistet Nissan sich jedoch den Luxus, eigenständige Wege zu gehen. So ist der E-Motor ebenso eine Eigenentwicklung wie der Nickel-Mangan-Cobalt-Akku, der dank neuer Pack-Strategie mehr Batteriemodule auf gleicher Fläche unterbringen kann.

Nicht zuletzt aufgrund der durchdachten aerodynamischen Gestaltung hat der Leaf III bei Reichweite und Effizienz zugelegt. Der Fahrzeugunterboden ist vollständig verkleidet, der Luftwiderstandsbeiwert beträgt gute 0,25 cw. So soll sich der Energieverbrauch bei beiden erhältlichen Versionen laut Werksangabe mit weniger als 14 kWh pro 100 Kilometer in Grenzen halten. Damit die Reichweite im Winter möglichst wenig leidet, hat Nissan nun auch ein intelligentes Thermo-Management installiert.

Für den aktuellen Test stand dem ADAC die Topversion Evolve mit 160 kW Leistung und dem 75 kWh großen Akku zur Verfügung. Unter den Bedingungen des WLTP-Prüfverfahrens soll die Long-Range-Version auf eine Reichweite von 624 Kilometer kommen.

Im deutlich realitätsnäheren ADAC Messzyklus kommt der Nissan Leaf Evolve auf einen gemischten Verbrauch von 17,6 kWh. Damit erzielt er eine Reichweite von 465 Kilometer pro Akkuladung. Das sind wirklich gute Werte.

Um nicht zu verschweigen, dass das mit dem Verbrauch und der Reichweite immer so eine Sache ist: Was dabei herauskommt, ist wie bei jedem E-Auto stark abhängig von der individuellen Fahrweise und der jeweiligen Außentemperatur. Wie sich die Unterschiede unter verschiedenen Bedingungen in etwa darstellen, zeigt der ADAC Reichweitenrechner:

ADAC Reichweitenrechner

Nissan Leaf (75 kWh) Evolve 160 kW (217 PS)

-10

30

50

130

Berechnete Reichweite

605km

(Reichweite laut Hersteller: 624 km)

Schwäche beim DC-Laden

Batterie Optionen des Nissan Leaf
Thema Reichweite: Zwei unterschiedlich große Akkus stehen dem Kunden zur Wahl© ADAC/Wolfgang Rudschies

Beim schnellen DC-Laden, wie man es an der Autobahn nach Möglichkeit praktiziert, offenbart der Nissan Leaf eine kleine Schwäche: Die anfangs erreichte Ladeleistung von bis zu 153 kW sackt bei den Messungen nämlich bei 38 Prozent SoC (State of Charge, Ladezustand der Batterie) deutlich ab, bis sie bei etwa 46 Prozent SoC am Tiefpunkt von 20 kW ankommt, um dann nach kurzer Verschnaufpause wieder auf über 100 kW zu steigen.

Grund für die Schwächephase ist eine zeitweise mangelnde Kühlung der Batteriezellen. Werden die Zellen während des Ladevorgangs zu heiß, muss die Ladeleistung zwangsweise heruntergeregelt werden.

Über die gesamte Ladezeit von 10 auf 80 Prozent SoC – den standardisierten Prozess beim DC-Laden – schafft es der Leaf so auf eine durchschnittliche Ladeleistung von lediglich 88,2 kW. Das ist schade, denn da wäre mehr drin gewesen. Die komplette Ladekurve lässt sich dem PDF zum Herunterladen (ganz oben in diesem Artikel) entnehmen.

Ist das Navi aktiviert, wird die Batterie automatisch vor dem DC-Ladestopp vorkonditioniert. Alternativ gibt es einen manuellen Button zur Vortemperierung, der 20 bis 30 Minuten vor dem Laden gedrückt werden sollte. Die Routenplanung mit Ladestopps funktioniert einfach und verlässlich.

AC-Laden geschieht mit 11 kW an der Wallbox, ein 22-kW-Bordlader ist nicht vorgesehen. Serienmäßig ist ein bidirektionaler V2L-Anschluss mit 3,6 kW vorhanden, der zum Aufladen von E-Bikes oder dem Betrieb von Werkzeugen genutzt werden kann. In Zukunft soll der Leaf auch das Energie-Rückspeisen ins Netz ermöglichen (Vehicle-to-Grid; V2G).

Innenraum und Qualität

Blick von der Rückbank auf das Cockpit des Nissan Leaf
Das große Glasdach ist nicht zu öffnen, aber dimmbar © ADAC/Wolfgang Rudschies

Im Innenraum verwöhnen Stoffbezüge am Armaturenbrett sowie am Türrahmen. Die Armauflagen der Türen sind weich unterschäumt. Hartplastik gibt es quasi nur im (unsichtbaren) Bereich unter der Gürtellinie. Insgesamt wurden die Teile des Nissan Leaf sauber verarbeitet.

Darüber hinaus sind ein paar clevere Details erwähnenswert, die Lautsprecher in den Kopfstützen beispielsweise, die Telefonanrufe oder Navigationsansagen direkt ins Ohr flüstern. Oder das große Panorama-Glasdach, das in den oberen Ausstattungslinien serienmäßig mitfährt und sich in Sektionen elektronisch dimmen lässt: Kristalle, die bestromt werden, ändern unter Spannung ihre Durchlässigkeit. Ein Sonnenrollo samt Rahmen entfällt, das spart 7 Kilogramm Gewicht.

Redakteur Wolfgang Ruschies auf der Rückbank des Nissan Leaf
Durchschnittlich große Erwachsene haben im Fond genügend Platz© ADAC/Wolfgang Rudschies

Am Sitzkomfort und dem Platzangebot für Insassen gibt es wenig zu kritisieren. Ja, bei im Fond sitzenden Erwachsenen ragen die Knie ein wenig unbequem in die Höhe. Dafür reicht die Kniefreiheit für Menschen bis 1,95 Meter. Leider stoßen hinten Sitzende aber schon ab einer Größe von 1,80 Meter mit dem Kopf an den Dachhimmel an, wie die ADAC Ingenieure gemessen haben. Ursache der mangelnden Kopffreiheit ist die stark abfallende Dachlinie des Leaf.

Der Kofferraum fasst bei normaler Sitzkonfiguration 355 Liter. Klappt man die Rücksitzlehnen um, gehen bis zur Fensterunterkante gemessen 755 Liter, dachhoch bis 1250 Liter hinein. Das ist im Konkurrenzvergleich mittelprächtig. Immerhin gibt es unter dem Kofferraumboden noch Platz, um beispielsweise das Ladekabel oder irgendwelchen Kleinkram zu verstauen.

Ein Makel des Kofferraums ist seine Beladbarkeit: Transportgut wie schwere Getränkekisten muss über eine hohe Ladekante gehievt werden, die 77 Zentimeter über der Straße liegt.

Die Tücken der Bedienung

Der Boardcomputer des Nissan Leaf
Kein Automatik-Wahlhebel, sondern Tasten© Nissan

Nissan setzt erfreulicherweise auch in Zeiten zentraler Touchscreenbedienung bei im Alltag besonders wichtigen Funktionen auf Tasten. Dazu gehören die Klimafunktionen, die separat unter dem Touchscreen eingestellt werden können. Außerdem gibt es einen haptischen Ein-Aus-Knopf bzw. Laustärkeregler für das Infotainmentsystem. Das Multimediamenü ist verständlich strukturiert, ein Head-up-Display für wichtige Informationen im direkten Blickfeld des Fahrers gehört zur Serienausstattung. Das ist top.

Nicht besonders schick, aber ebenfalls praktisch in der Bedienung sind die Tasten zur Gangwahl an der Mittelkonsole. Die Paddles links und rechts am Lenkrad, mit denen sich die situationsgerechte Bremsrekuperation einstellen lässt (+/-), kann man als Spielerei abtun. Die anwählbare Einstellung "Auto +1" macht aber durchaus Sinn. Dabei gelingt es dem System sehr gut, das Auto entspannt im Verkehrsgewusel mitfließen zu lassen, es rekuperiert mal mehr und mal weniger und bremst entsprechend situationsgerecht ab.

Will man an den Grundeinstellungen der Assistenzsysteme etwas ändern, wird es komplizierter: Hierzu muss man sich durch ein Menü wühlen, das über die Lenkradtasten anwählbar ist. Das lenkt den Fahrer unnötig vom Verkehrsgeschehen ab. Gut, dass Nissan am Lenkrad eine Favoritentaste eingerichtet hat, mit der Tempowarner und Spurhalter im Shortcut bei Bedarf deaktiviert werden können.

Nissan Leaf: Fahrkomfort ist Trumpf

Der Nissan Leaf parkt unter einem Baum
Kompakt und komfortabel: Der neue Nissan Leaf© ADAC/Wolfgang Rudschies

Spürbar viel Wert haben die Entwickler auf einen geschmeidigen Federungskomfort und ein harmonisch austariertes Fahrwerk gelegt. Die Reifen rollen geräuscharm ab. Der Leaf liegt gefühlt absolut satt und sicher auf der Straße. Damit sollte er die meisten Geschmäcker in Sachen Fahrwerksauslegung zufriedenstellen.

Auch sportlichen Ambitionen verwehrt sich der Japaner nicht. Beim ADAC Ausweichtest liefert der Leaf ein souveränes Bild ab. Seine immerhin 160 kW Leistung bzw. 355 Nm Drehmoment lassen im Alltag wenig Wünsche offen. Überholvorgänge auf der Landstraße (von 80 auf kurzzeitig 120 km/h) sind schnell erledigt, spontanes Einfädeln in den Verkehr, ohne jemanden zu behindern, ist flüssig möglich. Einziges kleines Manko: Die Höchstgeschwindigkeit ist beim Leaf auf 160 km/h reduziert.

Für eine Vollbremsung aus 100 km/h bis zum Stillstand braucht der getestete Leaf 38,2 Meter – leider kein allzu guter Wert. Die Lenkung macht im Alltag einen prima Job. Man hat eine passende Rückmeldung und kann zielgenau durch kurvige Landstraßen steuern. Interessant: Weitwinkelkameras sowie die entsprechende Software ermöglichen eine "Durchsicht durch die Motorhaube" und erleichtern damit das Rangieren, beispielsweise an Bordsteinen.

Wer mit dem Leaf einen Anhänger ziehen möchte, muss sich mit gebremsten 975 Kilogramm bescheiden.

Fazit: Alles richtig gemacht?

Einen Autohersteller für sein Produkt zu loben ist schwierig, wenn die Technik im Grunde von einem anderen Hersteller stammt. Das gilt auch für den Nissan Leaf, der eine Renault-Plattform nutzt. Trotzdem: Der Nissan Leaf ist ein weitgehend überzeugendes Elektroauto in der Kompaktklasse geworden, wie die Testnote 2,2 zeigt.

Wenn Nissan jetzt noch die Delle in der Ladekurve und die mäßige Bremsleistung beseitigen würde, gäbe es kaum noch wirklich etwas zu bemängeln. Höchstens den Preis: Der Testwagen Evolve kostete inklusive ein paar Extras 49.350 Euro.

  • Das hat uns gefallen: gute Reichweite/niedriger Verbrauch, flotte Fahrleistungen, ordentliche Qualität und Verarbeitung, umfangreiche Ausstattung, sichere Fahreigenschaften, weitgehend einfache Bedienung, gute Kindersitzeignung

  • Das hat uns nicht gefallen: temporäre Schwäche beim DC-Laden, mäßige Bremsleistung, adaptives Fahrwerk nicht erhältlich, teuer in der Anschaffung

Nissan Leaf 2026: Daten & Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Nissan Leaf (75 kWh) Evolve (ab 03/26)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

160

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

217

Drehmoment (Systemleistung)

355 Nm

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

7,6 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

624 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Stromverbrauch kombiniert (WLTP)

13,7 kWh/100 km

Batteriekapazität (Netto) in kWh

75,1

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:150,0

Kofferraumvolumen normal

437 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.052 l

Leergewicht (EU)

1.956 kg

Zuladung

444 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

975 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.350 mm x 1.810 mm x 1.550 mm

Grundpreis

48.000 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)Nissan Leaf (75 kWh) Evolve

Überholvorgang 60–100 km/h

3,8 s

Bremsweg aus 100 km/h

38,2 m

Wendekreis

11,4 m

ADAC Testverbrauch

17,6 kWh/100 km

Reichweite

466 km

Innengeräusch bei 130 km/h

66,6 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1914 / 486 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

355 / 775 / 1250 l

Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel

2,11 m

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Nissan Leaf (75 kWh) Evolve (ab 03/26)

Karosserie

2,7

Innenraum

2,3

Komfort

2,5

Antrieb

1,1

Fahreigenschaften

2,6

Sicherheit

2,0

Umwelt

1,9

Gesamtnote

2,2
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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