Testfahrt Leapmotor B05: Der Elektro-Golf aus China

• Lesezeit: 7 Min.

Von Wolfgang Rudschies

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Der neue Leapmotor B05 im Fahrbericht
"Sporty" und "easy to use", sagt Leapmotor über den B05. Ist er das?© Leapmotor

Kompakt, schnell, vollelektrisch, hochwertig: Der Leapmotor B05 beeindruckt mit vielen Talenten. Aber es gibt eklatante Defizite. Der erste Fahrbericht.

  • Konkurrenz für den VW ID.3

  • Akkus mit 56 und 67 kWh

  • Günstiger Preis ab 27.900 Euro

"Sporty" und "easy to use", so lauten die Verkaufsargumente für den neuen Leapmotor B05. Übersetzt: sportlich in den Fahrleistungen sowie einfach in der alltäglichen Nutzung soll er sein. Klingt als Argument durchaus überzeugend. Aber genügt das modern designte Elektrofahrzeug diesem Anspruch auch in der Realität? Die erste Testfahrt liefert Antworten.

Leapmotor B05: Ein Elektro-Golf aus China

Der neue Leapmotor B05 im Fahrbericht
VW Golf in XL-Format: 15 Zentimeter länger und 9 Zentimeter breiter© Leapmotor

Zur Einordnung: Leapmotor ist ein chinesischer Hersteller von Elektrofahrzeugen, der im Jahr 2023 ein Joint Venture mit dem europäischen Stellantis-Konzern eingegangen ist und inzwischen die drei Modelle T03, B10 und C10 über das Stellantis-Händlernetz (Fiat, Citroën, Jeep, Peugeot u.a.) verkauft.

Während der Leapmotor T03 das E-Auto für minimale Ansprüche und minimales Geld ist, genügen die beiden SUVs B10 und C10 sehr erwachsenen Anforderungen an Platz und Fahrkomfort. Der Leapmotor B05 wird dagegen als Kompaktlimousine definiert – das ist die Fahrzeugklasse, in der bei uns der VW Golf (mit Verbrenner) und der VW ID.3 (mit Elektroantrieb) dominieren. Damit zielt der B05 auf den Massenmarkt.

Der Leapmotor B05 hat dementsprechend vier Türen, ein Schrägheck mit Kofferraumklappe und ist 4,43 Meter lang. Eine typische Konstruktion für die Golf-Klasse.

Wie sportlich ist der Leapmotor B05?

Der neue Leapmotor B05 im Fahrbericht
Der Leapmotor B05 bietet einen E-Antrieb mit 160 kW/218 PS Leistung© Leapmotor

Das Besondere ist, dass der B05 mit vollelektrischem Antrieb für einen Einstiegspreis von lediglich 27.900 Euro zu haben ist und dazu auf Sportlichkeit abhebt. Das Auto stellt immerhin eine Leistung von 160 kW/218 PS an der Hinterachse zur Verfügung. Das reicht, um den B05 in nur 6,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Das schafft ein Golf nur, wenn er GTI heißt, und der kostet 46.000 Euro. Der elektrische, 170 kW/231 PS starke und rund 45.000 Euro teure ID.3 Neo benötigt für die 0-auf-100-Disziplin 7,1 Sekunden.

Aufgrund der beeindruckenden Beschleunigung könnte man vermuten, dass sich der Leapmotor B05 wie eine kompromisslose Fahrmaschine für junge Leute anfühlt. Das aber ist mitnichten der Fall, so das Ergebnis der ersten Testfahrt. Sowohl das Fahrwerk als auch die Lenkung und die Bremsen hinterlassen einen durch und durch komfortablen Eindruck. Außerdem ist die Höchstgeschwindigkeit schon bei 170 km/h abgeregelt.

Auch im Innenraum wirkt der Leapmotor B05 weniger aufregend-sportlich als vielmehr edel und wohnlich. Karomuster an den Sitzen oder Kippschalter am Armaturenbrett? Kein Deut von solchen Insignien der Sportlichkeit. Das Cockpit des B05 ist absolut aufgeräumt, optisch einfach gehalten und auch farblich aus einem Guss. Hier fühlt sich wohl, wer Ruhe und Entspanntheit sucht.

Wer sich auf die Rückbank schwingt, genießt Komfort in Form von Kniefreiheit wie sonst nur in höheren Fahrzeugklassen und ist – genau wie auf den Vordersitzen – von Materialien umgeben, die gut ausschauen und sich angenehm anfühlen. Über den Köpfen der Insassen erstreckt sich ein großes Glasdach, das viel Licht in den Innenraum bringt. Der Innenraum ist gut durchdacht und gut gemacht. Wenn sich nun auch noch das Dach öffnen ließe, wäre das nahezu perfekt.

Zwei Akkus zur Wahl: 56 und 67 kWh

Abhängig von der Akku-Größe: Fahrzeiten, Reichweiten und die Anzahl von Ladestopps © ADAC/Wolfgang Rudschies

Bei Antrieb und Leistung hat der Kunde keine Wahl, bei Akku und Reichweite schon. Wer mit den 401 Kilometer WLTP-Reichweite, die der Akku mit 56 kWh Energie zur Verfügung stellt, nicht klarkommt, kann zur Version mit 67 kWh großem Akku und 482 Kilometer Reichweite nach WLTP greifen. Der Verbrauch wird vom Hersteller mit 15,8 bzw. 15,9 kWh angegeben. Das wäre recht sparsam. Und in der Tat erschienen am Ende der Testfahrt bei mehreren Fahrzeugen Verbrauchswerte am Bordcomputer, die noch deutlich unter dem WLTP-Wert lagen.

Für den größeren Akku im gefahrenen Testwagen wird ein Aufpreis von 4000 Euro fällig, mit dem dann allerdings auch eine umfangreichere Ausstattung verbunden ist. Dass es weder für die Life-Basisversion noch für die Design-Topversion irgendwelche Aufpreis-Pakete oder einzelne Extra-Optionen gibt, ist außergewöhnlich.

In der Topversion für 31.900 Euro wird man kaum etwas vermissen. Stets an Bord sind 19-Zoll-Leichmetallräder, LED-Licht mit exklusiver Signatur, Sitze, Lenkrad und Oberflächenbezüge in Kunstleder, das schon erwähnte Panoramaglasdach, Sitzheizung vorn, beheizbare Außenspiegel, Launch-Controlmodus, drei verschiedene Fahrmodi, Wärmepumpe, Vehicle-to-Load-Funktion, Soundsystem mit 12 Lautsprechern, Online-Navigationssystem, schnurloses Apple CarPlay und Android Auto, Klimaautomatik, Rundumsicht-Kamera, Fernlichtautomatik und mehr. An Sicherheitsfeatures sind 7 Airbags und 21 Assistenzsysteme an Bord.

Innenraum, Platz und Kofferraum

Die vorderen Sitze sind bequem, lassen es bei flotter Kurvenfahrt aber ein bisschen an Seitenhalt fehlen. Aufgrund der Breite des lichtdurchfluteten Passagierabteils stellt sich ein großzügiges Raumgefühl ein. Passagiere auf der Rückbank sitzen lediglich etwas tief, sodass die Beine angewinkelt stehen. Aber das trübt den guten Gesamteindruck nicht.

In den Kofferraum passen normal 295 Liter. Das ist im Vergleich mit dem VW ID.3 Neo (395 Liter) etwas dürftig. Den Ladeboden des Kofferraums würde man sich höher verstellbar wünschen, sodass man die Ladekante ausgleichen kann. Ein Frunk unter der Fronthaube, in den man das Ladekabel alternativ auslagern könnte, existiert leider nicht. Mit diesen kleinen Abstrichen sollte man leben können.

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Bedienung mit eklatanten Defiziten

Ganz und gar nicht zum Anspruch des "Easy to use"-Mottos von Leapmotor passen Fahrzeugbedienung und Abstimmung der Assistenzsysteme. Die Menüstruktur der Touchscreenbedienung erschließt sich nicht auf Anhieb. Die vielen Menüpunkte überfordern, teils scheinen sie auch unlogisch sortiert. Es braucht also eine längere Gewöhnungszeit, um sich zurechtzufinden.

Gut, dass die Techniker von Leapmotor drei Fahrerprofile zur Wahl für die Testfahrt angelegt hatten. Mit den Profilen lassen sich diverse Voreinstellungen vornehmen, auch für die Armada von Assistenzsystemen. In einem Fahrprofil sollten der Tempowarner, der Aufmerksamkeitsassistent und das aktive Spurhaltesystem deaktiviert sein. Prima, denn das alles kann den Fahrer oder die Fahrerin ganz schön nerven.

Anfangs der Testrunde stellte sich jedoch heraus, dass man das Fahrprofil erstens nur anwählen kann, wenn das Auto steht und der Gangwahlhebel sich in Position Parken (P) befindet. Das schränkt die Nutzung schon mal massiv ein. Und wenn man den Aufwand der Prozedur getrieben hatte, dauerte es nur kurze Zeit, bis sich die deaktivierten Systeme wieder hinzuschalteten. Das nervtötende Gebimmel und das unnötig rigide Eingreifen des Spurhalters waren flugs wieder da, obwohl zuvor eigentlich abgeschaltet.

Des Rätsels Lösung: Die Rückabwicklung der Fahrprofil-Einstellungen erfolgte aus vermeintlichen Sicherheitsgründen, zum Beispiel wenn eine Fahrbahnmarkierung überfahren wurde oder das Auto auch nur zu nah an einer Begrenzungslinie war. Warum hat man denn zuvor alles abgeschaltet, wenn es nicht wirklich aus ist?

Das Zurücksetzen der Profile lässt sich laut einem Techniker nur verhindern, wenn man am Touchscreen wie gewohnt das Symbol "Fahrzeug" anwählt, das Kapitel "ADAS" öffnet und dann bis ganz nach unten zu einem letzten Menüpunkt "Sonstiges" scrollt. Hier kann man dann ein Häkchen setzen, damit das Zurücksetzen bei einer vermeintlichen Spuruntreue oder dergleichen verhindert wird. Das ist natürlich alles viel zu kompliziert und geradezu absurd zu bedienen.

Immerhin versprechen die Verantwortlichen von Leapmotor, die Bedienprobleme mittels Software-Update alsbald zu beheben.

Fazit: Nicht alles super

Der Leapmotor B05 ist ein weitgehend beeindruckend gut gemachtes Auto mit vollelektrischem Antrieb. Und er kostet angesichts des enormen Ausstattungsumfangs sowie der gebotenen Materialqualität bzw. des Wohlfühlfaktors beim Fahren vergleichsweise wenig Geld. Insofern wäre das Auto eine absolute Empfehlung wert.

Wäre, weil es den Assistenzsystemen – wie bei vielen Autos chinesischer Hersteller – deutlich an Feinabstimmung fehlt. Und weil es hinsichtlich der Bedienstruktur reichlich Anlass für Verbesserungen gibt.

Ob das Auto wirklich gut ist oder doch zu viele Defizite aufweist, muss der noch ausstehende ausführliche ADAC Autotest erweisen. Bis dahin sollten die chinesischen Entwickler auch genug Zeit für Überarbeitungen haben. Schnell sind sie ja, das beweisen sie seit Langem.

Leapmotor B05: Daten & Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Leapmotor B05 BEV Pro Life (ab 05/26)

Leapmotor B05 BEV ProMax Design (ab 05/26)

Motorart

Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

160
160

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

218
218

Drehmoment (Systemleistung)

240 Nm
240 Nm

Antriebsart

Hinterrad
Hinterrad

Beschleunigung 0-100km/h

6,7 s
6,7 s

Höchstgeschwindigkeit

170 km/h
170 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

401 km
482 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

15,8 kWh/100 km
15,9 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

56,2
67,1

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:140,0
AC:11,0 DC:168,0

Kofferraumvolumen normal

295 l
295 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.205 l
1.205 l

Leergewicht (EU)

1.775 kg
1.855 kg

Zuladung

363 kg
370 kg

Garantie (Fahrzeug)

4 Jahre oder 100.000 km
4 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.430 mm x 1.880 mm x 1.520 mm
4.430 mm x 1.880 mm x 1.520 mm

Grundpreis

27.900 Euro
31.900 Euro

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