Mercedes GLC mit EQ-Technologie: Mit 800 Volt zurück auf der Party
Von Andreas Huber
Mit dem vollelektrischen GLC hat Mercedes nun auch sein beliebtes Mittelklasse-SUV unter Strom gesetzt. Das neue Modell setzt auf Technik aus dem neuen CLA und soll dank 800-Volt-Technik extrem schnell laden. Alle Infos, Reichweite, Bilder und der erste Fahreindruck.
Zweites 800-Volt-Modell von Mercedes
Riesiger 39,1-Zoll-Bildschirm optional
Preis ab 71.281 Euro
Jetzt darf auch das neue Mittelkasse-Modell von Mercedes mit auf die Elektro-Party! Nach dem CLA haben die Schwaben mit dem GLC ihr zweites vollelektrisches Modell mit 800-Volt-Technik im Angebot – die Voraussetzung für schnelles Laden. Mit dem elektrischen GLC ist endgültig klar: Elektromodelle mit Stern werden künftig weniger experimentell aussehen und bekommen keinen besonderen Elektro-Look mehr. Das verwundert nicht, lag der Absatz der bisherigen EQ-Modelle doch fernab der Erwartungen.
Die Konkurrenz ist dabei in der letzten Zeit keineswegs weniger geworden. Audi bietet mit seinem Q6 e-tron bereits seit 2025 ein Elektro-SUV mit 800-Volt-Technik an, BMW hat 2025 den iX3 als ersten Vertreter der "Neuen Klasse" vorgestellt, dem nun der neue BMW i3 gefolgt ist. Nun decken die deutschen Premiumhersteller allesamt den Bereich "SUV mit schneller Ladetechnik" ab.
Design: Licht und Chrom beim GLC

Mercedes setzt bei seinem neuesten Elektro-SUV nicht auf Understatement. Optional gibt es eine geschlossene Kühlermaske mit 942 leuchtenden Kacheln. Ansonsten hat auch der elektrische GLC einen beleuchteten Mercedes-Stern als Lichtsignatur in den Scheinwerfern. Je nach Ausstattung fällt die Schürze mehr oder weniger aggressiv aus. In der AMG-Line finden sich auch beim neuen GLC die typischen, in Wagenfarbe lackierten Randelemente wieder.
Im Profil ähnelt der GLC EQ sehr seinem konventionell betriebenen Schwestermodell. Wie der CLA hat aber auch der GLC versenkbare Türgriffe. Am Heck sorgen beleuchtete Sterne in den Rückleuchten für einen Hingucker. Sie werden von einem geschwärzten Paneel getragen, das sich über die gesamte Fahrzeugbreite erstreckt.
Innenraum: Riesiger MBUX-Bildschirm

Mercedes zeigt im Cockpit des elektrischen GLC, was beim Infotainment alles möglich ist. Das SUV trägt optional die größte Ausbaustufe des MBUX-Hyperscreens. Auf fast einem Meter Breite erstreckt sich ein durchgängiges Display über das Armaturenbrett. Keine Spalte, keine Monitore, die bei Lichteinfall durch das Deckglas scheinen, nur ein einzelner riesiger Touchscreen.
Der Bildschirm erinnert stark an das Konzeptfahrzeug EQXX, mit dem Mercedes nicht nur bewiesen hat, wie weit E-Autos wirklich fahren können. Auch seine Bedienoberfläche sollte ein Vorreiter für Serienfahrzeuge sein. Das Basismodell des elektrischen GLC bekommt den MBUX-Superscreen, der aus drei Bildschirmen inklusive Beifahrerdisplay besteht.

Gut: Der GLC hat das mit dem CLA Shooting Brake vorgestellte Multifunktionslenkrad mit "richtigen" Tasten und Bedienwalzen erhalten. Die Schwaben haben sich der Kritik aus Presse und Kundschaft also angenommen und die unpraktischen Touchflächen am Volant wieder ad acta gelegt. Bedienelemente finden sich auch in der Mittelkonsole wieder, wenn auch nur reduziert auf das Wesentliche. Unterhalb der Becherhalter und der induktiven Handyladeschale befindet sich ein Ablagefach, das einiges an Stauraum beherbergen dürfte.
Serienmäßig kommt das SUV mit einem Panoramaglasdach, das sich nicht öffnen lässt. Gegen Aufpreis ist es elektrisch verdunkelbar und an das Ambientelicht gekoppelt. Dann leuchten ja nach gewählter Lichtfarbe die entsprechenden Sterne im Dachhimmel.
Der Innenraumeindruck passt
Dass der GLC eine Klasse höher als der CLA spielt, wird im Innenraum besonders klar. Hier gibt es wieder viele aufgeschäumte Flächen und weniger Hartplastik. Allerdings hört sich die Mittelkonsole beim Klopfen leider etwas hohl an. Besonders stark macht sich das bei GLC-Modellen mit Holzdekor bemerkbar, bei den AMG-Line-Versionen fällt dieser Punkt weniger schwer ins Gewicht. Hier ist der verwendete Kunststoff offenbar dicker und dämpft etwas besser.
Auch beim GLC hört man die Klimaanlage im Armaturenbrett säuseln. Das Problem sei bereits aus dem CLA bekannt und werde bei kommenden Fahrzeugen behoben, sagten der Redaktion unterschiedliche Experten auf der Fahrveranstaltung. Ob es auch eine Lösung für bereits produzierte Fahrzeuge gibt, bleibt abzuwarten.
Intelligente Luftfederung für den GLC

Für Komfort sorgt optional ein Luftfahrwerk, das auch auf Car-to-X Daten zurückgreift. Vorausfahrende Mercedes-Modelle können Straßenunebenheiten wie Bodenschwellen in die markeneigene Cloud hochladen, von wo sie an andere Autos des Konzerns gemeldet werden. Diese stellen ihr Fahrwerk dann schon vor der Unebenheit darauf ein. Als Ergebnis nennt Mercedes ein besonders ruhiges Fahrverhalten.
Serienmäßig wird der neue GLC mit einer Wärmepumpe ausgeliefert, die auf mehrere Quellen zurückgreift: neben der Abwärme des Akkus unter anderem auch auf die Umgebungsluft, was sie besonders effizient machen soll. Optional ist dagegen das neue Digital Light, das auf Mikro-LED-Technik setzt und bis zu 50 Prozent sparsamer sein soll, während das Beleuchtungsfeld deutlich größer wird.
Damit der mit 4,85 Metern Länge nicht gerade kleine GLC auch in der Stadt leicht zu manövrieren ist, bietet Mercedes gegen Aufpreis eine Hinterachslenkung an. Sie schlägt je nach Fahrzustand 4,5 Grad entweder mit oder gegen die Fahrtrichtung ein. Das ermöglicht einen kleineren Wendekreis in der Stadt und mehr Spurstabilität auf der Autobahn.
Akku und Laden: 330 kW Ladeleistung

Dank 800-Volt-Technik ist der GLC bereit für extrem schnelles Laden. Per Gleichstrom lässt sich das SUV an der Schnellladesäule mit bis zu 330 kW aufladen (Top-Modell GLC 400 4Matic), das sind noch mal 10 kW mehr als beim CLA. Unter Idealbedingungen sollen so in 10 Minuten rund 300 Kilometer Reichweite in den 94 kWh großen Akku gepumpt werden können.
Ob der neue GLC EQ auch an älteren 400-Volt-Schnellladesäulen Strom ziehen kann (meist Modelle mit nur 50 kW Ladeleistung), wird man sehen. Mercedes musste beim CLA viel Kritik einstecken, als bekannt wurde, dass nur modernere 800-Volt-Säulen den Ladevorgang ausführen können, und stellt zumindest in Aussicht, dass es hier beim GLC keine Probleme geben soll. Es könne aber je nach Absatzmarkt Unterschiede geben. Wie es mit Deutschland aussieht, wird sich noch zeigen.
An öffentlichen Wechselstrom-Ladesäulen zieht der GLC serienmäßig bis zu 11 kW Strom, optional sind aber auch 22 kW möglich, was vor allem mit Blick auf den großen Akku ein sinnvoller Haken in der Aufpreis-Liste zu sein scheint. Bidirektionales Laden ist vorbereitet und soll mit der passenden Infrastruktur im eigenen Haus möglich sein.
Reichweite: 713 Kilometer im GLC EQ
Das vorläufige Top-Modell GLC 400 4Matic mit EQ Technologie leistet bis zu 360 kW (489 PS). Die Reichweite des Fahrzeugs wird mit bis zu 713 Kilometer nach WLTP angegeben. Auch beim Stromverbrauch will der neue GLC vorne im Wettbewerb mitmischen. Trotz SUV-Aufbau soll der Allradler nur 14,9 kWh auf 100 Kilometer verbrauchen. Ob dieser Wert auch für die Praxis gilt, wird der ADAC Autotest klären.
Testfahrt: Bequemer als ein iX3

Bis der GLC für einen ausführlichen Test zur Verfügung steht, wird es noch etwas dauern. Einen ersten Eindruck konnte der ADAC aber bereits auf einer Testfahrt mit dem SUV gewinnen. Der GLC 400 4Matic ist mit seinen 360 kW Systemleistung mehr als ausreichend motorisiert. Traktionsprobleme sind für den Schwaben ein Fremdwort, selbst in Spitzkehren dreht kein Rad durch. Egal ob aus dem Stand oder beim Zwischenspurt auf der Autobahn, die beiden E-Maschinen befördern die rund 2,5 Tonnen schwere Fuhre immer angemessen und ziemlich schnell auf Tempo.
Das optionale Luftfahrwerk ist komfortabel abgestimmt und wird selbst im Sportmodus nicht zu straff. Ein typischer Mercedes eben, der sich bewusst vom sportlicheren BMW iX3 abgrenzen möchte. Dabei ist die Spreizung zwischen den Fahrmodi erst auf den zweiten Blick erkennbar. Während der GLC im Komfort-Modus bei Bodenwellen leicht nachwippt, wird er im Sport-Modus besser gedämpft und zeigt dadurch weniger Bewegung im Aufbau. Am gediegenen Charakter ändert sich aber nichts.
Lobenswert: Selbst spontane Anregungen wie Querfugen oder Gullydeckel schluckt das Fahrwerk gut weg, was bei Luftfederungen in Kombination mit großen Rädern nicht immer der Fall ist.

Für einen entspannten Mercedes ist das Lenkverhalten angenehm straff. Die Lenkung gibt gutes Feedback und erlaubt es damit, das SUV sicher und souverän zu dirigieren. Bei höherem Tempo fordert der Mercedes mehr Lenkkraft ein, was ihn nochmals verbindlicher werden lässt. Einziger Kritikpunkt ist die leicht verzögerte Weitergabe von Steuerbefehlen bei schnellen Spur- und Lastwechseln.
Das Geräuschniveau ist im GLC angenehm niedrig. E-Auto-typisch hört man den Antrieb fast gar nicht, die Abrollgeräusche halten sich in Grenzen. Über 90 km/h waren beim Testwagen allerdings Windgeräusche im Bereich des Panoramaglasdachs zu hören.
Zweiggang-Getriebe auch im elektrischen GLC

Bei seinen künftigen Elektroautos setzt Mercedes immer auf permanenterregte Synchronmaschinen (PSM). Auf der Hinterachse statten die Stuttgarter diese sogar mit einem Zweigang-Getriebe aus, was die Motoren je nach Anforderung im optimalen Drehzahlbereich halten soll. Das erlaubt eine bessere Beschleunigung beim Losfahren und mehr Effizienz auf der Autobahn.
Die Allrad-Modelle erhalten auf der Vorderachse neben dem Motor auch noch eine Trenneinheit, die diesen von der Vorderachse abkoppeln kann. Damit sollen Schleppverluste vermieden werden, wenn der Motor nicht gebraucht wird.
Preis und Marktstart: Ab rund 71.281 Euro
Der Mercedes GLC EQ ist bereits ab 71.281 Euro bestellbar. Mit Blick auf die gebotene Leistung ist das vergleichsweise günstig, denn blickt man in den Konfigurator des konventionellen GLC, findet man erst im AMG-Regal ähnliche Leistungsklassen.
Zum Vergleich die Verbrenner-Versionen: Der vergleichbare GLC 43 4Matic (310 kW +10 kW Boost) startete, bevor Mercedes ihn aus dem Programm nahm, bei rund 87.000 Euro, der deutlich potentere 63 S liegt bei rund 122.000 Euro (350 kW + 150 kW Boost).
Ein Einstiegsmodell des elektrische GLC EQ soll zudem noch folgen, hier könnte der Preis im Bereich von 60.000 Euro liegen. Mercedes spricht von einer echten Alternative zum Verbrenner, auch preislich.
Technische Daten zum Mercedes GLC EQ
Technische Daten (Herstellerangaben) | Mercedes-Benz GLC 400 EQ Avantgarde 4MATIC (ab 03/26) |
|---|---|
Motorart | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 360 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 489 |
Drehmoment (Systemleistung) | 800 Nm |
Antriebsart | Allrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 4,3 s |
Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 673 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 15,8 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | 94,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:11,0 DC:330,0 |
Leergewicht (EU) | 2.535 kg |
Zuladung | 505 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 2.400 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.845 mm x 1.913 mm x 1.644 mm |
Grundpreis | 71.281 Euro |
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