Mist, Feigling, Opa: Wenn Autonamen zum Flop werden

Eleganter Namensfehlgriff: Aus dem Rolls-Royce Silver Mist wurde später ein Silver Shadow
Eleganter Namensfehlgriff: Aus dem Rolls-Royce Silver Mist wurde später ein Silver Shadow© Shutterstock/acceptphoto

Zahlen, Buchstaben, Namen oder Fantasiebegriffe – Autohersteller lassen sich viel einfallen, um ihre Modelle attraktiv zu machen. Dabei kann eine Menge schiefgehen: peinliche Autonamen aus aller Welt. Plus: Interview mit Autonamen-Erfinder Manfred Gotta.

Typenbezeichnungen für Autos sind weit mehr als nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben oder Zahlen. Die Namen oder Modellziffern müssen einprägsam, emotional oder einmalig sein. Idealerweise gelingt es, dass zum Beispiel jeder bei der Erwähnung eines 320er sofort BMW assoziiert oder bei Zafira an Opel denkt. Wir geben einen Einblick in die Systematiken der Hersteller und nennen die lustigsten Fehlgriffe bei der Fahrzeugtaufe.

Namen, Ziffern, Buchstaben & Kombinationen

Mercedes-Namenslogik: Heißt zwar C200 CDI, hat aber 2,2 Liter Hubraum © Mercedes

Beim Namensdesign kommen überwiegend drei Systeme zum Zug. Erstens: reine Namen wie zum Beispiel bei Toyota, Renault, Ford und Opel. Zweitens: nur Zahlen wie bei Peugeot und BMW (teils mit Zusätzen) und drittens Buchstaben-Zahlen-Kombis, wie sie etwa bei Audi, Citroën, Mazda und Mercedes verwendet werden. Ein Beispiel: Mercedes kombiniert den Baureihen-Namen (A- bis X-Klasse) mit einer dreistelligen Zahl, etwa C200. Früher stand die 200 für einen Motor mit 2-Liter-Hubraum. Heute hat ein Modell mit der höheren Zahl einfach mehr Leistung als eines mit der niedrigeren – und ist meist teurer.

BMW setzt seit 1972 auf Ziffernfolgen, bei der die erste die Baureihe (3er, 4er) angibt. Die beiden folgenden informieren über die Leistung. Zusätzlich machen die Bayern mit einem vorangestellten X, Z, M oder i kenntlich, welcher Gattung das Auto angehört: SUV, Roadster, Tuningmodell oder Elektroauto.

Bei Audi ist das ähnlich, aber mit kryptischen Bezeichnungen am Heck noch ein wenig verwirrender als bei Mercedes. Ein Audi A8 3.0 TDI heißt jetzt A8 50 TDI. Je höher die Zahl hinter dem Modellnamen, desto höher die Leistung. Der A8 50 TDI hat zum Beispiel 286 PS, der A8 55 TFSI kommt auf 340 PS. Klingt logisch, oder?

Beliebt sind bei allen Autobauern Beinamen wie Active Tourer, SW (Station Wagon), Gran Coupé, Grand Sports Tourer oder Sportback. Im Trend: Die Beinamen sollen sich möglichst aktiv und sportlich anhören.

Die Top 15 der peinlichsten Autonamen

Modell-/Markenname

Bedeutung in anderen Ländern

Audi e-tron

Im Französischen heißt "étron" Kothaufen

Audi TT Coupé

Irgendwie ironisch, dass dieser Audi kopflos ("Tête coupé") gesteuert wird

Chevrolet Nova

"No va" heißt auf Spanisch "geht nicht"

Fiat Uno

Dieses Auto ist in Finnland ein Trottel

Ford Kuga

Kuga ist Serbokroatisch für die Pest

Ford Pinto

Nicht geeignet in spanischsprachigen Ländern, meint den Penis bzw. einen Feigling

Ford Probe

Ein Auto, das Probe fährt? Die Deutschen sagten: Nein!

KIA

Steht in den USA für "Killed In Action"

Mercedes Vaneo

So heißt auch ein dreilagiges Klopapier

Mitsubishi iMIEV

Klingt nicht nach feinem Geruch – zumindest bei uns

Mitsubishi Pajero

Pajero heißt auf Spanisch Wichser, daher fährt er in Latinoländern als Montero herum

Nissan Pivo

In Tschechien wäre der Wagen als Bier unterwegs. Prost!

Rolls-Royce Silver Mist

Aus silbernem "Mist" (Nebel) wurde schließlich silberner Schatten (Shadow)

Toyota Opa

Klingt oll, war auch nur in Japan erhältlich. Zielgruppe: junges Publikum

VW Phaeton

Phaeton war der Sohn von Sonnengott Helios und fuhr Vaters Wagen zu Schrott

"E-tron" riecht in Frankreich nicht gut

Audi e-tron: In Frankreich klingt das Modell nach ekliger Hinterlassenschaft © Audi

Generell gilt: Bei Fahrzeugen, die global verkauft werden sollen, kann bei der Namensgebung vieles schiefgehen. Ein Beispiel ist Audis Modellreihe e-tron. Auf Französisch heißt "étron" Kothaufen, das klingt nicht gerade fein. Und auch das Modell Audi TT Coupé bringt unsere Nachbarn zum Glucksen, denn das hört sich ähnlich an wie "tête coupé", also abgetrennter Kopf.

Deutlich abgrenzen können sich Automarken mit Eigen- oder Fantasienamen. VW hat sich lange im Sport (Golf, Polo, Derby), bei Winden (Passat, Scirocco) und in der Mythologie (Phaeton, Eos) bedient. Ob es allerdings klug war, das Wolfsburger Spitzenmodell Phaeton ausgerechnet nach einem Dieb zu taufen? Namensexperte Manfred Gotta (Interview siehe unten) meint nein.

Outlander: Dein Auto ist out!

Ford Kuga: Eine Seuche auf vier Rädern – zumindest auf Serbokroatisch © Ford

Die Reihe an Fehlgriffen bei der Namensgebung ist so lang wie lustig. Rolls-Royce plante in den 60er-Jahren als Nachfolger des Silver Cloud das Modell Silver Mist. Das klang in Deutschland nicht sehr hochwertig. Kurze Zeit später wurde es in Silver Shadow umgetauft.

Beim Mitsubishi Outlander dachten die Designer wohl an einen kernig-robusten Typ, der draußen unterwegs ist. Blöd nur, dass das englische Wort, das jemanden aus dem Nachbardorf bezeichnet, seit Jahrzehnten nicht mehr in Gebrauch ist. Und zweitens: Wer will schon ein Auto fahren, das nach einem Kerl klingt, der out ist?

Ziemlich daneben ist auch der Name des Toyota MR2. Französisch ausgesprochen klingt das nach Scheiße (merde) oder wie Rotzlöffel (merdeux). Toyota löste den Fall pragmatisch: In Frankreich hieß das Auto deshalb nur noch MR.

Nichts ist schlimmer, als ein in einer Sprache anstößig, schräg oder lächerlich klingender Modellname. Am Namen Ford Kuga hält der Hersteller aber schon seit drei Modellgenerationen fest, auch wenn sich der ganze Balkan darüber lustig macht. Denn der Kuga heißt auf Serbokroatisch schlicht: die Pest.

"Ich muss das Auto sehen, spüren, fühlen"

Manfred Gotta erfindet Marken- und Produktnamen © Gotta Brands

Manfred Gotta entwickelt mit seinem Unternehmen Gotta Brands seit 1986 Marken- und Produktnamen, unter anderem für Autohersteller. In den vergangenen Jahren erfand er unter anderem die Namen Actros, Twingo, Smart, Vectra, Calibra, Vel Satis, Avantime, Viano und Panamera. Autor Fabian Hoberg hat mit dem kreativen Kopf gesprochen.

ADAC Redaktion: Was macht einen guten Autonamen aus?
Manfred Gotta: Ein guter Name charakterisiert ein Auto, drückt die Persönlichkeit und das Aussehen des Modells aus. Ein guter Name muss zudem schön klingen und zum Auto passen. Dazu muss er international einheitlich gestaltet sein. Bei Marken mit einem Image-Problem hilft ein Name, das Fahrzeug höherwertig oder anders zu positionieren. Das Modell kann sich damit von der Marke abheben.

Welche Arten von Autobezeichnungen gibt es?
Es gibt vier Arten: Buchstaben, Zahlen, Kombinationen aus beidem und Namen. Die Verwendung hängt von den strategischen Zielen und dem Image des Unternehmens ab. Volumenhersteller nutzen häufig Namen, ausgenommen Peugeot, bei denen die Zahlen eine lange Tradition haben und eine Stilform sind. Hochpreisige Marken wie Audi, BMW, Mercedes oder Porsche setzen meist auf Zahlen oder Zahlen-Buchstaben-Kombinationen.

Welche Bezeichnung ist die beste?
Es kommt auf die Marke, das Modell, das Image und die Botschaft des Modells und der Marke an. Bei hochpreisigen Fahrzeugen reichen Zahlen oder Abkürzungen. Denn kein Kunde sagt, dass er einen 2er fährt, sondern einen BMW. Beim Auto eines Volumenherstellers lässt sich über den Modellnamen das Image des Autos und – bei erfolgreichem Verkauf – auch das des Unternehmens aufwerten.

Gibt es innerhalb einer Marke eine Mischform der Namen-Typen?
Meist entscheidet sich ein Hersteller beim Namen-Typ auf eine Art. Porsche ist ein spezieller Fall. Für die Ikone 911 bleiben die Zahlen wichtig. Bei SUV-Modellen wie Cayenne und Macan hätten Zahlen nicht funktioniert, da es für Porsche völlig neue Konzepte waren. Mit den Namen konnte Porsche die Modelle neu positionieren und gezielt auf die Kunden abstimmen. Sie klingen kraftvoll und nach Abenteuer, das kann eine Zahlenkombination nicht bieten. VW nennt seine Elektroautos anders als die Autos mit Verbrennungsmotor: ID, gefolgt von einer Nummer. Damit versucht VW, seine E-Autos aufzuwerten, will zu einer erschwinglichen Luxusmarke im Segment der Elektroautos werden.

Wie entwickeln Sie Autonamen?
Es hängt viel vom Aussehen des Autos ab. Zuerst muss ich das Modell sehen, spüren, fühlen. Dazu setze ich mich hinein, betrachte es von allen Seiten, lege mich davor. Ich lasse die Ausstrahlung des Autos auf mich wirken, damit ich es verstehe. Es ist wie bei einem Menschen: Der erste Eindruck zählt, dann der Charakter, zu dem der Name passen muss. Zwischen acht und zwölf Wochen dauert die Namensfindung. Viele Namen werden aber auch per Zufall von den Herstellern festgelegt. Techniker lieben Kürzel. So war "Ka" für Fords Kleinwagen anfangs nur eine interne Bezeichnung, irgendwann wurde er offiziell. Auf der Suche nach einem Namen für die Sportlimousine von Porsche stieß ich bei meinen Recherchen auf die Studie Porsche Panamericana von 1989. Da der Name schon vergeben war, überlegte ich mir einen phonetisch vergleichbaren – Panamera.

Wie kommen Sie auf passende Autonamen?
Wir kreieren Kunstnamen, die international einsetzbar sind und überall die gleiche Bedeutung haben sollen. Mit unseren Mitarbeitern überlegen wir uns viele Namen und diskutieren darüber. Auch ein spezielles Computerprogramm hilft uns und erfindet pro Fahrzeug bis zu 100 verschiedene Namen. Bei anschließenden Diskussionen mit dem Team und Teilnehmern einer Marktforschungsuntersuchung priorisieren wir bis zu sechs Möglichkeiten. Wie reagieren die Beteiligten auf die Bezeichnungen? Was lösen sie aus? Stehen ein paar Namen fest, überprüfen wir sie für verschiedene Länder auf Aussprache, Betonung und Bedeutung. Auch die Markenrechte werden für viele Länder geprüft. Anschließend visualisieren wir den Namen auf dem Heck des Autos, damit der Kunde sieht, wie der Name optisch wirkt.

Warum ist das wichtig?
Namensfindung ist eine sehr emotionale Entscheidung. Wir können dem Kunden zwar die Herleitung erklären, aber am Ende muss ihm der Name gefallen – und anschließend dem Käufer des Wagens. Bei dem ersten von mir entwickelten Namen Vectra wollte Opel eine Bezeichnung für ein technisch anspruchsvolles Auto. Vectra klingt für mich technisch, glaubwürdig, modern und angenehm zugleich. Der Name hat mit dem Produkt das Image von Opel verbessert.

Welche Namen funktionieren bei einem Auto nicht?
Bei einem ernsthaften Auto darf der Name nicht komisch klingen und das Produkt nicht persiflieren, sonst fühlen sich Kunden auf den Arm genommen. Karl klingt lustig, passt aber nicht zu einem Auto. Es gibt aber auch Autonamen wie Käfer oder Ente, die von Kunden stammen und nicht vom Hersteller. Hätten die Firmen ihre Autos so genannt, hätten Kunden das wahrscheinlich nicht akzeptiert. Ungewöhnliche Namen können hingegen funktionieren, wie beim Nissan Qashqai. Wahrscheinlich stolpern viele Autofahrer beim ersten Lesen über den Namen, interessieren sich dann aber dafür und akzeptieren ihn schnell. Wir sehen die Namen nie allein, sondern immer mit dem Produkt. Das ist wie beim Menschen. Da denken wir bei einem Namen auch direkt an eine spezielle Person.

Gibt es negative Beispiele?
Mit dem Namen des Oberklasse-Autos Phaeton hat sich VW keinen Gefallen getan. Nicht nur, dass der Phaeton wie ein überdimensionierter Passat aussah. Der Name lehnt sich an dem sterblichen Sohn des Sonnenkönigs Helios in der griechischen Mythologie an. Phaeton durfte für einen Tag den Sonnenwagen steuern, verlor die Gewalt darüber und stürzte damit in die Tiefen des Alls. Tragisch. Auch alle Namen, die etwas Negatives oder Obszönes bedeuten, funktionieren nicht. In den vergangenen Jahren gab es da immer wieder ein paar skurrile Beispiele. (siehe Tabelle oben)

Welche Namen halten Sie für besonders gelungen?
Mir gefällt der Name Cadillac gut, der hochwertig und technisch klingt, leider aber schon für eine Marke verwendet wird. Miata, wie der Mazda MX-5 in manchen Ländern hieß, klingt auch toll und passt zum Auto. Der erste Roadster der Neuzeit hätte ein Deonym werden können, ähnlich wie Tempo, Tesa, Uhu, Pampers oder Fön. Auch französisch klingende Namen gefallen mir. Beim Renault Vel Satis haben wir einen historischen Hintergrund gewählt, eine Ableitung der griechischen Fürstenfamilie Vel Satos. Satos klingt aber mehr nach Lkw, daher das i. Der Name klingt hochwertig und teuer, nach Premium.

Wie heißen die Autos in der Zukunft?
Aufgrund der Vielzahl von Autotypen wird es mehr Namen geben. Zu den Kunstnamen kommen wahrscheinlich auch neue Buchstaben hinzu. Ein durchgestrichenes O könnte für ein Modell aus Schweden stehen. Es wird künftig nicht wichtig sein, ob das Auto von einem Verbrennungsmotor oder eine E-Maschine angetrieben wird. Wir Menschen sind ja in der Lage, ständig weiter zu lernen, auch bei Namen. Daher bieten noch viele Varianten viele Namensmöglichkeiten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Text: ADAC Redaktion; Fabian Hoberg

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